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Der Eurovision Song Contest 2017


ESC Logo 2010 

62. Eurovision Song Contest - 13. Mai 2017
Kiew             

Halle International Exhibition Centre
Motto Celebrate Diversity
Moderation Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk & Timur Miroshnychenko
Pausen-Acts Jamala und ONUKA
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 42 Länder (Finale 26 / Semifinale jeweils 18)

 

Siegerland: Portugal


norway

Interpret:

Salvador Sobral

Titel:

"Amor pelos dois"

Musik & Text:

Luísa Sobral

Sobral© Andres Putting, EBU 

 

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale - 13. Mai 2017

PlatzLandInterpret*inTitelJuryTelev.Ges.Startnr.
1. Portugal Salvador Sobral Amar pelos dois 382 376 758 11
2. Bulgarien Kristian Kostov Beautiful Mess 278 337 615 25
3. Moldau Sunstroke Project Hey Mamma 110 264 374 7
4. Belgien Blanche City Lights 108 255 363 23
5. Schweden  Robin Bengtsson I Can't Go On 218 126 344 24
6. Italien Francesco Gabbai Occidentali's Karma 126 208 334 9
7. Rumänien Ilinca feat. Alex Florea Yodel It! 58 224 282 20
8. Ungarn Joci Pápai Origo 48 152 200 8
9. Australien Isaiah Don't Come Easy 171 2 173 14
10. Norwegen JOWST Grab The Moment 129 29 158 17
11. Niederlande O'G3NE Lights And Shadows 135 15 150 6
12. Frankreich Alma Requiem 45 90 135 26
13. Kroatien Jacques Houdek My Friend  25 103  128 13
14. Aserbaidschan Dihaj Skeletons  78 42 120 12
15. Vereinigtes Königreich Lucie Jones Never Give Up On You 99 12 111 18
16. Österreich Nathan Trent Running On Air 93 0 93 4
17. Belarus Naviband Historyja majho zyccia 50 33 83 3
18. Armenien Artsvik Fly With Me 58 21 79 5
19. Griechenland Demy This Is Love 48 29 77 15
20. Dänemark Anja Where I Am 69 8 77 10
21. Zypern Hovig Gravity 36 32 68 19
22. Polen Kasia Moś Flashlight 23 41 64 2
23. Israel IMRI I Feel Alive 34 5 39 1
24. Ukraine O.Torvald Time 12 24 36 22
25. Deutschland Levina Perfect Life 3 3 6 21
26. Spanien Manel Navarro Do It For Your Lover 0 5 5 16

 

 

Semifinale 1 - 9. Mai 2017

PlatzLandInterpret*inTitelJuryTelev.Ges.Startnr.
1. RU Portugal Salvador Sobral Amar pelos dois 179 180 370 9
2.   Moldau Sunstroke Project Hey Mamma 111 180 291 12
3.   Schweden Robin Bengtsson I Can't Go On 124 103 227 1
4.   Belgien Blanche City Lights 40 125 165 5
5.   Zypern Hovig  Gravity 61 103 164 15
6.   Australien Isaiah Don't Come Easy 139 21 160 3
7.   Armenien Artsvik Fly With Me 87 65 152 16
8.   Aserbaidschan Dihaj Skeletons 87 63 150 8
9.   Polen Kasia Moś Flashlight 50 69 119 11
10.   Griechenland Demy This Is Love 61 54 115 10
11. Georgien Tamara Gachechiladze Keep The Faith 62 37  99 2
12. Finnland Norma John Blackbird 41 51 92 7
13. Tschechische Republik Martina Bárta My Turn 81 2 83 14
14. Albanien Lindita World 38 38 76 4
15. Island Svala Paper 29 31 60 13
16. Montenegro Slavko Kalezić Space 17 39  56 6
17. Slowenien Omar Naber On My Way  16 20  36  17
18. Lettland Triana Park Line 1 20  21  18
Semifinale  2 - 11. Mai 2017
1.   Bulgarien Kristian Kostov Beautiful Mess 199  204 403 15
2.   Ungarn Joci Pápai Origo  66 165 231 7
3.   Israel IMRI I Feel Alive 75 132 207 18
4.   Niederlande O'G3NE Lights And Shadows  149  51 200 6
5.   Norwegen JOWST Grab The Moment  137 52 189 12
6.   Rumänien Ilinca feat. Alex Florea Yodel It!  26  148 174 5
7.   Österreich Nathan Trent Running On Air 115 32 147 2
8.   Kroatien Jacques Houdek My Friend 37  104 141 11
9.   Belarus Naviband Historyja majho zyccia  55  55 110 14
10.   Dänemark Anja Where I Am 96  5 101 8
11.   Serbien Tijana Bogićević In Too Deep  53  45 98
 1
12. Schweiz Timebelle Apollo  48  49 97 13
13. Irland Brendan Murray Dying To Try  45  41 86 9
14. Estland Koit Toome & Laura Verona  16  69 85 17
15. EJR Mazedonien Jana Burčeska Dance Alone 29 40 69 3
16. Malta Claudia Faniello Breathlessly 55 0 55 4
17. Litauen Fusedmarc Rain Of Revolution 17 25 42 16
18. San Marino Valentina Monetta & Jimmie Wilson Spirit Of The Night  0 1 1 10

 


 


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

Kyiv Venue 1© NTU

Der 62. Eurovision Song Contest fand 2017 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, die beiden Semifinale am 9. und 11. Mai und das Finale am 13. Mai 2017.

Damit war Kiew nach 2005 zum zweiten Mal die Gastgeberstadt des ESC. Nachdem der Sportpalast, in dem der ESC 2005 ausgetragen wurde, nicht mehr den technischen Anforderungen entspricht, fiel die Wahl auf das International Exhibition Centre des Messezentrums. Die Halle fasst etwa 11.000 Zuschauer. Auch das Pressezentrum wurde im Messezentrum untergebracht. 

Sechs Städte (Kiew, Lviv, Odessa, Kherson, Kharkiv und Dnipro) hatten sich beworben, zuletzt standen nur noch die Hauptstadt Kiew und Odessa zur Wahl. Nachdem die Bekanntgabe der Gastgeberstadt mehrfach verschoben wurde, hat man am 9. September 2016 in einer Pressekonferenz des ukrainischen Ministerkabinetts die Entscheidung für Kiew bekannt gegeben, sie sei im Auswahlgremium 19 zu 2 Stimmen gefallen. Erstmals hatten sich zuvor die Bewerberstädte in einer Live-Sendung namens "Städtekampf" im ukrainischen TV per Live-Stream präsentiert. Vor Publikum gab es eine Diskussion zwischen offiziellen Vertretern des Organisationskommittees, Musikexperten und Fans.

Die Bekanntgabe der Enscheidung war mehrfach angekündigt und wieder verschoben worden. Die drei Städte der Endrunde mussten ihre Bewerbungsunterlagen auf Geheiß der EBU nachbessern. Der Executive Supervisor der EBU, Jon Ola Sand, fühlte sich bemüßigt, eine Videoerklärung abzugeben. Es wurde außerdem seitens der EBU darauf hingewiesen, dass die Entscheidung für Düsseldorf 2011 erst im November 2010 bekannt gegeben worden sei, die Entscheidung für Kopenhagen 2014 erst im September 2013.

 

Nach einem EBU-Meeting in Lausanne am 8. Dezember 2016 wurde dann endgültig beschlossen, dass der ESC 2017 in der ukrainischen Hauptstadt stattfinden solle. Zuvor hatte es mehrfach Stellungnahmen der EBU gegeben, dass die Vorbereitungen seitens des verantwortlichen Senders NTU ins Stocken geraten seien, auch sei die Finanzierung nicht endgültig geklärt. Gerüchte kamen auf, Russland werde in die Bresche springen. Zuvor war der NTU-Generaldirektor zurückgetreten. Dann hatte NTU Oleksandr Charebin und Viktoria Romanova als Executive Producer berufen. Ihnen zur Seite stand der sehr erfahrene Stuart Barlow als Show Producer.

Jon Ola Sand (EBU) äußerte sich nun zufrieden mit dem neu ernannten "Core Team" und sprach ihnen vollstes Vertrauen aus. Viktoria Romanova wird folgendermaßen zitiert: "Ich freue mich, bestätigen zu können, dass NTU ein ausreichendes Budget für die Ausrichtung des ESC in der Ukraine hat. Wir werden 15 Mio. Euro vom ukrainischen Staat und weitere 7 Mio. Euro von der Stadt Kiew bekommen. Wir haben mit den Vorbereitungen bereits begonnen."

 

Dann kam am 10. Februar 2017 der Paukenschlag: Das Organisationsteam des ESC 2017 trat vollständig zurück! Das betraf u.a. die gerade erst ins Amt berufenen Oleksandr Kharebin und Victoria Romanova sowie die kommerzielle Direktorin, den Eventmanager und den Sicherheitschef. Als Begründung wurden unüberwindbare Differenzen mit dem verantwortlichen TV-Sender angegeben. Im Detail heißt es in der Begründung: "Man hat uns nach der offiziellen Bekanntgabe des Zuschlags an Kiew zur Ausrichtung des ESC im Dezember Kompetenzen genommen, die wir an den neuen Leiter des Contests abgeben mussten. Dieser neue Leiter bekam die vollständige Kontrolle über alles, was mit dem ESC zu tun hat. Diese Ernennung und alle Aktionen, die damit zusammenhingen, haben die Vorbereitungen des ESC für ca. zwei Monate unterbrochen. Unsere Arbeit wurde vollständig blockiert. Wir bedauern sehr, mitteilen zu müssen, dass unser Team solch eine Vorgehensweise nicht akzeptieren kann und keine Möglichkeit einer Fortsetzung unserer Arbeit sieht."

 

Durch diese Vorgänge kam es natürlich zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan der Vorbereitungen. Zur Unterstützung des neuen Organisationsteams holte man schließlich Christer Björkman, den ESC-Produzent 2013 und 2016 und "Vater" des Melodifestivalen in Schweden mit ins Boot. "Ich bin begeistert, wieder dabei sein zu können, um am größten Musik-Event der Welt mitzuarbeiten. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem wunderbaren Team von UA:PBC und bin sicher, dass wir zusammen den besten Contest aller Zeiten produzieren werden!" Björkman war hauptsächlich für das Staging der 42 Acts verantwortlich.  

 

Insgesamt 43 Länder hatten ursprünglich ihre Teilnahme zugesagt. Rumänien und Portugal kehrten nach einjähriger Abstinenz zurück, Bosnien & Herzegowina setzte aus wegen Umstrukturierung des TV-Senders. Die Türkei und die Slowakei nahmen wiederum nicht teil. Damit wären in Kiew genauso viele Länder antreten wie 2008 in Belgrad und 2011 in Düsseldorf, wenn Russland sich nicht kurzfristig vom Wettbewerb zurückgezogen hätte. Die Teilnahme Australiens schien nunmehr zu einer Dauereinrichtung zu werden.

 

 

 

 

Die Semifinalauslosung fand am 31. Januar 2017 statt. Es wurden - wie gewohnt - sechs "Töpfe" gebildet und die Länder nach geografischen Gesichtspunkten und bisherigem Wertungsverhalten zugeordnet. Die Moderatoren waren Nika Konstantinova und Timur Miroshnyshenko. Es wurde ausgelost, dass Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich im 1. Semifinale antraten, Deutschland (auf eigenen Wunsch), Frankreich und die Ukraine im 2. Semifinale.  Die Schweiz und Israel wurden auf Wunsch dem 2. Semifinale zugeordnet.

 

Erstmals in der ESC-Geschichte gab es drei männliche Moderatoren: Oleksandr Skichko, Volodymyr Ostapchuk und Timur Miroshnychenko.

Moderatoren nreu© ECG e. V.

Oleksandr Skichko ist Moderator diverser ukrainischer TV-Shows. Seine Karriere begann als Semifinalist der ukrainischen „Supertalent“-Ausgabe, in der er mit Parodien antrat.

Volodymyr Ostapchuk ist Moderator u.a. im Frühstücksfernsehen sowie bei „Shopping Queen“. Außerdem ist er ein vielbeschäftigter Synchronsprecher.

Timur Miroshnychenko hat als ESC-Fan schon diverse ukrainische Vorentscheidungen moderiert sowie beide JESC in Kiew 2009 und 2013. Außerdem war er schon ukrainischer ESC-Kommentator.

Von den Produzenten und Jon Ola Sand (EBU) las man, man habe zwar nicht nach drei jungen Männern gesucht, aber die Drei hätten beim Casting überzeugt durch ihre Kombination von Humor, Improvisationstalent und Professionalität. Die Chemie zwischen ihnen stimme einfach.

 

esc2017 logo with light screen background rgb navy© NTU

Kurz vor der Insignienübergabe durch Eva-Louise Erlandsson Slorach, der Stadtratsvorsitzenden von Stockholm, der Gastgeberstadt 2016, an Vitali Klitschko, den Kiewer Bürgermeister, wurde das Motto des ESC bekannt geben. Es lautete "Celebrate Diversity" - "Feiert die Vielfalt". Jon Ola Sand meint dazu: "Die Idee, die Vielfalt zu feiern, baut auf dem letztjährigen Slogan "Come Together" auf und ist das Herzstück der Eurovisions-Werte: Es ist allumfassend und überall in Europa, und darüber hinaus, zusammen zu kommen, um unsere Gemeinsamkeiten und unsere Unterschiede zu feiern, und natürlich großartige Musik."  Das Sublogo zu diesem Motto basiert auf der traditionellen ukrainischen Halskette Namysto. Dieser Halskette wird eine Schutzfunktion zugeschrieben und sie ist ein Symbol für Schönheit und Gesundheit. Sie besteht aus vielen verschiedenen Glasperlen, jede mit einem eigenen Design, und symbolisiert so die Vielfalt und Individualität.

Stage2017© NTU

Das Bühnenbild wurde wieder von Florian Wieder (ESC 2011, 2012, 2015) gestaltet, es wurde am 31.01.2017 vorgestellt.

 

 

 

 

 

 

Der EuroClub wurde im Ausstellungskomplex CEK Parkovy, eingerichtet. Der Rote Teppich sollte vor der berühmten St. Sophia-Kathedrale (UNESCO-Welterbe) stattfinden. Allerdings gab es Proteste aus orthodoxen Kirchenkreisen. Daher wurde der Rote Teppich dann vor den Mariinyski-Palast verlegt, wo 2005 der Willkommensempfang Open Air stattfand.

 

FAZIT

 

Portugal hat zum ersten Mal in der ESC-Geschichte den Sieg davongetragen mit dem Lied "Amar pelos dois", gesungen von Salvador Sobral, geschrieben von seiner Schwester Luísa, die mit ihm gemeinsam das Lied nach dem Sieg noch einmal gesungen hat. In einer ersten Reaktion meinte der Sieger: "Wir leben in einer der Welt der 'Fast-Food-Musik' ohne Inhalt. Aber Musik ist Gefühl, nicht Feuerwerk." Sein Sieg könne der Sieg für die Musik mit Bedeutung sein. Die bis dato beste Platzierung erreichte Portugal 1996: Lúcia Moniz mit dem Titel: "O meu coração não tem cor” (Platz sechs). 

