Eurovision Song Contest
TEL AVIV BLOG. Das ECG-Tagebuch.

Georgien, 2. Probe

Donnerstag, 09 Mai 2019 14:37

Georgien bietet großes, dramatisches Kino. Definitiv im Finale und auch da kann es weit kommen. Neben Oto stimmt später noch der Chor von der Seite seinen Gesang "Varada varada, varada rada" an. Michael neben mir leicht erschrocken: "Och". Mir ist das alles zu theatralisch. Im Text heißt es, die "Changuri" - ein georgisches Saiteninstrument - möge man spielen. Denn: "Wir werden nicht untergehen" und "Wir werden die Wunden mit Liedern heilen". Och nö.

 

Markus



Die Mittagspause ist vorbei und der nächste Probenblock beginnt.

 

Ich muss es noch einmal loswerden: Hach, die Bühne sieht wirklich phantastisch aus.

 

Tschechien ist dran. Und was ist das für ein toller, positiver Auftritt. Sie haben die beiden musikalischen Hauptelemente des Songs dieser Feelgood-Elektropop-Nummer optisch bestens umgesetzt: klare geometrische Formen – Albert und seine Bandkollegen stehen in neonfarbene Rahmen – passen zum Elektro, die klaren bunten Farben im Backdrop zum positiven Grundgefühl. Und natürlich Alberts wunderbare Art! Er tanzt und hüpft im gelben Pullover über die Bühne und versprüht so viel gute Laune, dass man sie auch über zwei Stehzonen und einige Stuhlreihen hinweg quasi greifen kann. Im TV-Bild multipliziert sich, ähnlich wie im Videoclip, immer wieder in kleine Rechtecke, eine gelungene kreative Spielerei.

 

Ungarn bringt die Emotionalität des Songs exzellent herüber. Zuerst sitzt Jocy barfüßig auf einem Block und läuft dann langsam über die Bühne. Keine Choreographie, einfach Gefühle, Körpersprache, Gesichtsausdruck. Und man nimmt es ihm einfach ab. Ein Jamala-artiger Baum (der aber nicht kopiert wirkt) untermalt die Emotionalität zum Ende hin noch mehr. Ich finde das alles viel ergreifender als Origo vor zwei Jahren, das ist eindeutig der authentischste Song und Auftritt in diesem Jahr.

 

Als Zuschauer in der Halle – zumindest auf den ganz unteren Sitzen – kann man es allerdings nur bedingt genießen, weil man von den Scheinwerfen fast blind wird.

 

Nach drei Highlights für mich geht es mit Weißrussland jetzt wieder bergab. Eine Tanzperformance mit Mustern, Bildern, Neonbildern und auch Pyro, in der zwar schon viel passiert, dass wirkt aber alles eher als wäre alles ohne Konzept zusammengewürfelt. Zena versucht die Sexy-Schiene einzuschlagen und das wirkt in ihrem Alter einfach noch nicht. Da hat Malta, die musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlagen, eine deutlich bessere Umsetzung gefunden.

 

Es werden hier nicht nur die Auftritte sondern (manchmal vielleicht auch ungewollt) der schnelle Bühnenumbau geprobt. Immer wieder ruft der Regisseur „quick change“.

 

Nevena aus Serbien trägt den Auftritt ganz allein. Nur sie steht auf der Bühne, es wird ganz viel mit Close-Ups gearbeitet und ihre Mimik und Gestik sowie ihr „alles geben“ beim Singen müssen den Song strahlen lassen. Was gelingt. Im letzten Teil eine Sternenspirale im Backdrop. Vielleicht etwas zu ähnlich zu Slowenien und Ungarn. Aber auf jeden Fallpassend um das Finale von Kruna zu intensivieren.

 

In der Halle hört man es richtig, wenn bei Belgien die Trommeln geschlagen werden. Das hat einen tollen Wumms-Effekt, wenn schon nichts anderes im Auftritt einen solchen hat. Hört nur leider keiner am Bildschirm zu Hause. Eliot hat meiner Ansicht nach immer noch das Problem viel zu verschüchtert zu wirken.

