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Freitag, 15 Mai 2026 23:30

Die Prognose nach der Juryprobe


 

Die Juryprobe ist gelaufen – und damit isStephan_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy_copy.pngt bereits die Hälfte aller Würfel gefallen. Hier meine Eindrücke, bewertet auf einer sehr persönlichen Geschmacksskala von 1 bis 10 Punkten.

 

 

 

15_17.jpg© Stephan Mehner ECG e.V

 

Dänemark

Schade für Søren, dass er den Abend eröffnen muss – das dürfte ihn am Ende einige Plätze kosten. Dennoch liefert er mit der ihm eigenen Professionalität und Energie einen Auftritt ab, der ihn eigentlich zum Favoriten machen müsste. Die Choreografie wirkt durchgehend rund und stimmig und entwickelt gegen Ende beinahe etwas Hypnotisches.
10 von 10

 

Deutschland
Vor allem eines fällt bei Sarah auf: unglaublich viel Wumms. Fast möchte man weinen, dass diese talentierte Frau ausgerechnet diesen doch recht generischen Song singen muss. Mit stärkerem Material wären hier echte Chancen möglich gewesen. Auf der Bühne strahlte sie allerdings wie ein Brillant – vielleicht wird genau das von den Juroren honoriert.
5 von 10

 

Israel
Noam aus Israel kann sich voll und ganz auf sein stärkstes Werkzeug verlassen: seine Stimme. Aus einem eigentlich „nur“ guten Song macht er etwas Besonderes. Man kann fast davon ausgehen, dass er im Televoting nicht schlechter als unter den Top 3 landen wird. Die Jurys könnten ihn etwas zurückhaltender bewerten, doch selbst dann dürfte es locker für die Top 5 reichen.
8 von 10

 

Belgien
Belgiens Elyssa blickt wieder gewohnt streng und leicht wütend in die Kamera, liefert stimmlich aber auch heute souverän ab und verleiht diesem modernen Stück eine gewisse Magie. Ich fürchte dennoch, dass es am Ende eher für die hinteren Plätze reichen könnte. Sehr amüsant war bei den Proben übrigens zu beobachten, wie der Kunstschnee am Ende mit einem Laubbläser in die Gesichter der Interpreten gepustet wird.
7 von 10

 

Albanien
Beim Intro Albaniens würden die „Gregorians“ vor Neid erblassen. Trotz der sehr düsteren Inszenierung schaffen es die Albaner, ihrer Performance eine starke emotionale Note zu verleihen – die natürlich maximal ausgespielt wird, wenn die Mutter dem Jungen die Sonnenbrille abnimmt. Ob man die englischen Untertitel wirklich braucht, sei dahingestellt; mich lenken sie eher ab.
10 von 10

 

Griechenland
Wer mit diesem Act ohnehin schon etwas anfangen konnte, wird hier komplett abgeholt. Leider gehöre ich persönlich nicht dazu, kann aber durchaus anerkennen, dass die Show spektakulär und handwerklich stark umgesetzt ist. „Ferto Ferto“ kann einem allerdings durchaus an den Nerven sägen. Dennoch stehen die Griechen nicht ohne Grund auf Platz drei der Wettquoten. Bei der TikTok-Generation – in Form lettischer Journalistinnen neben mir im Mediacenter – zündet der Beitrag zu hundert Prozent.
5 von 10

 

Ukraine
Auch in diesem Jahr verteidigt die Ukraine ihre makellose Bilanz bei den Finalqualifikationen. Ohne den weiterhin präsenten Krieg im Land hätte es diesmal allerdings womöglich knapp werden können. Leléka, die inzwischen in Berlin lebt, zaubert eine wunderschöne Atmosphäre auf die Bühne. Ihr anspruchsvoller Song bleibt jedoch recht sperrig, was ihn für mich gerade spannend macht, das breite Publikum aber vielleicht überfordern könnte. Möglicherweise tragen die Jurys den Beitrag weit nach vorne, während das Publikum ihn knapp in die Top 10 hievt.
7 von 10

 