Der erstmalige Sieg Portugals war eine Riesenüberraschung. Wer hatte diese völlig aus dem Rahmen des englischsprachigen Überangebots fallende Ballade in Landessprache vorher auf der Rechnung gehabt?  Bei den Buchmachern führte bis kurz vor dem Finale eindeutig Italien, aber nach der ersten Probe Portugals schnellte Salvador Sobral auf die Spitzenposition. Wer diese Probe erlebt hatte, dem war eigentlich klar, dass der portugiesische Beitrag ganz oben mitspielen würde. Dieses Lied mit diesem Sänger hat verdient gewonnen, da waren sich Jurys und Televoter einig.Die weiteren Proben absolvierte seine Schwester Luísa, da er gesundheitlich dazu nicht in der Lage war. Es gab widersprüchliche Berichte über seine gesundheitliche Verfassung, das ging von einer Erholungsphase nach Leistenbruchoperation bis zur Suche nach einem Spenderherz, was sich ja dann letztlich auch bestätigte: Salvador Sobral bekam nachdem ESC ein neues Herz. 

 

Der im Vorfeld als fast sicherer Sieger gewettete Italiener Francesco Gabbani landete auf einem für viele sicher enttäuschenden sechsten Platz mit seinem Titel "Occidentali's Karma". Gabbani war auch nationaler und internationaler Fanfavorit.

Bulgarien toppte mit Kristian Kostov und "Beautiful Mess" das Ergebnis von Poli Genova ein Jahr zuvor (Platz vier) und fuhr mit dem zweiten Platz das bisher beste Ergebnis für Bulgarien ein. Das bereits aus Düsseldorf 2011 bekannte "Sunstroke Project" aus Moldau wurde mit einer witzigen Hochzeitsnummer Dritter! Und eine eigentlich relativ "farblose" Blanche konnte durch eine entsprechende Inszenierung und ein aus dem Rahmen fallendes Lied "CIty Lights" für Belgien Platz vier ersingen.

 

Ebenfalls sehr farblos, nämlich "Grau in Grau", kam die deutsche Vertreterin Levina daher:  Sie bekam für "Perfect Life" sechs magere Punkte (drei von der irischen Jury und drei des Schweizer Televotings) und wurde lediglich Vorletzte  mit einem Punkt Vorsprung vor Schlusslicht Spanien.

Ganz anders da die Rumänen, Ilinca feat. Alex Florea jodelten sich auf Platz sieben! Und der Kroate Jacques Houdek trat gleich doppelt an und sang im Duett mit sich selbst in verschiedenen Stimmlagen "My Friend". Das reichte für Platz 13. Nicht gereicht hat es für Tamara Gachechiladze aus Georgien, sie scheiterte mit ihrer Powerballade "Keep The Faith" knapp auf Platz 11 im Semifinale, aber als Trost lernte sie in Kiew ihren Mann fürs Leben kennen, den Produzenten von Kristian Kostov, Boris Milanow!

 

Slavko Kalezić konnte für Montenegro noch so sehr mit seinem künstlichen Zopf herumwedeln, er blieb im Semifinale auf Platz 16 stecken, einen Platz vor Omar Naber aus Slowenien, der es nach 2005 zum zweiten Mal versuchte. Ebenfalls erfolglos blieb der erste Anlauf von Claudia Faniello, der Schwester des zweimaligen Vertreters Fabrizio Faniello, die es unzählige Male in der maltesischen Vorentscheidung versucht und es endlich geschafft hatte, zum ESC zu fahren, aber hier erstaunlicherweise nicht über einen 16. Platz hinauskam: Sie bekam keinen einzigen Punkt vom Televoting!

 

Für die Schweiz schafften es Timebelle trotz oder wegen einer bonbonfarbenen Inszenierung nur auf Platz 12 im Semifinale, und ganz arg erwischte es die Vertreter Estlands, die bei den Fans auch ganz hoch im Kurs gestanden hatten: Koit Toome und Laura (für beide jeweils der zweite Anlauf beim ESC) waren "Lost In Verona" im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich auf Platz 14 im Semifinale, dessen Schlusslicht Valentina Monetta bei ihrem dritten Versuch für San Marino, dieses Mal im Duett mit Jimmie Wilson, bildete.

 

Der Contest selbst wurde im Großen und Ganzen nach den Schwierigkeiten im Vorfeld doch ganz gut organisiert. Die Moderation der drei Herren war insgesamt unspektakulär, ein Einspieler mit Måns Zelrmerlöw, dem grandiosen Moderator 2016, offenbarte jedoch zu deutlich, dass zwischen ihm und der Moderation der drei Ukrainer Welten lagen.  

 

 


 

 

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

ITA 58 HOL 58 FRA 58 ISL14n

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Israel Polen Belarus Österreich
IMRI Kasia Moś Naviband
Nathan Trent
"I Feel Alive" "Flashlight" "Historyja majho zyccia" "Running On Air"
M. & T.: Dolev Ram,
Penn Hazut
 
M. & T.: Kasia Moś, Rickard Bonde Truumeel, Pete Barringer (DWB) M. & T.: Artem Lukyanenka M. & T.: Nathan Trent, Bernhard Penzias
    
NOR14 HOL 1 ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Armenien Niederlande Moldau Ungarn
Artsvik
O'G3NE Sunstroke Project
Jóci Pápai
"Fly With Me" "Lights And Shadows" "Hey Mama" "Origo"
M.: Lilith Navasardyan,
Levon Navasardyan
 T.: Arvet Barseghyan,
David Tserunyan
M.: Rick Vol, Rory de Kievit
  T.: Rick Vol
M.: Anton Ragoza, Serghei Stepanov, Serghei Ialovitki, Mihail Cebotarenco
T.: Alina Galetcaia
M. & T.:
Jószef Pápai
    
ALB 10 GRE14n AUT14neu BLR 10

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Italien Dänemark Portugal Aserbaidschan
Francesco Gabbani Anja Salvador Sobral Dihaj
"Occidentali's Karma" "Where I Am" "Amor pelos dois" "Skeletons"
M. & T.: Francesco Gabbani, Fabio Ilacqua, Luca Chiaravalli M. & T.: Anja Nissen, Michael D'Arcy, Angel Tupai M. & T.:
Luísa Sobral
M.: Isa Melikov
T.: Sandra Bjurman
    
ALB 10 ARM 10 RUS14n BLR 10

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Kroatien Australien Griechenland Spanien
Jacques Houdek Isaiah Demy Manel Navarro
"My Friend" "Don't Come Easy" "This Is Love" "Do It For Your Lover"
M.: Jacquies Houdek, Siniša Reljić, Tony Malm
T.: J. Houdek, Ines Prajo, Arijana Kunštek, Fabrizio Laucella
M & T.:
David Musumeci, Anthony Egizil, Michael Angelo
M.: Dimitris Kontopoulos
  T.: Romy Papadea,
John Ballard
M. & T.:
Manel Navarro,
Antonio Rayo "Rayito"
    
ALB 10 FIN14n ASE 10 2 BLR 10

17.

AD

18.

AD

19.

AD

20.

AD

Norwegen Ver. Königreich Zypern Rumänien
JOWST Lucie Jones Hovig Ilinca feat. Alex Florea
"Grab The Moment" "Never Give Up On You" "Gravity" "Yodel It!"
M.: Joacim With Steen
  T.: Jonas McDonnell
M. & T.: Emmelie de Forest, Daniel Salcedo, Lawrie Martin M. & T.:
Thomas G:son
M.: Mihai Alexandru
T.: Alexa Niculae
    
ALB 10 MALneu ASE 10 2 BLR 10

21.

AD

22.

AD

23.

AD

24.

AD

Deutschland Ukraine Belgien Schweden
Levina O. Torvald Blanche Robin Bengtsson
"Perfect Life" "Time" "City Lights" "I Can't Go On"
M. & T.:
Lindy Robbins, Dave Bassett, Lindsey Ray
M.: Zhenia Galych,
Denys Miziuk
T.: Yevhen Kamenchuk
M.: Pierre Dumoulin, Emmanuel Delcourt
  T.: Pierre Dumoulin, Ellie Delvaux (Blanche)
M. & T.:
David Kreuger, Hamed "K-One", Pirouzpanah, Robin Stjernnberg
 







ARM 10 ASE 10 2

 

 






25.

AD

26.

AD

Bulgarien Frankreich
Kristian Kostov Alma
"Beautiful Mess" "Requiem"
M. & T.: Boris Milanov, Sebastian Arman, Joacim Persson, Alexander V. Blay, Alex Omar M.: Nazim Khaled
  T.: Nazim Khaled,
Alexandra Maquet

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 1

 

ALB 10 ARM 10 ARM 10 SWE14

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Schweden
Georgien Australien Albanien
Robin Bengtsson
Tamara Gachechiladze
Isaiah
Lindita
"I Can't Go On" "Keep The Faith" "Don't Come Easy" "World"
M. & T.: David Kreuger, Hamed "K-One", Pirouzpanah,
Robin Stjernberg
M.: Anri Jokhadze
T.:
Tamara Gachechiladze

M & T.:
David Musumeci, Anthony Egizil, Michael Angelo
M.: Klodian Qafoku
T.: Lindita, Big Basta
 
NOR14 ALB14 ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Belgien Montenegro Finnland Aserbaidschan
Blanche Slavko Kalezić
Norma John
Dihaj
"City Lights" "Space" "Blackbird" "Skeletons"
M.: Pierre Dumoulin, Emmanuel Delcourt
  T.: Pierre Dumoulin, Ellie Delvaux (Blanche)
M.: Momčilo Zeković Zeko
T.: Adis Eminić, Iva Boršić,  Momčilo Zeković Zeko
M. & T.: Lasse Piirainen, Leena Tirronen M.: Isa Melikov
T.: Sandra Bjurman
 
ALB 10 ARM 10 MOL1neu SMA14

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Portugal Griechenland Polen Moldau
Salvador Sobral
Demy Kasia Moś Sunstroke Project
"Amar pelos dois" "This Is Love" "Flashlight" "Hey Mama"
M. & T.:
Luísa Sobral
M.: Dimitris Kontopoulos
  T.: Romy Papadea,
John Ballard
M. & T.: Kasia Moś, Rickard Bonde Truumeel, Pete Barringer (DWB) M.: Anton Ragoza, Serghei Stepanov, Serghei Ialovitki, Mihail Cebotarenco
T.: Alina Galetcaia
 
POR14 BLR 10 MTG14 ALB 10

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Island Tschechische Republik
Zypern Armenien
Svala Martina Bárta
Hovig Artsvik
"Paper" "My Turn" "Gravity" "Fly With me"
M.: Svala Bjorgvinsdottir, Einar Egilsson, Lester Mendez, Lily Elise
T.: S. Bjorgvinsdottir, L. Elise
M. & T.:
DWB, Kyler Niko
M. & T.:
Thomas G:son
M.: Lilith Navasardyan,
Levon Navasardyan
 T.: Arvet Barseghyan,
David Tserunyanr
 





BLR 10 MTG14

 





17.

AD

18.

AD

Slowenien Lettland
Omar Naber
Triana Park
"On My Way" "Line"
M. & T.:
Omar Naber
M.: Agnese Rakovska, Kristaps Erglis, Kristians Rakovskis
T.: Agnese Rakovska

 
 

DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 2

 

MAL14n ISR14 NOR14 GEO14jpg

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Serbien Österreich EJR Mazedonien
Malta
Tijana Bogićević Nathan Trent
Jana Burčeska
Claudia Faniello
"In Too Deep" "Running On Air" "Dance Alone" "Breathlessly"
M. & T.: Boris Milanov, Joacim Persson, Lisa Desmond, Johan Alkenas
M. & T.: Nathan Trent, Bernhard Penzias

M. & T.: Joacim Persson, Alex Omar, Bobi-Leon Milanov, Florence A. M.: Philip Vella, Sean Vella
T.: Gerard James Borg
 
ALB 10 HOL LIT1n FIN14n

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Rumänien Niederlande Ungarn Dänemark
Ilinca feat. Alex Florea
O'G3NE Joci Pápai
Anja Nissen
"Yodel It" "Lights And Shadows" "Origo" "Where I Am"
M.: Mihai Alexandru
T.: Alexa Niculae
M.: Rick Vol, Rory de Kievit
  T.: Rick Vol
M. & T.:
Jószef Pápai
M. & T.: Anja Nissen, Michael D'Arcy, Angel Tupai
 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Irland San Marino
Kroatien Norwegen
Brendan Murrey
Valentina Monetta & Jimmie Wilson
Jacques Houdek
JOWST
"Dying To Try" "Spirit Of The Night" "My Friend" "Grab The Moment"
M. & T.:
Jörgen Elofsson,
James Newman
M.: Ralph Siegel
T.: Jutta Staudenmayer,
Steven Barnacle
M.: Jacques Houdek, Siniša Reljić, Tony Malm
T.: J. Houdek, Ines Prajo, Arijana Kunštek, Fabrizio Laucella
M.: Joakim With Steen
T.: Jonas McDonnell
 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Schweiz Belarus Bulgarien Litauen
Timebelle
Naviband Kristian Kostov
Fusedmarc
"Apollo" "Historyja majho zyccia" "Beautiful Mess" "Rain Of Revolution"
M. & T.: Elias Näslin, Alessandra Günthardt,
Nicolas Günthardt
M. & T.: Artem Lukyanenka M. & T.: Boris Milanov, Sebastian Arman, Joacim Persson, Alexander V. Blay, Alex Omar

M.: Denis Zujev, Viktoria Ivanovskaja, Michail Levin
T.: Denis Zujev, Michail Levin

 





BLR 10 MTG14

 





17.

AD

18.

AD

Estland Israel
Koit Toome & Laura
IMRI
"Verona" "I Feel Alive"
M. & T.: Sven Lõhmus M. & T.: Dolev Ram,
Penn Hazut

 

 


 

DIE WERTUNG - FINALE

 

FInale 17 3© ECG e. V.

 

 

DIE WERTUNG - SEMIFINALE 1 + 2

 

Semifinale 1 2017© ECG e. V. 

Semifinale 2 2017 © ECG e. V.

  


 

AUS DER PRESSE

 

 

Feeling statt Feuerwerk

Spiegel online, 14.05.2017, von Felix Bayer

 

Am Ende, als Salvador Sobral das gläserne Mikrofon, die Siegestrophäe des Eurovision Song Contest, in der Hand hielt, nutzte er die Aufmerksamkeit und hielt eine kleine Rede: Wir lebten in einer Welt der "Fast-Food-Musik" ohne Inhalt. Doch Musik sei "feeling, not fireworks" - es komme auf die Gefühle an, nicht aufs Feuerwerk. Dieser Sieg - sein Sieg - könne der Sieg von Musik mit Bedeutung sein.

Große Worte eines Sängers, der mit einfachsten Mitteln die Herzen Europas eroberte: Ganz allein stand er auf der sogenannten Satellitenbühne, mitten im Publikum der Messehalle in Kiew, in der der Eurovision Song Contest ausgetragen wurde. Im Hintergrund, auf dem LED-Monitor, war das Bild einer Waldlichtung zu sehen. Nichts flackerte, niemand tanzte. Und dann sang Salvador.

Tastend, als würden ihm die Sätze gerade zufallen, performte er seine Ballade "Amar Pelos Dois". Mit den Händen ahmte er die Begleitung von Piano und Geigen nach, schien mittendrin in seiner Musik zu sein, weit weg von den Erwartungen der Millionen Fernsehzuschauer. Die sich genau davon verzücken ließen.

 

 

 

Ja! Deutschland ist nicht Letzter!

Süddeutsche.de, 14.05.2017, von Hans Hoff

 

Ja! Es hat geklappt! Deutschland hat den Misserfolg der beiden Vorjahre, als der heimische Beitrag beim Eurovision Song Contest (ESC) Letzter wurde, nicht fortgesetzt, hat den Minus-Hattrick vermieden. Leider nur sehr knapp, denn Levina, die mit dem Song "Perfect Life" angetreten war, wurde zwar nicht Letzte, dafür aber Vorletzte. Vorletzte von 26. Nur Spanien hat schlechter abgeschnitten.

