Ich melde mich ein letztes Mal aus dem immer noch teilweise verregneten Wien. Gestern war ein Tag mit vollem Programm: Morgens gab es das traditionelle gemeinsame Frühstück aller Clubpräsident*innen, die in Wien sind. Es war für mich sehr schön, nach einigen Jahren Zwangspause wieder vor Ort die bekannten und teilweise auch noch unbekannten Kolleg*innen zu treffen.
Dann ging es weiter mit dem gemeinsamen Fantreffen von ECG, OGAE Germany und ESC kompakt. Glücklicherweise blieb es trocken, so dass die ca. 200 Fans (ich kann schlecht schätzen) den Garten des Volksgarten Pavillon nutzen konnten, um alte Bekannte zu treffen oder auch neue Fans kennenzulernen.
@ Rainer Reddehase / ECG e. V.
Abends fand dann die Bootsfahrt auf der Donau statt mit ESC-Disco und DJ 12Points. Das Boot war gut gebucht, die Stimmung war blendend und die Tanzfläche brechend voll. Viele zogen dann weiter in den EuroClub, ich habe mir allerdings gestern mal eine Auszeit gegönnt und bin relativ früh um 1.00 Uhr ins Bett, damit ich heute einigermaßen fit bin.
Ich wünsche euch allen einen spannenden Finalabend und hoffe auf einen würdigen Sieger. Vielleicht gibt es doch eine Überraschung und die Wettquoten liegen nicht richtig, wie schon in den letzten beiden Jahren.
Und ich drücke Sarah Engels alle Daumen, dass es möglichst weit nach oben geht!
Die Juryprobe ist gelaufen – und damit is
t bereits die Hälfte aller Würfel gefallen. Hier meine Eindrücke, bewertet auf einer sehr persönlichen Geschmacksskala von 1 bis 10 Punkten.
© Stephan Mehner ECG e.V
Dänemark
Schade für Søren, dass er den Abend eröffnen muss – das dürfte ihn am Ende einige Plätze kosten. Dennoch liefert er mit der ihm eigenen Professionalität und Energie einen Auftritt ab, der ihn eigentlich zum Favoriten machen müsste. Die Choreografie wirkt durchgehend rund und stimmig und entwickelt gegen Ende beinahe etwas Hypnotisches.
10 von 10
Deutschland
Vor allem eines fällt bei Sarah auf: unglaublich viel Wumms. Fast möchte man weinen, dass diese talentierte Frau ausgerechnet diesen doch recht generischen Song singen muss. Mit stärkerem Material wären hier echte Chancen möglich gewesen. Auf der Bühne strahlte sie allerdings wie ein Brillant – vielleicht wird genau das von den Juroren honoriert.
5 von 10
Israel
Noam aus Israel kann sich voll und ganz auf sein stärkstes Werkzeug verlassen: seine Stimme. Aus einem eigentlich „nur“ guten Song macht er etwas Besonderes. Man kann fast davon ausgehen, dass er im Televoting nicht schlechter als unter den Top 3 landen wird. Die Jurys könnten ihn etwas zurückhaltender bewerten, doch selbst dann dürfte es locker für die Top 5 reichen.
8 von 10
Belgien
Belgiens Elyssa blickt wieder gewohnt streng und leicht wütend in die Kamera, liefert stimmlich aber auch heute souverän ab und verleiht diesem modernen Stück eine gewisse Magie. Ich fürchte dennoch, dass es am Ende eher für die hinteren Plätze reichen könnte. Sehr amüsant war bei den Proben übrigens zu beobachten, wie der Kunstschnee am Ende mit einem Laubbläser in die Gesichter der Interpreten gepustet wird.
7 von 10
Albanien
Beim Intro Albaniens würden die „Gregorians“ vor Neid erblassen. Trotz der sehr düsteren Inszenierung schaffen es die Albaner, ihrer Performance eine starke emotionale Note zu verleihen – die natürlich maximal ausgespielt wird, wenn die Mutter dem Jungen die Sonnenbrille abnimmt. Ob man die englischen Untertitel wirklich braucht, sei dahingestellt; mich lenken sie eher ab.
10 von 10
Griechenland
Wer mit diesem Act ohnehin schon etwas anfangen konnte, wird hier komplett abgeholt. Leider gehöre ich persönlich nicht dazu, kann aber durchaus anerkennen, dass die Show spektakulär und handwerklich stark umgesetzt ist. „Ferto Ferto“ kann einem allerdings durchaus an den Nerven sägen. Dennoch stehen die Griechen nicht ohne Grund auf Platz drei der Wettquoten. Bei der TikTok-Generation – in Form lettischer Journalistinnen neben mir im Mediacenter – zündet der Beitrag zu hundert Prozent.
5 von 10
Ukraine
Auch in diesem Jahr verteidigt die Ukraine ihre makellose Bilanz bei den Finalqualifikationen. Ohne den weiterhin präsenten Krieg im Land hätte es diesmal allerdings womöglich knapp werden können. Leléka, die inzwischen in Berlin lebt, zaubert eine wunderschöne Atmosphäre auf die Bühne. Ihr anspruchsvoller Song bleibt jedoch recht sperrig, was ihn für mich gerade spannend macht, das breite Publikum aber vielleicht überfordern könnte. Möglicherweise tragen die Jurys den Beitrag weit nach vorne, während das Publikum ihn knapp in die Top 10 hievt.
7 von 10
Australien
Delta spielt in einer eigenen Liga. Die jahrelange Erfahrung spürt man in jeder Sekunde ihres Auftritts. Aus einem eigentlich eher klassischen Popsong schleift sie einen echten Brillanten. Nach ihrem phänomenalen Semifinalauftritt ist sie inzwischen auf Platz zwei der Wettquoten geklettert und könnte tatsächlich ein ernstes Wort um den Sieg mitreden. Der Auftritt vor den Juroren war – wenig überraschend – nahezu perfekt.