Australien
Delta spielt in einer eigenen Liga. Die jahrelange Erfahrung spürt man in jeder Sekunde ihres Auftritts. Aus einem eigentlich eher klassischen Popsong schleift sie einen echten Brillanten. Nach ihrem phänomenalen Semifinalauftritt ist sie inzwischen auf Platz zwei der Wettquoten geklettert und könnte tatsächlich ein ernstes Wort um den Sieg mitreden. Der Auftritt vor den Juroren war – wenig überraschend – nahezu perfekt.
10 von 10

 

Serbien
Direkt nach Australien folgt Serbien – ein bisschen wie „Die Schöne und das Biest“. In ihrem Rockgenre mögen sie brillieren, mich persönlich verstört diese Art von Musik eher. Das liegt sicherlich auch an meinem Geschmack. Durch meine subjektive Brille betrachtet bleibt am Ende allerdings vor allem eines hängen: Sie schreien.
2 von 10

 

Malta
Der Song beginnt fast wie die Titelmelodie einer Telenovela – und irgendwie hat das durchaus Charme. Wäre da nicht dieser etwas nervige Mittelteil, in dem Aidan gefühlt tausendmal „Bella Bella Bella“ singt, als seien den Autoren plötzlich die Ideen ausgegangen. Auch die sehr dunkle Inszenierung wirkt seltsam, gerade bei einem Titel, der eigentlich nach Farbe schreit. Trotzdem will ich nicht zu mäkelig sein, denn insgesamt mag ich den Beitrag sehr, und Aidan ist ohne Zweifel ein hervorragender Sänger. Besonders schön: Endlich hören wir auch einige Zeilen auf Maltesisch – und genau das ist der stärkste Teil des Songs.
8 von 10

 

Tschechien
„Sperrig“ ist bei diesem Lied unserer südlichen Nachbarn eigentlich noch untertrieben. Der gesamte Auftritt setzt zu hundert Prozent auf die Stimmakrobatik des Sängers. Eine klassische Hallenshow findet quasi gar nicht statt, denn die Spiegel um Sänger Daniel bleiben meist geschlossen und bilden eine Art Kokon, in dem er fast ausschließlich mit dem Kameramann interagiert. Dadurch entsteht gleichzeitig eine enorme Intimität und eine überraschende Wucht – genau das hat Tschechien endlich wieder ins Finale katapultiert. Die Jurys könnten diesen Beitrag lieben.
7 von 10

 

Bulgarien
Schön, dass Rückkehrer Bulgarien direkt wieder das Finale erreicht hat. Und Bangaranga wirkt wie ein Naturereignis – je nach Stimmungslage entweder wie ein Vulkanausbruch oder ein schweres Unwetter. Eines kann man den Bulgaren jedenfalls nicht vorwerfen: mangelndes Konzept. Die Performance strahlt eine unglaubliche Energie aus, die viele begeistern, andere aber vermutlich auch verschrecken wird. Wieder ein typischer TikTok-Generation-Beitrag – und genau solche Songs tun dem Contest aktuell gut.
8 von 10

 

Kroatien
Traditionell bin ich sehr leicht mit diesen Balkan-Chorklängen zu begeistern, und so verfehlt auch dieser Act von Lelek seine Wirkung bei mir nicht. Die Gruppe singt bemerkenswert sauber und kraftvoll zusammen. Früher hätte man das wohl „hysterischen Harmoniegesang“ genannt. Darf man das heute noch sagen? Egal. Für mich klar ein Kandidat für die Top 10 – wenn dort überhaupt noch Platz ist.
10 von 10

 

Vereinigtes Königreich
Der arme Sam hat sich vor einigen Tagen offenbar eine heftige Lebensmittelvergiftung durch schlechten Fisch eingefangen – und man sah ihm die Strapazen noch deutlich an. Zwar etwas angeschlagen, dafür aber umso wilder grölt er sich durch diesen herrlich skurrilen Act namens „Eins Zwei Drei“. Offenbar gelangweilt vom Büroalltag, entschied er sich irgendwann für Elektromusik, begleitet von Tänzern mit Flokati-PCs auf dem Kopf. Klingt verrückt? Ist es auch. Heißer Kandidat für die Bottom 3.
5 von 10

 

