Allgemeine Informationen


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60. Eurovision Song Contest - 23. Mai 2015
Wien

Halle Stadthalle
Motto Building Bridges
Moderation Arabella Kiesbauer, Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun & Conchita Wurst
Pausen-Act Martin Grubinger & The Percussive Planet Ensemble
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 40 Länder

 

Siegerland: Schweden


norway

Interpret:

Måns Zelmerlöw

Titel:

"Heroes"

Musik & Text: Linnea Deb, Joy Deb,
Anton Hård af Segerstad


 Zelmerlöw© www.eurovision.tv

 


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Nach dem Sieg von Conchita Wurst in Kopenhagen richtete der österreichische TV-Sender ORF die 60. Ausgabe des ESC aus. Das Finale fand am Samstag, dem 23. Mai 2015 statt, die beiden Semifinale am 19. und 21. Mai.

Neben dem naheliegenden Austragungsort Wien kamen zwar aus allen Teilen Österreichs Vorschläge (z.B. Linz oder Wels unter Einbindung des Linzer Musiktheaters), Chancen hatten allerdings nur noch Wien, Innsbruck und Graz. Aus Salzburg kam übrigens relativ früh eine deutliche Absage, da "diese Veranstaltung“ nicht in das Kulturprofil des Landes passe! Der ORF hatte ein Anforderungsprofil für die Austragungsstätte des ESC veröffentlicht.

 

WienerStadthalle© Stadt Wien

In Wien kam die Stadthalle (16.000 Plätze) infrage bzw. mehrere temporäre Event-Locations. In Graz wäre die Stadthalle geeignet gewesen, und Innsbruck bewarb sich mit der Olympiaworld. Mit diesen 3 Bewerbern verhandelte  der ORF, am 6.August 2014 wurde die Entscheidung verkündet: Der 60. ESC findet in der österreichischen Hauptstadt Wien statt!

 

 

 

 

 

Das Orga-Team des ESC 2015 Edgar Böhm, Conchita Wurst, Dr. Alexander Wrabetz (v.l) © ORFDas Kern-Organisations-Team des ORF wurde bereits am 27. Mai 2014 bekannt gegeben: u.a. Edgar Böhm, der Unterhaltungschef des ORF, als Executive Producer, Stefan Zechner als Produzent der Shows, Claudio Bortoli - wie schon bei der Olympiade in Peking 2008 - als technischer Leiter und Roman Horacek als Head Of Press. 

Dazu meinte der Generaldirektor des ORF, Dr. Alexander Wrabetz: "Wir sind in der glücklichen Lage, eine große Zahl an Mitarbeitern zu haben, die sehr viel Erfahrung in der Produktion großer TV-Events haben und die auch vorher schon mit dem ESC zu tun hatten. Ich bin sicher, dass der ORF mit diesem Team und zusammen mit den Partnern der EBU sowie öffentlichen und privaten österreichischen Partnern den ESC 20154 zu einem hochklassigen Event aus dem Herzen Europas machen werden. Bei einem internationalen Großevent wie dem 'Eurovision Song Contest' ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren und rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen", so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Fix ist aber auch, dass ein Megaprojekt dieser Größenordnung nur als gesamtösterreichischer Kraftakt von ORF, Bund, Ländern, der austragenden Gemeinde und privaten Partnern realisiert werden kann."

Mehrere prominente Österreicher begleiteten den ORF bei der Vorbereitung des ESC. Zum Kreis dieser Kreativen zähtlen unter anderem André Heller, "Oscar"-Preisträger Stefan Ruzowitzky, Schauspielerin Ursula Strauss und Regisseurin Elisabeth Scharang, wie mehrere österreichische Boulevardzeitungen berichteten.

 

 

DIE AUSLOSUNG

 

Neben dem Gastgeber Österreich nahmen 39 Länder teil: Die Ukraine, Kroatien und Bulgarien setzten 2015 aus ebenso wie die Türkei, Slowakei und Andorra.