10 von 10
Serbien
Direkt nach Australien folgt Serbien – ein bisschen wie „Die Schöne und das Biest“. In ihrem Rockgenre mögen sie brillieren, mich persönlich verstört diese Art von Musik eher. Das liegt sicherlich auch an meinem Geschmack. Durch meine subjektive Brille betrachtet bleibt am Ende allerdings vor allem eines hängen: Sie schreien.
2 von 10
Malta
Der Song beginnt fast wie die Titelmelodie einer Telenovela – und irgendwie hat das durchaus Charme. Wäre da nicht dieser etwas nervige Mittelteil, in dem Aidan gefühlt tausendmal „Bella Bella Bella“ singt, als seien den Autoren plötzlich die Ideen ausgegangen. Auch die sehr dunkle Inszenierung wirkt seltsam, gerade bei einem Titel, der eigentlich nach Farbe schreit. Trotzdem will ich nicht zu mäkelig sein, denn insgesamt mag ich den Beitrag sehr, und Aidan ist ohne Zweifel ein hervorragender Sänger. Besonders schön: Endlich hören wir auch einige Zeilen auf Maltesisch – und genau das ist der stärkste Teil des Songs.
8 von 10
Tschechien
„Sperrig“ ist bei diesem Lied unserer südlichen Nachbarn eigentlich noch untertrieben. Der gesamte Auftritt setzt zu hundert Prozent auf die Stimmakrobatik des Sängers. Eine klassische Hallenshow findet quasi gar nicht statt, denn die Spiegel um Sänger Daniel bleiben meist geschlossen und bilden eine Art Kokon, in dem er fast ausschließlich mit dem Kameramann interagiert. Dadurch entsteht gleichzeitig eine enorme Intimität und eine überraschende Wucht – genau das hat Tschechien endlich wieder ins Finale katapultiert. Die Jurys könnten diesen Beitrag lieben.
7 von 10
Bulgarien
Schön, dass Rückkehrer Bulgarien direkt wieder das Finale erreicht hat. Und Bangaranga wirkt wie ein Naturereignis – je nach Stimmungslage entweder wie ein Vulkanausbruch oder ein schweres Unwetter. Eines kann man den Bulgaren jedenfalls nicht vorwerfen: mangelndes Konzept. Die Performance strahlt eine unglaubliche Energie aus, die viele begeistern, andere aber vermutlich auch verschrecken wird. Wieder ein typischer TikTok-Generation-Beitrag – und genau solche Songs tun dem Contest aktuell gut.
8 von 10
Kroatien
Traditionell bin ich sehr leicht mit diesen Balkan-Chorklängen zu begeistern, und so verfehlt auch dieser Act von Lelek seine Wirkung bei mir nicht. Die Gruppe singt bemerkenswert sauber und kraftvoll zusammen. Früher hätte man das wohl „hysterischen Harmoniegesang“ genannt. Darf man das heute noch sagen? Egal. Für mich klar ein Kandidat für die Top 10 – wenn dort überhaupt noch Platz ist.
10 von 10
Vereinigtes Königreich
Der arme Sam hat sich vor einigen Tagen offenbar eine heftige Lebensmittelvergiftung durch schlechten Fisch eingefangen – und man sah ihm die Strapazen noch deutlich an. Zwar etwas angeschlagen, dafür aber umso wilder grölt er sich durch diesen herrlich skurrilen Act namens „Eins Zwei Drei“. Offenbar gelangweilt vom Büroalltag, entschied er sich irgendwann für Elektromusik, begleitet von Tänzern mit Flokati-PCs auf dem Kopf. Klingt verrückt? Ist es auch. Heißer Kandidat für die Bottom 3.
5 von 10
Frankreich
Bis vor wenigen Tagen dachte ich noch, Monroe würde den Contest gewinnen. Doch die Reaktionen hier vor Ort fallen überraschend verhalten aus, was ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen kann. Vielleicht ist nach zwei Jahren voller Opern-Elemente bei den Siegerbeiträgen tatsächlich eine gewisse Sättigung eingetreten. Natürlich ist der Song sehr offensichtlich auf ESC-Erfolg geschrieben – aber warum eigentlich nicht? Monroe wirkt manchmal fast ein wenig übermotiviert, doch das ist mir deutlich lieber als gelangweilte Routine. Im Mediacenter gab es eben den bislang größten Applaus des Abends. Und auch ich bin begeistert.
10 von 10
Moldau
In der Halle gehört Moldau definitiv zu den Beiträgen, die am meisten Spaß machen. Satoshis Frontmann strahlt aus jeder Pore und genießt diese ESC-Reise sichtbar. Mit voller Energie schleudert er sein „Welcome to Moldova“ dem verblüfften Rest Europas entgegen. Ein Land, das zwischen Russland und Europa zerrieben zu werden droht, setzt bewusst auf einen Act, der sich klar europäisch positioniert. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein reiner Partybanger – tatsächlich steckt aber deutlich mehr dahinter. Einzig die extrem wackelige Kameraführung könnte problematisch werden, weil sie den ohnehin schon wilden Song stellenweise fast anstrengend wirken lässt. Großartig auch Alyona Moon, die bereits 2013 in einem turmhohen Kleid für Moldau antrat und ihren damaligen Auftritt hier charmant zitiert. Und immerhin nutzt Moldau diesmal auch konsequent die Errungenschaften des Farbfernsehens.
10 von 10
Finnland
Und es geht spektakulär weiter mit den Topfavoriten aus dem hohen Norden. Was soll man lange drum herumreden: Finnland wird den Pott holen. Punkt. Dass Linda die Geige nun live spielen darf, ist ein netter zusätzlicher Effekt, der Aufmerksamkeit erzeugt, letztlich aber kaum entscheidend ist. Vollkommen egal, dass man die Nummer mit dem Beichtstuhl nicht wirklich versteht, dass sie auf Finnisch singen oder stellenweise wie „Rondò Veneziano Reloaded“ klingen. Das Ding marschiert Richtung Sieg. Tschakka – auf nach Tampere.
