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„Der
Troubadour"
Eine
nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung über die Geschichte der deutschen
Grand-Prix-Beiträge, in Versform gebracht und beim Clubtreffen vorgetragen von
Michael Sonneck)
So,
wie ich tret' heut' vor euch hin,
kann mancher ahnen, wer ich bin.
Ich
werd' der Troubadour genannt,
zieh'
singend durch das ganze Land,
um
zu berichten 'ne Geschicht',
die,
mögt ihr's glauben, oder nicht,
Für viele hier bestimmt das Leben.
Ich
will euch die Erklärung geben:
Von
einer "Sucht" will ich euch singen,
dabei
um viel Verständnis ringen.
Worum
es geht? Ihr ratet's nie!
Ich
mein' ein Ding, genannt Grand Prix!
Oh
ja, wird klar es schnell euch werden,
der
redet jetzt bestimmt von Pferden,
von Reitern, Springern, Wassergräben.
Nein,
tut mir Leid, ihr liegt daneben!
Dann meint er sicher Schumis Rennen,
glaubt
ihr das Thema zu erkennen?
Nürburgring
und heiße Reifen,
meint
ihr langsam zu begreifen?
Doch
auch das ich jetzt verneine:
Autorennen
ich nicht meine!
Was
bleibt zum Schluss? Nun sagt es schon!
Es
ist der GRAND PRIX EUROVISION.
Nun,
da ihr jetzt das Thema kennt,
so sei gewarnt jeder, der rennt
um
diesem Vortrag zu entfliehen,
denn
das würd' nie mehr ihm verziehen!
Ich
will in Strophen, endlos langen,
euch
zu erzählen jetzt anfangen:
So
wie es war in diesem Jahr,
es
schon seit ew'gen Zeiten war:
Auch
Deutschland sucht' ein passend Lied,
das
werden sollt' Europas Hit.
In
meinen Versen ich betrachte,
was
man in all den Jahren machte,
um
Deutschland einen Sieg zu bringen,
nun,
einmal tat es auch gelingen!
Es
hat sich ja, lasst es euch sagen,
beim
Grand Prix sehr viel zugetragen.
Der
Wettbewerb, so alt wie ich,
begann
an sich recht kümmerlich.
Mit
ein paar Liedern, anfangs sieben,
war
"Großer Preis" doch übertrieben.
Die
Siegerin war gleich ganz Platt,
vergaß
zum Schluss den Text doch glatt!
Damals
schon von den Dächern riefen
die
Spatzen: "Deutschland? Ferner liefen..."
Obwohl
als Star beim ersten Mal
der
Freddy Quinn kam in den Saal
und
sang vom Fremdgeh'n uns so weiter,
fand
das die Jury gar nicht heiter.
Das
zweite Lied, vom Wartesaal,
von
vorn bis hinten "Jammertal",
erzeugte
nur 'ne Menge Tränen,
doch
konnt' man's kaum als Sieger wähnen!
Nach
diesen anfänglichen Nieten
besann
man sich auf Requisiten:
Doch
auch mit Telefon in der Hand
die
Hielscher wenig Anklang fand.
Es
hat sie dies nicht abgeschreckt.
Im
nächsten Jahr hat sie entdeckt:
Sie
wollte mal "Miss Juke Box" sein,
darauf
warf sie 2 Groschen ein
und
sang dann auch recht kräftig los,
doch
auch das ging in die Hos'!
Weil
Solosänger es nicht gebracht,
da
hat die ARD gedacht,
wir
probieren einmal dies
und
schicken Ellen und Alice,
auch
Kessler-Zwillinge genannt.
Die
waren außer Rand und Band,
tanzten,
sangen im Duett.
Anzuseh'n
war das ganz nett,
doch
war das Lied kein großer Hit
und
riss auch niemanden recht mit.
In
jener Zeit jedoch der Clou
jetzt
hört mal bitte genau zu,
war
Conny Froboess' lust'ges Lied,
das
sang sofort ein jeder mit.