Frankreich
Bis vor wenigen Tagen dachte ich noch, Monroe würde den Contest gewinnen. Doch die Reaktionen hier vor Ort fallen überraschend verhalten aus, was ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht ist nach zwei Jahren voller Opern-Elemente bei den Siegerbeiträgen tatsächlich eine gewisse Sättigung eingetreten. Natürlich ist der Song sehr offensichtlich auf ESC-Erfolg geschrieben – aber warum eigentlich nicht? Monroe wirkt manchmal fast ein wenig übermotiviert, doch das ist mir deutlich lieber als gelangweilte Routine. Im Mediacenter gab es eben den bislang größten Applaus des Abends. Und auch ich bin begeistert.
10 von 10

 

Moldau
In der Halle gehört Moldau definitiv zu den Beiträgen, die am meisten Spaß machen. Satoshis Frontmann strahlt aus jeder Pore und genießt diese ESC-Reise sichtbar. Mit voller Energie schleudert er sein „Welcome to Moldova“ dem verblüfften Rest Europas entgegen. Ein Land, das zwischen Russland und Europa zerrieben zu werden droht, setzt bewusst auf einen Act, der sich klar europäisch positioniert. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein reiner Partybanger – tatsächlich steckt aber deutlich mehr dahinter. Einzig die extrem wackelige Kameraführung könnte problematisch werden, weil sie den ohnehin schon wilden Song stellenweise fast anstrengend wirken lässt. Großartig auch Alyona Moon, die bereits 2013 in einem turmhohen Kleid für Moldau antrat und ihren damaligen Auftritt hier charmant zitiert. Und immerhin nutzt Moldau diesmal auch konsequent die Errungenschaften des Farbfernsehens.
10 von 10

 

Finnland
Und es geht spektakulär weiter mit den Topfavoriten aus dem hohen Norden. Was soll man lange drum herumreden: Finnland wird den Pott holen. Punkt. Dass Linda die Geige nun live spielen darf, ist ein netter zusätzlicher Effekt, der Aufmerksamkeit erzeugt, letztlich aber kaum entscheidend ist. Vollkommen egal, dass man die Nummer mit dem Beichtstuhl nicht wirklich versteht, dass sie auf Finnisch singen oder stellenweise wie „Rondò Veneziano Reloaded“ klingen. Das Ding marschiert Richtung Sieg. Tschakka – auf nach Tampere.
10 von 10

 

Polen
Alicija lebt diesen schwierigen Song auf der Bühne komplett aus und macht ihn dadurch zu einem kleinen Kunstwerk. Als reine Studiofassung halte ich keine 30 Sekunden durch, aber live funktioniert das erstaunlich gut. Echtes Juryfutter – wobei sie sich die Punkte möglicherweise mit Tschechien gegenseitig wegnehmen könnte. Vielleicht erleben wir hier aber auch eine echte Überraschung. Das Potenzial dafür hat sie jedenfalls. Ich sage nur: Schweiz 2025.
6 von 10

 

Litauen
Tja, der Mann mit der silbernen Farbe im Gesicht, den ich ganz sicher nicht im Finale gesehen hatte. Wieder eine sehr düstere Inszenierung, die mich stellenweise an Fritz Langs „Metropolis“ erinnert und dabei durchaus etwas Hypnotisches entwickelt. Stimmlich klingt das heute deutlich kraftvoller als noch im Semifinale, dennoch wird ihn das vermutlich nicht auf die linke Tabellenhälfte bringen.
5 von 10

 

Schweden
Das erfolgsverwöhnte Schweden könnte in diesem Jahr – Achtung Wortspiel – tatsächlich sein Waterloo erleben. Ja, der Witz war flach, aber der Song ist es eben auch. In der Halle funktioniert so ein Partykracher natürlich hervorragend, beim ESC insgesamt allerdings eher selten. Hinzu kommt, dass Felicia in der Probe teilweise ziemlich schräg klang. Mit einer Platzierung in den Top 10 dürfte es daher schwierig werden, zumal sich die skandinavischen Punkte diesmal wohl eher auf die Nachbarn mit deutlich stärkeren Beiträgen verteilen werden.
7 von 10

 