10 von 10
Polen
Alicija lebt diesen schwierigen Song auf der Bühne komplett aus und macht ihn dadurch zu einem kleinen Kunstwerk. Als reine Studiofassung halte ich keine 30 Sekunden durch, aber live funktioniert das erstaunlich gut. Echtes Juryfutter – wobei sie sich die Punkte möglicherweise mit Tschechien gegenseitig wegnehmen könnte. Vielleicht erleben wir hier aber auch eine echte Überraschung. Das Potenzial dafür hat sie jedenfalls. Ich sage nur: Schweiz 2025.
6 von 10
Litauen
Tja, der Mann mit der silbernen Farbe im Gesicht, den ich ganz sicher nicht im Finale gesehen hatte. Wieder eine sehr düstere Inszenierung, die mich stellenweise an Fritz Langs „Metropolis“ erinnert und dabei durchaus etwas Hypnotisches entwickelt. Stimmlich klingt das heute deutlich kraftvoller als noch im Semifinale, dennoch wird ihn das vermutlich nicht auf die linke Tabellenhälfte bringen.
5 von 10
Schweden
Das erfolgsverwöhnte Schweden könnte in diesem Jahr – Achtung Wortspiel – tatsächlich sein Waterloo erleben. Ja, der Witz war flach, aber der Song ist es eben auch. In der Halle funktioniert so ein Partykracher natürlich hervorragend, beim ESC insgesamt allerdings eher selten. Hinzu kommt, dass Felicia in der Probe teilweise ziemlich schräg klang. Mit einer Platzierung in den Top 10 dürfte es daher schwierig werden, zumal sich die skandinavischen Punkte diesmal wohl eher auf die Nachbarn mit deutlich stärkeren Beiträgen verteilen werden.
7 von 10
Zypern
Was hätte das für ein wunderbarer Sommerhit werden können, hätte man sich für eine Sängerin mit etwas stärkerer Stimme entschieden. Eigentlich wäre das sogar der bessere Song für Sarah Engels gewesen. Antigoni macht durch ihre Ausstrahlung zwar vieles wett, doch die erhoffte Spitzenplatzierung schien lange in weiter Ferne. Es reicht eben nicht allein, wie Shakira auszusehen. Allerdings hat sie gerade in der Probe überraschend stark abgeliefert. Vielleicht funktioniert sie tatsächlich nur dann richtig, wenn es ernst wird. Hier im Mediacenter sind jedenfalls alle etwas verblüfft, wie gut das plötzlich klingt. Vielleicht habe ich den Stab über ihr doch zu früh gebrochen. Mein Trashherz vergibt jedenfalls freudig:
8 von 10
Italien
„Nostalgisch“ ist wohl die freundlichere Umschreibung für diesen Beitrag, „rückwärtsgewandt“ die bösere. In Italien tobt schon länger ein kultureller Richtungsstreit, den die Traditionalisten beim Sanremo-Festival offenbar gewonnen haben, wodurch „Per Sempre Sí“ überhaupt erst zum Hit wurde. Auf der Bühne erleben wir eine kleine Hochzeit, die durchaus stimmungsvoll inszeniert ist. Der Auftritt trieft allerdings nur so vor Kitsch – spätestens dann, wenn auch noch die italienische Fahne eingeblendet wird. Italien ist für mich in diesem Jahr extrem schwer einzuschätzen. Vor Ort hat der Beitrag sehr viele Fans, mich persönlich erreicht er dagegen nur bedingt.
6 von 10
Norwegen
Eine der schwächsten Vorentscheidungen des Jahres hatte definitiv Norwegen. Selbst Herr Rybak schaffte es damals noch, das Niveau zu unterbieten. Herrn Lovv habe ich mir inzwischen zwar schöngehört, ohne dass mir der Song wirklich wichtig geworden wäre. Vergleiche mit Måneskin, den Siegern von 2021, verbieten sich eigentlich – wäre da nicht diese seltsame Latzhose des Sängers. „YaYaYa“ ist letztlich ein sehr schlichtes Stück Musik, das aber immerhin stimmig, sauber und souverän umgesetzt wurde.
5 von 10
Rumänien
Ich gebe offen zu: Bei Alexandra und ihrem Würgesong bin ich offenbar der Geisterfahrer. Die meisten hier gehen völlig steil auf diesen Act und sehen teilweise sogar schon einen möglichen Sieg. Bitte was? Ja, für dieses Genre ist das alles sehr gut umgesetzt, und sogar eine Portion Operngeschrei ist mit dabei. Aber Siegerin? Wirklich? Zugegeben: Ihre Blicke in die Kamera sitzen perfekt. Und wenn ich den Ton abstelle, finde ich den Auftritt sogar ziemlich großartig.
3 von 10
Österreich
Ach, wie sehr würde ich dem guten Cosmó den Erfolg gönnen. Der Act ist originell, witzig und eingängig. Allein: Europa wird sich vermutlich kaum erschließen, warum man einen Tanzschein braucht und was der Sänger dem Publikum eigentlich genau sagen möchte. Natürlich erinnert das Ganze stark an die Neue Deutsche Welle der 1980er Jahre, die allerdings auch fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum funktionierte. Ich hoffe zumindest, dass aus Deutschland ein paar Punkte herüberspringen – denn vom Rest Europas dürfte eher Schweigen kommen.
8 von 10
Prognose:
Jetzt geht
es im Mediacenter Schlag auf Schlag. Martin Green, seines Zeichens ESC-Direktor, stellte gemeinsam mit Aidan und dessen Team Malta als Gastgeberland für den Junior Eurovision Song Contest vor. Auch nahezu alle Pausenacts ließen sich bei der Pressekonferenz blicken: Ruslana, Kristian Kostov, Erika Vikman, Lordi und Miriana Conte standen den Medien Rede und Antwort. Lediglich Max Mutzke fehlte bei dem Termin.
