Der Eurovision Song Contest 2012


ESC Logo 2010 

57. Eurovision Song Contest - 26. Mai 2012
Baku

Halle Crystal Hall
Motto Light Your Fire
Moderation Leyla Aliyeva, Eldar Gasimov & Nargiz Birk-Petersen
Pausen-Act Emin
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 42 Länder (Finale 26 / Semifinale jeweils 18)

 

Siegerland: Schweden


norway

Interpretin:

Loreen

Titel:

"Euphoria"

Musik & Text:

Thomas G:son & Peter Boström

Loreen© Andres Putting, EBU 

 


  

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale - 26. MaI 2012
Platz         Land  Interpret*inTitelPunkteStartnr.
1. Schweden Loreen Euphoria 372 17
2. Russland Buranovskiye Babushki Party For Everybody 259 6
3. Serbien Željko Joksimović Nije ljubav stvar
214 24
4. Aserbaidschan
Sabina Babayeva When The Music Dies
150 13
5. Albanien
Rona Nishliu Suus 146 3
6. Estland
Ott Lepland
Kuula
120 11
 7. Türkei Can Bonomo Love Me Back 112 18
8. Deutschland Roman Lob
Standing Still 110  20
9. Italien Nina Zilli
L'amore è femmina (Out Of Love) 
101  10
10. Spanien Pastora Soler
Quédate conmigo
97 19
11. Moldau Pasha Parfeny Lautar 81 26
12. Rumänien Mandinga Zaleilah 71 14
 13. EJR Mazedonien
Kaliopi Crno i belo
71 22
14. Litauen Donny Montell
Love Is Blind 70  4
15. Ukraine Gaitana Be My Guest 65 25
16. Zypern Ivi Adamou La La Love  65 8
17. Griechenland
Eleftheria Eleftheriou Aphrodisiac 64  16
18. Bosnien & Herzeg. Maya Sar
Korake ti znam 55 5
19. CH Irland Jedward Waterline  46 23
20. Island Gréta Salóme & Jónsi Never Forget  46 7
21. Malta Kurt Calleja
This Is The Night 41 21
22. Frankreich Anggun Echo (You & I) 21 9
23. Dänemark Soluna Samay Should Have Known Better 21  15
24. Ungarn
Compact Disco The Sound Of Our Hearts 19 2
25. Ver. Königreich
Engelbert Humperdinck Love Will Set You Free 12 1
26. Norwegen
Tooji Stay  7 12

 

 

Semifinale 1 - 22. Mai 2012
Platz         Land  InterpretTitelPunkteStartnr.
1. Russland Buranovskiye Babushki Party For Everybody 152 14
2. Albanien Rona Nishliu Suus 146 5
3. Rumänien Mandinga Zaleilah 120 6
4. Griechenland Eleftheria Eleftheriou Aphrodisiac 116 3
5. Moldau Pasha Parfeny   Lautar 100 17
6. Irland Jedward Waterline 92 18
7. Zypern Ivi Adamou La La Love 91 12
8. Island Gréta Salóme & Jónsi Never Forget 75 2
9. Dänemark Soluna Samay Should Have Known Better 63 13
10. Ungarn Compact Disco The Sound Of Our Hearts 52 15
11. Schweiz Sinplus Unbreakable 45 7
12. Finnland Pernilla Karlsson När jag blundar 41 9
13. Israel Izabo Time 33 10
14. San Marino Valentina Monetta The Social Network Song (Oh Oh – Uh - Oh Oh) 31 11
15. Montenegro Rambo Amadeus Euro Neuro 20 1
16. Lettland Anmary Beautiful Song 17 4
17. Belgien Iris Would You?  16 8
18. Österreich
Trackshittaz Woki mit deim Popo 8 16
Semifinale 2 - 24. Mai 2012
1. Schweden Loreen Euphoria 181 11
2. Serbien Željko Joksimović Nije ljubav stvar  159 1
3. Litauen Donny Montell Love Is Blind 104 18
4. Estland Ott Lepland Kuula. 100 14
5. Türkei Can Bonomo Love Me Back  80 13
6. Bosnien & Herzeg. Maya Sar Korake ti znam 77 17
7. CH Malta Kurt Calleja This Is The Night 70 4
8. Ukraine Gaitana Be My Guest 64 7
9. EJR Mazedonien Kaliopi Crno i belo 53 2
10. Norwegen
Tooji Stay 45 16
11. Bulgarien Sofi Marinova Love Unlimited 45 8
12. Kroatien Nina Badrić Nebo 42 10
13. Portugal Filipa Sousa Vida minha 39 6
14. Georgien Anri Jokhadzde I'm A Joker 36 12
15. Niederlande Joan Franka You And Me 35 3
16. Belarus Litesound We Are The Heroes 35 5
17. Slowenien Eva Boto Verjamem 31 9
18. Slowakei Max Jason Mai Don't Close Your Eyes 22 15

  


  

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

Insgesamt 42 Länder entsandten ihre Vertreter nach Baku, nachdem Armenien, mit dem sich Aserbaidschan immer noch offiziell im Status des "Wallenstillstand"  befindet, quasi in letzter Minute die Teilnahme abgesagt hatte. Nicht dabei waren Tschechien (Lt. Äußerungen eines Verantwortlichen des Senders CT bestehe in der tschechischen Bevölkerung kaum Interesse am ESC.), Polen (offiziell wegen der Durchführung der Fußball-EM in Polen und der Ukraine sowie der Sommerolympiade in London und der Übertragung beider Großveranstaltungen) und Andorra (Austritt aus der EBU), wieder dabei war Montenegro.