 

~ Bere ~


Belgien, 2. Probe

Donnerstag, 09 Mai 2019 14:05

Und da war er. Der Letztplatzierte des ersten Semifinals. Alles andere wäre für mich wirklich eine Überraschung. Der Auftritt ist völlig nichtssagend. Nicht mal polarisierend, so dass aus irgendeiner vergessenen Ecke Europas ein paar Pünktchen kommen könnten. Den letzten Nullpunkter in einem Halbfinale waren Gipsy.cz mit „Aven Romale“ in 2009.

Der Auftritt ist weitestgehend gleichmäßig ausgeleuchtet. Uninspirierte Kamerafahrten, monotone Musik, und ein Eliot, bei dem man den Eindruck hat, dass er nicht wirklich auf dieser Bühne stehen möchte. Unbeholfen wippt er etwas hin und her, streckt die Hand aus, ballt sie zu einer Faust und zieht sie zu sich heran. Sämtliche einstudierte Bewegungen sind so, na einstudiert. Da kommt gar nichts rüber. Die ESC-Bühne ist für ihn leider genauso zu groß wie seine Fallschirmspringer-Harness-Jacke.

 

Markus

 


Entweder man hat Austrahlung...

Donnerstag, 09 Mai 2019 13:48

...oder man tritt dieses Jahr für Belgien an. Ist das zu böse? Aber ganz ehrlich, wenn man diesen Auftritt etwa mit Loic Nottet oder selbst Blanche vergleicht, dann liegen Welten dazwischen. Der junge Eliot steht auf der Bühne wie einfach hingestellt, und dann hat man ihm wohl genau gesagt: "An der Stelle machst du dieses und an der Stelle machst du das", und das macht er dann auch, völlig leidenschaftslos. Und um davon möglicherweise abzulenken, hat  man ihm als Blickfang eine merkwürde Jacke in Übergröße mit orange Ornamenten angezogen und ihm Trommeln mit auf die Bühne gestellt, an denen sich ein Mann und eine Frau abarbeiten. Da es in dem Lied aber überhaupt keine Stelle gibt, wo getrommelt werden könnte, hauen sie einfach mal im Takt drauf....

Sorry, aber das wird so nichts mit dem Finale,

Michael


No, I’m not gonna like it

Donnerstag, 09 Mai 2019 13:27

Dieses „Yes, you gonna like it“ wird mir bei den mehrfachen Proben hintereinander von ZENA dermaßen in’s Hirn gehämmert, da mag ich es bestimmt nicht mehr. Dazu die hohen, weißen Lackstiefel der 17-jährigen, die Kofferkullisse und die Choreo. Da ist der Tipp auf ein Ausscheiden Belarus' im 1. Semi nicht gewagt.

 

Markus


Vom Essen und der Halle

Donnerstag, 09 Mai 2019 13:22

Markus und ich hahen uns erst einmal essensmäßig gestärkt. Es gibt hier draußen auf der Liegewiese einen Foodcourt, will sagen, 2 Wagen, in denen man verschiedenenes Fleisch in Pitabrot kaufen kaufen, dazu gibt es eine Salatzusammenstellung nach Wunsch, (kommt alles in das Brot) und Pommes. Das Ganze kostet 35 Schekel, also ca. 9 EUR, aber die Auswahl ist halt sehr beschränkt. Ein Restaurant, wie es sonst üblich ist für die Akkreditierten, gibt es nicht. Na ja, egal, wir sind dann das erste Mal in die Halle gegangen: Was ist die klein! Aber irgendwie hat das auch etwas, man ist auf jeden Fall überall relativ nah an der Bühne.

DIe ungarische Probe lief gerade, mir gibt das Lied ja nicht viel, er werden Fotos von Vätern eingeblendet, Joci sitzt zuerst auf einem Podest, dann läuft er herum, am Schluss gibt es Goldregen. Dann wurde von der Regisseurin "Quick Change" verlangt, so richtig im Kommando-Ton, und es wurden Technikkoffer auf die Bühne gebracht. Aha, dachte ich, was zaubern die Weißrussen jetzt daraus? Weit gefehlt, dese häßlichen Teile sind die Bühnendeko. Davor tanzt sich de junge ZENA den Wolf, zuerst mit 2 Tänzern, dann kommen zweit Backings mit Sonnenbrille dazu.