Im Mediacenter selbst wird es inzwischen immer voller. Freie Plätze sind kaum noch zu finden, nachdem gestern erneut zahlreiche größere Medienhäuser angereist sind, die sich ausschließlich auf die Berichterstattung rund um das Finale konzentrieren. Man merkt deutlich, dass der Eurovision-Zirkus nun seinen absoluten Höhepunkt erreicht: Die Gänge sind voller Kamerateams, überall laufen Interviews, und an nahezu jeder Ecke wird noch fieberhaft über Favoriten, mögliche Überraschungen und die letzten Proben diskutiert.
Erika Vikman © Stephan Mehner ECG e.V
Aidan aus Malta © Stephan Mehner ECG e.V
Mariana Conte und Kristian Kostiv © Stephan Mehner ECG e.V
Nicht Lordi, sondern Erika © Stephan Mehner ECG e.V
Lordi sehr entspannt © Stephan Mehner ECG e.V
Ruslana wie immer sehr leidenschaftlich © Stephan Mehner ECG e.V
Full House © Stephan Mehner ECG e.V
Die Pausenacts ohne Max © Stephan Mehner ECG e.V
Ruslana heiß begehrt © Stephan Mehner ECG e.V
Lordi © Stephan Mehner ECG e.V
Und sc
hon ist Freitag – und wir haben ein komplettes Starterfeld für den Eurovision Song Contest 2026. Insgesamt kam das zweite Semifinale beim Publikum und in den heimischen Medien deutlich besser an als die Sendung am Dienstag. Allerdings fällt die bisherige Zwischenbilanz des ORF bei den Einschaltquoten rund um den Contest eher enttäuschend aus. Die Werte bleiben deutlich hinter dem Hype von 2015 zurück, was möglicherweise auch an den politischen Querelen in diesem Jahr liegt. Wie dem auch sei: Erst morgen steht mit dem Finale die wichtigste Show der Saison an – und vielleicht entzündet sich dann auch in Österreich die große Begeisterung für den Wettbewerb.
Größere Überraschungen blieben gestern Abend weitgehend aus. Lediglich bei Tschechien war ich mir unsicher und hatte den Beitrag in meiner letzten Prognose sogar herausgenommen – ein Fehler, wie sich nun zeigt. Für Tschechien dürfte die Qualifikation jedenfalls eine große Freude sein, nachdem man im vergangenen Jahr erstmals wieder eine spürbare Begeisterung im eigenen Land für den Beitrag erleben durfte und am Ende dennoch im Semifinale scheiterte.
Ein kleiner Schockmoment war dann die Verkündung der Startreihenfolge in der Nacht. Offenbar scheint Sarah Engels beim ORF keine großen Fürsprecher zu haben, denn mit der undankbaren Startnummer zwei – direkt nach einem der Favoriten aus Dänemark sowie vor dem kontrovers diskutierten Beitrag aus Israel – wirkt „Fire“ beinahe wie reines Füllmaterial. Vor allem bei den Zuschauerpunkten dürften die Chancen damit in weite Ferne rücken. Auch im Mediacenter wird die Startreihenfolge intensiv und teils leidenschaftlich diskutiert. Für viele ist völlig unverständlich, warum ausgerechnet Dänemark, einer der großen Favoriten, auf dem ersten Startplatz „verheizt“ wird. Dass Deutschland ebenfalls eine der undankbarsten Positionen zugelost bekam, interessiert hingegen vor allem die deutschen Fans, da Sarah Engels ohnehin kaum Chancen auf eine Platzierung in den Top 15 eingeräumt werden. Damit dürfte sich auch die Hoffnung erledigt haben, das wunderschöne Kleid, das Sarah auf dem türkisen Teppich trug, noch einmal bei der Flaggenparade zu sehen – für ein größeres Umstyling bleibt nun schlicht keine Zeit mehr.
Die sehr freundlichen Volunteers begleiten uns zur Probe Stephan Mehner ECG e.V
Kurz vor Beginn der ersten Generalprobe Stephan Mehner ECG e.V
Aktuell läuft die erste Durchlaufprobe, zu der ausschließlich akkreditierte Pressevertreter Zugang haben. Beim großen Opening kam es offenbar noch zu einigen Komplikationen, weshalb die komplette Eröffnung gleich zweimal geprobt wurde. Vor allem die Flaggenparade verlief noch nicht ganz reibungslos, da viele Teilnehmende zu lange brauchen, um über den Catwalk zu ihren jeweiligen Länderpositionen zu gelangen. Besonders gelungen wirkt dagegen die Eröffnung des Radio Symphony Orchestra, das für einen stilvollen und zugleich emotionalen Auftakt sorgt. JJ befindet sich dabei praktisch im Dauereinsatz: Er singt nicht nur einen kurzen Ausschnitt aus der „Zauberflöte“, sondern natürlich auch seinen Siegertitel. Wer bislang mit den beiden Moderatoren nicht warm geworden ist, dürfte seine Meinung auch im Finale kaum noch ändern. Wie bereits in den Semifinals werden die Auftritte zudem immer wieder von diversen Einspielern unterbrochen, die zwar ihren Zweck erfüllen, jedoch wenig originell wirken – allerdings sind sie für die Werbepausen in vielen Ländern notwendig.
Das RSO eröffnet das Finale Stephan Mehner ECG e.V
Wenigstens Molau nutz Farben Stephan Mehner ECG e.V
Immer deutlicher kristallisiert sich Finnland derzeit als Favorit auf den Gesamtsieg heraus. Auch Delta Goodrem, die inzwischen auf Platz zwei der Wettquoten geklettert ist, dürfte den Triumph der Finnen wohl kaum noch verhindern können. Einzig Israel bleibt ein ernstzunehmender Faktor, da der Beitrag mit hoher Wahrscheinlichkeit das Televoting gewinnen könnte – allerdings besteht ebenso die Möglichkeit, dass die Jurys den Song am Ende ausbremsen.
Spannend wird heute vor allem noch die Juryshow, die ich im Mediacenter verfolgen werde. Danach dürfte sich deutlich besser einschätzen lassen, wie stark die einzelnen Acts tatsächlich performen und welche realistischen Chancen sie im Finale haben. Dann wird sich auch zeigen, ob sich bereits ein klarer Sieger abzeichnet oder ob uns doch noch eine Überraschung bevorsteht.