Trotz der leichten Verbesserung ist es ein Debakel für die deutsche Delegation, die in unendlicher Arroganz mal wieder alles falsch gemacht hat, was man falsch machen konnte. Die deutschen Verantwortlichen wollen einfach nichts lernen aus ihren Fehlern. Sie haben kein Gefühl für den Wettbewerb, und große Show machen können sie schon gar nicht.

 

Musik ist beim Eurovision angekommen

Dieses kollektive Organversagen der deutschen Delegation wiegt umso schwerer, da der ESC in diesem Jahr einen Triumph sondergleichen feiern kann, denn mit dem Sieg des portugiesischen Sängers Salvador Sobral hat sich ein Interpret durchgesetzt, der nichts zu tun hat mit dem Ruf des ESC, sich vor allem um die Showeffekte und nicht um die Musik zu kümmern.

"Dies ist ein Sieg für die Musik, für Musik, die etwas bedeutet", sagte Sobral, als er zum Sieger gekürt wurde, und selten waren Worte wahrer. Es ging nicht um Glitter, nicht um Glimmer, nicht um protzige Lichteffekte, wirbelnde Kameras und halbnackte Tänzer. All das hat Sobral vermieden.

Als er seinen Song "Amor pelos dois" sang, verzichtete er auf alles, was bisher den Markenkern des ESC auszumachen schien. In einem viel zu großen Jackett stand er allein am Mikrofon und hauchte sein Lied, verdrehte dabei komisch die Augen, machte seltsame Verrenkungen, ruhte ganz in sich.

Er schaffte damit eine Intensität, die man in diesem Wettbewerb sehr lange vermisst hat. Und weil er so glaubhaft in seiner Abkopplung von den Showgesetzen wirkte, berührte er sehr offensichtlich die Zuschauer und die Jurys. Sie spürten, dass es beim ESC auch um etwas gehen kann.

 

Mehr leise Interpreten

Das fällt besonders auf, weil der ESC in diesem Jahr ein sehr weites Spektrum bot. Er hatte die krachige Rockband im Angebot, aber auch die alberne Jodlerin, den Gorilladarsteller und halbnackte Männer, die sich in winzigen Swimmingpools räkelten.

Dabei fiel erst gar nicht auf, dass Sobral mit seiner Besinnung auf das Zarte, auf das Natürliche gar nicht mal so allein auf weiter Flur stand. Auch der zweitplatzierte Beitrag aus Bulgarien war einer, der auf die Kraft des jungen Interpreten setzte.

Kristian Kostov war seinem portugiesischen Kollegen sehr lange dicht auf den Fersen, und auch er wäre ein würdiger Gewinner gewesen. Auch der belgische Beitrag, der sich erst zum Ende der Abstimmung weit nach vorne schob, war ein leiser und einer, bei dem man am liebsten auf die Bühne gesprungen wäre, um die Interpretin in den Arm zu nehmen.

 

Fehler des deutschen Teams

Da wiegt es natürlich schwer, wenn der deutsche Beitrag wieder ganz hinten landet. Verwundern darf das indes nicht, denn zu der an Fehlern reichen Geschichte der deutschen ESC-Teilnahme nach dem Abschied von Stefan Raab wurden problemlos ein paar neue Kapitel hinzugefügt.

Das begann schon beim nationalen Vorentscheid im Februar. Da ließen sie der durchaus talentierten Levina nur die Wahl zwischen zwei sehr mittelmäßigen Songs. Mit dem etwas weniger mittelmäßigen ist sie dann in Kiew hoffnungslos gestrandet, weil man ihr dazu eine Bühneninszenierung verpasste, die man vielleicht im verantwortlichen NDR für modern hält, die aber nichts als eisige Kühle ausstrahlte.

Kein bisschen durfte sich Levina bewegen. Sie stand da und lächelte und sang und wirkte doch wie eine unter mehreren Eisschichten gefangene Prinzessin, der nicht mehr zu helfen ist. Wie das zum Lied vom perfekten Leben passen soll, wissen wohl nur jene, die das künstlerisch abgesegnet haben.

Man weiß, dass personelle Veränderungen in deutschen Sendern selten sind. Aber wenn es nicht nach diesem erneuten Debakel an der Zeit ist, über Rücktritte nachzudenken, dann fragt man sich, wann denn wohl jemals Zeit dafür sein sollte.

 

Levina und ihr tonloses Lachgesicht. Das reicht nicht!

Welt.online.de, 14.05.2017, von Julia Friese

 
Der Eurovision Song Contest, das Weltfinale aller „X Factor“- und „The Voice“-Shows, endete in diesem Jahr mit einem Sieg für Portugal und dem vorletzten Platz für Deutschland. Warum es so kommen musste.

Salvador Sobral ist durch den Bühneneingang gegangen, hat gegrüßt, kurz, dann hat er sich hingesetzt, neben Luísa Sobral, und dann, irgendwann, er war Startnummer elf, ist er wieder aufgestanden, hat sich hinter dieses Mikrofon gestellt und „Amar Pelos Dois“ gesungen, ein Lied, dass die, die neben ihm saß, seine Schwester, für ihn geschrieben hatte.

Wann immer er sang, war es im Pressezentrum in Kiew, da wo Hunderte Journalisten sitzen, schwitzen und Kulturfußball spielen, also mit Länderflaggen behangen, grölen, jubeln und Selfies schießen, plötzlich still.

Und wenn es mal nicht still war, dann zischte es aus den Ecken, bis es still war, und dann war Sobral. Den wollte man noch mal hören, nach all den Proben und Halbfinals und Halbfinalsproben, auch dieses gefühlte 17. Mal noch.

 

Levina lächelt, wie man lächeln muss

Levina ist in die Show gegangen, wie sie dachte, wie man in eine Show zu gehen hat. Wann immer einen die Kamera einfängt, dann muss man lachen, das hat sie sehr häufig so gesehen, das macht man so, also machte sie es auch – den Mund weit auf.

Einen Ton braucht man dabei nicht zu machen, denn man lacht ja nicht wirklich, also, das wäre ja fast peinlich, worüber soll man in dem Moment denn lachen, nein, man macht nur ein lachendes Gesicht.

Wann immer die Kamera dann ganz besonders lange auf einem liegt, muss man winken, und das in etwa so, als sei man plötzlich in einer amerikanischen TV-Serie und stünde in dieser TV-Serie an einer amerikanischen TV-Serien-Supermarktkasse, an deren Nachbarkasse man wiederum eine häufig wiederkehrende Nebenfigur dieser TV-Serie erspähen würde.

Wink, wink, tonloses Lachgesicht. So ein Hallo! Ja, schön, dass du hier bist. Ich liebe euch alle. Kuss und Gruß! Keine Frage, Levina hat sich gut reinverkleidet, ja, in gewisser Weise war sie perfekt.

 

Sobral, er war er selbst

Salvador Sobral war die meiste Zeit gelangweilt. Wer kann es ihm verdenken, er wird die Darbietungen seiner Kontrahenten zuvor circa 34-mal innerhalb einer Woche gesehen haben. Sobral wird es sich nicht eingestehen wollen, aber er wird die vergangenen Tage des Nachts im Bett gelegen und das rumänische „Yodel It!“ ins Kissen geseufzt haben, nur um morgens beim Frühstück das schwedische „I can’t go on“ zu singen, und wenigstens das wird er genau so gemeint haben. Sobral, er war er selbst.

Am Ende des Abend bekam „er selbst“ von Zuschauern und Jury 758 Punkte und Levina sechs. Warum? Als Sobral gewann, erklärte er seinen Sieg so: „Musik ist kein Feuerwerk, Musik ist Gefühl. Musik muss wieder echt werden!“

Dafür bekam er dann sehr viel Applaus, das Publikum konnte nicht anders, denn er hatte ja gerade eben gewonnen. Quatsch war seine Erklärung aber natürlich trotzdem.

Musik gibt es in allen Facetten, und wenn der Eurovision Song Contest über die Jahre eins bewiesen hat, dann, dass auch so ziemlich jede Facette gewinnen kann. (Erinnern Sie sich noch an Lordi? „Hard Rock Hallelujah“?)

Der Contest wird nur meistens von dem Beitrag gewonnen, der anders ist, als alle anderen, der neu ist, etwas Eigenes hat. Entweder ein Lied oder einen Künstler, über den man spricht, oder eben einer, bei dem man ausnahmsweise mal still ist.

 

Nur Rumäniens Beitrag fiel aus dem Rahmen

Dieses Jahr waren alle Darbietungen ungewöhnlich lahm und zahm. Es gab, abgesehen von Rumäniens Jodelpop, und ein paar Backgroundtänzerinnen, die für die Republik Moldau in Blumensträuße sangen, so gut wie nichts, was man nicht schon hundert Mal gesehen oder gehört hätte. Niemand hat sich was getraut.

Die meisten Outfits waren weiß. Windmaschinen pusteten gegen eskapistische Bühnenvehikel – ein Heißluftballon, ein Propellerboot, ein Halbmond – an. Und die zeitlosen Love-, Freedom-, Pathos-, -Powerballaden brannten mit der Pyro um die Wette.

Dazu gab es – auch im wenig LGBT-freundlichen Kiew – den üblichen Schuss Gay-Disco, aber das Neue, das Charismatische, das fehlte. Und dann kam Sobral. Er fiel auf, weil er anders war, nicht nur seine Darbietung, sondern auch seine Haltung.

 

Projekt Levina – warum es nicht funktionierte

Das Projekt Levina hingegen wirkte – wie auch die Jamie-Lee-Ann-Sophie-Projekte der vergangenen Jahre – wie an einem Schreibtisch zusammengebaut, der mit einer abwaschbare Schreibtischunterlage belegt ist, unter dessen halbmilchiger Folie eine Notiz von 2010 liegt, auf der steht: „Junge Frau mit englischsprachigem Lied funktioniert.“

Levina, das ist eine Frau, die in London Musikmanagement studiert, die zufällig auch noch singen kann, und sich für diesen Abend mit der gleichen Attitüde in Jamie-Lee-Ann-Sophie reinverkleidet hat, mit der andere Frauen sich als Braut oder Galabesucherin verkleiden. „Heute mal ein Kleid!“

Lena hat sich 2010 nicht verkleidet. Im Gegenteil, sie hat ein leeres Lied mit ihrem Charakter ausgekleidet. Zugegeben „Perfect Life“, ein Lied, das klingt, als sei es beim privaten Telefonieren über dem Bürosprüchekalender in der Kaffeeküche entstanden, mit Charakter zu füllen, ist eine Aufgabe, die selbst einer Amy Winehouse schwergefallen wäre.

 

 
 

 

 


Der Eurovision Song Contest 2016


ESC Logo 2010 

61. Eurovision Song Contest - 14. Mai 2016
Stockholm

Halle Globen
Motto Come Together
Moderation Petra Mede & Måns Zelmerlöw
Pausen-Acts Petra Mede & Måns Zelmerlöw,
Justin Timberlake
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 43 Länder (Finale 26 /Semifinale jeweils 18)

 

Siegerland: Ukraine


norway

Interpretin:

Jamala

Titel:

"1944"

Musik & Text:

Jamala


 Jamala© Thomas Hanses, EBU

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale - 14. Mai 2016

PlatzLandInterpret*inTitelJuryTelev.Ges.Startnr.
1. Ukraine Jamala 1944 211 323 534 21.
2. au Australien Dami Im Sound Of Silence 320 191 511 13.
3. RU Russland Sergey Lazarev You Are The Only One  130 361 491 18.
4. BG Bulgarien Poli Genova If Love Was A Crime 127 180 307 08.
5. Schweden Frans If I Were Sorry 122 139 261 09.
6. FR Frankreich Amir J'ai cherché 148 109 257 11.
7. AM Armenien Iveta Mukuchyan LoveWave 115 134 249 26.
8. PL Polen Michał Szpak Color Of Your Live  7 222 229 12.
9. Litauen Donny Montell I've Been Waiting For This Night 104 96 200 16.
10. Belgien Laura Tesoro What's The Pressure 130 51 181 01.
11. Niederlande Douwe Bob  Slow Down 114 39 153 03.
12. Malta Ira Losco Walk On Water 137 16 153 22.
13. AT Österreich Zoë Loin d'ici 31 120 151 24.
14. IL Israel Hovi Star Made Of Stars 124 11 135 07.
15. Lettland Justs Heartbeat 69 63 132 20.
16. IT Italien Francesca Michelien No Degree Of Separation 90 34 124 06.
17. AZ Aserbaidschan Samra Miracle 44 73 117 04.
18. RS Serbien ZAA Sanja Vučič Goodbye (Shelter) 35 80 115 15.
19. HU Ungarn Freddie Pioneer 52 56 108 05.
20. GE Georgien Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz Midnight Gold 80 24 104 23.
21. CY Zypern Minus One Alter Ego 43 53 96 14.
22. ES Spanien Barei Say Yay! 67 10 77 19.
23. HR Kroatien  Nina Kraljić Lighthouse 40 33 73 17.
24. GB Ver. Königreich Joe & Jake You're Not Alone 54 8 62 25.
25. CZ Tschechien Gabriela Gunčíková I Stand 41 0 41 02.
26. DE Deutschland Jamie Lee Ghost 1 10 11 10.

 
 

Semifinale 1 - 10. Mai 2016

PlatzLandInterpret*inTitelJuryTelev.Ges.Startnr.
1. RU Russland Sergey Lazarev You Are The Only One 148 194 342 09.
2. AM Armenien Iveta Mukuchyan LoveWave 127 116 243 07.
3. Malta Ira Losco Walk On Water 155 54 209 18.
4. HU Ungarn Freddie Pioneer 78 119 197 04.
5. Niederlande Douwe Bob Slow Down 102 95 197 06.
6. AZ Aserbaidschan Samra Miracle 92 93 185 14.
7. AT Österreich Zoë Loin d'ici 37 133 170 12.
8. CY Zypern Minus One Alter Ego 71 93 164 11.
9. CZ Tschechien Gabriela Gunčíková I Stand 120 41 161 10.
10. HR Kroatien Nina Kraljić Lighthouse 80 53 133 05.
11. BA Bosnien&Herzegowina Dalal & Deen feat. Ana & Jala Ljubav je 26 78 104 17.
12. SM San Marino Serhat I Didn't Know 19 49 68 08.
13. ME Montenegro Highway The Real Thing 46 14 60 15.
14. IS Island Greta Salóme Hear Them Calling 27 24 51 16.
15. Finnland Sandhja Sing It Away 35 16 51 01.
16. GR Griechenland Argo Utopian Land 22 22 44 02.
17. MD Moldau Lidia Isac Falling Stars 24 9 33 03.
18. Estland Jüri Pootsmann Play 9 15 24 13.

Semifinale 2 - 12. Mai 2016

1. AU Australien Dami Im Sound Of Silence 188 142 330 10.
2. Ukraine Jamala 1944 135 152 287 14.
3. Belgien Laura Tesoro What's The Pressure  139 135 274 18.
4. Litauen Donny Montell I've Been Waiting For This Night 104 118 222 09.
5. BG Bulgarien Poli Genova If Love Was A Crime 98 122 220 12.
6. PL Polen Michał Szpak Color Of Your Life 20 131 151 02.
7. IL Israel Hovi Star Made Of Stars 127 20 147 04.
8. Lettland Justs Heartbeat 64 68 132 01.
9. GE Georgien Nika Kocharov & Young Georgian Lolitaz Midnight Gold 84 39 123 16.
10. RS Serbien ZAA Sanja Vučič Goodbye (Shelter) 55 50 105 06.
11. MK EJR Mazedonien Kaliopi Dona 34 54 88 08.
12. BY Belarus IVAN Help You Fly 32 52 84 05.
13. Norwegen Agnete Icebreaker 29 34 63 15.
14. SI Slowenien ManuElla Blue And Red 49 8 57 11.
15. Irland Nicky Byrne Sunlight 15 31 46 07.
16. AL Albanien Eneda Tarifa Fairytale 10 35 45 17.
17. Dänemark Lighthouse X Soldiers Of Love 10 24 34 13.
18. Schweiz Rykka The Last Of Our Kind 25 3 28 03.