Sie
sang von Tina und Marina,
so
was war zuvor noch nie da,
und
trällerte sich auf Platz sechs
mit
dem auch euch bekannten Text
Die
nächsten Jahre blieben mies:
Es
suchte nach dem Paradies
ein
Mädchen aus dem Kallmann-Chor,
auch
Rosy-Singers kamen vor.
Ein
Sänger, der Wyn Hoop sich nannte,
den
vor- und nachher kaum wer kannte,
konnt'
jedoch Platz 4 erklettern,
warum?
Er tat französisch schmettern.
Nun,
weil es woll't zum Sieg nie langen,
hat
man's dann ganz schlau angefangen:
Man
dacht', wenn Deuschte es nicht bringen,
dann
lassen wir halt Schweden singen.
In
rosa Hosen kam die Dame,
Siw
Malmkvist war der werte Name,
sang
von 'ner Frau, die ganz allein,
was
sollt' 'ne Porzellanfigur sonst sein?
Die
Schwedin hat nichts ausgerichtet,
da
hat 'ne Dänin man verpflichtet,
den
"Jungen Tag" toll anzupreisen
mit
der Musik von andr'en Weisen
wie
"Hans im Glück kann jeder sein"
und
"Oh, my darling Clementine"
Der
Komponist hat drauf gebaut,
wem
nichts einfällt, ja der klaut.
Von
Gastarbeitern jetzt kuriert,
man
wieder Deutsche ausprobiert.
Man
hatte plötzlich neuen Mut,
die
Lieder waren auch ganz gut:
Mit
Ebstein gab es Wunder wieder,
die
Stimme fuhr uns in die Glieder.
Für
"Nur die Liebe lässt uns leben"
da
hätt' es fast den Sieg gegeben
für
Mary Roos, die tolle Frau,
nur
weiß ich nicht so ganz genau,
ob
der verpatzt wurd' durch die Robe,
doch
ihre Stimme ich sehr lobe.
Ihr
denkt, es konnt' nicht schlimmer kommen?
Modemäßig,
wohlvernommen!
Dann
hört, wie Cindy und Bert, die beiden,
bei
ihrem Lied sich taten kleiden:
Giftgrün
wie Galle, das Complet,
das
tat den Augen richtig weh.
Doch
wenn ich richtig es betrachte,
es
war die Zeit, die Mode machte.
Auch
ABBA kleideten sich bunt,
für
Punktabzug war das kein Grund.
Die
nächste Pleite folgte dieser,
das
Outfit wurde immer mieser.
Das
Kleid der Fleming war zu eng,
man
dachte stets: Gleich macht es PENG!
Ihr
Lied sollt' eine Brücke sein,
doch
bei DEN Pfunden brach DIE ein
Voll
Frust und voller Seelenpein
schob
sie sich dann was Gutes rein,
ließ
am Büffet sich richtig gehen,
ward
beim Grand Prix nie mehr gesehen.
Geheilt
von derlei Schwergewichten
da
sollten's jetzt drei Mädchen richten
mit
Anmut, Grazie und Schwung,
mit
braunem Teint und noch blutjung.
Waren
doch diese drei Damen,
genannt
Silver Convention mit Namen,
schon
in die US-Charts eingestiegen.
Sie
sollten jetzt in London siegen.
Sie
sangen englisch, diese drei,
und
turnten kräftig noch dabei.
Doch
auch Körpereinsatz, nicht zu schwach,
erbrachte
schließlich nur Platz acht.
Da
Englisch nicht so angekommen,
hat
man 'ne Engländerin genommen,
ließ
diese aber Deutsches singen,
das
sollte den Erfolg nun bringen.
Doch
Ireen Sheer ärgerte sich,
denn
die Nation ließ sie im Stich
und
niemand wollte auf sie wetten.
Um
trotzdem den Erfolg zu retten,
dacht'
sie bei sich: Für den Applaus
zieh
ich mich auf der Bühne aus!
Ein
bisschen Feuer, bisschen Sex,
damit
kam sie dann auf Platz sechs.
Dann
trat Herr Siegel auf den Plan!