I
ch bin zurück von einem ereignisreichen Nachmittag. Heute war um 14.00 Uhr ein Meet & Greet mit Sarah Engels im Euro Fan House. Der Raum war zum Bersten voll, so dass die Türen geschlossen waren und immer nur Leute reingelassen wurden, wenn welche rauskamen. Es stand noch eine lange Schlange vor der geschlossenen Tür. Glücklicherweise wurde in den Vorraum übertragen, so dass ich, der es leider nicht rechtzeitig hineingeschafft hatte. alles mitverfolgen konnte. Es bestätigte sich wieder, wie bodenständig Sarah Engels ist. Sie spricht ja eigentlich ein ganz gutes Englisch, aber trotzdem fehlten ihr manchmal die Worte und sie bat um Übersetzungshilfe aus dem Publikum. Sie spreche ja schließlich nur Schulenglisch. Aber sie machte das so sympathisch und humorvoll, dass es auch bei den Zuhärenden sehr gut ankam. Schließlich sang sie dann noch "Fire" und holte sich dazu Leute aus dem Publikum auf die Bühne. Anschließend ging es dann schnell nach unten ins Foyer zur Fotowand. Auch hier war schon eine schier endlose Schlange, so dass wir wirklich im Eiltempo durchgeschleust wurden. Für Gespräche war leider keine Zeit. Sarah machte es aber offensichtlich Spaß, zumindest strahlte sie die ganze Zeit.
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@ Benrd Ochs / ECG e. V.
Anschließend hatte ich dann einen Interviewtermin mit der ARD für die Aktuelle Stunde im WDR am Samstag vor der Kulisse des Eurovision Village. War etwas problematisch, rechtzeitig dort zu sein wegen der Schlange am Einlass. Ich hatte natürlich auch vorher nicht gelesen, dass man keine Schirme, in meinem Fall einen Knirps, mit reinnehmen darf. Die Security riet mir, ihn einfach am Boden vor dem Eingang liegen zu lassen. Und was soll ich sagen, er lag nach einer Stunde noch da! :-)
Im Village bekam ich noch einen bejubelten Auftritt von Sal da Vinci und Pete Parkonnen x Linda Lampenius mit.
Und auf dem Rückweg zum Hotel sah ich dies im Prater:
@ Michael Sonneck / ECG e. V.
@ Michael Sonneck / ECG e. V.
Jetzt ein wenig die Beine hochlegen und dann geht es in den EuroClub zum zweiten Semifinale. Auch hier habe ich bisher noch keine der Performances komplett gesehen und bis deshalb sehr gespannt. Australien muss eine tolle Inszenierung haben, hört man.
Viel Spaß euch heute Abend!
Ein fröhliches
Servus aus dem kühlen Wien! Nach einem hervorragenden Frühstück im deutschen Fancafé „Hummel“ ist der Tag des zweiten Semifinales wunderbar gestartet. Heute öffnete das Eurovision Village bereits um 11 Uhr seine Pforten, denn erstmals fand dort ein ESC-Frühschoppen statt, organisiert vom Wiener Blasmusikverband und moderiert von ORF-Star Martin Ferdiny, der außerdem live im Radio übertragen wurde. Trotz der beinahe herbstlichen Temperaturen strömten schon am Vormittag zahlreiche Fans in Richtung Rathausplatz.
Café Hummel © Stephan Mehner ECG e.V
Eigentlich hatte ich geplant, die üblichen Fandevotionalien zu ergattern. Allerdings ist nach dem Wechsel der Firma, die für die ESC-Merchandiseartikel verantwortlich ist, das Sortiment derart ausgedünnt worden, dass man nicht einmal mehr die wenigen verbliebenen Artikel in allen Shops der Stadthalle und des Villages erwerben kann. Tassen und Programmhefte wurden heuer sogar ausschließlich vom ORF produziert, was zur Folge hat, dass die begehrten Tassen in den stationären ESC-Shops gar nicht erhältlich sind. Das wirkt umso seltsamer, wenn man bedenkt, wie erfolgreich der Verkauf der Fanartikel in den vergangenen Jahren lief: In den Villages und eigens eingerichteten temporären Shops bildeten sich oft lange Schlangen, und die Nachfrage war durchgehend enorm.
Eurovision Village kurz vor Öffnung © Stephan Mehner ECG e.V
Gestern fand die große Juryshow statt, die erneut hervorragend angenommen wurde – und zwar nicht nur von den üblichen ESC-Fans, sondern auch von vielen enthusiastischen Einheimischen. Nach dieser Probe gibt es für mich weiterhin einige Länder, die auf der Kippe stehen, weshalb eine verlässliche Prognose nach wie vor schwierig bleibt. Im Publikum kamen vor allem die schrillen Acts aus Bulgarien und Armenien gut an, frenetisch gefeiert wurde allerdings insbesondere Delta Goodrem aus Australien, da der Effekt auf dem goldenen Flügel live schlicht phantastisch wirkt. Selbstverständlich feiert die Halle auch den Heimbeitrag, der einfach gute Laune verbreitet, obwohl den meisten bewusst sein dürfte, dass es heuer wohl schwierig wird, die linke Tabellenhälfte zu erreichen.
Delta in luftigen Höhen © Stephan Mehner ECG e.V
Volle Halle vor der Juryshow © Stephan Mehner ECG e.V
Sehr viel los beim UK © Stephan Mehner ECG e.V
Mein persönliches Highlight war einmal mehr unser dänischer Freund Søren Torpegaard Lund, der bei jeder Probe perfekt abliefert. Eine Top-5-Platzierung im Finale, das er mit Sicherheit erreichen wird, scheint absolut realistisch. Bei Frankreich gingen die Meinungen gestern Abend hingegen etwas auseinander. Ob man sich mit der reduzierten Schwarz-Weiß-Optik tatsächlich einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten. Ebenso wird sich erst noch zeigen, ob die stilistische Nähe zu „Berghain“ von Rosalía der Performance am Ende eher schadet als nützt. Neben Finnland glaube ich derzeit, dass Monroe extrem gute Chancen auf den Sieg hat.