 

 


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

ESC-2016-Globen© SVT

Der 61. Eurovision Song Contest fand am 14. Mai 2016 (Semifinale am 10. und 12. Mai) im Stockholmer Globen statt. Der verantwortliche Sender SVT hatte Bewerbungen schwedischer Städte entgegengenommen. Stockholm hatte sich mit drei Hallen (der Friends Arena, der Tele 2 Arena und dem Ericsson Globen) beworben, Sandviken mit der Göransson Arena, Göteborg mit dem Scandinavium, Linköping mit der SAAB Arena und Örnsköldsvik mit dem Fjällräven Center. Malmö hatte seine Bewerbung schon frühzeitig zurückgezogen, da die Halle ausgebucht sei.   

Die endgültige Entscheidung für Stockholm und den Globen-Komplex wurde von SVT am 08.07.2015 bekannt gegeben. Dieser Komplex beinhaltet den Globen (ESC 2000) mit 14.000 bis 16.000 Plätzen je nach Aufteilung sowie die die Tele 2 Arena und "Annexet" und "Hovet". Im Hovet wurde das Pressezentrum untergebracht, Annexet blieb den Delegationen vorbehalten.

 

43 Länder nahmen teil, wieder dabei waren Bosnien & Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien und die Ukraine, nicht dabei waren Portugal, die Slowakei und die Türkei. 

Am 25.01.2016 fand die Auslosung der in den Semifinals teilnehmenden Länder auf die erste oder zweite Hälfte des ersten oder zweiten Semifinals statt. Die Moderatoren Alexandra Pascalidou und Jovan Radomir nahmen die Auslosung vor. Dazu wurden zuvor wie üblich mehrere "Töpfe" gebildet, in die die teilnehmenden Länder je nach geografischer Lage und früherem Wertungsverhalten verteilt wurden. 

Israel wurde auf Wunsch direkt dem zweiten Semifinale zugeordnet, um eine Kollision mit dem Nationalfeiertag am ersten Semifinaltag zu vermeiden. Die übrigen Länder wurden auf die jeweiligen Hälften der Semifinals ausgelost. Die endgültige Startreihenfolge wurde später von den Produzenten der Show des SVT in Abstimmung mit der EBU festgelegt. 

Australien wurde erneut die Teilnahme ermöglicht, allerdings musste der australische Act im Semifinale antreten.   

Die BIG-5 Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich sowie das Sieger- und Austragungsland Schweden waren bereits für das Finale gesetzt. Australien durfte nach der Premiere 2015 erneut teilnehmen, musste aber im Gegensatz zum letzten Jahr in einem Semifinale antreten. Bei der Auslosung wurde zudem bestimmt, welche Länder der BIG-5 welches Semifinale übertragen mussten und dort abstimmen durften. Deutschland wurde auf Wunsch der ARD für das zweite Semifinale gesetzt, Schweden auf Wunsch von SVT auf das erste Semifinale: Semifinale 1: Frankreich, Schweden, Spanien - Semifinale 2: Deutschland, Italien, Vereinigtes Königreich.

 

Das Wertungssystem wurde erstmals seit 1975 einer grundlegenden Änderung unterzogen (s. unter WERTUNG)

 

 

MOD© ECG e. V.

Die Moderatoren waren Petra Mede (ESC 2013) und der ESC-Sieger 2015 Måns Zelmerlöw.

Petra Mede ist die erste Frau seit 1974 (Katie Boyle), die den ESC mehr als einmal moderiert hat. Ihren Durchbruch im schwedischen Fernsehen hatte sie mit der Moderation des Melodifestivalen 2009. Nach ihrer viel gelobten Solo-Moderation des ESC 2013 moderierte sie gemeinsam mit Graham Norton auch die Jubiläumsshow in London.

 

Måns Zelmerlöw hatte seinen Durchbruch als Popsänger bei der schwedischen Vorentscheidung 2007, wo er mit "Cara mia" Dritter wurde. 2009 belegte er mit "Hope & Glory"  den vierten Platz und 2010 moderierte er das Melodifestivalen. Seit 2007 hat er zahlreiche Alben veröffentlicht und in Musicals mitgespielt. Drei Jahre lang moderierte er auch die die beliebte schwedische TV-Gesangssendung "Allsång på Skansen" im Stockholmer Freilichtmuseum. Bisheriger Karrierehöhepunkt vor der Sieg beim ESC 2015 mit "Heroes". 

 

Zelmerlöw sagte dazu: "Ich bin so unglaublich glücklich, noch einmal beim Eurovision Song Contest dabei sein zu dürfen und das gemeinsam mit Petra Mede, die ich für eine herausragende Moderatorin und einen äußerst reizenden Menschen halte". Und Petra Mede lobte Zelmerlöw als extrem professionell, sie mache sich also mehr Sorgen um sich selbst und was sie anziehen solle. "Es ist, als wenn ich zum ersten Mal Achterbahn gefahren wäre, und dann sagt mir jemand, ich könne das jetzt gemeinsam mit einem tollen Jungen noch einmal machen!"

 

 

logo2016

Das Motto lautete: COME TOGETHER.

Die Botschaft der Einheit sei einer der Gründe für dieses Motto, so Österdahl. "Wir glauben, dass die Idee der Einheit heute genauso wichtig ist wie in den 1950er Jahren, als der Eurovision Song Contest begann. Beim ESC geht es nie um Grenzen, Politik oder Ideologien. Es geht darum, alle Grenzen zu überwinden, die uns Menschen voneinander trennen!" Symbolisiert wurde diese Botschaft durch eine Pusteblume als Zeichen der Widerstandfähigkeit und Belastbarkeit, aber auch der Kraft zur Erneuerung, denn wenn der Samen des Löwenzahns fortfliege, erschaffe er neues Leben, wo er niederfalle.

 


stage 1© SVT

Das Bühnendesign für den ESC 2016 stammte von Frida Arvidsson und Viktor Brattström, die auch die Bühne 2013 in Malmö entworfen haben. Ihr Bestreben sei es gewesen, durch Licht eine besondere Tiefe zu erzeugen. Es gab eine innovative LED-Wand, in die die Interpreten "hineingehen" konnten. Im Gegensatz zum sehr reduzierten Bühnenbild 2013 wollte man dieses Mal mit dem Raum spielen und optische Illusionen erzeugen.

 

 

 

Die sog. Postcards, die Filme, die den jeweils nächsten Act ankündigen, wurden im Heimatland des entsprechenden Interpreten gedreht und zeigten sowohl sein persönliches Leben als auch Impressionen des Landes. Dabei spielte die Pusteblume des Logos eine Rolle. 

  

FAZIT

 

Durch das neue Wertungssystem und die Präsentation wurde deutlich, wie unterschiedlich die Beurteilungen der einzelnen Lieder waren. So kämpften Australien, Russland und die Ukraine um den Sieg. Australien gewann das Juryvoting, Russland das Televoting, aber Siegerin wurde als lachende Dritte Jamala aus der Ukraine. 

Über den Sieg der Ukraine kann man geteilter Meinung sein: Ist der Siegertitel „1944“ politisch oder nicht, und hat die Ukraine damit berechtigt gewonnen? In der Presse sah man das durchaus unterschiedlich, und auch in Fankreisen gab es hierzu kontroverse Ansichten. Dass die Ukraine sich im letzten Moment der Wertung an den beiden Favoriten Australien und Russland vorbei nach oben geschoben hat, war durch das neue Wertungssystem an Spannung kaum zu überbieten. Insofern war die Änderung des Votings und dessen Präsentation eine durchaus positive Neuerung.

Es gab wieder einen Skandal um die Jurys: Dieses Mal betraf es ein Mitglied der russischen Jury, das eine Szene der russischen Jurywertung verbotenerweise mit dem Smartphone gefilmt und ins Netz gestellt hatte. Wenn man diesen Clip gesehen hat, lässt es erneut an der Berechtigung der Jurys zweifeln, wird man doch völlig desillusioniert ob solchen demonstrativ zur Schau gestellten Desinteresses.

 

Während Russlands Superstar Sergey Lazarev und sein "Dream Team" um Philip Kirkorov und Dimitris Kontopoulos alles an Videotechnik aufgeboten hatten, was man sich vorstellen konnte und die hohe Bewertung durch das Televoting wohl auch dieser technisch beeindruckenden Inszenierung von "You Are The Only One" geschuldet war, überzeugte die Australierin Dami Im durch ihre Stimmgewalt. 

 

Bulgarien erreichte im zweiten Versuch mit  Poli Genova nach 2011 dieses Mal das Finale und sogar einen großartigen vierten Platz, bis dato die beste Platzierung für das Land. Die Zweitplatzierte von 2002, Ira Losco, versuchte es erneut für Malta, aber dieses Mal reichte es nur für Platz 12.

Greta Salóme (Island) und Kaliopi (EJR Mazedonien) scheiterten beide bei ihrem zweiten Versuch nach 2012 im Semifinale. Erstmals überstanden auch Griechenland und Bosnien & Herzegowina das Semifinale nicht. 

 

Frankreich schickte mit Amir und "J'ai cherché" einen Uptempo-Song, der Platz sechs erreichen konnte. 

Ein große Überraschung war der 13. Platz für Österreich. Zoë entwickelte sich vor Ort zum Liebling der Fans, überall, wo sie auftauchte, sangen alle mit ihr "Loin d'ici".  

 

Schweden schickte mit dem jungen Frans und "If I Were Sorry" einen für Schweden eher untypischen Song ins Rennen, der aber Platz fünf erreichte und international den stärksten Nachhall erreicht haben dürfte. Man hört ihn auch im deutschen Radio immer noch wieder.

Demgegenüber ist der deutsche Beitrag "Ghost" mit der "The Voice"-Siegerin Jamie Lee nach ihrem letzten Platz in der Versenkung verschwunden. Offenbar fehlte das Verständnis bei Juroren und Televotern für das Mädchen im Manga-Outfit.  

 

Nach übereinstimmender Meinung der meisten Fans sowohl vor Ort als auch unter den Fernsehzuschauern waren die drei ESC-Shows aus Stockholm, die das schwedische Fernsehen SVT geboten hat, mit das Beste, was man je beim ESC bis dato gesehen hatte. Auch für die angereisten Fans war es ein Highlight der ESC Geschichte, weil den Fans vor Ort sehr viel geboten wurde inklusive dem Zugang zum EuroClub und dem großartigen Euro Fan Café.

 

petra mede and mans zelmerlow by bbc© BBC

Show-Highlights waren besonderes für alle ESC-Fans zum einen die Eröffnung des zweiten Semifinales mit einer Revue-Nummer nach Broadway-Manier, “The Story Of ESC / What Is The Eurovision Song Contest?“, und vor allem der Pausen-Act im Finale mit den Moderatoren „Love, Love, Peace, Peace“,  geschrieben vom Melodifestivalen-Stammkomponisten Fredrik Kempe: Da jagte ein Gag den nächsten inklusive Überraschungsauftritten von Alexander Rybak und Lordi.

Jedem ESC-Fan musste dabei einfach das Herz aufgehen. Aber nicht nur diese gemeinsamen Gesangs- und Tanznummern, auch die in die Moderation eingestreuten Wortspiele und Gags waren großartig, ebenso wie der Gastauftritt von Justin Timberlake mit "Can't Stop The Feeling". (Erstmals wurde der ESC in den USA ausgestrahlt.)

  


 

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

ITA 58 HOL 58 FRA 58 ISL14n

1.

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2.

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3.

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4.

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Belgien Tschechische Republik Niederlande Aserbaidschan
Laura Tesoro Gabriela Gunčíková Douwe Bob
Samra
"What's The Pressure" "I Stand" "Slow Down" "Miracle"
M.: Sanne Putseys,
Birsen Uçar
  T.: Sanne Putseys, Louis Favre, Yannick Werther
M.: Christian Schneider,
Sara Biglert
T.: Aidan O'Connor,
Sara Biglert
M. & T.: Douwe Bob Posthuma, Jan-Peter Hoekstra, Jeroen Overman, Matthijs van Duijvenbode M. & T.: Amir Aly, Jakke "T.I Jakke" Erixson, Henrik Wikström
    
NOR14 ROM14n ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Ungarn Italien Israel Bulgarien
Freddie
Francesca Michelien
Hovi Star
Poli Genova
"Pioneer" "No Degree Of Separation" "Made Of Stars" "If Love Was A Crime"
M.: Szabó Zé
 T.: Borbála Csarnai
M.: Fabio Gargiulo, Federica Abbate, Cheope
  T.: Francesca Michielin, Federica Abbate, Norma Jean Martine
M. & T.: Doron Medalie

M. & T.:
Borislav Milanov, S. Arman,
J. Persson, Poli Genova
    
ALB 10 GRE14n AUT14neu BLR 10

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Schweden Deutschland Frankreich Polen
Frans Jamie Lee Amir Michał Szpak
"If I Were Sorry" "Ghost" "J'ai cherché" "Color Of Your Life"
M. & T.: Frans Jeppsson Wall, Fredrik Andersson, Michael Saxell, Oscar Fogelström M.: Thomas Burchia, Anna Leyne, Conrad Hensel
T.: Anna Leyne
M.: Nazim Khaled, Amir Haddad, Johan Errami
T.: Nazim Khaled, Amir Haddad
M.: Andy Palmer
T.: Kamil Varen
    
ALB 10 ARM 10 RUS14n BLR 10

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

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Australien Zypern Serbien Litauen
Dami Im Minus One ZAA Sanja Vučičs Donny Montell
"Sound Of Silence" "Alter Ego" "Goodbye (Shelter)" "I've Been Waituing
For This Night"
M. & T.: David Musumeci, Anthony Egizii M & T.: Thomas G:son,
Minus One
M. & T.: Ivana Peters M. & T.: Jonas Thander, Beatrice Robertsson
    
ALB 10 FIN14n ASE 10 2 BLR 10

17.

AD

18.

AD

19.

AD

20.

AD

Kroatien Russland Spanien Lettland
Nina Kraljić Sergey Lazarev Barei Justs
"Lighthouse" "You Are The Only One" "Say Yay!" "Heartbeat"
M. & T.: Andreas Grass, Nikola Paryla M.:Philip Kirkorov, Dimitris Kontopoulos
T.: John Ballard, Ralph Charlie
M. & T.:
Barei, Ruben Villanueva,
Victor Pua
M. & T.:
Aminata Savadogo
    
ALB 10 MALneu ASE 10 2 BLR 10

21.

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22.

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23.

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24.

AD

Ukraine Malta Georgien Österreich
Jamala Ira Losco Nika Kocharov &
Young Georgian Lolitaz
Zoë
"1944" "Walk On Water" "Midnight Gold" "Loin d'ici"
M. & T.: Jamala M. & T.:
Lisa Desmond, Tim Larsson, Tobias Lundgren, Molly Pettersson-Hammar, Ira Losco
M.: Kote Kalandadze,
Thomas G:Son
  T.:Kote Kalandadze
M. & T.: Christof Straub,
Zoë Straub
 







ARM 10 ASE 10 2

 

 






25.

