Die Vorentscheidungen
Ein Land. Ein Song.

ESC 2015 in Wien

Der 1. Probentag

Dienstag, 03 März 2015 15:39 Geschrieben von

 

Hallo und guten Tag aus Hannover, wo Elvira und ich – quasi  als Vorhut des ECG-Teams – gerade angekommen sind. Natürlich haben wir uns nach dem Einchecken im Hotel direkt auf zur Halle gemacht, was hier  eine Bahnfahrt von ca. 30 min. aus der Innenstadt bedeutet. danach noch ein Fußmarsch über eine zugige Hängebrücke und die Expo-Plaza, die heute nicht wie vor 2 Jahren schneebedeckt ist, aber das kann ja noch kommen...

Im Pressezentrum im gegenüberliegend Radisson-Hotel herrschte noch ziemliche Ruhe, wir waren mit die Ersten am Start. Und schon ging es in die Halle zum Beginn der 1. Probe . Heute proben LAING, FAUN, Mrs Greenbird und Noize Generation, das Ganze soll bis ca. 19.00 Uhr dauern, wobei die erste Probe wohl schon mit einiger Verspätung anfing. Die Halle wurde in etwa der Größe abgeteilt wie in Köln, schätzen wir, genaue Zahlen zur  Zuschauerkapazität erwarten wir noch. ">Wir dürfen hier übrigens sitzen, wo wir wollen, sehr angenehm, und es ist schön warm in der Halle

">Aber das liegt vermutlich nicht daran, dass die Damen von LAING in Muskel-T-Shirts auf 3 Trimmrädern sitzen und die 4.  Dame im Sport-Bustier etwas seitwärts  der anderen posiert und ihre nicht besonders ausgeprägten Muskeln zeigt. Elvira meint nach dem 1. Durchlauf: „Das ist doch kein Lied“, und da gebe ich ihr recht. Auch gesanglich ist das noch nicht optimal.

Benni ist dazu gekommen, und wir alle 3 beschließen: „Unser Fall ist das gar nicht!“ LAING mögen ja bei ihren Konzerten der Knaller sein, wie man so hört, aber für die ESC-Bühne???   Elvira klärt mich gerade auf, das sei „Minimal-Elektro“ lt. Presseheft, okay, dann aber sehr minimal - das Ganze...

Ich habe mir übrigens vorgenommen, das alles hier heute und morgen völlig unvoreingenommen auf mich wirken zu lassen, habe die angebotenen Titel auch bisher kaum gehört und will einfach mal sehen, wie das alles auf der Bühne wirkt. Wie gesagt, das hier mit den Muskeln wirkt auf mich nicht, und wenn dann eher negativ. Oh, jetzt wird Pyro angekündigt, vielleicht bringt’s das???.... Nein, auch nicht, 3 Dampfwolken schießen unmotiviert hinter den Rädern aus dem Boden, das war’s. Ich kann mir nicht helfen, auf mich wirkt es ziemlich albern, auch die Posen der 4. Dame, aber wahrscheinlich versteh ich einfach den Sinn nicht!

Es wird jetzt erstmal endlos lange umgebaut, gerade ist eigentlich die Probenzeit für LAING abgelaufen, und sie haben mit dem. 2. Lied nicht einmal angefangen. Es stehen jetzt 2 quadratische Leinwände mit Lichtrahmen auf der Bühne.

So jetzt kommen sie, 2 in Schwarz, rechts,  eine in s/w in der Mitte und eine ganz in Weiß rechts. Dann geht es los mit dem „Wechselt die Beleuchtung“ und passend zum Titel drehen die Mädels über ihrem Kopf befindliche  Schreibtischlampen mal nach vorn und mal nach hinten, dann werfen sie irgendwann diese betttuchartigen Umhänge ab. „Manchmal gieß ich mir einen hinter die Lampe“ singen sie gerade, das würde ich jetzt auch gern machen, oder vielleicht doch lieber mal einen Kaffee zwischendurch. Bis später. Elvira findet , das sei auch kein Lied, sie findet die Inszenierung aber ganz gut. Na , wenigstens etwas...