Nach inzwischen zwei Generalproben sehe ich aktuell folgende Länder nicht im Finale: Aserbaidschan, Luxemburg, die Schweiz, Armenien und Tschechien.
Satoshi aus Moldau schaut im Mediacenter vorbei © Stephan Mehner ECG e.V
Schauen wir mal, was der Tag heute noch bringt.
Soeben begann die letzte Generalprobe vor der großen Liveshow heute Abend. Im Mediacenter tauchen nun auch einige Teilnehmende nach ihrem Auftritt auf.
JIVA aus Aserbaidschan nach ihrer letzten Probe © Stephan Mehner ECG e.V
Hallo aus dem heute sehr bedeckten und später wahrscheinlich verregneten Wien. Der Wettergott ist auch in diesem Jahr den ESC-Fans - wie schon 2025 - nicht hold. Umso mehr konnte man gestern einen wunderschönen Tag mit fast wolkenlosem blauen Himmel genießen. Ich habe mir mal das Euro Fan House im Wien Museum angeschaut, wo Sarah Engels heute Nachmittag erscheinen soll. Gestern sah ich im Foyer eine endlose Schlange vor allem von jungen Fans, die alle darauf warteten, dass Satoshi sich vor eine Fotowand zum Meet & Greet stellte. Es ist wirklich erfreulich und ermutigend, wie viele junge ESC-Fans man hier trifft. So ist es auch im Euro Club, der gestern schon sehr, sehr voll war, obwohl er ja wirklich riesig ist. Satoshi machte auch dort den Anfang der Auftritte, und alle tobten. Genauso wie bei Tamara aus Monenegro, die ja leider ausgeschiedenen ist und deshalb umso mehr gefeiert wurde. Sie war sichtlich gerührt. Später kam noch Lion Ceccah, dieses Mal nur mit silbernem Gesicht. Wer danach noch aufgetreten ist, weiß ich nicht, ich hatte mich in den zweiten Floor begeben, wo es nicht ganz so voll war.
Beim Botschaftsempfang @ Michael Sonneck / ECG e. V.
Die deutsche und die italienische Botschaft hatten von 18-00 bis 20.00 Uhr zu einem Empfang im MuseumsQuartier geladen. Früher war es eigentlich so etwas wie Tradition, dass der deutsche Empfang immer in Kooperation mit dem Gastgeber stattfand. Nun, diesmal war die Wahl auf Italien gefallen, was mir als großem Fan des italienischen Liedes nur recht sein konnte. So kam ich einmal mehr in den Genuß, Sal da Vinci zu hören, dieses mal solo ohne das für mein Emfpfinden überinszenierte Staging auf der ESC-Bühne. In einem kurzen Interview erklärte Sa da Vinci, dass sein Lied die Liebe hochleben lasse, egal wer wen liebe. Da verwundert es schon etwas, dass man für den Auftritt die Kulisse einer Hetero-Hochzeit gewählt hat.
@ Michael Sonneck / ECG e. V.
@ Michael Sonneck / ECG e. V.
Sarah Engels sang die Akustikversion von "Fire" wieder einmal beeindruckend. Im Gespräch mit Constantin Zöller betonte sie nochmals die wichtige Botschaft des "Female Empowerment" von "Fire" und erzählte etwas über das neue Staging. Sie habe anfangs Respekt davor gehabt, sich in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen zu lassen, aber ihre Choreografin habe ihr gesagt, man dürfe ihr auf keinen Fall die "Angst" anmerken. Das schwierigste sei das Tanzen und glkeichzeitig zu singen. Da für trainiere sie täglich auf dem Laufband, während sie beim Joggen singe. SIe sei so unendlich stolz, Deutschland vertreten zu dürfen und werde alles geben!
@ Michael Sonneck / ECG e. V.
Gruppenbild mit den beiden Botschaftern @ Michael Sonneck / ECG e. V.

Gerade ging die erste Generalprobe für das zweite Semifinale über die Bühne der Wiener Stadthalle. Victoria und Michael, unsere beiden Hosts, haben einen sehr witzigen Film namens „Wasted Boat“ aufgenommen, in dem sie die Inszenierung von JJ nachstellen wollen. Nun ja – im Film geht dabei nicht alles gut.
Die Bühne kurz vor der Generalprobe Stephan Mehner ECG e.V
Was in diesem Jahr auffällt, sind neben vielen krawalligen Acts vor allem die recht düsteren Darbietungen, was auf Dauer etwas ermüdend wirkt. Gerade die erste Hälfte des zweiten Semis ist nichts für schwache Nerven. Bulgariens Dara bietet eine perfekte Show, doch trotz allem möchte ich meinen Kopf am liebsten in eine Eistonne stecken, um wieder abzukühlen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Aserbaidschan, das direkt danach folgt, eine Wohltat für die Nerven sein würde? Nun gut, letztlich wird das wohl auch nichts am erneuten Scheitern des einst so erfolgreichen Landes ändern.
Rumänien wird seit letzter Woche derart gehypt, dass ich schon froh wäre, wenn Alexandra am Ende nicht noch gewinnt. Natürlich liefert sie in ihrem Genre einen perfekten Auftritt ab, der auch stimmlich überzeugt. Aber stimmen die Juroren wirklich für so etwas?
Luxemburg ist danach als Kontrast gut platziert. Allerdings wurde die Inszenierung – wie viele andere auch – so sehr auf das TV-Bild zugeschnitten, dass man in der Halle von den Spezialeffekten kaum etwas mitbekommt. Vielleicht wirkt „Mother Nature“ etwas zu beschaulich – ich drücke Eva dennoch die Daumen.