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26.

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Ver. Königreich Armenien
Joe & Jake Ivety Mukuchyan
"You're Not Alone" "LoveWave"
M. & T.: Matt Schwartz, Justin J Benson, S. Kanes M.: Lilith Navasardyan, Levon Navasardyan
  T.: Iveta Mukuchyan, Stephanie Crutchfield

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 1

 

ALB 10 ARM 10 ARM 10 SWE14

1.

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2.

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3.

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4.

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Finnland Griechenland Moldau Ungarn
Sandhja Argo Lidia Isac
Freddie
"Sing It Away" "Utopian Land" "Falling Stars" "Pioneer"
M. & T.: Heikki Korhonen, Markus Savijoki, Milos Rosas, Petri Matara, Sandhja Kuivalainen
M.& T.:
Vladimiros Sofianides
M.& T.:
Gabriel Alares, Sebastian Lestapier, Ellen Berg, Leonid Gutkin
M.: Szabó Zé
T.: Borbála Csarnai
 
NOR14 ALB14 ASE 10 2 BLR 10

5.

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6.

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7.

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8.

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Kroatien Niederlande Armenien San Marino
Nina Kraljić Douwe Bob Iveta Mukuchyan Serhat
"Lighthouse" "Slow Down" "LoveWave" "I Didn't Know"
M. & T.:
Andreas Grass, Nikola Paryla
M. & T.: Douwe Bob Posthuma, Jan-Peter Hoekstra, Jeroen Overman, Matthijs van Duijvenbode M.: Lilith Navasardyan, Levon Navasardyan
T: Iveta Mukuchyan, Stephanie Crutchfield
M.: Olcayto Ahmet Tuğsuz
  T.: Nektarios Tyrakis
 
ALB 10 ARM 10 MOL1neu SMA14

9.

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10.

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11.

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12.

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Russland Tschechische Republik Zypern Österreich
Sergey Lazarev Gabriela Gunčíková Minus One Zoë
"You Are The Only One" "I Stand" "Alter Ego" "Loin d'ici"
M.: Dimitris Kontopoulos, Philip Kirkorov
T.: John Ballard, Ralph Charlie
M.: Christian Schneider,
Sara Biglert
T.: Aidan O'Connor,
Sara Biglert
M. & T.:
Thomas G:son, Minus One
M. & T.:
Christof Straub, Zoë Straub
 
POR14 BLR 10 MTG14 ALB 10

13.

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14.

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15.

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16.

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Estland Aserbaidschan Montenegro Island
Jüri Pootsman Samra Highway Greta Salóme
"Play" "Miracle" "The Real Thing" "Hear Them Calling"
M. & T.:
Stig Rästa, Vallo Kikas,
Fred Krieger
M. & T.: Amir Aly, Jakke "T.I Jakke" Erixson, Henrik Wikström M.: Skansi, Luka Vojvodić, Maro Market
T.: Srđan Sekulović Skansi
M. & T.:
Greta Salóme Stefánsdóttir
 





BLR 10 MTG14

 





17.

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18.

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Bosnien & Herzegowina Malta
Dalal & Deen feat. Ana & Jala Ira Losco
"Ljubav je" "Walk On Water"
M.: Almir Ajanović
  T.: Almir Ajanović,
Jasmin Fazlić - Jala
M. & T.: Lisa Desmond, Tim Larsson, Tobias Lundgren, Molly Pettersson-Hammar, Ira Losco

 
 

DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 2

 

MAL14n ISR14 NOR14 GEO14jpg

1.

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2.

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3.

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4.

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Lettland Polen Schweiz Israel
Justs Michał Szpak Rykka Hovi Star
"Heartbeat" "Color Of Your Life" "The Last Of Our Kind" "Made Of Stars"
M. & T.: Aminata Savadogu
M.: Andy Palmer
T.: Kamil Varen
M. & T.: Rieder, James, Dawson, Livesey M. & T.: Doron Medalie
 
ALB 10 AUT14neu LIT1n FIN14n

5.

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6.

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7.

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8.

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Belarus Serbien Irland EJR Mazedonien
IVAN ZAA Sanja Vučič Nicky Byrne
Kaliopi
"Help You Fly" "Goodbye (Shelter)" "Sunlight" "Dona"
M.: Victor Drobysh
T.: Alexander Ivanov, Timofei Leontiev, Mary Susane Applegate
M. & T.:Ivana Peters M. & T.:
Nicky Byrne, Wayne Hector, Ronan Hardiman
M.: Romeo Grill
T.: Kaliopi
 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

9.

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10.

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11.

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12.

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Litauen Australien Slowenien Bulgarien
Donny Montell Dami Im ManuElla Poli Genova
"I've Been Waitung For This Night" "Sound Of Silence" "Blue And Red" "If Love Was A Crime"
M. & T.: Jonas Thander, Beatrice Robertsson M. & T.: David Musumeci, Anthony Egizii M.: Manuella Brechko, Marjan Hvala
T.: Leon Oblak
M. & T.: Borislav Milanov,
S. Arman, J. Persson, Poli Genova

 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

13.

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14.

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15.

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16.

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Dänemark Ukraine Norwegen Georgien
Lighthouse X
Jamala Agnete Nika Kocharov &
Young Georgian Lolitaz
"Soldies Of Love" "1944" "Icebreaker" "Midnight Gold"
M. & T.:Søren Bregendel, Johannes Nymark, Martin Skriver, Sebastian Owens, Daniel Durn, Katrine Klith Andersen M. & T.: Jamala M. & T.: Agnete K. Johnsen, Gabriel Alares, Ian Curnow  M.: Kote Kalandadze, Thomas G:Son
T.: Kote Kalandadze
 





BLR 10 MTG14

 





17.

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18.

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Albanien Belgien
Eneda Tarifa
Laura Tesoro
"Fairytale" "What's The Pressure"
M. & T.: Olsa Toqi M.: Sanne Putseys, Birsen Uçar
T.:Sanne Putseys, Louis Favre, Yannick Werther

  


 

DIE WERTUNG

 

Eine gravierende Änderung betraf das Votingsystem, das erstmals seit 1975 einer grundlegenden Änderung unterworfen wurde: Bisher wurden die Wertungen der nationalen Jurys und des nationalen Televotings rechnerisch kombiniert, und es wurde eine gemeinsame Wertung der TOP 10 verkündet. Das hatte oft zur Folge, dass bereits weit vor der Bekanntgabe der letzten Länderwertung der Sieger feststand. 

Es war nun so, dass sowohl das Resultat des Juryvotings als auch das Televoting pro Land in die Punkte 1,2,3,4,5,6,7,8,10,12 umgesetzt wurde. Das bedeutet, dass die "Spokespersons" der nationalen TV-Sender nur die Höchstwertung der jeweiligen nationalen Jury verlasen. Anschließend wurden dann die Televotingpunkte dazu addiert. Diese Wertungen wurden von den Moderatoren verlesen, angefangen mit dem Land mit der niedrigsten Televoting-Punktzahl eines Landes bis hin zur höchsten. Das sollte garantieren, dass der Sieger wirklich erst mit der letzten Wertung bekannt wurde. Jedes Land vergab also insgesamt 2x12 = 24 Punkte für den jeweils Erstplatzierten, und die zu vergebende Gesamtpunktzahl wurde dementsprechend verdoppelt.

Alle Einzelwertungen wurden wie bisher nach der Show veröffentlicht. In der Sendung erfuhrt man dadurch allerdings nicht, aus welchem Land die Televotingergebnisse jeweils stammten. Für die Semifinalwertungen galt das gleiche Prinzip, allerdings wurden hier wie bisher nur die TOP 10 in der Sendung bekannt gegeben. 

Das neue Prinzip ist angelehnt an das seit Jahren bei der schwedischen Vorentscheidung Melodifestivalen erprobte System. In den Fällen, wo ein Land kein gültiges Televoting- oder Juryergebnis vorlegen kann (hier San Marino), griff man auf eine "Ersatzwertung" zurück, die aus einer vorher festgelegten Kombination anderer Ländervotings bestand. Dies hatte bereits im Vorfeld zu Protesten z. B. von San Marino geführt, das ja bisher wegen der geringen Bevölkerungszahl kein Televotingergebnis erstellen konnte.

Der Executive Producer der EBU, Jon Ola Sand, sieht vor allem den Vorteil, dass der Song, der in einem Land beim Televoting siegt, auf jeden Fall auch 12 Punkte bekommt, egal wie die Jury ihn bewertet hat. Es passe vorzüglich, dass diese Änderung genau wie die Einführung des 12 -Punkte-Systems 1975 wieder in Stockholm eingeführt wird.    

 

 DIE WERTUNG-FINALE

 

 

Wertung Finale© ECG e. V.

 

 

DIE WERTUNG - SEMIFINALE 1 + 2

 

Wertung Semifinale 1© ECG e. V.

Wertung Semifinale 2© ECG e. V.

 

 


  

AUS DER PRESSE

 

 

Ab jetzt wieder seriös! Die Zeit der Freakshows ist vorbei: Der ESC 2016 ist eine Leistungsschau des Mainstream-Pop – ein bisschen vorhersehbar, aber hoch professionell.


TV-Spielfilm 10/2016, von C. Holst


Im Jahr 2016 ist der Eurovision Song Contest endgültig das geworden, was seine Macher schon lange in ihm sehen wollten: ein durchaus ernst zu nehmender Wettbewerb, eine Europameisterschaft des Pop, und eben keine Kuriositätenschau. Als solche gewann das Wettsingen ab 1998 („Guildo hat euch lieb“) verlorene Popularität zurück. Es war die Zeit, als postmoderne Gagbeiträge, die außer im Herkunftsland nirgendwo verstanden wurden, auf traditionelle Diseusen im Gardinenkleid und popkulturell noch unbeleckte Osteuropäer trafen. Kult nannte man diesen Clash of Cultures damals.
Globalisierter Popcontest Im Jahr 2016 ist die Globalisierung beim Mainstream-Pop auch beim altehrwürdigen Songcontest vollendet. Es ertönen Countryklänge aus den Niederlanden und Slowenien, rappende Griechen treten in Wettstreit mit einem französischen Chanson aus Österreich. Zum ungarischen Beitrag trommelt ein buddhistischer Mönch, und für Deutschland singt Mangaprinzessin Jamie Lee, die sich modisch und musikalisch in Südkorea zu Hause fühlt. Vielleicht hat sie Gelegenheit, in Stockholm Dami Im kennenzulernen. Die gebürtige Koreanerin tritt für Australien an. Sie ist nicht die einzige Migrantin im Wettbewerb. San Marino schickt den türkischen Sänger Serhat ins Rennen, die Schweiz wird von der Kanadierin Rykka vertreten. Die armenische Gesandte Iveta Mukutschjan wiederum dürfte vielen deutschen ESC-Zuschauern bekannt vorkommen. Die in Hamburg aufgewachsene Sängerin nahm 2012 bei „The Voice of Germany“ an. Natürlich singt auch sie auf Englisch. Seitdem die Teilnehmer nicht mehr in ihrer jeweiligen Landessprache trällern müssen, ist der Anteil der englischsprachigen Beiträge kontinuierlich gestiegen. 2016 erlauben sich nur noch Bosnien und Mazedonien die Extravaganz, pures Heimatidiom zu Gehör zu bringen – und damit vermutlich sich selbst um jede Chance auf den Sieg.
Milde Ethnowürze Nicht nur sprachlich zeigt sich ESC-Europa im Jahr 2016 weitestgehend vereint, auch musikalisch herrscht länder-und kulturübergreifender Geschmackskonsens. Dass im Blindtest nicht feststellbar ist, ob die Interpretin, die da zu Dance-Rhythmen Angesoultes tremoliert, aus Moldau oder Malta kommt, hat seinen Grund: Beide Songs stammen wie viele andere im Wettbewerb aus weltweit agierenden Hit-Schmieden und wurden von schwedischen Produzenten auf internationale Vermarktbarkeit feingetunt. Hier und da sorgen ein paar Takte folkloristisches Gefiedel und Geflöte für milde Ethnowürze. Hoch professionell sind auch die meisten der auftretenden Sänger. Viele stehen bei großen Labels wie Sony oder Universal unter Vertrag. Fast die Hälfte der Solokünstler, die in Stockholm antreten, ist durch das Stahlbad einschlägiger Castingshows gegangen. Die internationalen Geschwisterformate von „DSDS“ oder „Popstars“ liefen in fast jedem Teilnehmerstaat und exportierten Sounds und Styles des internationalen Pop-Mainstreams zuverlässig bis in die entlegenste Ex-Sowjetrepublik. War früher also alles besser? Wer auf den Gedanken verfällt, soll sich bei YouTube mal durch die ESC-Geschichte klicken. Schräges und Bizarres findet sich dort zuhauf, aber vor allem jede Menge triviales Tirili, das zu Recht längst vergessen ist. Der ESC 2016 liefert stattdessen eine perfekte Show und Pop, der wirklich auf der Höhe der Zeit ist. Nicht das Schlechteste für einen Samstagabend.

 

ESC? Da schläft Sarah Connor immer ein!

Stern.de, 17.05.2016, von Jens Maier


Langweilig, unlustig, lieblos: Das ESC-Vorprogramm „Countdown für Stockholm“ steht symptomatisch für die Ideen- und Ratlosigkeit, die beim NDR in Sachen Eurovision Song Contest vorherrscht. Höchste Zeit, den Sender und Sarah Connor aufzuwecken. 9,33 Millionen Fernsehzuschauer haben am Samstagabend das Finale des Eurovision Song Contest in Deutschland verfolgt. Nicht wegen, sondern trotz des Vorprogramms in der ARD. Die Live-Show „Countdown für Stockholm um 20.15 Uhr war - mit einem Wort zusammengefasst - eine Katastrophe. Und das lag nicht am miesen Wetter auf der Hamburger Reeperbahn. Dass Moderatorin Barbara Schöneberger in einer Tour erzählte, die Jury würde zum ersten Mal 50 Prozent der Stimmen vergeben - geschenkt. Das tut sie zwar seit 2008, aber die Regeln sind eben kompliziert. Dass in einem Einspielfilm die Armenierin Iveta Mukuchyan, die zudem noch in Hamburg wohnt, als Albanerin ausgegeben wurde - Fehler passieren eben.
Sarah Connor schläft beim ESC immer ein Dass aber Sarah Connor, Mitglied der deutschen Jury, da stehen durfte und sagen: „Ich habe es noch nie geschafft, einen ESC von Anfang bis zum Ende zu schauen, weil ich immer dabei eingeschlafen bin“, ist schon bemerkenswert. Der Satz zeigt, welche Künstler der verantwortliche Sender NDR einlädt, um den ESC zu begleiten: Solche, die den Musikwettbewerb immer noch für eine Freakshow halten. „Ist das Musik - oder kann das weg“, „Tut es dir schon leid, dass du für diesen Job zugesagt hast?“ oder „Überraschenderweise hat‘s wirklich Spaß gemacht“ - in zahlreichen Bemerkungen wurde die Missachtung für den Wettbewerb deutlich. Begeisterung? Fehlanzeige. Von Herzen kam da gar nichts.
Wie die Eröffnung der Fleischermesse Überhaupt machte die Veranstaltung den Eindruck, die eingeladenen Künstler seien nicht wegen, sondern trotz ESC da. Die Aussicht, am Samstagabend zur besten Sendezeit auftreten zu dürfen, ist Verlockung genug. Wäre da nicht die Live-Schalte zu Jamie-Lee Kriewitz nach Stockholm gewesen, hätte es angesichts der Bratwurst-Atmosphäre drum herum auch die Eröffnung der Fleischermesse sein können, die da wegmoderiert wurde. Langweilig, unlustig und vor allem lieblos: So war der „Countdown für Stockholm“. Und damit will der NDR den deutschen Zuschauern Lust auf den Eurovision Song Contest machen? Aha. Die Vorab-Show steht symptomatisch für die Ideen- und Ratlosigkeit, die beim Sender zum Thema ESC vorherrscht. „Feel your Heartbeat“, spür deinen Herzschlag - so lautete das schöne Motto beim Heim-ESC 2011 in Düsseldorf. Inzwischen droht akute Infarktgefahr. Wie‘s besser geht, zeigten die Schweden. Mit viel Liebe zum Detail und mit Selbstironie haben sie den ESC und alle seine Schrulligkeiten auf die Schippe genommen. „Love Love Peace Peace“ hieß der Pausenact, der sowohl ESC-Hasser als auch ESC-Liebhaber einte. Aber da schlief Sarah Connor ja bereits.