Erwähnte ich schon, dass das erste Semi eine ziemliche Herausforderung für den Zuschauer darstellt?

Aber jetzt für mich der erste Lichtblick, Serbien: Nevena steht in einem schwarzen Kleid (1 Bein frei) in einem blauweißen Strudel auf dem Bühnenboden, im Hintergrund  gibt es einen gelbgoldenen Strudel, damit hat sie mich schonmal für's Erste, ich stehe ja auf solche Farb-Effekte. Sie schaut allerdings die ganze Zeit relativ böse, warum eigentlich? Im Hintergrund stehen 2 Ventilatoren-Windmaschinen, die sie möglicherweise aus dem Fundus von RTS mitgebracht hat, die hatten wir zuletzt so in Belgrad bei den No Angels, allerdings standen sie da vorn mit den bekannten Effekten, warum sie jetzt hinten stehen, versteh ich nicht so ganz. Aber egal, das ist bisher vom heutigen Probentag für mich ein relatives Highlight.

Michael


Zweite Probe - 1. Halbfinale in der Halle

Donnerstag, 09 Mai 2019 12:14

Wie bereits erwähnt waren Benni und ich erstmals bei den Proben in der Halle. Jeder Teilnehmer hatte 3 Durchgänge. Zur Probe von Zypern kann ich nichts sagen, da sie gerade mit lautem Pyrofeuerwerk endete als ich endlich den Weg in die Halle gefunden hatte. D-mol sind ganz nett auf der Bühne anzusehen, aber ob für’s Finale reicht? Bei Finnland gibt es eine tolle Ledhintergrundwand. Sebastian Rejman kommt sehr ernst in seinem Beitrag rüber, was ihn unsympathisch macht. Ich befürchte, dass die Finnen im Semifinale hängen bleiben. Es folgen Tulia aus Polen. Mittlerweile mag ich den Titel sehr, obwohl ich den Titel nach dem ersten Hören ganz furchtbar fand. Soviel zum Thema schön hören. Es gute Performance legten auch die Slowenen hin. Mit ihrem Einzug ins Finale ist zu rechnen.

Horst

 



Was für ein Moment die Bühne endlich zu sehen. Und was für eine Bühne! Von allen Bühnen, die ich bisher live erleben durfte, ist das ganz eindeutig mein Favorit.

 

Die Halle ist wirklich nicht sonderlich groß. Das gibt aber eine wirklich schöne Atmosphäre. Auch hier auf den unteren Sitzplätzen hat man das Gefühl „Teil des Geschehens“ zu sein. Und ich denke, selbst von den oberen Sitzplätzen aus wird man noch einen richtig guten Blick haben.

 

Es ist total spannend den „work in process“ live zu erleben. Gerade pfeift der Regisseur (?) (nett) sein Team an, dass man doch bitte beim Länderwechsel das Licht auf der Bühne anmachen soll. Dann wird der erste Durchlauf der polnischen Probe mit den Worten „Stop! Stop! Something is wrong“ abgebrochen. Sonst erlebt man ja immer nur das „perfekte“ Endprodukt.

 

Es wird jeweils dreimal geprobt. Die ideale Anzahl: Einmal kann man schön Fotos machen, dann den Auftritt auf dem Schirm verfolgen – diesen Teil des ersten Semis haben wir ECG-Akkreditieren ja alle noch nicht gesehen – und zum Schluss noch einmal das Geschehen live auf der Bühne ohne Ablenkung aufsaugen.

 

Finnland wirkt in der Halle, wenn man den Wumms des Basses spürt und in wildes Scheinwerferlicht getaucht wird, auf einmal gar nicht mehr so 0815. Wenn man den Auftritt dann aber nur auf dem Schirm verfolgt, dann fängt man recht schnell wieder an zu sich langweilen.