Veronica aus der Schweiz hat sich heute in einem Interview mit einer Schweizer Zeitung über die mangelnde Professionalität der Produktion hier beschwert, was ihr sicher keine zusätzlichen Sympathien einbringen wird. Baut sie damit schon einem möglichen Aus morgen vor? Wundern würde es mich nicht, denn die vielen Schnüre und Stricke auf der Bühne lenken letztlich stark von ihrer Soulballade ab. Hier wäre eine reduzierte Show wohl passender gewesen.
Mein Herz schlägt für Zypern, aber ich fürchte, der Finaleinzug wird nicht einfach. Selbst in der Halle klang Antigonis Stimme sehr wackelig, und auch die Show strahlt eher unterkühlte Lebensfreude aus. Gerade die eisige Farbwelt in Blau und Weiß lässt einen fast frösteln.
Ein kleines Nickerchen kann man bei Lettland machen – natürlich ist wieder alles dunkel, wie schon bei der Vorentscheidung, dafür aber auch sehr stilvoll.
Wachgerüttelt wird man anschließend von Dänemark. Alles wie gehabt, aber genauso mitreißend wie eh und je. Perfekt!
Australiens Delta zählte von Anfang an zu meinen Favoritinnen, doch die ersten Schnipsel hatten mich noch nicht überzeugt – was sich nach der Probe zum Glück geändert hat. Große Robe, goldenes Klavier, Windmaschine und ein Podest, das Delta direkt aus dem Flügel heraus in luftige Höhen trägt. Top.
Sehr emotional wird es bei Albanien. Der Sänger hat am Ende seines Auftritts eine kleine Überraschung eingebaut, die mit seiner Sonnenbrille zu tun hat. Perfekt gesungen – auch wenn erneut alles sehr dunkel inszeniert ist.
Auch bei Malta wünscht man sich, dass die Errungenschaften des Farbfernsehens stärker genutzt würden. Aidan macht allerdings einen sehr guten Job – Charisma ist offenbar sein zweiter Vorname.
Norwegen präsentiert die souveräne Show aus dem Norsk Melodi Grand Prix und wird sicher seine Fans finden. Allerdings könnte das Ganze fürs Finale auch eine Spur zu generisch wirken.
Drei der fünf bereits fürs Finale gesetzten Länder standen eben ebenfalls auf der Bühne. Frankreich hat geliefert! Damit wird das Land definitiv um den Sieg mitsingen. Sehr stilvoll und stimmgewaltig – genau so, wie man es von Monroe erwartet hat. Erwähnen muss ich wohl nicht mehr, dass auch hier Schwarz-Weiß den Grundton vorgibt.
Gastgeber Cosmó hat ein gutes und stimmiges Konzept. Wenn man den Text allerdings nicht versteht, könnte der Auftritt in anderen Ländern auch eher verstörend wirken.
Apropos verstörend: Damit kommen wir zum Vereinigten Königreich. Irgendwie ist das schon eine witzige Show, die Sam auf die Bühne bringt. Für meinen Geschmack ist das Ganze jedoch zu wirr – vor allem dann, wenn er versucht, mit dem Publikum zu interagieren.
Mit einer endgültigen Prognose warte ich aber noch bis zur heutigen Juryprobe, die sicherlich erneut vor voller Halle stattfinden wird.
Auch Lordi sind nun wieder in der Bubble angekommen Stephan Mehner ECG e.V

Nach einer aufregenden Nacht lacht heute wieder die Sonne über dem wunderschönen Wien. Obwohl diesmal keine großflächige Beflaggung mit dem ESC-Logo in der Stadt zu sehen ist, beteiligen sich viele Kaffeehäuser und Einzelhändler mit teils ausgesprochen liebevoll gestalteten Schaufensterdekorationen. Medial ist es kaum zu fassen, wie viel der ORF in Sendungen rund um den Contest investiert hat. Selbst in den Wiener U-Bahnen laufen zahlreiche Filmchen mit ESC-Bezug; unter anderem werden dort sogar die einzelnen Beiträge vorgestellt.
Deko in einem der Fancafés © Stephan Mehner ECG e.V
Fantisch in der Buchhandlung Morawa © Stephan Mehner ECG e.V
U Bahn in Wien © Stephan Mehner ECG e.V
Etwas enttäuschend: Das Angebot an Merchendisestand © Stephan Mehner ECG e.V
Akylas Fans in der Wiener Stadthalle © Stephan Mehner ECG e.V
Strengerer Flaggenregeln = weniger Flaggen © Stephan Mehner ECG e.V
Was bleibt nun vom gestrigen Abend? Zum einen eine sehr gut organisierte Show, die allerdings aufgrund zahlreicher Einspieler einige Längen hatte. Verantwortlich dafür dürften vor allem die Sender sein, die Werbepausen benötigen. Auch die Moderation fällt im Vergleich zu den vergangenen Jahrgängen deutlich ab: Die Gags wirkten zu bemüht und wollten nur selten wirklich zünden. Ansonsten gab es bei den Qualifikanten kaum Überraschungen. Neun Beiträge hatte ich richtig getippt, einzig Litauen hatte ich nicht auf dem Zettel.
Wenn man sich heute die mediale Nachberichterstattung ansieht, fällt auf, dass sich viele Berichte auf die wenigen Störer während der israelischen Darbietung fokussieren. Die Frankfurter Rundschau ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen, es sei zu einem Eklat gekommen. In der Halle selbst war davon allerdings kaum etwas zu spüren; gerade einmal vier Störenfriede wurden aus der Halle verwiesen. Das ist überhaupt kein Vergleich zu den Ausgaben in Malmö und Basel, wo bereits bei den Generalproben deutliche Buhrufe zu hören waren.
Presseschau © Stephan Mehner ECG e.V
Für Freitag und Samstag sind in Wien Demonstrationen angekündigt, wobei diese wohl kaum bis direkt an die Halle gelangen dürften. Bislang verläuft jedoch alles wesentlich entspannter, als es viele Medien im Vorfeld prognostiziert hatten. Umso mehr stellt sich die Frage, worüber nun berichtet werden soll. Zweifelhaft erscheint mir allerdings, dass laut Informationen des Berliner Tagesspiegels der deutsche Kulturstaatsminister Weimar eine Reise zum ESC nach Wien plant, um Israel zu unterstützen. Das ist, gelinde gesagt, nur schwer nachvollziehbar – zumal gerade in Deutschland immer wieder betont wird, dass es sich beim ESC um einen Wettbewerb der Rundfunkanstalten handelt und Regierungen sich davon eigentlich fernhalten sollten.