Von
ihm die Gruppe Dschinghis Khan
durft'
nach Jerusalem hin reisen,
um
dort so richtig anzupreisen
das
Leben des Mongolenfürsten,
den
tat's nach Krieg und Weibern dürsten.
'nen
Radioboykott gab's hier,
in
Israel dafür Platz vier.
Von
dem Erfolg so recht beflügelt,
wurd'
im jahr drauf nochmal ge"siegel"t.
Vom
Lied "Pigalle" inspiriert,
der
Ralph "Theater" hat kreiert.
Von
Katja Ebstein schön gesungen,
da
wär es Deutschland fast gelungen,
den
ersten Sieg davon zu tragen.
Doch
leider, muss ich euch jetzt sagen,
hat
man die Katja nicht gekürt,
obwohl
die Nase operiert!
Zum
Sieger hat in jener Nacht
den
Johnny Logan man gemacht.
Mit
Johnny Blue, dem blinden Mann,
im
Jahr darauf kam Deutschland an.
Zu
Tränen rührt' dies ganz Europa,
und
wieder war dem Sieg man nah!
Da
hat der Siegel sich gedacht,
wenn
man mit Tränen Punkte macht,
dann
setz' ich halt noch einen drauf
und
schick Nicole nach England rauf,
lass
sie von "bisschen Frieden" singen,
das
wird ihr sicher Punkte bringen.
Mit
schwarzem Kleid und weißem Kragen
ließ
er sie zu Europa sagen,
wie
sich ein Kind hat vorgestellt
den
Frieden auf der ganzen Welt.
Da
konnt' keiner mehr an sich halten,
Zurückhaltung
ließ man nicht walten
und
machte uns mit Punkte reich,
alle...
bis auf Österreich!
Nun
hatten wir den "Großen Preis",
doch,
wer sich auskennt, weiß, das heißt
im
nächsten Jahr ihn auszutragen
im
eig'nen Land. Man wollt' es wagen!
Man
suchte und fand dann ganz schnell
zur
Moderation Marlene Charell.
Die
Dame war dazu bereit.
Man
steckt' sie in ein blaues Kleid,
die
blonden Haare hochtoupiert,
hat
man mit Blumen sie drapiert.
So
sagte sie die Texte auf...
Doch
kam sie öfter nicht darauf,
wer
singt, wer die Musik geschrieben,
viele
Namen ein Geheimnis blieben.
Als
Sprachtalent doch angepriesen,
da
allen damals sie bewiesen,
dass
sie nicht englisch,
nicht
französisch konnt'.
Wen
wundert's? Schließlich ist sie blond!
Nachdem
nur Schönheit nicht gereicht,
dacht
man, jetzt ist die Sache leicht,
wir
müssen auf die Stimme bauen,
nach
einem richt'gen Star ausschauen.
Ein
solcher wurde dann gefunden
durch
Vorentscheidungs-Auswahlrunden:
Mary
Roos ging auf die Bühne
zunächst
ganz aufrecht, als die Kühne,
am
Ende, nach der Katstrophe,
verschwand
sie schnurstracks in die Poofe,
zum
Feiern hatte sie keine Lust,
zu
groß war der Verliererfrust.
Zum
Grand Prix geht sie niemals wieder,
doch
singt sie heut' noch ihre Lieder
hier
und da und überall,
auch
schonmal auf 'nem Tuntenball!
Ihr
Motto könnt ihr jetzt versteh'n,
ich
sage euch nur: "Aufrecht geh'n"
Ich
will nun etwas schneller machen.
Zwar
gäb es vieles noch zum Lachen,
sei's
Kinder, die ihr Land vertraten,
es
gab auch weibliche Soldaten,
für
Deutschland blieb man weiter bieder.
Es
glichen sich sehr oft die Lieder.
Über
die Brücke woll't man geh'n,
Mutter
mit Kind am Flügel seh'n,
Bohlens
"Flieger" stürzte ab,
auch
"Atlantis" macht schlapp.