 

Ganz im Gegensatz zu Polen, das hat sehr schöne Dynamiken im TV-Bild. Erst sind alle 4 auf einen Drehscheibe, kommen dann nach vorne, Klatschen, die Kameraperspektive wechselt zwischen den vier Ladies und der Halle, etwas Kleidung fällt. Das sind alles keine großen Effekte und Gimmicks, trotzdem wirkt der Auftritt dynamisch und man ist von Anfang bis Ende als Zuschauer gerne dabei.

 

Ganz gegen irgendwelche Effekte hat sich Slowenien entschieden. Zala und Gašper in einem Sternenmeer und wie im Vorentscheid bauen sie auf diese unschuldige Spannung, die durch Nähe und Zalas Gesichtsausdruk, ihre tiefen Blicke in die Augen des anderen, kleine Berührungen, erzeugt wird. Bei diesem Song, der eher von innen auf ganz hypnotische Art und Weise wirkt, ist das genau die richtige Wahl. Ich liebe es.

 

~ Bere ~

 


Polen, 2. Probe

Donnerstag, 09 Mai 2019 10:43

Als ich das polnische Lied zum ersten Mal hörte, wusste ich nicht, wie ich das 3 Minuten lang durchhalten sollte. Mittlerweile finde ich es großartig! „Weißen Gesang“ oder „schreiendes Singen“ nennt man das wohl. Die Kombination traditionaler Klänge mit modernem Beat finde ich bestens gelungen. Das Lied bleibt auch noch im Ohr. Kostüme, zurückhaltende Armbewegungen, Drehpodest, Kameraschnitte und die Einblendung der Sängerinnen als moderne Frauen im Hintergrund… da passt alles. Außer beim ersten Durchlauf. Der musste abgebrochen werden. Der Abstieg der Damen vom Podest und die Kameraeinstellungen gingen da nicht zusammen.
Und ordentlich feiern können Tulia auch noch, wie wir letzten Montag bei der Hafenparty gesehen haben. Tulia Biczak führte da die Polonaise an :-)

Der Beitrag sticht heraus und kommt ganz sicher ins Finale.

 

Jetzt kommt Slowenien. Ein absoluter Tiefpunkt für mich. Da schreibe ich besser nichts weiter zu :-)

 

 Markus



...neben mir kann Markus sich kaum auf dem Hocker halten vor Begeisterung über den polnischen Auftritt! Ich finde es nur nervig. SIe stehen zunächst auf einem sich drehenden Podest (S!sters lassen grüßen), haben einen Schleier vor dem Gesicht, den sie dann fallen lassen, vom Podest steigen und dann einfach nebeneinander stehen und ihre Röcke hin-und her wedeln lassen. Dazu dann 3 Minuten dieser für meine Ohren sehr schmerzhafte Schreigesang, Während die vier Sängerinnen mit Goldkopfputz ausgestattet sind, sieht man im Hintergrund als Einblendung eine Blondine, die mitsingt.

Da ist ja das slowenische "Schlaflied" danach wirklich eine Erholung für die Ohren, sehr gute Wahl, Slowenien nach Polen starten zu lassen ;-)

Deren Auftritt ist wie in der Vorentscheidung: Sie singt ihn mit ausdruckloser Miene an, er schaut mit dergleichen Miene konserquent an ihr vorbei, als wenn er sagen wollte: "Was will die???!"

Michael


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Wir vor Ort

Hier berichtet das ECG-Team aus Tel Aviv von den Proben, Empfängen und anderen Ereignissen. Diese Berichte sind natürlich rein subjektiv und sollen nicht in erster Linie eine detailgenaue Beschreibung der Proben liefern - diese kann man ja in verschiedenen Portalen teilweise sogar live verfolgen - sondern einen ganz persönlichen Eindruck unserer Erlebnisse und Erfahrungen live vor Ort darstellen. 

Habt ihr Fragen an uns vor Ort? Dann schickt uns eine Mail an
 
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