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Die
Verantwortung für die Auswahl des deutschen Beitrags liegt zwar
weiterhin beim NDR, aber das VE-Konzept der letzten 3 Jahre gibt es nicht
mehr. Moderator Thomas Hermanns hatte bekannt gegeben, dass er
für eine Moderation nicht mehr zur Verfügung stehe. Im Gespräch war
zwar u.a. eine evtl. Übernahme des schwedischen MF-Konzeptes,
allerdings
entschied der NDR nun, für Moskau einer internen Auswahl den Vorzug zu
geben und auf eine öffentliche Vorentscheidung zu verzichten.
Aufgefordert
waren professionelle Sänger, Komponisten und Autoren, geeignete
Musiktitel einzureichen. Eine 5-köpfige Jury, deren Zusammensetzung
noch nicht bekannt ist, hat dann entschieden, welcher Act Deutschland beim ESC-Finale in
Moskau vertreten wird. Einsendeschluss war der 22. Januar. Bedingung:
Die Autoren müssen Mitglied der GEMA oder vergleichbarer ausländischer
Organisationen sein und bereits in offiziellen
Musikcharts Erfolge nachweisen können. (Teilnahmebedingungen im
Wortlaut hier)
Dieses
Prozedere soll zunächst nur für 2009 gelten, danach will man ein neues
Konzept überlegen.
Die
interne Wahl fiel auf Alex C. feat. Oscar Loya und den Titel "Miss
Kiss Kiss Bang". Es handelt sich um einen Swing-Titel , der
erstmals bei der ECHO-Verleihung am 21. Februar 2009 vorgestellt wurde.
Der
ARD-Koordinator Unterhaltung, Thomas Schreiber, äußerte sich
folgendermaßen: "Ein
mitreißender und fröhlicher Song, ein international mega-erfolgreicher
Produzent, ein beeindruckender Sänger und Tänzer - wir freuen uns
sehr, dass Alex Christensen und Oscar Loya für Deutschland in Moskau an
den Start gehen werden. Eines
kann ich jetzt schon versprechen: Die Premiere des Liedes beim
"Echo" am 21. Februar im Ersten wird ein optischer
Leckerbissen, eine kleine Show in der Show. Und für Moskau arbeiten wir
an einer Überraschung - damit es wieder heißen kann: Germany 12 points". Am
29.4.09 wurde das Geheimnis um den Auftritt der Miss Kiss Kiss Bang
gelüftet: es ist die US-amerikanische Burlesque-Tänzerin Dita von
Teese, die in einem 40er-Jahre-Outfit Alex und Oscar optisch auf
der Bühne unterstützen soll. Mitglieder
der Jury waren Heinz Canibol, Geschäftsführender Teilhaber des Labels
105music, Guildo Horn, Sylvia Kollek, ehemaliges Jurymitglied bei
"Deutschland sucht den Superstar", Ralf Quibeldey, Leiter der
Redaktion Talk und Unterhaltung beim NDR und Peter Urban. (Näheres
zu den deutschen Vertretern und ein Bericht von der Pressekonferenz s.
unten.) Die
Mitglieder der deutschen Jury, die im Finale zu 50 % zur deutschen
Wertung beiträgt, wurde benannt: Es
sind H. P. Baxxter ("Scooter"), Jeanette Biedermann,
Guildo Horn, Sylvia Kollek und Tobias Künzel ("Die Prinzen").
Den
ARD-Kommentar wird nicht - wie gewohnt - Peter Urban sprechen. Er
fällt aus gesundheitlichen Gründen aus, stattdessen fiel die Wahl auf
den Radio-Moderator von hr3, Tim Frühling.
Am
Montag, dem 9. Februar 2009 hat der NDR den deutschen Vertreter in
einer Pressekonferenz um 15.00 Uhr bekannt gegeben.
Alex
C. (Alex Christensen) ist seit vielen Jahren international erfolgreich.
Er wurde 1991 bekannt mit seiner Technoversion der Filmmelodie "Das
Boot". Damit war er in mehr als 22 Ländern auf Platz eins der
Charts - und es war der erste Technosong, der es auf den ersten Platz in
den Verkaufscharts schaffte. Alex ist DJ, Produzent, Komponist,
Echo-Gewinner und produzierte seit den 90er Jahren bis heute Künstler
wie Right Said Fred, Marky Mark, José Carreras, Paul Anka, Tom Jones,
Michael Bolton, N' Sync, U96, ATC, Sarah Brightman, Natasha Thomas,
Rollergirl, Yvonne Catterfeld, Fady Maalouf, Udo Lindenberg und viele
weitere. Seit 2002 tritt er unter dem Namen Alex C. auf. Zu deutschen
Texten spielt er Eurodance-Musik, u.a. mit Partysongs wie "Du hast
den schönsten Arsch der Welt".
Der Musical-Sänger
Oscar Loya stammt aus Kalifornien und lebt seit 3 Jahren in
Deutschland. Nach
ersten Versuchen im Modedesign und als Stylist folgte er dem Rat seiner
Freunde und betrat erstmals eine Bühne. Mit 24 ging er nach New York
und versuchte dort sein Glück in der Musikszene. An der Seite von
bekannten Broadway-Schauspielern stand er nicht nur in New York auf der
Bühne, auch in Hongkong, Taiwan, Peking, Wien und München. An
der Performance wird noch gearbeitet, eine "Miss Kiss" soll in
Moskau mit auf die Bühne kommen, es soll eine "internationale
bekannte Frau" sein. Das Video wird im März auf Kuba gedreht.