Da der Vorjahressieger und Gastgeber Aserbaidschan zusammen mit den BIG 5 (Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Ver. Königreich als größte Geldgeber der EBU) automatisch für das Finale gesetzt war, gab es dieses Mal 26 Finalisten. Die übrigen 36 Länder wurden auf die beiden Semifinale (je 18) verteilt.

 

Die EBU-Reference Group hatte beschlossen, ab 2012 das Voting wieder erst nach dem letzten Beitrag zu eröffnen. Analysen hätten ergeben, dass ohnehin die meisten Zuschauer erst dann zum Telefon greifen. Außerdem sei die Einblendung der Telefonnummern während der Vorträge störend.

 

Offizieller Produktionspartner war die deutsche Brainpool GmbH, die sich mit der ausgezeichneten Produktion des ESC in Düsseldorf empfohlen hat. Unter den Hauptsponsoren fand sich auch wieder Schwarzkopf. Adil Kerimli, der Produzent des ESC 2012 im  Namen des verantwortlichen Senders Ictimai TV äußerte sich folgendermaßen: "Wir arbeiten sehr ernsthaft an der Vorbereitung der Shows im Mai. Und wir haben großartige Partner an unserer Seite. Auch wenn ein Großteil der TV-Shows durch die deutschen Firma Brainpool produziert wird, wird es sicher eine starke aserbaidschanische Komponente geben."

 

 

Crystal Hall© www.eurovision.tv

Die von der Bayerischen Alpine Bau AG neu erbaute Baku Crystal Hall  war Austragungsort des ESC.  Beim ESC konnten rund 16.000 Zuschauer live dabei sein. Diese Arena wurde an zentraler Stelle in der Nähe des Flaggenplatzes gebaut. 

Präsident Aliyev hatte ein spezielles Komitee eingesetzt zur Planung des ESC in Baku. In diesem Komitee fanden sich wichtige und einflussreiche Persönlichkeiten der Regierung, der Geschäftswelt und des aserischen Fernsehens. Vorsitzende des Komitees war die Präsidentengattin Mehriban Aliyev. Die Tochter einer reichen Gelehrtenfamilie studierte in Baku Medizin und leitet eine Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen. Ihre zweite Leidenschaft heißt Rhythmische Sportgymnastik. Mehriban Aliyev hatte wesentlichen Anteil daran, die Weltmeisterschaft 2005 in ihre Heimat zu holen. Sie ist außerdem Unesco-Botschafterin.

Die aserbaidschanische Regierung hatte in einem Schreiben an die EBU Sicherheitsgarantien abgegeben für alle anreisenden ESC-Delegationen, die Presse und die Fans. Es wurde außerdem das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit garantiert.

  

Unter dem offiziellen Titel 'Host City Insignia Exchange' fand am 25. Januar 2012 im Buta Palast in Baku die offizielle Schlüsselübergabe zwischen den Gastgeberstädten des Eurovision Song Contest statt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers überreichte seinem Amtskollegen aus Baku, Hajibala Abutalibov, den großen Schlüsselbund mit den Insignien der vorherigen ESC-Gastgeberstädte. Im Rahmen der feierlichen Zeremonie überreichte er zudem den Schlüsselanhänger Düsseldorfs als ESC-Stadt 2011 in Form des Rheinturms. Das Symbol wurde vom Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly entworfen und stellt das markante Aushängeschild der Skyline in der Landeshauptstadt dar.
"Wir haben im letzten Jahr mit dem ESC in Düsseldorf ein großartiges Musikfest erlebt und uns als gute Gastgeber präsentiert. Ich wünsche Baku, dass der Eurovision Song Contest 2012 ein Erfolg wird und die Menschen viel Freude und Spaß dabei haben", sagte Oberbürgermeister Dirk Elbers bei der Schlüsselübergabe im Buta Palast. Hajibala Abutalibov bedankte sich beim Düsseldorfer Oberbürgermeister.

Wie üblich wurden die Semifinalisten nach Gesichtspunkten der Geografie und des bisherigen Wertungsverhaltens auf sechs Töpfe verteilt, aus denen dann die Zulosung zu den beiden Semifinalen (erste Häflte oder zweite Hälfte) erfolgte. Es gab wieder fünf Wildcards, die ausgelost wurden. Finnland, Irland, Ukraine, Litauen und Spanien durften ihre Startpositionen frei wählen.  