Aus Anlass des 60. ESC-Jubiläums hat die EBU Australien einmalig gestattet, einen Teilnehmer in den Wettbewerb nach Wien zu entsenden! In Australien gibt es eine große ESC-Fangemeinde und seit 30 Jahren wird der Contest dorthin übertragen.  Nachdem in Kopenhagen 2014 bereits eine australische Sängerin einen Intervall-Act betritten hat, gab es nun erstmals einen australischen Vertreter im Wettbewerb. Der Teilnehmer trat direkt im Finale an, um keinem der Semifinalteilnehmer eine Finalplatz streitig zu machen. Australien bekam außerdem die Berechtigung, in beiden Semifinalen und dem Finale am Voting teilzunehmen. Im Falle eines Sieges hätte der verantwortliche australische Sender SBS den ESC 2016 als Co-Gastgeber in einer europäischen Stadt zusammen mit einem EBU-Mitgliedsland mitveranstaltet. Wegen der Teilnahme Australiens wurde das Finalteilnehmerfeld auf 27 Acts aufgestockt.

"Es ist ein mutiger und gleichzeitig unglaublich spannender Schritt", wird Jon Ola Sand, Executive Supervisor des Eurovision Song Contest, zitiert. "Es ist unsere Art zu sagen: Lasst uns diese Party zusammen feiern!"

Für das Finale gesetzt waren außerdem der Gastgeber Österreich (ausgeloste Startnummer 14) und die „BIG 5“ Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Ver. Königreich. Alle anderen Länder mussten in den beiden Semifinalen antreten, 16 im 1. SF und 17 im 2. SF. Jeweils zehn Acts gelangten durch 50/50%-Jury-/Televotingentscheidung ins Finale.

 

Am 26.01.2015 erfolgte anlässlich der „Übergabe der Insignien“ auch die Auslosung der Semifinalisten. Dazu wurden wie üblich mehrere "Töpfe" gebildet, in die die teilnehmenden Länder je nach geografischer Lage und früherem Wertungsverhalten verteilt wurden.

Topf 1: Albanien, EJR Mazedonien, Montenegro, Slowenien, Schweiz, Serbien, Malta

Topf 2: Dänemark, Finnland, Estland, Norwegen, Schweden, Island, Lettland

Topf 3: Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Israel, Russland, Armenien, Litauen

Topf 4: Belgien, Zypern, Griechenland, Irland, Niederlande, San Marino

Topf 5: Ungarn, Moldau, Rumänien, Portugal, Polen, Tschechien

 

ESC AllocationDraw 05 Photo© Milenko Badzic (ORF)Die Auslosung nahmen der OFR-ESC-Kommentator Andi Knoll und Kati Bellowitsch vor, die u.a. auch die Hälfte der Pressekonferenzen in Wien leitete. Zusammen mit Andi Knoll moderierte sie auch den Roten Teppich und den Willkommensempfang im Rathaus. Es wurde außerdem ausgelost, in welchem Semifinale die BIG 5 und der Gastgeber Österreich werten (Deutschland hatte von vornherein das 2. Semifinale erbeten).

1. Semifinale: Spanien, Österreich, Frankreich, Australien

2. Semifinale: Deutschland, Italien, Ver. Königreich, Australien

 

DAS MOTTO

 

esc2015 logo© EBUDas Motto des 60. ESC lautete: "Building Bridges". Der Vorschlag stammte von der Agentur PKP BBDO.