Die
ARD strahlt das 1. Semifinale am 12.5. live ab 21.00 Uhr auf PHOENIX
aus, außerdem gibt es einen Live-Stream auf www.eurovision.de Das
2. Semifinale wird am 14.5. ab 23.00 Uhr zeitversetzt im NDR-Fernsehen
übertragen.
Peter
Rensmann hat die Pressekonferenz live miterlebt, hier sein Bericht: http://blog.prinz.de/grand-prix/ Die
“Alex Swings Oscar Sings” Info gab’s dann doch eine gute Stunde
von der Mega-Geheim-PK bei BILD.de nachzulesen - entsprechend genervt
waren die NDR-Verantwortlichen in Hamburg Lokstedt bei der offiziellen
Pressekonferenz heute um 15:00 Uhr, wo der deutsche Beitrag
bekanntgegeben wurde und “Alex Swings Oscar Sings” erstmals an die
Öffentlichkeit trat. Das
nächste Mal wird das dann beider Echo-Verleihung am 21. Februar sein,
wo Alex “am Klavier” sitzt und Oscar dazu “singt und tanzt”. Der
Song “Miss Kiss Kiss Bang” klingt stark wie “Mambo No. 5 reloaded”.
Das traute sich keiner zu sagen, bis der ARD-Unterhaltungschef Thomas
Schreiber selbst den Erfolg des Lou Bega-Klassikers als Beleg für die
internationale Qualität von “Miss Kiss Kiss Bang” ins Gespräch
brachte.
Sowohl
Alex als auch Oscar präsentierten sich sehr sehr sympathisch als die
deutschen Hoffnungsträger für Moskau. Alex hat sich wohl in 2008 sehr
kritisch zum deutschen Beitrag geäußert (via BILD), daraufhin hat
Thomas Schreiber ihn angerufen und aufgefordert, doch selbst beim NDR
einen Song einzureichen, der bei dem Berliner Independent Label 313 von
Volker Neumüller verlegt wird - das ist der Jury-Ersatzmann für Max
“Eye Candy” von Thum in der laufenden DSDS-Staffel.
Es
gab insgesamt 100 Song-Einreichungen (darunter 3x Siegel), über “ein
knappes Dutzend” hatte dann die fünfköpfige Jury zu befinden,
bestehend aus Guildo Horn (singt bei der Reeperbahn-Pre-Final-Show eine
Coverversion von “Moskau”), Heinz Canibol (ein Elder Statesman der
Musikindustrie mit Stationen bei gefühlten 1.000 Labels), Sylvia Kollek
(ebenfalls aus der Musikbranche, bekanntgeworden als Bohlen-Sidekick in
der 2005er DSDS Staffel), Ralf Quibeldey (NDR Kunsthistoriker) und Peter
Urban (moderiert den ESC seit 1997 in der Nachfolge des einmaligen 96er
Ulf Ansorge Kult-Gigs).
Seit
der PK habe ich (das dort zitierte) “Around The World” als Ohrwurm
im Kopf. Christensen will es wissen, er klingt sehr hungrig und setzt
auf die internationale Karte und sieht sein jüngstes Baby weit vorne.
Geheimnisvoll wird neben dem swingenden und tanzenden Latin Lover Oscar
“Miss Kiss Kiss” als Highlight der Bühnenshow angekündigt,
Auswahlkriterien sind “international bekannt” und “hübsch”. Na
dann.
Die
Single erscheint am 17.04., nächste Woche geht’s zum Videodreh nach
Kuba. Der NDR legt Wert auf die Feststellung, dass das Herr Neumüller
bezahlt.
Was
woanders wahrscheinlich nicht zu lesen ist: Die liebsten ESC Songs aller
Zeiten von Alex sind “Theater” und (Überraschung) “Waterloo”
und die erste Europa-Erfahrung von Oscar war der Jakobsweg! Zuvor hat er
vier Jahre in New York in der West Side Story mitgemacht, jetzt lebt er
in München, wo er fleißig im Fitnessstudio trainiert. Die
eindrucksvollen Ergebnisse waren bis 14:30 Uhr auf der Gallery von
www.oscarloya.com zu bewundern, aber die Seite ist vom Netz genommen
worden, nachdem BILD entdeckt hat, dass es dort zwar viel zu sehen, aber
nichts zu hören gab, denn wenn man die Kapitel “Songs” oder
“Videos” anklickte, erschien ein schnödes “coming soon”.
Was
gab es noch?
Der
Verzicht auf den VE ist laut Herrn Schreiber “einmalig” (irgendwie
wirkten die alle so ein wenig, als hätten sie ein schlechtes Gewissen),
nächstes Jahr soll es wieder ein TV-VE-Event geben, wahrscheinlich
“mehr als eins” aber “keine Castingshow”. Auf die Frage, ob der
NDR das Melodifestivalen kopieren wird, reagierte er abwägend, dass der
NDR das Konzept unmittelbar nach Moskau bekanntgeben wolle.
Die
Besetzung der Finaljury steht noch nicht fest, es ist aber davon
auszugehen, einige der Jury-Mitglieder für den deutschen Beitrag werden
wohl wieder dabeisein. Wieder will der NDR das nur ein Halbfinale live
ausstrahlen, Manfred Witt wurde richtig wütend als ich sagte, dass der
Contest damit verstümmelt wird. Dazu in den nächsten Tagen mehr.
Die
Abschlußfrage der PK an Oscar war: “Welche Platzierung wollen Sie
erreichen?” Antwort: “Die Eins”. Es waren nicht so viele Leute da
wie im letzten oder vorletzten Jahr, aber eine Reihe davon haben
applaudiert.

Fotos: Peter Rensmann
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