 

Sublogo 2012© www.eurovision.tv

Im Rahmen der Feier wurde das Motto des diesjährigen ESC verkündet: "Light your fire!" Aserbaidschan wird wegen seiner Ölvorkommen als "Land des Feuers" bezeichnet, und das Symbol von Feuer und Flammen wird landauf, landab benutzt. 

"Von Anbeginn der Zeit kamen Menschen um das Feuer herum zusammen, um Geschichten zu erzählen, zu singen und zu tanzen. Der ESC ist das Ereignis, wo Menschen zusammen kommen, um zu feiern und durch Gesang und Tanz miteinander zu kommunizieren", so die Erklärung der Schöpfer des Mottos und des Sublogos.                                        

Neben Auftritten von ESC-Größen wie Ruslana, Safura, Lena, Alexander Rybak und natürlich den Vorjahressiegern Ell & Nikki wurde ausgelost, in welchem Semifinale die einzelnen Länder starten sollten: Aus insgesamt sechs Töpfen, in die die Teilnehmerländer nach bisherigem Abstimmungsverhalten aufgeteilt worden waren, wurden die Länder jeweils der ersten bzw. zweiten Hälfte des jeweiligen Semifinales zugelost.  Wertungsberechtigt im 1. Semifinale waren: Italien, Aserbaidschan, Spanien, im 2. Semifinale:  Ver. Königreich, Frankreich, Deutschland (auf eigenen Wunsch).

 

 

Hosts 2012© Ictimai

Der Vorjahressieger Eldar Gasimov moderierte alle drei Shows zusammen mit Leyla Alieva und Nargiz Birk-Petersen.

Leyla ist seit der Gründung des TV-Senders Ictimai eine bekannte und erfolgreiche TV-Moderatorin. Sie moderiert außerdem verschiedene Galas, gibt ein Modemagazin heraus und engagiert sich bei verschiedenen Wohltätigkeitsprojekten.                            

Nargiz machte ihre ersten TV-Erfahrungen bereits mit 16 Jahren, sie arbeitete während ihres Studiums als Reporterin für ein englischsprachiges Studenten-programm der Khazar Universität . Später studierte sie Jura in den USA und arbeitete als Model.

Eldar gewann zusammen mit seiner Gesangspartnerin Nigal den ESC 2011 und arbeitet mittlerweile u.a. an einer Karriere als Filmschauspieler.

 

 

Die Eröffnungs- und Pausenacts der drei Shows wurden zum Teil von Künstlern aus Aserbaidschan bestritten und zum Teil von ausländischen Interpreten. So traten im Intervall-Act des 2. Semifinale die ehemaligen Sieger Maria Serifovic, Dima Bilan, Alexander Rybak, Lena und Ell & Nikki auf, außerdem bestritten die Intervall-Acts:  die Mugham-Legende Alim Gasimov, die Natiq Rhythm Band, das nationale Tanz-Ensemble Aserbaidschans und der Sänger und Komponist Emin, der Schwiegersohn des Präsidenten. 

  

FAZIT

 

Der ESC in Baku war äußerst umstritten: Sowohl im Vorfeld als auch während der ESC-Wochen gab es in den Medien aber auch unter den Fans reichlich Diskussionen über das Gastgeberland und die politischen Verhältnisse dort. Kann man den Wettbewerb in einem Land austragen, das nicht demokratisch regiert wird und in dem es mit den Menschenrechten und der Pressefreiheit nicht weit her ist? Immer wieder hatte die Europäische Rundfunkunion EBU zuvor erklärt, dass der Grand Prix ein unpolitisches Event sei und damit überhaupt erst die Begründung geliefert, warum das Musikspektakel in einem Land stattfinden kann, in dem Menschenrechte, Presse- und Redefreiheit und das Recht auf freie Wahlen eingeschränkt sind.

 

Ausgerechnet in dieser unpolitischen Show waren aber etliche politische Anspielungen der Gastgeber zu sehen. Da waren die Einspielfilme, mit denen der nächste Teilnehmer vorgestellt wurde. Sie zeigten meist gestellte Szenen aus Baku. Videosequenzen von schönen Fassaden und bunt angeleuchteten Häusern. Ziemlich einfallslos das Ganze, tat aber auch niemandem weh. Aber da war auch die Postkarte vor dem Auftritt des Gastgeberlandes Aserbaidschan. "Karabach" war darauf zu lesen und zeigte die von Armenien besetzte und völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende Region. Ein politischer Affront gegen den Nachbarn, der das Finale live ausstrahlen musste. Als dann auch noch ausgerechnet der Schwiegersohn des Präsidenten, Sänger Emin Agalarov, im Pausenakt auftrat (für ihn wurden die vergangenen Eurovisionsgewinner Niki und Ell, Lena, Alexander Rybak, Dima Bilan und Marija Serifovic ins Semifinale verbannt) und theatralisch eine überdimensionale aserbaidschanische Fahne küsste, war für viele angereiste Fans die Grenze des guten Geschmacks erreicht.