Soeben fand eine kleine Pressekonferenz mit den beiden Moderatoren Victoria Swarovski und Michael Ostrowski statt. Sie versprachen noch einige Höhepunkte für das zweite Semifinale und das Finale – außerdem werden beide auch wieder singen. Keine Minute hätten sie gezögert, als die Anfrage des ORF kam, ob sie den ESC moderieren würden. Als ihre Vorbilder als ESC-Hosts nannten sie Anke Engelke und Hazel Brugger.
Presskonferenz der Moderatoren © Stephan Mehner ECG e.V
Victoria und Michael mit Auri © Stephan Mehner ECG e.V
Cosmó im Mediacenter © Stephan Mehner ECG e.V
Einige Fragen bezogen sich jedoch darauf, warum der ORF mögliche akustische Störungen nicht ausblendet. Daraufhin erklärte die ORF-Programmdirektorin, man habe sich bewusst dafür entschieden, da man die Realität nicht ausblenden wolle. Außerdem habe es gestern große Unterstützung des Publikums für Israel gegeben. Letztlich seien das aber eher Fragen an die EBU.
Gleich beginnt die erste Durchlaufprobe für das zweite Semifinale.
Hallo aus Wien, ich melde mich auch einmal zu Wort! Ich bin erst gestern nachmittags angekommen, zum ersten Mal als „einfacher ESC-Tourist“. Bisher hatte ich ja in der Regel eine Akkreditierung und konnte die Proben sehen und auch in unserem Blog darüber schreiben. Nun, diese Möglichkeit ist ja eh schon sehr eingeschränkt worden bis auf die jeweils erste Durchlaufprobe, die für die Presse zugänglich ist. Aber zumindest die hatte ich im letzten Jahr noch online anschauen und darüber berichten können.
Nun habe ich also gestern Abend „völlig unbeleckt“ das erste Semifinale im EuroClub geschaut. Das hat durchaus auch etwas für sich, wenn man die fertigen Inszenierungen sieht und nicht schon Tage vorher jede Einzelprobe. Es war aber insofern zunächst problematisch, als bis zum kroatischen Auftritt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Bild und Ton aufgetreten ist, die zunächst trotz lautstarker Unmutsäußerungen der Fans nicht behoben wurde. Erst nach Schweden kam dann ein „Offizieller“ auf die Bühne, entschuldigte sich und kündigte an, man müsse mal kurz einen Reset machen. Also das altbewährte Mittel: Stecker ziehen, und dann funktionierte es einwandfrei. Da war ich aber schon drauf und dran gewesen, ins Hotel rüber zu wechseln, um dort weiter zu schauen.
Daher habe ich leider das Intro mit dem Auftritt von Vicky Leandros nicht genießen können und auch die Anfangsmoderation nicht richtig verstanden. Was die Moderation angeht, machte der Reset sie zwar verständlicher, aber nicht unbedingt besser. Das war doch relativ steif und wirkte sehr einstudiert mit dem Ziel, unbedingt lustig sein zu wollen. Aber gut gemeint ist halt nicht gut gemacht…
Sehr bemüht und nur bedingt komisch empfand ich auch die Einlage mit Austria vs. Australia, und eher langatmig das ESC-Quiz mit u.a. Thorsten Schorn (warum ein Deutscher und eine Schwedin gegen zwei Schweizer antraten, habe ich nicht verstanden).
Großartig dagegen der Interval-Act „Prater“. Und was ist das für eine tolle Bühne!
Vom Ergebnis war ich dann bei einigen Ländern doch überrascht. Ich hätte Montenegro sicher weiter gesehen, Belgien eher nicht, und über Litauen habe ich mich gewundert (ich höre es gern, aber sehe nicht gern dabei zu).
Schade auch für Portugal.
Der EuroClub ist wirklich sehr groß, anfangs aber auch unübersichtlich und verwirrend. Mehrere Bars, mehrere Floors. Der größte Floor wurde gestern von u.a. von DJ Douze Points bespielt, hier traten dann zwischendurch ein paar Stars auf. JJ machte den Anfang, dann kam Erika Vikman, der man mitten im Lied dann plötzlich „den Saft abdrehte“, offensichtlich eine erneute „technical disorder“. Die Arme stand dann hilflos auf der Bühne, meinte, sie könne ja so lange Stand-Up-Comedy machen (was sie dann aber nicht tat!?). Stattdessen konnten wir ihr beim Wassertrinken zuschauen, bis die Technik dann endlich ein Erbarmen hatte. Schließlich kam dann noch Paenda, was die Stimmung nach Erikas umjubeltem Auftritt nicht unbedingt hob.
Auf jeden Fall ist der EuroClub eine tolle Location, allerdings auch nicht gerade billig, was die Getränke angeht. Und ich habe es genossen, endlich mal wieder (außer beim Clubtreffen) mit anderen Fans zu tanzen und zu feiern, nachdem ich ja seit 2019 nun zum ersten Mal wieder live vorm Ort sein kann.
Heute scheint hier wenigstens mal die Sonne, ab. Morgen ist wieder Regen angesagt. 2015 war es wettertechnisch ähnlich! So werde ich mal ein wenig die Fan-Hotspots in der Stadt erkunden. Heute Abend findet ein deutsch-italienischer Botschaftsempfang statt mit Auftritten von Sarah Engels und Sal da Vinci. Ich bin gespannt.
A propos Sarah Engels: Der Auftritt gestern hat mir richtig gut gefallen, so holt sie aus dem Lied wenigstens raus, was eben geht. Und sie hat halt eine tolle Bühnenpräsenz. Ich drücke ihr wirklich alle Daumen!
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