Doch
auch wenn ich euch jetzt hör' stöhnen,
hier
muss ich doch kurz eins erwähnen:
Das
Lied so schlecht nicht wär gewesen,
hätt'
man den Text laut vorgelesen,
beim
Singen konnt' man's kaum versteh'n,
nur
Lippen sich bewegen seh'n.
Drum
merke, gibt es Siegeswille,
dann
reicht nicht bloss 'ne bunte Brille.
Ist
auch das Ende nicht mehr weit,
so
fehlt doch eines noch: "Die Zeit"!
Was
hat Herr Siegel rumgetönt,
als
leichten Sieger sich gewähnt,
es
hätt' in seinem ganzen Leben
kein
bess'res Lied von ihm gegeben!
Nun
gut, das Lied war nciht so mies,
was
daran störte, war nur dies:
Mit
Rüschenbluse, drunter Mieder,
die
Shomburg war doch viel zu Bieder!
In
Bielefeld sang sie im Zelt,
jetzt
ging es in die große Welt,
am
Hals 'ne Uhr, die machte "tick".
Bianca
nun, mit starrem Blick
verzweifelt
fast die Töne presste.
Und
das war wirklich Siegels Beste?
Wenn
man das alles hat geseh'n,
dann
kann man schließlich doch versteh'n,
warum
in Birmingham war vorn
Deutschlands
Liebling Guildo Horn.
Was
der dort auf die Bühne brachte,
der
Saal und ganz Europa lachte!
Der
Körpereinsatz war doch heiß,
dafür
gebührte ihm ein Preis!
Obwohl's
im Lied doch ging ums Lieben,
gab's
leider dafür nur Platz sieben.
Man
hat so vieles ausprobiert,
die
Möglichkeiten austariert,
tat
Skandinavierinnen mieten,
die
waren dann doch alles Nieten,
nahm
Gruppen her aus der Retorte,
ließ
Sänger singen ohne Worte,
und
schließlich dann, habt ihr's vernommen,
ist
man auf Türkisches gekommen.
Doch
dieses Lied war zweite Wahl,
in
Israel durch Glück am Ball.
Es
sollte eigentlich sein dabei
die
blinde Frau, Corinna May.
In
Bremen gewann sie überlegen,
doch
stand sie kurz darauf im Regen:
Ihr
Lied, das war ein alter Hut,
und
auch wenn dieses noch so gut,
die
"hohen Herren" taten richten,
sie
musst' aufs Teilnehmen verzichten.
So
kam Herr Siegel doch zum Zug,
doch
wähnte man auch hier Betrug:
Er
habe bei sich selbst gestohlen,
ein
Lied tat aus dem Keller holen,
die
Töne etwas umgruppiert,
das
Ganze anders arrangiert,
den
Text in Türkisch umgedichtet.
Das
wurde überall berichtet.
Die
EBU in Genf hingegen
gab
zu dem Lied doch ihren Segen:
Es
sei zwar alt, doch teils auch neu,
so
war der Siegel doch dabei.
Und
was war nun in diesem Jahr?
Ihr
wisst ja, es war wirklich wahr,
das
Stefan Raab, der "Bösewicht",
akzeptiert'
die Regel nicht,
die
Liedessprache frei zu wählen.
Darum
beschloss er, uns zu quälen
mit
einem Lied in Hundesprache.
gestattet,
dass ich kräftig lache!
Damit in Stockholm anzutreten,
um
ernsthaft den Grand Prix zu retten,
da
fällt mir wirklich nichts mehr ein,
drum
lass ich jetzt dass Reimen sein.
Trotz
allem, was ihr jetzt gehört,
da
lege ich doch großen Wert
darauf,
euch nochmal klarzumachen:
Trotz
sehr viel Schrott und schlechter Sachen,
der
Grand Prix ist und bleibt mein Leben,
es
könnte doch nichts Schön'res geben!
Drum
will ich nennen allen hier
mein
Motto: "Er gehört zu mir"!
Das
Lied ist heute noch ein Hit,
ich
hoff', ihr singt gleich alle mit!
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