 

Anke Engelke traf  bei der deutschen Punktevergabe genau den richtigen Ton. Als Einleitung sagte sie mit dem Blick auf das Voting beim Song Contest auf Englisch, dass es eine gute Sache sei, wählen zu können und dabei auch eine Wahlmöglichkeit zu haben. Es dürfte allen klar gewesen sein, dass sie natürlich eine Botschaft an die Menschen in Aserbaidschan und die dortige Opposition richtete. Immerhin waren erst am Tag vor dem Finale wieder 70 Menschen willkürlich festgenommen worden.

 

Mit einem Erdrutschsieg gewann die Schwedin Loreen uneinholbar vor den udmurtischen Babuschkas und der Balkanballade aus Serbien. Schweden gilt als Kernland des ESC, und allein 16 der 42 Titel, die in Baku an den Start gingen, stammten aus schwedischen Federn. Bei den Buchmachern und Fanclubs lag Loreen seit Wochen auf Platz 1 und anscheinend hat Loreens „Euphoria“, ein Titel mit starken Anlehnungen an David Guetta, den Geschmack des europäischen Publikums getroffen. So wurde der Siegertitel "Euphoria" aus der Feder der schwedischen ESC-Komponisten-Legende Thomas G:son ein enormer europäischer Chart-Erfolg. Loreen war im übrigen die einzige Interpretin, die die Opposition in Baku besuchte und unterstützte, indem sie sich mit der Initiative ‚Sing For Democracy‘ traf und sich u.a. ein aktuelles Video von den  Verhaftungen während einer Demonstration ansah!  Dies führte zu diplomatischen Verwicklungen, der schwedische Botschafter wurde ins Außenministerium einbestellt: Loreen möge sich doch bitte auf ihre Musik konzentrieren und nicht in innere Angelegenheiten des Landes einmischen, lautete die Forderung der autoritären Führung Aserbaidschans.

 

Željko Joksimović versuchte es zum zweiten Mal, dieses Mal für Serbien, nachdem er 2004 noch für Serbien-Montenegro angetreten war und den zweite Mal belegt hatte. Dieses Mal reichte es "nur" für den dritten Platz. Ebenfalls zum zweiten Mal starteten Jedward für Irland, aber nach dem achten Platz in Düsseldorf 2011 kamen sie trotz eines "Springbrunnens" auf der Bühne mit "Waterline" nur auf Platz 19.

 

Der Weltstar Engelbert Humperdinck eröffnete das Finale für das Vereinigte Königreich und wurde nur Vorletzter! Dagegen schaffte es Rona Nishliu mit äußerst merkwürdiger Frisur aber fantastischer Stimme, mit Platz fünf das beste Ergebnis für für Albanien bis dato einzufahren.

 

Der deutsche Beitrag “Standing Still“ erreichte einen verdienten und in dem  ausgesprochen starke Teilnehmerfeld hervorragenden achten Platz. Roman Lob überrundete damit sogar die als Mitfavoritin gehandelte Nina Zilli aus Italien (Platz 9) und die stimmgewaltige Pastora Soler aus Spanien (Platz 10). Entscheidend war, dass Roman Lob unter Beweis stellte, dass seine Stimme Ausstrahlung hat und das Publikum in Bann zu ziehen vermag.

 

Ralph Siegel hatte für San Marino Valentina Monetta ausgewählt, seinen "Facebook"-Song zu singen, der allerdings wegen verbotener Nennung eines Markennamens nur mit verändertem Text zur Aufführung gebracht werden durfte. Aber auch das nutzte nichts, Valentina scheiterte im Semifinale, was sie allerdings nicht davon abhielt, es noch 2013 und 2014 noch einmal zu versuchen.

 

Montenegro schickt häufiger sehr "eigenwillige" Acts ins Rennen, dieses Mal eröffnete Rambo Amadeus das erste Semifinale mit "Euro Neuro", und er wusste wohl  nur selbst, was das zu bedeuten hatte! Ebenso wie Joan Franka, die für die Niederlande in einem Indianerkostüm auftrat. Beide erreichten das Finale nicht.

 

Die drei von der deutschen Firma Brainpool produzierten Shows hatten wenig Außergewöhnliches zu bieten. Die von Brainpool produzierten Postkartenfilme waren kurz vorher gegen aserbaidschanische Tourismuswerbung ausgetauscht worden, vielleicht verständlich aus Sicht der Veranstalter, aber langweilig für den TV-Zuschauer, ebenso langweilig wie die Moderation.