 

"Bei FAUN mit "Hörst du die Trommeln" gibt es viel Feuer auf der Bühne, im Vordergrund 3 Schalen mit offenem Feuer und im Hintergrund dann entsprechende Pyro. An beiden Seiten überdimensionale Trommeln, die reichlich bearbeitet werden. Es gibt jetzt auch ein richtiges Lied mit einem Refrain, der durchaus auch ins Ohr geht, die Atmosphäre ist schon auch etwas mystisch, aber die Performance ziemlich statisch. Liedsänger und Leadsängerin stehen die ganze Zeit an ihrem Mikro, eine Dudelsackbläserin wandert ein wenig herum, das war’s. Nicht schlecht, aber auch noch nicht der Burner, immerhin hat man ein bisschen mehr zu schauen. 

Beim 2. Titel sind die Mikroständer mit Lichtgirlanden umwickelt, die Dudelsackbläserin hat sich wohl auch eine Lichterkette um den Körper gewunden, im Vordergrund stehen wieder die Feuerschalen. Im Hintergrund eine „Zahnrad“-Installation. Dahinter ein Typ mit einer wilden Frisur mit einzelnen Federn darin. Der Sänger von eben spielt jetzt die Harfe.

So, und jetzt gehen unsere Meinungen auseinander: Benni und Elvira finden diesen 2. Titel "Abschied" viel schöner, vor allem auch den zweistimmigen Gesang der beiden Frauen, der mich nun wieder total irritiert, weil die Dame in der höheren Lage ziemlich zittert und von der tieferen Lage übertönt wird. Das Stück hat immer wieder längerer Instrumentalpassagen, wo rein gar nichts passiert auf der Bühne, und gerade als man meint, es sei zu Ende (oder man hätte es überstanden) kommt noch eine halbe Strophe à capella. Immerhin fragt sich Elvira aber gerade, worum sie so eine Fan-Base haben und sie meint, sie hätte erwartet, dass sie mehr auf der Bühne machen. Also: doch keine 12 Punkte von Elvira! Und beim 2. Durchgang gibt es von mir nochmal Punktabzug für den disharmonischen Gesang! Und die Schlusspassage  à capella empfinde ich zumindest als furchtbar! Aber immerhin, ich stelle gerade fest, dass die Musik durchaus im Ohr bleibt, man kennt das ja, man hat was im Ohr und will das eigentlich gar nicht!

Aber es nur einmal zwischendurch bemerkt: Das alles ist natürlich rein subjektiv! 

Nachtrag noch zu „Abschied“: Uns kam gerade in den Sinn, dass es doch sehr dem „Puff, der Zauberdrachen“ von Marlene Dietrich ähnelt.

Jetzt proben Mrs. Greenbird. Sie hat einen bunt-lila Rock mit knallgelber Bluse an, würde eigentlich eher ins portugiesische Semi von heute Abend passen. Ich glaube, ich muss mich hier jetzt etwas zurückhalten, denn Mrs. Greenbird waren schon bei X-Factor so gar nicht mein Fall, und sind es auch hier nicht, ich finde ihre Stimme total nervig, und das Lied ebenso.  Deshalb lasse ich jetzt mal Benni zu Wort kommen;-)

Benni: Ja, ich oute mich als Fan des „Vogelduos“ und im Gegensatz zum eher langweiligen zweiten Song entwickelt „Shine Shine Shine“ einen gewissen Zauber. Passend zum Liedtitel ist die ganze Bühne mit Glühbirnen ausgeleuchtet – auf dem Bühnenboden, an den Mikrofonständern, selbst von der Decke hängt ein Kranz mit Lichtern herab. Auf den LED im Hintergrund prangt der Name MSR.GREENBIRD. Unterstützt wird das Duo von drei Backings mit gitarrenähnlichen Instrumenten und einem Schlagzeug. Das Problem an nicht unkommerziellen Countrysound: Ein sehr ähnlicher Act war mit den Common Linnets schon im vergangenen Jahr im Wettbewerb. Vielleicht um sich vom niederländischen Duo abzugrenzen, steht das Duo in der ersten Strophe des Liedes Rücken an Rücken statt sich anzuschauen. Ob das reichen wird, sich von dem sogenannten „Cascada-Vorwurf“, eine Loreen-Kopie zu sein, distanzieren zu können? Ihre Stimmen harmonieren gut, wobei er bei den ersten beiden Durchläufen ein wenig untergeht.