Mit "Building Bridges" (Brücken bauen) habe man, so ORF-Generaldirektor Wrabetz, ein Thema,  die Idee eines Europa mit dem vereinenden Charakter von Musik, und das in Wien, der traditionellen Hauptstadt der Weltmusik im Herzen Europas. 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs gäben sich europäische Länder in Österreich die Hand, einem Land, das immer schon eine vermittelnde Instanz, eine Brücke zwischen Ost und West gewesen sei. "Wir verstehen dieses Motto als eine logische Erweiterung der Idee von Conchita Wurst, die sie beim ESC 2014 formuliert und gelebt hat: Die Bedeutung von Offenheit, Toleranz über alle Grenzen hinweg für eine gemeinsame Interaktion. Mit dem ESC in Wien wollen wir Brücken bauen über Grenzen, Kulturen und Sprachen. Im  Licht der vereinenden Kraft dieses großartigen gemeinsamen  europäischen Events laden wir alle ein, Brücken zu bauen und sich die Hand zu reichen."

 

Der Slogan "Building Bridges" war auch die Basis für die "Postcards", d.s. die kurzen Einspieler, die jeweils den nächsten Beitrag in der Show ankündigen. Jeder Interpret bekam darin in seiner Heimat eine Einladung nach Österreich, und zwar jeweils in eine spezielle Region Österreichs, wo sie dann eine spezielle Aufgabe zu erfüllen hatten, z.B. in den Bereichen Sport, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Tradition und Moderne.  

 

DIE MODERATION

Erstmals führten 3 Moderatorinnen durch die Shows: Arabella Kiesbauer, Alice Tumler und Mirjam Weichselbraun (v.l.n.r.). Conchita Wurst übernahm die Greenroom-Moderation.

 

© ORF

 

 

Arabella Kiesbauer  (*08.04.1969 in Wien als Tochter einer deutschen Schauspielerin und eines Ingenieurs aus Ghana) begann ihre Karriere bereits Ende der 80er Jahre beim ORF mit der Jugendsendung „X-Large“, ab 1994 moderierte sie 10 Jahre lang bei PRO 7 ihren Daily-Talk „Arabella“, beim ORF führte sie u.a. durch die Castingshow „Starmania“, und seit 2014 unterstützt sie österreichische Landwirte auf der Suche nach der großen Liebe in „Bauer sucht Frau“. Daneben moderierte sie mehrfach den Wiener Opernball, den Life Ball und verschiedene andere Events und Galas. 2013 wurde Arabella Kiesbauer für ihr langjähriges Engagement in Sachen Integration vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich als Kulturvermittlerin ausgezeichnet.

Mirjam Weichselbraun (*27.09.1981 in Innsbruck) begann ihre Karriere als Redakteurin beim Regionalsender “Antenne Tirol“. Nach ihrer Wahl zum BRAVO-Girl 2000 wurde sie Moderatorin bei VIVA Plus und MTV Germany. Beim ZDF moderierte sie eine Zeit lang das Online-Magazin zu „Wetten, dass...?“, bei SAT1 die „Hit-Giganten“ zusammen mit Roger Cicero. In Österreich wurde sie für mehrere Staffeln der „Dancing Stars“ ausgezeichnet und moderiert regelmäßig den Wiener Opernball und den Life Ball. Als Schauspielerin konnte man sie im Musical „Manche mögen’s heiß“ in Wien erleben.    

Alice Tummler (*11.11.1978 in Innsbruck als Tochter einer französischen Mutter aus Martinique und eines österreichischen Vaters) studierte zunächst in London Journalismus, Medien und Soziologie und besuchte dann eine Schauspielschule in Paris. Ihre Fernsehkarriere begann sie als Moderatorin beim französischen Musiksender TraceTV. Es folgte eine Tätigkeit bei ARTE. Seit 2013 moderiert sie im ORF die Casting-Show „Die große Chance“. 

 

 DIE BÜHNE

 

Die Bühne bestand aus 1288 einzelnen Säulen und war 44m breit, 14,3m hoch und 22m. Sie hatte die Form eines großen Auges, das eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft darstellen sollte, eine Brücke zwischen den Künstlern, ihren Delegationen und den Zuschauern weltweit. Die LED-Säulen und der 11m im Durchmesser große Bühnenboden sowie eine 22m breite und 8,5m hohe LED-Wand erlaubten eine große Bandbreite an visuellen Effekten. Das Bühnendesign wurde entwickelt von Florian Wieder, dem zweimaligen Emmy-Preisträger und Designer der ESC-Bühnen 2011 und 2012, in Zusammenarbeit mit Al Gurdon und Kurt Pongratz.