 


   

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Ver. Königreich Ungarn Albanien Litauen
Engelbert Humperdinck Compact Disco Rona Nishliu Donny Montell
"Love Will Set You Free" "Sound Of Our Hearts" ”Suus" "Love Is Blind"
M. & T.:
Martin Terefe,
Sacha Skarbek
M. & T.: Behnam Lotfi,
Attila Sándor, Csaba Walkó,
Gábor Pál
M.: Florent Boshnjaku
T.: Rona Nishliu
M. & T.:
Brandon Stone
    
TUR 83 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Bosnien & Herzegowina Russland Island Zypern
Maya Sar Buranovskiye Babushki Greta Salóme & Jónsi Ivi Adamou
"Korake ti znam" "Party For Everbody" "Never Forget" "La La Love"
M. & T.:
Maja Sarihodzić (Maya Sar)
M.: Viktor Drobysh,
Timofei Leontiev
T.: Olga Tuktareva,
Mary S. Applegate
M. & T.:
Greta Salóme Stefánsdottir
 M. & T.:
Alex Papaconstantinou,
Bjorn Djupström,
Alexandra Zakka,
Viktor Svensson
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Frankreich Italien Estland Norwegen
Anggun Nina Zilli
Ott Lepland
Tooji
"Echo (You And I)" "L'amore è femmina
(Out Of Love)"
"Kuula"  "Stay"
M.: Jean Pierre Pilot,
William Rousseau
T.:William Rousseau, Anggun
M. & T: Christian Raab, Kristoffer Sjökvist, Frida Molander, Charlie Mason,
Maria Chiara Fraschetta
M.: Ott Lepland
T.: Aapo Ilves
M. & T.:
Tooji, Peter Boström,
Figge Boström
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Aserbaidschan Rumänien Dänemark
Griechenland
Sabina Babayeva Mandinga
Soluna Samay Eleftheria Elftheriou
"When The Music Dies" "Zaleilah"  "Should've Known Better  "Aphrodisiac"
M. & T.: Anders Bagge, Johan Kronlund, Sandra Bjuman, Stefan Örn M.: Costi Ionita
T.: Elena Ionescu, Dihigo Omar Secada, Costa Ionita
M.: Chief 1, Remee,
Isam Bachiri
T.: Chief 1, Remee
M. & T.: Dimitri Stassos, Mikaela Stenström,
Dajana Lööf
   
SLO 01 SLO15 SLO15 POR 86

17.

AD

18.

AD

19.

AD

20.

AD

Schweden Türkei Spanien Deutschland
Loreen Can Bonomo Pastora Soler
Roman Lob
"Euphoria" "Love Me Back" "Quédate conmigo" "Standing Still"
M. & T.:
Thomas G:son,
Peter Boström
M. & T.:
Can Bonomo
M.: Antonio Sánchez,
Thomas G:son, Erik Bernholm
T.: Antonio Sánchez
  M. & T.:
Wayne Hector, Jamie Cullum, Steve Robson
   
ROM 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

21.

AD

22.

AD

23.

AD

24.

AD

Malta EJR Mazedonien Irland Serbien
Kurt Calleja Kaliopi Jedward Željko Joksimović
"This Is The Night" "Crno i belo"
"Waterline" "Nije ljubav stvar"
M. & T.:
Johan Jämtberg, Kurt Calleja, Mikael Gunnerås
M.: Romeo Grill
T.: Kaliopi
M.: Nick Jarl
T.: Sharon Vaughn
M.: Željko Joksimović
T.: Marina Tucaković,
Milos Roganović
   
  ROM 02 ROM 02  

25.

AD

26.

AD

 
Ukraine Moldau  
Gaitana Pasha Parfeny  
"Be My Guest" "Lautar"  
M.: Gaitana, KIWI Project
T.: Gaitana 
 M. Pasha Parfeny,
Alex Brashovean
T.: Pasha Parfeny 
 

 

  

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  1

 

  

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Montenegro Island Griechenland Lettland
Rambo Amadeus Greta Salóme & Jónsi
Eleftheria Eleftheriou Anmary
"Euro Neuro" "Never Forget" ”Aphrodisiac" "Beautiful Song"
M. & T.:
Rambo Amadeus
M. & T.:
Greta Salóme Stefánsdottir
M. & T.: Dimitri Stassos, Mikaela Stenström,
Dajana Lööf
M.: Ivars Makstnieks
T.: Rolands Udris
    
TUR 83 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Albanien
Rumänien
Schweiz Belgien
Rona Nishliu Mandinga
Sinplus Iris
"Suus" "Zaleilah" "Unbreakable" "Would you?"
M.: Florent Boshnjaku
T.: Rona Nishliu
M.: Costi Ionita
T.: Elena Ionescu, Dihigo Omar Secada, Costa Ionita
M.: Gabriel & Ivan Broggini
T: G. & I. Broggini,
Mary S. Applegate
 M. & T.: Nina Sampermans, Jean Bosco Safari,
Walter Mannaerts
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Finnland Israel San Marino Zypern
Pernilla Karlsson Izabo
Valentina Monetta
Ivi Adamou
"När jag blundar" "Time" "The Social Network Song (Oh Oh – Uh - Oh Oh)"  "La La Love"
M. & T.:
Jonas Karlsson
M. & T.:
Ran Shem-Tov, Shiri Hadar
 M.: Ralph Siegel
T.: Timothy Touchton,
Jose J. Santana Rodriguez
 M. & T.:
Alex Papaconstantinou,
Bjorn Djupström,
Alexandra Zakka,
Viktor Svensson
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Dänemark Russland Ungarn
Österreich
Soluna Samay
Buranovskiye Babushki
Compact Disco
Trackshittaz
"Should've Known Better"  "Party For Everybody" "Sound Of Our Hearts"  "Woki mit deim Popo"
M.: Chief 1, Remee,
Isam Bachiri
T.: Chief 1, Remee
M.: Viktor Drobysh,
Timofei Leontiev
T.: Olga Tuktareva,
Mary S. Applegate
M. & T.: Behnam Lotfi,
Attila Sándor, Csaba Walkó,
Gábor Pál
M.: Lukas Plöchl
T.: Lukas Plöchl,
Manuel Hofferer
   

 
SLO15 SLO15  

17.