Michael: Aber beim letzten Durchlauf hat sie dann noch ziemlich daneben gesungen! Und dieses Uhuhuhuhuhu geht ja gar nicht! (Kleiner Insider für Erwin, der erst morgen kommt: Es erinnert mich an einen bestimmten WIND....)

Nach wieder einmal endlosem Warten kommt jetzt der 2. Titel „Take my hand“. Man hat sich komplett umgezogen, sie jetzt in Braun mit weißem Unterkleid, er auch in Braun mit buntem Schal und Hut mit Federn. OMG, das ist ja sowas von schief gesungen... und ich finde kaum eine Melodie, und schon wieder dieses Uhuhuhuhu... Elvira findet es gerade sehr schön, ich glaube, ich bin im falschen Film! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das heute nicht mein Tag ist, aber das mag weniger an mir liegen als an dem Angebot. Ich möchte auch mal was gut finden!!!! Na ja, einen Act haben wir ja noch vor uns, auch wenn es jetzt eigentlich schon zuende sein sollte nach dem Probenplan. Man  soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Noize Generation haben einen weißen Flügel auf der Bühne und ein schwarz-weißes DJ-Pult. Es kommen 2 schwarze Gestalten auf die Bühne, über und über mit Leuchtdioden gespickt, so ein bisschen roboterhaft, das Ganze scheint sehr bunt zu werden.  Aaaah, die singen ja auch „uhuhuhuhu“! Tja, was soll ich sagen, den Refrain hat man irgendwie auch schon bei Avicii und Co. gehört, und die Zwischenstrophen finde ich nichtssagend, zumal auch noch unverständlich, bis auf „Song for you“ habe ich kein Wort verstanden, ich finde, der Leadsänger  (aus Schweden) singt nicht besonders gut, steht 3 Minuten steif vor dem Mikro, deshalb brauchen sie natürlich diese Roboter, damit überhaupt was passiert. Aber diese Leuchtdiodenakrobatik ist auch nicht mein Fall. Irgendwie habe ich nun doch das Gefühl, dass vielleicht mit meinem Geschmack was nicht stimmt. Benni gefällt’s, er meint, das sei halt Musik für Jüngere... Dann weiß ich ja Bescheid!

Elvira meint, sie mochte es zu Hause ganz gern anhören, aber jetzt hier auf der Bühne gefällt es ihr auch nicht mehr so. Es sei halt „David Guetta für Arme“. 

Benni wirft ein, es sei doch dieses Jahr in Bezug auf die Musikstile deutlich vielseitiger als letztes Jahr. Beim letzten Durchlauf haben sie mehr Hall auf das Mikro gelegt, da hört es sich schon besser an, Benni wippt vor mir die ganze Zeit mit, und jetzt habe ich das Ding dann doch auch im Ohr, so geht das mit dem „Schönhören“, aber ganz so schön dann halt doch noch nicht... Es folgt direkt das 2.Lied der Noize Generation, „Crazy now“, die Performance ist ähnlich, der Refrain nicht so eingängig, dafür wird etwas besser gesungen, Elvira mag seine Stimmfarbe, ich verstehe zumindest etwas vom Text, er singt „out of time“ , und so ist es auch, es ist jetzt nach 20.00 Uhr und gewisse Ermüdungserscheinungen machen sich bei mir breit.

 

Soviel also für heute, ich hoffe, dass ich morgen etwas positiver berichten kann, denn es kommen ja dann doch die Acts, von denen wir uns mehr versprechen.

 

Bis dahin, einen schönen Abend euch und ggf. viel Spaß beim 1. Semi in Portugal.

 

 

 

 


Land auswählen

1.

Måns Zelmerlöw - Heroes (SWE)
Foto: Ailura - Lizenz: CC BY-SA 3.0 at

2.

Polina Gagarina - A Million Voices (RUS)
Foto: Ailura - Lizenz: CC BY-SA 3.0 at

3.

Il Volo - Grande Amore (ITA)
Foto: Ailura - Lizenz: CC-BY 4.0

Nach dem Sieg von Conchita Wurst in Kopenhagen richtete der österreichische TV-Sender ORF die 60. Ausgabe des ESC aus. Austragungsort war die Wiener Stadthalle. Die Termine für die beiden Halbfinals waren der 19. und 21. Mai, das Finale fand am 23. Mai 2015 statt.