 

Was Deutschland beim ESC reformieren muss

welt.de, 16.05.2016, von Holger Kreitling


Wieder Schlusslicht beim ESC. Ist Merkel schuld? Oder versteht das Ausland den deutschen Musikgeschmack nicht? Die meisten Gründe aber sind ARD-hausgemacht.
Die schönste Art des Verzeihens gilt immer den Unschuldigen. Jamie-Lees Großmutter erklärte also nach der ESC-Pleite Deutschlands: „Das war super gut, ich muss sie bewundern, dass sie das so hingekriegt hat. Sie ist ja erst 18 Jahre alt, und sie hat keine musikalische Ausbildung.“
Am Sonntagnachmittag stand Jamie-Lee in Berlin am Flughafen, ganz in Schwarz, mit Basecap und Sonnenbrille und Schal vor dem Gesicht, als wolle sie im Boden versinken. Die junge Sängerin trifft sicher am allerwenigsten Schuld an dem Debakel. Sie hatte gekämpft und alles gegeben, ihr Auftritt war eindrücklich und gut gewesen. Und dann der letzte Platz, elf magere Punkte für Deutschland. Das ist wegen der neuen Wertung noch schlechter als die null Punkte von 2015 für die Sängerin Ann Sophie. Der Zweitletzte, die Tschechische Republik, lag mit 41 Punkten schon weit entfernt. Zum Vergleich, Siegerin Jamala aus der Ukraine gewann mit 534 Punkten vor Australien (511) und Russland (491).
AfD gibt Angela Merkel die Schuld Zehn Punkte für Jamie-Lee kamen vom Publikum, acht Punkte aus der Schweiz, zwei aus Österreich, dazu ein Punkt von der Jury aus Georgien.
Natürlich wird jetzt gerätselt, interpretiert, kritisiert, verflucht, werden Änderungen herbeigewünscht. An der Spitze von Russland, das sich wegen der Jury-Votings betrogen fühlt (von dort kamen zu wenig Punkte, die Zuschauer hatten den Russen vorn). Etliche Politiker schießen in Richtung Ukraine und fühlen sich betrogen. Und im Keller, weil es Erklärungen geben muss für das nun zweite Desaster Deutschlands in Folge. Verschiedene AfD-Politiker erklärten prompt Angela Merkel zur schuldigen Gesangsdirektorin. Deshalb lohnt es sich, in das Aufnahmestudio für kontrafaktischen Gesang zu gehen, und ein paar Zahlen auszubreiten, welche die deutsche Seele ein wenig beruhigen mögen.
Die Wählerstimmen waren in diesem Jahr erstmals geteilt und wurden einzeln gewertet und dann zusammengezählt. Das war für die Zuschauer ziemlich verwirrend. Wenn es nur nach den Zuschauern gegangen wäre, hätte doch die Tschechische Republik den letzten Platz belegt. Deutschland wäre Vorletzter geworden. Wenn nach dem alten System abgestimmt worden wäre, also Zuschauer und Jurys gemeinsam, dann wäre Jamie-Lee ebenfalls Vorletzte geworden, einen Platz vor der Tschechischen Republik. Dann hätte übrigens auch Australien den Sieg davon getragen, recht deutlich vor der Ukraine. Ja, wenn. War aber nicht so.
Die Deutschen wiederum können sich über seltsame Votings nicht wirklich beschweren. Die Jury mit unter anderem Sarah Connor, Anna Loos und Musikern von The Boss Hoss vergab ihre zwölf Punkte an den Superschmachtfetzen aus Israel, zehn an Schweden, acht an den Rocksong aus Georgien. Die Zuschauer wiederum gaben die höchsten Punkte an Italien, die jaulende Badenixe aus Armenien und den Countrysong aus den Niederlanden. Alles sehr konfus. Haben wir einfach einen nicht-kompatiblen Musikgeschmack? Denkbar ist das.
Das ganze verrückte und verwirrende System machte aber nicht nur die ahnungslosen Zuschauer am Samstagabend wuschig. Auch Experten hatte ihre liebe Not damit. Ein Mitglied der dänischen Jury gestand mittlerweile, die Punkte komplett falsch vergeben zu haben. Statt zwölf Punkte für Australien und null für die Ukraine vergab Hilda Heick, 69, zwölf für die Ukraine und null für Australien. Sie hatte den Modus falsch verstanden, sei aber nicht senil, entschuldigte sie sich. Das Endergebnis beeinflusste die Ex-Sängerin jedoch nicht; und auch Deutschland kam in ihrem Voting nicht vor.

Der NDR als Sendeanstalt hält sich bisher sehr zurück. NDR-Mann und ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, der seit Jahren den ESC betreut, hatte noch in der Nacht nach der Show schriftlich nahegelegt, das womöglich ältere Publikum habe das Manga-Outfit Jamie-Lees nicht goutiert. Er wies also ins Ausland: die verstehen uns nicht.
Tänzeln auf rutschiger Bühne Es sind aber mehr Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands zu nennen, und die meisten sind hausgemacht. Zweimal nacheinander völlig unbekannte junge Sängerinnen als Ersatz zu senden ist eine wirklich schlechte Lösung. Schreiber hatte Xavier Naidoo nominiert und war damit krachend gescheitert, unter anderem im eigenen Haus. Die Idee, einen gestandenen Musiker mit breiter Fanbasis für den ESC zu gewinnen, ist richtig. Es wird nun noch schwerer, jemand zu finden, der bereit ist, auf dieser rutschigen Bühne zu tänzeln.
Der NDR behandelt den nationalen Vorentscheid seit dem Abgang von Stefan Raab recht dilatorisch. Ohne Herz, ohne Mühe, ohne Aufwand. Es werden die Plattenfirmen angerufen und gebeten, ihre Neulinge vorbeizusenden. Dann gibt es spät im ESC-Ablauf eine Show, fertig. Dabei setzte sich jeweils eine Kandidatin durch oder ein Trio wie Elaiza 2014. Sie tingeln mehr oder weniger durch die Morgen-Shows der ARD. Weil Deutschland zu den großen Geldgebern gehört, sind sie sowieso für das Finale gesetzt. Das nimmt sowohl Energie als auch Darstellungsmöglichkeiten im Halbfinale.
Vor Ort ist dann jeweils bei den Aspirantinnen die Überraschung zu sehen, wie groß und erbarmungslos der Song Contest mit mehr als 40 antretenden Nationen sein kann. Und es gibt Showbühnen, die weiten Auslauf anbieten und nach Bombast schreien oder nach einer cleveren Alternative. Deutschland steht dort oft überfordert wie, sagen wir, San Marino oder die Faröer-Inseln: Huch, wir wollen doch nur singen, geht‘s nicht kleiner?
Jamie-Lee hat es nicht geschafft, Interesse und Sympathie im eigenen Land zu wecken, geschweige denn im Ausland. Ihr fehlte es an Zeit und Möglichkeiten. Stattdessen saß sie in Berlin und nahm Musik auf. Der Geisterwald, durch den sie in der Show schritt, muss international wie ein Rätsel ohne Lösung gewirkt haben. Es war abzusehen, dass bei diesen Voraussetzungen nicht die Top Ten erreicht werden. Aber das erneute Schlusslicht erhöht doch die Dringlichkeit der Reformen.
Die meisten Nationen schicken mittlerweile Sieger von Musik-Castingshows; auch Jamie-Lee hatte ja „The Voice of Germany“ von ProSieben gewonnen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hält sich da raus. Castingshows sind hier oft fiese, zu Recht schlecht beleumundete Sendungen. Das liegt zum größten Teil an „DSDS“, wo die Idee der Castingshow vulgarisiert, zur völligen Belanglosigkeit stilisiert und damit gleich ganz diskreditiert wurde.
Die ARD, wenn sie wirklich die Chancen beim ESC verbessern will, könnte hier ansetzen und neue Shows entwickeln. Das würde Geld kosten und mühsam sein. Oder die ARD könnte erneut mit ProSieben kooperieren und so Musiker gewinnen, die ähnlich wie Raab eng mit dem ESC verknüpft sind. Es wäre auch denkbar, dass eine andere ARD-Anstalt den Finger hebt und den Song Contest betreut.
Und es wäre keine schlechte Idee, statt junge Frauen einmal junge Männer zu entsenden. Der ESC zeigt von Jahr zu Jahr: Frauen sind weit eher bereit, für Favoriten anzurufen als für andere Frauen, und die für den ESC enorm wichtige gay community sowieso. Wie sonst hat diesmal der absurde Jesus im roten Zirkusrock aus Polen die drittmeisten Zuschauerstimmen bekommen?
Eins noch zur Entschuldigung. Wir sind mit der unglückseligen Orientierungslosigkeit nicht allein in Europa. Großbritannien, das Mutterland des Pop, ist schon viel länger als Deutschland auf Misserfolg gepolt. Seit 2003 waren sie dreimal Letzter, dreimal Vorletzter und dazwischen auf den hinteren Plätzen. Es geht also noch schlechter und womöglich noch länger.
Letzte Meldung: Ralph Siegel, 70, ist bereit, Deutschland zu vertreten. Er will noch einmal beim ESC antreten, sagt er. Das, liebe ARD, muss doch Ansporn sein, etwas anderes zu versuchen.

 

ESC-Debakel für Jamie-Lee: Die Letzten werden die Letzten sein

Schon wieder ist Deutschland beim Eurovision Song Contest auf dem letzten Platz gelandet. Was läuft da schief? Und warum machen wir offenbar immer wieder denselben Fehler?

FAZ, 15.05.2016, von Julia Bähr


Es muss gehen. Andere schaffen es doch auch! Und auch Deutschland ist es immerhin in jüngerer Zeit einmal gelungen, den ESC zu gewinnen: 2010, mit Lena Meyer-Landrut. 2011 kam sie noch auf Rang 10, und im Folgejahr schaffte Roman Lob einen beachtlichen achten Platz. Seitdem dümpeln die deutschen Beiträge weit hinten vor sich hin: Cascada auf Rang 21, Elaiza auf Rang 18, Ann Sophie als Letzte mit null Punkten und nun auch Jamie Lee als Letzte – mit immerhin elf Ehrenpunkten.
Vor allem zwei Reaktionen hat die gestrige Niederlage hervorgerufen. Erstens: Die deutsche Politik ist schuld, man mag uns nicht in der Welt! Und überhaupt schieben sich immer die Osteuropäer die Punkte zu! Nun ist aber beides nicht recht haltbar, schließlich ist Deutschland als sich großzügig zeigendes Aufnahmeland etlicher Flüchtlinge aktuell eher beliebter als von 2010 bis 2012 und schneidet überhaupt in internationalen Beliebtheitsumfragen immer sehr gut ab. Außerdem können die Osteuropäer nicht mehr als Sündenböcke herhalten, schließlich kamen die letzten fünf Sieger aus Österreich, Dänemark, Aserbaidschan und gleich zwei Mal aus Schweden.
Die zweite Reaktion klingt noch beleidigter: Wir blamieren uns da! Aufhören! Wir machen da nicht mehr mit! Deutschland hat es einfach nicht drauf! Dass irgendjemand nun mal der Letzte sein muss bei einem Wettbewerb, und ja, womöglich auch zwei Mal hintereinander – mag sein, aber doch nicht wir! Als wäre es ehrenrührig, das zu tun, was Deutschland nun mehrfach getan hat: Ein Lied zu einem internationalen Contest zu schicken, das nicht mal im eigenen Land ein großer Erfolg ist, dazu eine mediokre Bühnenshow zu basteln und Punkte dafür zu erwarten. Es ist nicht mal peinlich, das zu tun. Man gewinnt eben nicht damit, das ist alles. Und die einzigen, die daraus eine große Sache machen, sind die Verlierer selbst.
Dabei ist die Begeisterung in Deutschland für den ESC ungebrochen. 9,33 Millionen Zuschauer schauten das Finale im Fernsehen an. Sie sahen, wie man es besser macht: Mit einem Auftritt wie „1944“ von Jamala, der selbst dem größten Popbiz-Zyniker authentisch vorkommt. Mit einer Bühnenshow wie der des Russen Sergej Lasarew, die die Grenzen zwischen Kulisse, Licht und LED-Technik verschwimmen ließ. Oder vielleicht einfach mal wieder mit einer richtig schönen, großen Hymne wie „Made of Stars“, dem israelischen Beitrag, der bei der deutschen Jury auch am besten ankam.
Deutschland hingegen schickte Jamie-Lee Kriewitz, der man wirklich überhaupt nichts vorwerfen kann: Sie sang bei diesem angsteinflößend großen Auftritt besser als bei allen zuvor. Das ändert nichts daran, dass „Ghost“ ein musikalisch wie textlich vollkommen uninteressantes Liedchen ist, das eine bessere Platzierung bei einem Liederwettbewerb schlicht nicht verdient hätte. Die Show, die bei anderen über schwache Songs hinweg tröstet, wirkte auch eher, als habe man eine Schultheateraufführung mit unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgestattet: dürre Bäume, aus denen grüne Laserstrahlen kommen, standen um Jamie-Lee herum. Der monströse Hintergrund war auch eher gewitterdüster. Dazwischen diese junge Frau, die ihren Kleidungsstil damit beschreibt, so niedlich wie möglich aussehen zu wollen, was ihr zweifellos geglückt ist. Leider passten diese unterschiedlichen Teile der Inszenierung so wenig zueinander, dass man sich mitten im Übergang zwischen Manie und Depression wähnte.
Das soll nicht heißen, dass ein anderer der beim deutschen Vorentscheid angetretenen Kandidaten besser abgeschnitten hätte. Die Fehlentscheidungen begannen einfach schon im Vorfeld des Vorentscheids, wie damals bei Elaiza auch. Es soll heißen, dass Deutschland den ESC natürlich durchaus gewinnen kann – mit einem guten Lied und einer kreativen, passenden Show. Wie man die bekommt? Es gibt da einen, der weiß das genau, denn die größten Erfolge der vergangenen zwanzig Jahre gehen auf sein Konto: die Plätze 7, 5, 8, 1, 10, 8. Und jetzt als Fernsehrentner hat er doch Zeit. Spätestens nach gestern Abend dürfte es ihn sowieso schon wieder jucken. Man muss dem NDR dringend empfehlen, auf Knien zu Stefan Raabs Altersruhesitz zu rutschen.

 

Elf Punkte sind schlimmer als null Punkte

Die Welt, 15.05.2016, von Holger Kreitling

Die Ukraine siegt mit Kalkül, Deutschland schafft erneut einen Totalausfall. Sogar der österreichische Songbeitrag auf Französisch war offenbar verständlicher als Jamie-Lees Manga-Outfit.