AD

18.

AD

Moldau Irland
Pasha Parfeny
Jedward
"Lautar" "Waterline"
 M. Pasha Parfeny,
Alex Brashovean
T.: Pasha Parfeny  
M.: Nick Jarl
T.: Sharon Vaughn 

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  2

  

SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Serbien EJR Mazedonien
Niederlande Malta
Željko Joksimović Kaliopi Joan Franka
Kurt Calleja
"Nije ljubav stvar" "Crno i belo"
"You And I" "This Is The Night"
M.: Željko Joksimović
T.: Marina Tucaković,
Milos Roganović
M.: Romeo Grill
T.: Kaliopi
M.: Joan Franka,
Jesicca Hogenboom
T.: Joan Franka
M. & T.:
Johan Jämtberg, Kurt Calleja, Mikael Gunnerås
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Belarus Portugal
Ukraine Bulgarien
Litesound Filipa Sousa Gaitana Sofi Marinova
"We Are The Heroes" "Vida minha"
"Be My Guest" "Love Unlimited"
M. & T.:
Dmitriy & Vladimir Karyakin
M.: Andrej Babić
T.: Carlos Coelho
 M.: Gaitana, KIWI Project
T.: Gaitana
  M.: Krum Georgiev,
'Iasen Kozev
T.: Doni Vasileva
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Slowenien Kroatien
Schweden Georgien
Eva Boto
Nina Badrić Loreen Anri Jokhadze
"Verjamem" "Nebo"
"Euphoria" "I'm A Joker"
M.: Vladimir Graić,
Hari Mata Hari
T.: Igor Pirković
M. & T.: 
Nina Badrić
 M. & T.:
Thomas G:son,
Peter Boström
  M.: Rusudan Chkhaidze
T.: Bibi Kvachadze
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Türkei Estland
Slowakische Republik
Norwegen
Can Bonomo
Ott Lepland
Max Jason Mai
Tooji
"Love Me Back" "Kuula" "Don't Close Your Eyes" "Stay"
M. & T.: 
Can Bonomo
M.: Ott Lepland
T.: Aapo Ilves
  M. & T.:
Miroslav Smajda
 M. & T.: Tooji,
Peter Boström,
Figge Boström
   
SLO 02 SLO 02       

17.

AD

18.

AD

Bosnien & Herzegowina
Litauen
Maya Sar
Donny Montell
"Korake ti znam" "Love Is Blind"
M. & T.:
Maja Sarihodzić (Maya Sar)
M. & T.:
Brandon Stone

 

 


 

DIE WERTUNG - FINALE

 

Scoreboard FInale 12© ECG e. V.

  

 

DIE WERTUNG SEMIFINALE 1 + 2

 

Scoreboard Semi1 12© ECG e. V.

Scoreboard Semi2 12© ECG e. V.

 

 


  

 

AUS DER PRESSE

 

 

Sieg der globalisierten Feierkultur

von Rabea Weihser, ZEIT online, 27. Mai 2012  

 

Perfekt auf internationalem Niveau: Schwedens Tanzhallenhit und Aserbaidschans ESC-Show. Man spricht jetzt in allen Belangen dieselbe Sprache.

Zu Pfingsten ist Karneval der Kulturen, das weiß jeder Berliner. Man feiert die Völkerverständigung, denn mit der Entsendung des heiligen Geistes wurde die babylonische Sprachverwirrung aufgehoben. Diesmal fand zeitgleich auch noch der größte Karneval der Kulturen im Fernsehen statt, gemeinhin Eurovision Song Contest genannt. 120 Millionen Menschen verfolgten im Finale, mit welcher Botschaft 26 Länder ihre Abgesandten auf die Showbühne in Bakus Kristallpalast schickten. Am Ende gewann die Aussage, die von den meisten verstanden wurde.

Loreen aus Schweden spricht die Sprache der globalisierten Feierkultur. Ihr Song „Euphoria“ trifft denselben Nerv wie die Tanzhallenhits aus der Feder David Guettas, die seit rund drei Jahren aus allen Boxentürmen schallen. Mit brachialen Synthesizer-Bässen und R'n'B-orientiertem Frauengesang lassen sich die Massen begeistern. Von „London to Ibiza, Straight to L.A.“, wie Jennifer Lopez es ausdrückte – und jetzt auch von Stockholm bis nach Baku. Der Siegersong war nicht der einzige im Wettbewerb, der sich dieser Stilistik bediente, aber darin am konsequentesten.

