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hon ist Freitag – und wir haben ein komplettes Starterfeld für den Eurovision Song Contest 2026. Insgesamt kam das zweite Semifinale beim Publikum und in den heimischen Medien deutlich besser an als die Sendung am Dienstag. Allerdings fällt die bisherige Zwischenbilanz des ORF bei den Einschaltquoten rund um den Contest eher enttäuschend aus. Die Werte bleiben deutlich hinter dem Hype von 2015 zurück, was möglicherweise auch an den politischen Querelen in diesem Jahr liegt. Wie dem auch sei: Erst morgen steht mit dem Finale die wichtigste Show der Saison an – und vielleicht entzündet sich dann auch in Österreich die große Begeisterung für den Wettbewerb.
Größere Überraschungen blieben gestern Abend weitgehend aus. Lediglich bei Tschechien war ich mir unsicher und hatte den Beitrag in meiner letzten Prognose sogar herausgenommen – ein Fehler, wie sich nun zeigt. Für Tschechien dürfte die Qualifikation jedenfalls eine große Freude sein, nachdem man im vergangenen Jahr erstmals wieder eine spürbare Begeisterung im eigenen Land für den Beitrag erleben durfte und am Ende dennoch im Semifinale scheiterte.
Ein kleiner Schockmoment war dann die Verkündung der Startreihenfolge in der Nacht. Offenbar scheint Sarah Engels beim ORF keine großen Fürsprecher zu haben, denn mit der undankbaren Startnummer zwei – direkt nach einem der Favoriten aus Dänemark sowie vor dem kontrovers diskutierten Beitrag aus Israel – wirkt „Fire“ beinahe wie reines Füllmaterial. Vor allem bei den Zuschauerpunkten dürften die Chancen damit in weite Ferne rücken. Auch im Mediacenter wird die Startreihenfolge intensiv und teils leidenschaftlich diskutiert. Für viele ist völlig unverständlich, warum ausgerechnet Dänemark, einer der großen Favoriten, auf dem ersten Startplatz „verheizt“ wird. Dass Deutschland ebenfalls eine der undankbarsten Positionen zugelost bekam, interessiert hingegen vor allem die deutschen Fans, da Sarah Engels ohnehin kaum Chancen auf eine Platzierung in den Top 15 eingeräumt werden. Damit dürfte sich auch die Hoffnung erledigt haben, das wunderschöne Kleid, das Sarah auf dem türkisen Teppich trug, noch einmal bei der Flaggenparade zu sehen – für ein größeres Umstyling bleibt nun schlicht keine Zeit mehr.
Die sehr freundlichen Volunteers begleiten uns zur Probe Stephan Mehner ECG e.V
Kurz vor Beginn der ersten Generalprobe Stephan Mehner ECG e.V
Aktuell läuft die erste Durchlaufprobe, zu der ausschließlich akkreditierte Pressevertreter Zugang haben. Beim großen Opening kam es offenbar noch zu einigen Komplikationen, weshalb die komplette Eröffnung gleich zweimal geprobt wurde. Vor allem die Flaggenparade verlief noch nicht ganz reibungslos, da viele Teilnehmende zu lange brauchen, um über den Catwalk zu ihren jeweiligen Länderpositionen zu gelangen. Besonders gelungen wirkt dagegen die Eröffnung des Radio Symphony Orchestra, das für einen stilvollen und zugleich emotionalen Auftakt sorgt. JJ befindet sich dabei praktisch im Dauereinsatz: Er singt nicht nur einen kurzen Ausschnitt aus der „Zauberflöte“, sondern natürlich auch seinen Siegertitel. Wer bislang mit den beiden Moderatoren nicht warm geworden ist, dürfte seine Meinung auch im Finale kaum noch ändern. Wie bereits in den Semifinals werden die Auftritte zudem immer wieder von diversen Einspielern unterbrochen, die zwar ihren Zweck erfüllen, jedoch wenig originell wirken – allerdings sind sie für die Werbepausen in vielen Ländern notwendig.
Das RSO eröffnet das Finale Stephan Mehner ECG e.V
Wenigstens Molau nutz Farben Stephan Mehner ECG e.V
Immer deutlicher kristallisiert sich Finnland derzeit als Favorit auf den Gesamtsieg heraus. Auch Delta Goodrem, die inzwischen auf Platz zwei der Wettquoten geklettert ist, dürfte den Triumph der Finnen wohl kaum noch verhindern können. Einzig Israel bleibt ein ernstzunehmender Faktor, da der Beitrag mit hoher Wahrscheinlichkeit das Televoting gewinnen könnte – allerdings besteht ebenso die Möglichkeit, dass die Jurys den Song am Ende ausbremsen.
Spannend wird heute vor allem noch die Juryshow, die ich im Mediacenter verfolgen werde. Danach dürfte sich deutlich besser einschätzen lassen, wie stark die einzelnen Acts tatsächlich performen und welche realistischen Chancen sie im Finale haben. Dann wird sich auch zeigen, ob sich bereits ein klarer Sieger abzeichnet oder ob uns doch noch eine Überraschung bevorsteht.