 
Egal wie todtraurig ein Lied ist, Siegesfreude darf sein. Soll sein, muss sein. Jamala hüpfte also lange nach dem ESC-Gewinn umher, als hätte sie zuvor einen Partyknaller zum Vortrag gebracht. Und Europa endlich wieder gute Laune beschert. Sie strahlte, lachte. Was auch sonst, wenn man gerade den weltweit größten Gesangswettbewerb in der denkbar knappsten Entscheidung gewonnen hat, noch dazu gegen den ärgsten Konkurrenten. Mehr noch, gegen den Gegner, den Feind. Den Adressaten und Angesungenen. Jamala trug bei der Pressekonferenz eine Tatarentracht, und sie hängte die ukrainische Fahne vor sich, was den Anspruch untermauerte, mehr darzustellen als nur Nationalstolz. Die Gemengelage bei diesem ESC-Sieg ist einzigartig, weshalb das deutsche Desaster davor verblasst, jedenfalls vorerst.
Das Land siegt zum zweiten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs; 2004 hatte Ruslana mit „Wild Dances“ gewonnen. Jamala siegt mit dem Lied „1944“. Die Krimtatarin besingt die Zwangsumsiedelung der Krimtataren durch stalinistische Peiniger. Sie klagt die Täter an, die gleich in der ersten Strophe ins Haus eindringen und Morde begehen. Es wird gemeuchelt und geheuchelt. Wir sind unschuldig, sagen die Täter. Das Lied schraubt sich zur tragischen Jammerarie empor, die wohl unerträglich wäre, wäre da nicht der Dancebeat, der den Song so modern macht, so verführerisch klingen lässt. So anschlussfähig und global.
Erstaunlich, dass das Siegerlied überhaupt zugelassen wurde Das Kalkül ist hör- und sichtbar. Jamalas blaues Kleid glitzerte, die Lichtarrangements waren blutrot, dann wurde auch noch Feuer und Wind eingesetzt. Die Ukraine hat viel investiert, sehr wohl wissend, dass die Botschaft gehört wird. Es ist eine politische Botschaft, die unausgesprochen bleibt. Stalin und Putin: Zwei Herrscher, die auf der Krim Unheil angerichtet, die Unrecht begangen haben. „1944“ ist ein Fanal, und es ist erstaunlich, dass das Lied trotz Protesten zugelassen wurde, denn eigentlich sind politische Lieder beim ESC nicht erlaubt. 2015 hatte es Armenien allerdings schon geschafft, den Völkermord an den Armeniern zu besingen.
137T.O.M. • top of music in europe
Und dieses Lied hat den großen Favoriten geschlagen, der bei allen Buchmachern und Google-Rankings vorne lag: Russland. Jamala bekam 534 Punkte, Sänger Sergey Lazarev wurde Dritter mit 491 Punkten. Sängerin Dami Im sorgte für Australien für die eigentliche Überraschung und wurde mit 511 Punkten erst ganz zuletzt überholt. Es war die denkbar spannendste Stimmenauswertung seit Jahren. Alles andere, die verrückten Einlagen mancher Länder, die geschmacksunsicheren Auftritte, die feine Show der Schweden, das routinierte Können von Gaststar Justin Timberlake verblasst dagegen.
Man muss in das Wirrwarr der Auszählung ein wenig Licht bringen. Die Votings wurden erstmals in diesem Jahr geteilt und verdoppelt. Die Jurys vergaben die Punkte, die Zuschauer ebenso. Dann wurde beides getrennt bekannt gegeben und erst live zusammengezählt.
Dahinstampfender Song aus Russland Die 42 Jurys votierten zunächst klar für Australien, 320 Punkte für Dami Im vor Jamala aus der Ukraine mit 211 Punkten. Dann kamen die Televotings. Dort siegte eindeutig Russland. Die Zuschauer in ganz Europa plus Israel und Australien vergaben zusammen 361 Punkte an den russischen Beitrag „You Are The Only One“. Australien bekam nur 190. Dennoch war der Vorsprung zu groß. Das heißt, die Ukraine lag weder bei den Jurys noch bei den Zuschauern (323 Punkte) vorne. Und siegte dennoch. Russland hat also bei den Jurys verloren. Ein interessantes Urteil: Während die Show des Russen Sergey Lazarev ziemlich cool und überzeugend war, stampfte der Song weniger inspiriert vor sich hin. Manche erinnerten sich schaudernd an Helene Fischers „Atemlos“. Hat Europa politisch gewählt? Die Ukraine gekürt und zugleich Russland wegen der Krim-Annektierung abgestraft? Schwer zu sagen. Der Zuschauerzuspruch für Russland war ja da. Eher hat sich Jamala gut verkauft, für ihre Geschichte viel Aufmerksamkeit im Vorfeld bekommen.
Jetzt aber zum deutschen Desaster Jamie-Lee belegt mit ihrem Lied „Ghost“ den letzten Platz. Wie 2015 will niemand auf dem ganzen Kontinent etwas für Deutschland tun. Alle weltgesanglichen Tatsachen ereignen sich bekanntlich laut den Backstreet Boys, Hegel & Marx zweimal, einmal als Tragödie, einmal als Farce.
Im vergangenen Jahr teilte die glücklose Ann Sophie sich den Null-Punkte-Rang mit Österreich, das diesmal mit beachtlichen 151 Punkten – vor allem vom Publikum belohnt – 13. wurde, obwohl die junge Zoë auf Französisch sang. Offensichtlich war das deutlich verständlicher als das Manga-Outfit von Jamie-Lee und der doch statische Auftritt im nebelumwaberten Geisterwald. Elf Punkte. Elf Punkte bekam Deutschland. Elf Punkte sind null Punkte. Es fühlt sich nur ein bisschen mehr an. Der zweitschlechteste Beitrag aus der Tschechischen Republik hatte 41 Punkte, in diesen eisigen Tiefen ist das ein echter Abstand. An der neuen Wertungsart lag es nicht. Ann Sophie mit ihren null Punkten hätte nach der jetzigen Auswertung 29 Punkte bekommen und wäre Drittletzte geworden. Deutschland liegt demnach 2016 sogar noch hinter den null Punkten. Es ist brutal. Aber ein Faktum.
Kein Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise Elf Punkte. Schlusslicht Europas. Ist auch das ein politisches Votum Europas gegen Deutschland? In sozialen Medien blühen alberne Verschwörungsknospen, Deutschland sei verhasst, die Kanzlerin würde abgestraft wegen der Flüchtlingspolitik. Die Länder seien gegen die Willkommenskultur und für geschlossene Grenzen, deshalb die Missachtung bei der Punktevergabe. Das ist Blödsinn. Schon deshalb, weil Jurys tatsächlich auf Musik und Show als Kriterien achten statt auf Gesellschaftsimages und Bedeutungshuberei oder grenznahe Freundschaftsdienste. Von den 42 Jurys haben 41 gar keine Punkte an Deutschland gegeben. Nur Georgien hat sich mit einem Punkt verewigt. Das Lied kam einfach nicht an. Der Auftritt blieb unverständlich. Die arme Jamie-Lee mag gekämpft haben. Es war vergebens. Die anderen zehn Punkte kamen von den Zuschauern aus 42 Ländern, Mitleidsbekundungen näher als echten Zuteilungen.
Heimisches Desinteresse war der Anfang vom Ende Elf Punkte. Der zweite Totalausfall. Es sind die gleichen Strukturen zu beobachten und anzukreiden: Eine Newcomerin muss einspringen, weil zuvor etwas nicht geklappt hat. Mal brach mit Andreas Kümmert der Sieger mit Publikumsrückhalt zusammen und weg. Mal geriet die Star-Akklamation mit Xavier Naidoo zum Verhängnis und musste abgebrochen werden.
Der jungen Frau und Not-Notlösung fehlte es sodann an Rückhalt und Zuspruch. Nicht mal im eigenen Land war sie bekannt. Mit heimischem Desinteresse im Rücken hat noch kein ESC-Beitrag je etwas gerissen. Warum sollte dann in den Nachbarländern Deutschland jemand für Jamie-Lee stimmen? Warum weiter weg? Jamie-Lee musste nach dem sehr späten Vorentscheid erst hastig ein Album aufnehmen, statt durch Deutschland und das Ausland zu tingeln und sich bekannt zu machen. Und wenn man noch Details braucht: Warum muss Deutschland immer im Dunkeln anfangen? Ann Sophie stand 2015 mit dem Rücken zum Publikum, was nur beim heiligen Miles Davis toleriert wurde, und von dem wusste das Publikum, was er konnte. Und Jamie-Lee stand am Anfang als Schattenriss vor einem großen Mond, es dauerte lange, bis sie zu sehen war, und dann nicht mit Großaufnahmen und ohne Lächeln. Zweimal schnitt die Regie von ihrem Gesicht weg zu den Background-Sängerinnen. Den Background-Sängerinnen, herrje, musste das sein?
138ECG • eurovision club germany e.V.
Ohne Stefan Raab läuft nicht mehr viel Der NDR hat seit dem Abgang Stefan Raabs als Motor und Mentor eine schlimme Bilanz vorzuweisen.
2013: Platz 21 (von 26), 2014: Platz 18 (von 26), 2015: Letzter, 2016: Letzter.
Das kann eigentlich nicht so bleiben. Womöglich muss mehr geändert werden, als nur eine neue Sängerin zu suchen. Vielleicht ein junger Sänger? Oder nach den getragenen, eher schleppenden Rhythmen mal frech einen flotteren Beat wagen, dieses neumodische Klicka-Klack, das sogar die Ukraine kennt? Kann das große Deutschland nicht vielleicht doch bessere Musik? Das sind so Fragen.
Jamie-Lee und der NDR-Mann und ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber wollten eigentlich in der Nacht noch Fragen beantworten. Sie sagten ab. Im Fall der jungen Sängerin kann man das verstehen. Sie kann wohl am wenigsten dafür. Es kam eine erklärende Mail. Jamie-Lee und „Ghost“ hätten bisher eher junge Zuschauer angesprochen, hieß es. International und beim Publikum in allen Altersschichten habe offenbar Unverständnis geherrscht, dass ein Manga-Mädchen aus Deutschland antritt. Es ist ein Teil der Wahrheit.
Jamie-Lee schrieb den Satz: „Nächstes Jahr wird Deutschland einen besseren Platz belegen, da bin ich mir sicher.“ Die Hoffnung singt zuletzt.

 

 

 

 

 

 


Der Eurovision Song Contest 2015


ESC Logo 2010 

60. Eurovision Song Contest - 23. Mai 2015
Wien

Halle Stadthalle
Motto Building Bridges
Moderation Arabella Kiesbauer, Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun & Conchita Wurst
Pausen-Act Martin Grubinger & The Percussive Planet Ensemble
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 40 Länder (Finale 27 / Semifinale  1 - 16  /
Semifinale 2 - 17)

 

Siegerland: Schweden


norway

Interpret:

Måns Zelmerlöw

Titel:

"Heroes"

Musik & Text:

Linnea Deb, Joy Deb,
Anton Hård af Segerstad


 Zelmerlöw© www.eurovision.tv

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale · 23. Mai 2015

PlatzLandInterpret*inTitelPunkteStartnr.
1.  SE Schweden Måns Zelmerlöw Heroes 365 10. 
2.  Russland Polina Gagarina A Million Voices 303 25. 
3.  Italien Il Volo Grande amore 292 27. 
4.  Belgien Loïc Nottet Rhythm Inside 217 13. 
5.  au Australien Guy Sebastian        Tonight Again 196 12. 
6.  Lettland Aminata Love Injected 186 19. 
7.  Estland Elina Born & Stig Rästa Goodbye To Yesterday 106 4. 
8.  Norwegen Mørland & Debrah Scarlett A Monster Like Me 102 9. 
9.  Israel Nadav Guedj Golden Boy 97 3. 
10.  Serbien Bojana Stamenov Beauty Never Lies 53 8. 
11.  Georgien Nina Sublatti Warrior 51 23. 
12.  Aserbaidschan Elnur Huseynov Hour Of The Wolf
49 24. 
13.  Montenegro Knez Adio 44 16. 
14.  Slowenien Maraaya  Here For You  39 1. 
15.  Rumänien Voltaj De la capăt 35 20. 
16.  Armenien Genealogy Face The Shadow 34 6. 
17.  Albanien Elhaida Dani I'm Alive 34 26. 
18.  Litauen M. Linkytė  & V. Baumila This Time 30 7. 
19.  Griechenland Maria-Elena Kyriakou One Last Breath 23 15. 
20.  Ungarn Boggie
Wars For Nothing 19 22. 
21.  Spanien Edurne Amanecer 15 21. 
22.  CY Zypern Giannis Karagiannis One Thing I Should Have Done 11 11. 
23.  Polen Monika Kuszysńka In The Name Of Love 10 18. 
24.  Ver. Königreich Electro Velvet Still In Love With You  5 5. 
25.  Frankreich Lisa Angell N'oubliez pas 4 2. 
26.  Österreich The Makemakes  I Am Yours  0 14. 
27.  Deutschland Ann Sophie  Black Smoke  0 17. 

 

 

Semifinale 1 · 19. Mai 2015

PlatzLandInterpret*inTitelPunkteStartnr.
 1. Russland Polina Gagarina A Million Voices 182 12.
 2. Belgien Loïc Nottet Rhythm Inside 149 3.
3. Estland Elina Born & Stig Rästa Goodbye To Yesterday 105 7.
4. Georgien Nina Sublatti Warrior 98 16.
5. Rumänien Voltaj De la capăt 89 15.
6. Griechenland Maria-Elena Kyriakou One Last Breath 81 6.
 7. Armenien Genealogy Face The Shadow 77 2.
8. Ungarn Boggie
Wars For Nothing 67 10.
9. Serbien Bojana Stamenov Beauty Never Lies 63 9.
10. Albanien Elhaida Dani I'm Alive 62 14.
11. MD Moldau Eduard Romanyuta I Want Your Love 41 1.
 12. Belarus Uzari & Maimuma Time 39 11.
13. Dänemark Anti Social Media The Way You Are 33 13.
 14. Niederlande Trijntje Oosterhuis Walk Along 33 4.
15. EJR Mazedonien Daniel Kajmakoski Autumn Leaves 28 8.
16. Finnland Pertti Kurikan Nimipäivät Aina mun pitää 13 5.

Semifinale 2 · 21. Mai 2015

1. SE Schweden Måns Zelmerlöw Heroes 217 13.
2. Lettland Aminata Love Injected 155 10.
 3. Israel Nadav Guedj Golden Boy 151 9.
4. Norwegen Mørland & Debrah Scarlett A Monster Like Me 123 6.
5. Slowenien Maraaya  Here For You  92 16.
6. CY Zypern Giannis Karagiannis One Thing I Should Have Done 87 15.
7. Litauen M. Linkytė  & V. Baumila This Time 67 1.
8. Polen Monika Kuszysńka In The Name Of Love 57 17.
9. Montenegro Knez Adio 57 4.
10. Aserbaidschan Elnur Huseynov Hour Of The Wolf
53 11.
11. Malta Amber Warrior 43 5.
12. Irland Molly Sterling Playing With Numbers 35 2.
13. Tschechien M. Jandová & V. N. Bárta Hope Never Dies 33 8.
14. Portugal Leonor Andrade Há um mar que nos separa 19 7.
15. Island María Ólafs Unbroken 14 12.
16. San Marino Anita & Michele Chain Of Light 11 3.
17. Schweiz Mélanie René Time To Shine 4 14.