Loreens Produzent Thomas G:son, ein schwedischer Ralph Siegel, hat alle nationalen Idiome ignoriert und sich dem globalen musikalischen Slang angepasst. Seine Protagonistin zeigt sich ätherisch, mysteriös, unzähmbar, arabeuropäisch, ihre modische Urbanität wird nur dadurch gebrochen, dass sie barfuß auftritt. Und schon sind wir wieder am Strand. Ja, es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn „Euphoria“ kein Sommerhit wird.


Alle tanzen zum selben Beat. Das ist einerseits ein schönes Bild, andererseits doch nur Ergebnis marktstrategischer Konformität, wie sie die Unterhaltungsindustrie anstrebt. Denn was dieser Eurovision Song Contest in Aserbaidschan auch gezeigt hat: Show sieht jetzt überall gleich aus. Großarenenbombast, Pyrotechnik, spiegelglatte Bühnenbilder, schicke Kleider, unfallfreie Übertragungstechnik auch im östlichsten Zipfel Europas. Wer das Geld hat, kauft sich einen deutschen Architekten und holt sich Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool ins Haus, damit die Sendung glanzvoll und reibungslos über die Bühne geht.

 

Alles sauber in Aserbaidschan?

Hätte man nicht in den vergangenen Monaten so viel über Menschenrechtsverletzungen und antidemokratische Zustände in Aserbaidschan erfahren, bliebe einem das Land nach der Fernsehshow als perfekter Gastgeber in Erinnerung: modern, aufgeschlossen, politisch korrekt. Kurze Einspielfilme präsentierten vielfältige Folklore und landschaftliches Idyll als Postkartenmotive. Oh, wie schön ist Aserbaidschan, und alles sauber wie bei uns zu Haus.

Doch nicht? Nur Anke Engelke wagte es, während der Punktevergabe darauf hinzuweisen: "Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf deiner Reise, Aserbaidschan! Europa schaut auf dich." 

Der Eurovision Song Contest ist zu einem milliardenteuren Eventkonzept geworden, das nationale Eigentümlichkeiten in ein One-Size-Fits-All-Korsett zwingt. Folklore steht nicht mehr für sich (wir erinnern uns an sonderbare Darbietungen ehemaliger Ostblockstaaten in vergangenen Jahren), sondern erscheint stets eingepasst in einen nivellierenden Kontext. Bezeichnend, dass die russischen Babuschki nicht etwa mit einem volksliedhaften Beitrag auf dem zweiten Platz landeten, sondern mit einem Disco-Trash-Song, der die udmurtische Tradition auf eine museale Kuriosität reduzierte.

Und bei aller Internationalität vergisst der Weltbürger vor dem Fernseher schon mal, warum er eigentlich eingeschaltet hat: Patriotismus? Och, nö. Roman Lob als deutscher Vertreter fiel nicht weiter auf. Nett, harmlos, solide, achter Platz, das Lena-Fieber ist vorüber.

Bis ihm das nächste Wundertalent vor die Füße fällt, verkauft Deutschland Großmannsarchitektur und Showkonzepte an willige Nachbarn im globalen Dorf. Denn Geld spricht überall dieselbe Sprache.


Bodenturn-EM mit Lalala

von Hans Hoff, Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2012  

 

Es ist zehn nach vier am frühen Morgen, als Roman Lob in Baku zum Interview auftaucht. (...) "Ich bin glücklich", sagt der 21-jährige Industriemechaniker. Top Ten war angestrebt. Mission erfüllt. "Ich habe mich wohlgefühlt auf der Bühne", berichtet er von seinem Auftritt vor geschätzt 120 Millionen Fernsehzuschauern in 46 Ländern. Zur Halbzeit der Abstimmung lag er allerdings noch weit abgeschlagen im hinteren Drittel. Hat er sich da vielleicht schon aufgegeben? "Was heißt aufgegeben", entgegnet der Westerwälder und schaut mit seinen Knopfaugen so charmant wie er immer schaut. "Es gibt immer Hoffnung", sagt er in bester Sozialpädagogenmanier. Pläne hat er auch. Allerdings sehr normale. "Erst mal abhängen und ausschlafen", sagt er. Danach will er schauen, wie es mit seinem Leben und der Karriere weitergeht. Kurz danach tritt auch die Siegerin des ESC vor die Presse. Loreen heißt sie, kommt aus Schweden und hat aus 42 Ländern sensationelle 372 Punkte kassiert. (...)Nach dem Finale des ESC wird ja immer wieder mal über Regeländerungen nachgedacht, und dann wird lange debattiert, ob die entsprechenden Vorschläge sinnvoll sind. Sehr sinnvoll wäre auf jede Fall folgende neue Regel: Dem gastgebenden Land wird verboten, die Zuschauer mit einer Flut von Werbefilmchen zu überziehen, so dass fast nichts mehr zu bemerken ist von den komischen Liedchen dazwischen. Die Regel wäre die zwingende Schlussfolgerung aus der diesjährigen Inflation von einfallslosen Werbeclips für Aserbaidschan. (...) Und wenn man gerade mal bei der Sache ist, dann könnte man auch gleich noch vier weitere Elemente verändern.