 

DER PAUSEN-ACT

Den Pausen-Act im Finale bestritt der bekannte Schlagzeuger Martin Grubinger mit einem Programm aus klassischer Musik, Bigband-Sound, Chorgesang und Percussion, das er eigens für das Finale komponiert hat. Es traten 40 Instrumentalisten und der mit einem Grammy ausgezeichnete Arnold Schönberg-Chor auf.

 

BESONDERHEITEN

 

Die Jurys von Montenegro und EJR MAzedonien wurden disqualifiziert und nur das Televoting-Ergebnis gezählt. Das habe das Resultat laut EBU nicht entscheidend verändert.

 

DIE DEUTSCHE JURY

Eine Frau und vier Männer bildeten die deutsche Jury 2015: Leslie Clio, Mark Forster, Ferris MC (Band Deichkind), Johannes Strate (Band Revolverheld), Swen Meyer (Musikproduzent).

8,11 Millionen Zuschauer sahen laut NDR-Angaben das ESC-Finale.

 

FAZIT

 

Der 60. ESC in der österreichischen Hauptstadt Wien war einer der besten, die man je erlebt hat. So der allgemeine Tenor der Journalisten vor Ort. Selten war die Organisation so gut und das Angebot für die Akkreditierten – auch das Rahmenprogramm betreffend - so reichhaltig. Ein bisschen weniger begeistert konnte man allerdings von den drei TV-Shows sein, die der ORF uns zum 60-jährigen Jubiläum präsentierte. Gewiss waren die Shows nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Eines der Highlights war wohl die Eröffnungsnummer des 1. Semifinales,  bei dem man sich schon fragte, wie man das im Finale würde toppen können. Und man konnte nicht… Ganze 20 Minuten dauerte es, bis der 1. Finalsong auf die Bühne kam! Davor ein Sammelsurium von Orchester, Geigerin, Kinderchor, einem Rapper, zwei Einspielern und schließlich einer Gesangseinlage der Moderatorinnen, die zwar gefiel, aber insgesamt wäre hier weniger sicher mehr gewesen.

Das Motto „Building Bridges“ zog sich durch alle Shows bis hin zu den virtuellen Brücken in die einzelnen Länder bei der Finalwertung. Bei der Wertung fielen unangenehm auf: Die erneute Disqualifikation von Jurywertungen, die Diskrepanz zwischen Jury- und Televoting und die Punktevergabe überhaupt. Wenn bei 27 Teilnehmern nur zehn überhaupt die Chance auf Punkte haben, ist das Wertungssystem nicht mehr angemessen, und nicht nur, weil es dieses Mal Deutschland (und Österreich) mit null Punkten besonders hart getroffen hat.

Obwohl der ESC ja so unpolitisch ist (wie von der EBU gern behauptet wird), sorgte wieder einmal der russische Beitrag für reichlich Diskussionsstoff sowie die Entscheidung der EBU, Buh-Rufe aus- und Applaus vom Band einzublenden.

Schweden war von Anfang an der große Favorit, denn der Beitrag hatte alles, was man zum Gewinnen braucht: Eine vielleicht nicht bahnbrechende, aber sehr eingängige Melodie, einen Pop-Rhythmus, der sich für viele wohltuend von den vielen Balladen des Jahrgangs abhob, einen extrem sympathischen und noch dazu unverschämt gut aussehenden Interpreten und vor allem eine Show mit der kleinen LED-Wand und dem niedlichen, moppeligen Männchen mit Käppi und Luftballon, der mit dem großen Måns Freundschaft schließt.