
Nach einer aufregenden Nacht lacht heute wieder die Sonne über dem wunderschönen Wien. Obwohl diesmal keine großflächige Beflaggung mit dem ESC-Logo in der Stadt zu sehen ist, beteiligen sich viele Kaffeehäuser und Einzelhändler mit teils ausgesprochen liebevoll gestalteten Schaufensterdekorationen. Medial ist es kaum zu fassen, wie viel der ORF in Sendungen rund um den Contest investiert hat. Selbst in den Wiener U-Bahnen laufen zahlreiche Filmchen mit ESC-Bezug; unter anderem werden dort sogar die einzelnen Beiträge vorgestellt.
Deko in einem der Fancafés © Stephan Mehner ECG e.V
Fantisch in der Buchhandlung Morawa © Stephan Mehner ECG e.V
U Bahn in Wien © Stephan Mehner ECG e.V
Etwas enttäuschend: Das Angebot an Merchendisestand © Stephan Mehner ECG e.V
Akylas Fans in der Wiener Stadthalle © Stephan Mehner ECG e.V
Strengerer Flaggenregeln = weniger Flaggen © Stephan Mehner ECG e.V
Was bleibt nun vom gestrigen Abend? Zum einen eine sehr gut organisierte Show, die allerdings aufgrund zahlreicher Einspieler einige Längen hatte. Verantwortlich dafür dürften vor allem die Sender sein, die Werbepausen benötigen. Auch die Moderation fällt im Vergleich zu den vergangenen Jahrgängen deutlich ab: Die Gags wirkten zu bemüht und wollten nur selten wirklich zünden. Ansonsten gab es bei den Qualifikanten kaum Überraschungen. Neun Beiträge hatte ich richtig getippt, einzig Litauen hatte ich nicht auf dem Zettel.
Wenn man sich heute die mediale Nachberichterstattung ansieht, fällt auf, dass sich viele Berichte auf die wenigen Störer während der israelischen Darbietung fokussieren. Die Frankfurter Rundschau ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen, es sei zu einem Eklat gekommen. In der Halle selbst war davon allerdings kaum etwas zu spüren; gerade einmal vier Störenfriede wurden aus der Halle verwiesen. Das ist überhaupt kein Vergleich zu den Ausgaben in Malmö und Basel, wo bereits bei den Generalproben deutliche Buhrufe zu hören waren.
Presseschau © Stephan Mehner ECG e.V
Für Freitag und Samstag sind in Wien Demonstrationen angekündigt, wobei diese wohl kaum bis direkt an die Halle gelangen dürften. Bislang verläuft jedoch alles wesentlich entspannter, als es viele Medien im Vorfeld prognostiziert hatten. Umso mehr stellt sich die Frage, worüber nun berichtet werden soll. Zweifelhaft erscheint mir allerdings, dass laut Informationen des Berliner Tagesspiegels der deutsche Kulturstaatsminister Weimar eine Reise zum ESC nach Wien plant, um Israel zu unterstützen. Das ist, gelinde gesagt, nur schwer nachvollziehbar – zumal gerade in Deutschland immer wieder betont wird, dass es sich beim ESC um einen Wettbewerb der Rundfunkanstalten handelt und Regierungen sich davon eigentlich fernhalten sollten.
Soeben fand eine kleine Pressekonferenz mit den beiden Moderatoren Victoria Swarovski und Michael Ostrowski statt. Sie versprachen noch einige Höhepunkte für das zweite Semifinale und das Finale – außerdem werden beide auch wieder singen. Keine Minute hätten sie gezögert, als die Anfrage des ORF kam, ob sie den ESC moderieren würden. Als ihre Vorbilder als ESC-Hosts nannten sie Anke Engelke und Hazel Brugger.
Presskonferenz der Moderatoren © Stephan Mehner ECG e.V
Victoria und Michael mit Auri © Stephan Mehner ECG e.V
Cosmó im Mediacenter © Stephan Mehner ECG e.V
Einige Fragen bezogen sich jedoch darauf, warum der ORF mögliche akustische Störungen nicht ausblendet. Daraufhin erklärte die ORF-Programmdirektorin, man habe sich bewusst dafür entschieden, da man die Realität nicht ausblenden wolle. Außerdem habe es gestern große Unterstützung des Publikums für Israel gegeben. Letztlich seien das aber eher Fragen an die EBU.
Gleich beginnt die erste Durchlaufprobe für das zweite Semifinale.