Zypern
Was hätte das für ein wunderbarer Sommerhit werden können, hätte man sich für eine Sängerin mit etwas stärkerer Stimme entschieden. Eigentlich wäre das sogar der bessere Song für Sarah Engels gewesen. Antigoni macht durch ihre Ausstrahlung zwar vieles wett, doch die erhoffte Spitzenplatzierung schien lange in weiter Ferne. Es reicht eben nicht allein, wie Shakira auszusehen. Allerdings hat sie gerade in der Probe überraschend stark abgeliefert. Vielleicht funktioniert sie tatsächlich nur dann richtig, wenn es ernst wird. Hier im Mediacenter sind jedenfalls alle etwas verblüfft, wie gut das plötzlich klingt. Vielleicht habe ich den Stab über ihr doch zu früh gebrochen. Mein Trashherz vergibt jedenfalls freudig:
8 von 10

 

Italien
„Nostalgisch“ ist wohl die freundlichere Umschreibung für diesen Beitrag, „rückwärtsgewandt“ die bösere. In Italien tobt schon länger ein kultureller Richtungsstreit, den die Traditionalisten beim Sanremo-Festival offenbar gewonnen haben, wodurch „Per Sempre Sí“ überhaupt erst zum Hit wurde. Auf der Bühne erleben wir eine kleine Hochzeit, die durchaus stimmungsvoll inszeniert ist. Der Auftritt trieft allerdings nur so vor Kitsch – spätestens dann, wenn auch noch die italienische Fahne eingeblendet wird. Italien ist für mich in diesem Jahr extrem schwer einzuschätzen. Vor Ort hat der Beitrag sehr viele Fans, mich persönlich erreicht er dagegen nur bedingt.
6 von 10

 

Norwegen
Eine der schwächsten Vorentscheidungen des Jahres hatte definitiv Norwegen. Selbst Herr Rybak schaffte es damals noch, das Niveau zu unterbieten. Herrn Lovv habe ich mir inzwischen zwar schöngehört, ohne dass mir der Song wirklich wichtig geworden wäre. Vergleiche mit Måneskin, den Siegern von 2021, verbieten sich eigentlich – wäre da nicht diese seltsame Latzhose des Sängers. „YaYaYa“ ist letztlich ein sehr schlichtes Stück Musik, das aber immerhin stimmig, sauber und souverän umgesetzt wurde.
5 von 10

 

Rumänien
Ich gebe offen zu: Bei Alexandra und ihrem Würgesong bin ich offenbar der Geisterfahrer. Die meisten hier gehen völlig steil auf diesen Act und sehen teilweise sogar schon einen möglichen Sieg. Bitte was? Ja, für dieses Genre ist das alles sehr gut umgesetzt, und sogar eine Portion Operngeschrei ist mit dabei. Aber Siegerin? Wirklich? Zugegeben: Ihre Blicke in die Kamera sitzen perfekt. Und wenn ich den Ton abstelle, finde ich den Auftritt sogar ziemlich großartig.
3 von 10

 

Österreich
Ach, wie sehr würde ich dem guten Cosmó den Erfolg gönnen. Der Act ist originell, witzig und eingängig. Allein: Europa wird sich vermutlich kaum erschließen, warum man einen Tanzschein braucht und was der Sänger dem Publikum eigentlich genau sagen möchte. Natürlich erinnert das Ganze stark an die Neue Deutsche Welle der 1980er Jahre, die allerdings auch fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum funktionierte. Ich hoffe zumindest, dass aus Deutschland ein paar Punkte herüberspringen – denn vom Rest Europas dürfte eher Schweigen kommen.
8 von 10

 

Prognose:

  1. Finnland
  2. Australien
  3. Israel
  4. Rumänien
  5. Frankreich
  6. Dänemark
  7. Griechenland
  8. Bulgarien
  9. Moldau
  10. Kroatien
  11. Ukraine
  12. Schweden
  13. Albanien
  14. Italien
  15. Polen
  16. Malta
  17. Tschechien
  18. Zypern
  19. Serbien
  20. Litauen
  21. Belgien
  22. Norwegen
  23. Deutschland
  24. Österreich
  25. Vereinigtes Königreich

   

 

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