Regel 1: Der ESC ist nicht mehr die europäische Meisterschaft im Bodenturnen. So viele überflüssige und komplett unmotivierte Überschläge und Saltos wie in die diesem Jahr würden dann vermieden. Regel 2: Lieder in denen lalala vorkommt, werden von vornherein als ungültig gewertet, womit in diesem Jahr schon Zypern, Italien und Rumänien die Sachen hätten packen müssen. Regel 3: Schrille Schreie sind verboten. Das hätte in diesem Jahr gegolten für die Ukraine, besonders aber für den Beitrag Albaniens, wo man die Genfer Konvention ganz offensichtlich für eine, sagen wir mal, Empfehlung hält, was man zumindest aus dem Vortrag von Rona Nishliu schließen konnte. Regel 4: Der Gebrauch pyrotechnischer Effekte, von Goldregen bis plötzlich in den Hallenhimmel schießenden Funkenfontänen, sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Wäre diese Regel schon in diesem Jahr aufgestellt worden, hätte wohl die Hälfte der angetretenen Sänger stumm bleiben müssen. Wenn dann noch ein bisschen Luft ist, könnte man auch darüber nachdenken, ob man Beiträge zulässt, die ihre gesamte Existenzberechtigung aus der Niedlichkeit der auftretenden Artisten ziehen. Nicht ohne Grund sind Kinder und Tiere auf der ESC-Bühne verboten. Da wäre es doch auch eine schöne Maßnahme, russischen Großmüttern einen etwas würdigeren Lebensabend zu ermöglichen und sie nicht 120 Millionen Menschen als schräge Attraktion vorzusetzen. Andererseits fragt man sich natürlich, was der ESC ohne skurrile Typen und Aktionen wäre. In diesem Jahr sicherlich ein Totalreinfall, denn musikalisch war der Jahrgang 2012 ein äußerst mauer. Nur wenige Lieder wirkten wirklich durchdacht und hatten ein bisschen von der Qualität, die es braucht, um ein bisschen länger als bis zum nächsten Atemzug in der Erinnerung zu verweilen. Schon Ende der Woche wird sich kaum jemand noch an viel mehr als den Siegertitel und den aus dem eigenen Land erinnern können. An der Zeit wäre es auch darüber nachzudenken, ob Künstler und Lied zusammen passen. So hatte Engelbert sicherlich das ausgefeilteste Lied im Angebot, blieb aber eben Engelbert. Im Falle von Italien lief es genau andersherum. Mit Sicherheit war Nina Zilli die beste Sängerin, musste sich aber mit einem ziemlich belanglosen Trällerliedchen präsentieren, das es gerade so in die Top Ten schaffte. Da wäre durchaus mehr drin gewesen. Schwer zu lösen sein dürfte das Dilemma, dass manche Lieder durch die opulente visuelle Inszenierung in der Halle aufgewertet werden, dass sich davon auf dem Bildschirm aber nur eine Light-Version wiederfindet. Natürlich weiß der Zuschauer vor dem Fernseher nicht, was ihm entgeht, aber es ist eine Menge. Nach wie vor pflegt man beim ESC das eklatante Missverhältnis zwischen größtmöglicher technischer Brillanz und dem dünnsten musikalischen Inhalt. Das Licht, die Bilder und die Aktionen sind in Sachen großer Showkunst state of the art, während die musikalischen Beiträge in ihrer Mehrzahl nach wie vor darauf angelegt scheinen, direkt nach dem ESC-Wochenende vergessen zu werden. Die Moderation in diesem Jahr dürften Judith Rakers und Stefan Raab mit viel Wohlwollen angeschaut haben. So schlecht und steif wie die beiden können das auch andere. Dass Anke Engelke 2011 wesentlich mehr zu bieten hatte, ist angesichts der gewohnten ESC-Moderationsversuche eher als Ausnahme zu werten und hat vor allem mit dem großen Talent der Kölner Komikerin zu tun. Die war zudem die einzige, die dem albernen Trällerfinale einen Schuss politische Brisanz zu verabreichen wusste. Als Verkünderin der deutschen Abstimmergebnisse ermahnte sie Aserbaidschan durch die Blume, das mit der Demokratie nicht nur ein Wort sein zu lassen (...) und setzte sich damit nicht nur deutlich ab von den albern standardisierten Glückwunschadressen der restlichen Verkünder, sie gab dem Gastgeberland auch so etwas wie eine feine, wohl dosierte Drohung mit den auf den Weg. Du beobachtest dein Volk, wir beobachten dich, lautete die Botschaft. Die ESC-Welt hat sie wohl gehört.

 

 >> Informationen über die nationalen Vorentscheidungen gibt es derzeit noch im "alten Archiv".

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