 

 


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

WienerStadthalle© Stadt Wien

Nach dem Sieg von Conchita Wurst in Kopenhagen richtete der österreichische TV-Sender ORF die 60. Ausgabe des ESC aus. Das Finale fand am Samstag, dem 23. Mai 2015 statt, die beiden Semifinale am 19. und 21. Mai.

Neben dem naheliegenden Austragungsort Wien kamen zwar aus allen Teilen Österreichs Vorschläge (z.B. Linz oder Wels unter Einbindung des Linzer Musiktheaters), Chancen hatten allerdings nur noch Wien, Innsbruck und Graz. Aus Salzburg kam übrigens relativ früh eine deutliche Absage, da "diese Veranstaltung“ nicht in das Kulturprofil des Landes passe! Der ORF hatte ein Anforderungsprofil für die Austragungsstätte des ESC veröffentlicht.

In Wien kam die Stadthalle (16.000 Plätze) infrage bzw. mehrere temporäre Event-Locations. In Graz wäre die Stadthalle geeignet gewesen, und Innsbruck bewarb sich mit der Olympiaworld. Mit diesen drei Bewerbern verhandelte der ORF, am 6.August 2014 wurde die Entscheidung verkündet: Der 60. ESC findet in der österreichischen Hauptstadt Wien statt!

Mehrere prominente Österreicher begleiteten den ORF bei der Vorbereitung des ESC. Zum Kreis dieser Kreativen zählten unter anderem André Heller, "Oscar"-Preisträger Stefan Ruzowitzky, Schauspielerin Ursula Strauss und Regisseurin Elisabeth Scharang, wie mehrere österreichische Boulevardzeitungen berichteten.

 

Neben dem Gastgeber Österreich nahmen 39 Länder teil: Die Ukraine, Kroatien und Bulgarien setzten 2015 aus ebenso wie die Türkei, Slowakei und Andorra. Aus Anlass des 60. ESC-Jubiläums hatte die EBU Australien einmalig gestattet, einen Teilnehmer in den Wettbewerb nach Wien zu entsenden! In Australien gibt es eine große ESC-Fangemeinde und seit 30 Jahren wird der Contest dorthin übertragen. Nachdem in Kopenhagen 2014 bereits eine australische Sängerin einen Intervall-Act betritten hat, gab es nun erstmals einen australischen Vertreter im Wettbewerb. Der Teilnehmer trat direkt im Finale an, um keinem der Semifinalteilnehmer eine Finalplatz streitig zu machen. Australien bekam außerdem die Berechtigung, in beiden Semifinalen und dem Finale am Voting teilzunehmen. Im Falle eines Sieges hätte der verantwortliche australische Sender SBS den ESC 2016 als Co-Gastgeber in einer europäischen Stadt zusammen mit einem EBU-Mitgliedsland mitveranstaltet. Wegen der Teilnahme Australiens wurde das Finalteilnehmerfeld auf 27 Acts aufgestockt.

"Es ist ein mutiger und gleichzeitig unglaublich spannender Schritt", wird Jon Ola Sand, Executive Supervisor des Eurovision Song Contest, zitiert. "Es ist unsere Art zu sagen: Lasst uns diese Party zusammen feiern!"

Für das Finale gesetzt waren außerdem der Gastgeber Österreich (ausgeloste Startnummer 14) und die „BIG 5“ Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Ver. Königreich. Alle anderen Länder mussten in den beiden Semifinalen antreten, 16 im 1. SF und 17 im 2. SF. Jeweils zehn Acts gelangten durch 50/50%-Jury-/Televotingentscheidung ins Finale.

 

 

Hosts© ORF

Erstmals führten 3 Moderatorinnen durch die Shows:
Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler (v.l.n.r.), Conchita Wurst übernahm die Greenroom-Moderation. 

 

Arabella Kiesbauer  (*08.04.1969 in Wien als Tochter einer deutschen Schauspielerin und eines Ingenieurs aus Ghana) begann ihre Karriere bereits Ende der 80er Jahre beim ORF mit der Jugendsendung „X-Large“, ab 1994 moderierte sie 10 Jahre lang bei PRO 7 ihren Daily-Talk „Arabella“, beim ORF führte sie u.a. durch die Castingshow „Starmania“, und seit 2014 unterstützt sie österreichische Landwirte auf der Suche nach der großen Liebe in „Bauer sucht Frau“. Daneben moderierte sie mehrfach den Wiener Opernball, den Life Ball und verschiedene andere Events und Galas. 2013 wurde Arabella Kiesbauer für ihr langjähriges Engagement in Sachen Integration vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich als Kulturvermittlerin ausgezeichnet.

 

moderatorinnen© ORF

Mirjam Weichselbraun (*27.09.1981 in Innsbruck) begann ihre Karriere als Redakteurin beim Regionalsender “Antenne Tirol“. Nach ihrer Wahl zum BRAVO-Girl 2000 wurde sie Moderatorin bei VIVA Plus und MTV Germany. Beim ZDF moderierte sie eine Zeit lang das Online-Magazin zu „Wetten, dass...?“, bei SAT1 die „Hit-Giganten“ zusammen mit Roger Cicero. In Österreich wurde sie für mehrere Staffeln der „Dancing Stars“ ausgezeichnet und moderiert regelmäßig den Wiener Opernball und den Life Ball. Als Schauspielerin konnte man sie im Musical „Manche mögen’s heiß“ in Wien erleben.    

 

Alice Tummler (*11.11.1978 in Innsbruck als Tochter einer französischen Mutter aus Martinique und eines österreichischen Vaters) studierte zunächst in London Journalismus, Medien und Soziologie und besuchte dann eine Schauspielschule in Paris. Ihre Fernsehkarriere begann sie als Moderatorin beim französischen Musiksender TraceTV. Es folgte eine Tätigkeit bei ARTE. Seit 2013 moderiert sie im ORF die Casting-Show „Die große Chance“. 

 

 ESC AllocationDraw 05 Photo© Milenko Badzic (ORF)Die Auslosung nahmen der OFR-ESC-Kommentator Andi Knoll und Kati Bellowitsch vor, die u.a. auch die Hälfte der Pressekonferenzen in Wien leitete. Zusammen mit Andi Knoll moderierte sie auch den Roten Teppich und den Willkommensempfang im Rathaus. Es wurde außerdem ausgelost, in welchem Semifinale die BIG 5 und der Gastgeber Österreich werten (Deutschland hatte von vornherein das 2. Semifinale erbeten).

1. Semifinale: Spanien, Österreich, Frankreich, Australien

2. Semifinale: Deutschland, Italien, Ver. Königreich, Australien

 

esc2015 logo© EBUDas Motto des 60. ESC lautete: "Building Bridges". Der Vorschlag stammte von der Agentur PKP BBDO.

Mit "Building Bridges" (Brücken bauen) habe man, so ORF-Generaldirektor Wrabetz, ein Thema,  die Idee eines Europa mit dem vereinenden Charakter von Musik, und das in Wien, der traditionellen Hauptstadt der Weltmusik im Herzen Europas. 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs gäben sich europäische Länder in Österreich die Hand, einem Land, das immer schon eine vermittelnde Instanz, eine Brücke zwischen Ost und West gewesen sei. "Wir verstehen dieses Motto als eine logische Erweiterung der Idee von Conchita Wurst, die sie beim ESC 2014 formuliert und gelebt hat: Die Bedeutung von Offenheit, Toleranz über alle Grenzen hinweg für eine gemeinsame Interaktion. Mit dem ESC in Wien wollen wir Brücken bauen über Grenzen, Kulturen und Sprachen. Im  Licht der vereinenden Kraft dieses großartigen gemeinsamen  europäischen Events laden wir alle ein, Brücken zu bauen und sich die Hand zu reichen."

 

Der Slogan "Building Bridges" war auch die Basis für die "Postcards", d.s. die kurzen Einspieler, die jeweils den nächsten Beitrag in der Show ankündigen. Jeder Interpret bekam darin in seiner Heimat eine Einladung nach Österreich, und zwar jeweils in eine spezielle Region Österreichs, wo sie dann eine spezielle Aufgabe zu erfüllen hatten, z.B. in den Bereichen Sport, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Tradition und Moderne.  

 

Die Bühne bestand aus 1288 einzelnen Säulen und war 44m breit, 14,3m hoch und 22m. Sie hatte die Form eines großen Auges, das eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft darstellen sollte, eine Brücke zwischen den Künstlern, ihren Delegationen und den Zuschauern weltweit. Die LED-Säulen und der 11m im Durchmesser große Bühnenboden sowie eine 22m breite und 8,5m hohe LED-Wand erlaubten eine große Bandbreite an visuellen Effekten. Das Bühnendesign wurde entwickelt von Florian Wieder, dem zweimaligen Emmy-Preisträger und Designer der ESC-Bühnen 2011 und 2012, in Zusammenarbeit mit Al Gurdon und Kurt Pongratz.

 

Den Pausen-Act im Finale bestritt der bekannte Schlagzeuger Martin Grubinger mit einem Programm aus klassischer Musik, Bigband-Sound, Chorgesang und Percussion, das er eigens für das Finale komponiert hat. Es traten 40 Instrumentalisten und der mit einem Grammy ausgezeichnete Arnold Schönberg-Chor auf.

 

FAZIT

 

Der 60. ESC in der österreichischen Hauptstadt Wien war einer der besten, die man je erlebt hat. So der allgemeine Tenor der Journalisten vor Ort. Selten war die Organisation so gut und das Angebot für die Akkreditierten – auch das Rahmenprogramm betreffend - so reichhaltig. Ein bisschen weniger begeistert konnte man allerdings von den drei TV-Shows sein, die der ORF uns zum 60-jährigen Jubiläum präsentierte. Gewiss waren die Shows nicht schlecht, aber auch nicht herausragend. Eines der Highlights war wohl die Eröffnungsnummer des 1. Semifinales,  bei dem man sich schon fragte, wie man das im Finale würde toppen können. Und man konnte nicht… Ganze 20 Minuten dauerte es, bis der 1. Finalsong auf die Bühne kam! Davor ein Sammelsurium von Orchester, Geigerin, Kinderchor, einem Rapper, zwei Einspielern und schließlich einer Gesangseinlage der Moderatorinnen, die zwar gefiel, aber insgesamt wäre hier weniger sicher mehr gewesen.

 

Das Motto „Building Bridges“ zog sich durch alle Shows bis hin zu den virtuellen Brücken in die einzelnen Länder bei der Finalwertung. Bei der Wertung fielen unangenehm auf: Die Diskrepanz zwischen Jury- und Televoting und die Punktevergabe überhaupt. Wenn bei 27 Teilnehmern nur zehn überhaupt die Chance auf Punkte haben, ist das Wertungssystem nicht mehr angemessen, und nicht nur, weil es dieses Mal Deutschland (und Österreich) mit null Punkten besonders hart getroffen hat. Außerdem Die Jurys von Montenegro und EJR MAzedonien wurden disqualifiziert und nur das Televoting-Ergebnis gezählt. Das habe das Resultat laut EBU nicht entscheidend verändert. Die Jurys von Montenegro und EJR Mazedonien wurden disqualifiziert und nur das Televoting-Ergebnis gezählt. Das habe das Resultat laut EBU nicht entscheidend verändert.

 

Die Jurys verhinderten einen Sieg des haushohen Televotingsiegers Italien: Sie setzen Il Volo nur auf Rang sechs, so dass es nur zum dritten Platz reichte. Australiens erster Vertreter beim ESC, Guy Sebastian, gab seinen Einstand auf Platz fünf. Es sollte nicht die einzige Teilnahme Australiens - als "Ausnahme" zum Jubiläum - bleiben!

 

Obwohl der ESC ja so unpolitisch ist (wie von der EBU gern behauptet wird), sorgte wieder einmal der russische Beitrag (Platz zwei) für reichlich Diskussionsstoff sowie die Entscheidung der EBU, Buh-Rufe aus- und Applaus vom Band einzublenden.

Aminata schaffte mit einem zwar etwas sperrigen Titel, aber beeindruckender Performance für Lettland den sechsten Platz.

Die im Vorfeld hochgewettete Ballade aus Norwegen mit Mørland & Debrah Scarlett erreichte immerhin Platz acht, der "Golden Boy" aus Israel Platz neun, und eine weitere Fanfavoritin, Bojana Stamenov aus Serbien, Platz zehn mit "Beauty Never Lies". 

Obwohl (oder weil?) die Spanier bei ihrer Inszenierung so ziemlich alles aufboten, was der ESC je gesehen hatte, musste sich Edurne mit Platz 21 begnügen.

 

Nur Platz 24 erreichte das Vereinigte Königreich, das es mit Electro Swing versuchte: Blinkende Neonleuchten im Background und auf dem Bühnenboden, eine am Rücken der Sängerin Bianca befestigte Montur mit Kabeln und Kästen, die an eine Sprengstoffgürtelvorrichtung erinnerte und immerhin beim Auftritt durch Haarverlängerung und Stola verdeckt werden konnte, dazu schwache Stimmer von Bianca und Alex, das reichte nur für Platz 24!

Monika Kuszysńka aus Polen erreichte im Rollstuhl das Finale, während die Punkrockband aus Finnland, die aus vier Menschen mit geistiger Behinderung besteht, Letzte im Semifinale wurde, und zwar mit einem der kürzestens Songs der ESC-Geschichte.

Eine der erfolgreichsten Sängerinnen der Niederlande, Trijntje Oosterhuis, scheiterte, wohl auch wegen einer schlechten Inszenierung inklusive sackartigem Outfit, auf Platz 14 im Semifinale.

 

Gastgeber Österreich mit den Makemakes landete trotz eines brennenden Flügels auf der Bühne mit null Punkten auf dem letzten Platz, ebenso wie Ann Sophie aus Deutschland mit "Black Smoke". Es war ja schon im Vorfeld reichlich schwarzer Rauch aufgestiegen für den deutschen Act, denn Ann Sophie war als Zweitplatzierte der deutschen Vorentscheidung quasi auf Geheiß des Siegers Andreas Kümmert, der verzichtet hatte, in Wien angetreten. Es zeigte sich hier einmal mehr, wie schwer sich die Deutschen mit der Inszenierung ihres Acts auf der ESC-Bühne tun. Hier sollten es ein paar "ausrangierte" Scheinwerfer und eine sehr kühl wirkende Sängerin richten, deren Kehrseite doch zu lange im Bild festgehalten wurde nach dem Motto der österreichischen Vertreter 2012: "Wackel mit deinem Popo".

Für Belgien kam Loïc Nottet mit einem modernen Song und moderner Inszenierung immerhin auf Platz vier!

 

Schweden war von Anfang an der große Favorit, denn der Beitrag hatte alles, was man zum Gewinnen braucht: Eine vielleicht nicht bahnbrechende, aber sehr eingängige Melodie, einen Pop-Rhythmus, der sich für viele wohltuend von den vielen Balladen des Jahrgangs abhob, einen extrem sympathischen und noch dazu unverschämt gut aussehenden Interpreten und vor allem eine Show mit der kleinen LED-Wand und dem niedlichen, moppeligen Männchen mit Käppi und Luftballon, der mit dem großen Måns Freundschaft schließt.

 

 


 

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

SLO15 FRA 15 ISR15 1 ISL14n

1.

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2.

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3.

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4.

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Slowenien Frankreich Israel Estland
Maraaya Lisa Angell
Nadav Guedj
Elina Born & Stig Rästa
"Here For You" "N'oubliez pas" "Golden Boy" "Goodbye To Yesterday"
M.: Raay, Marjetka Vovk
T.: Charlie Mason, Raay
M. & T.: Robert Goldman M. & T.: Doron Medalie M. & T.: Stig Rästa
    
NOR14 ROM14n ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Ver. Königreich
Armenien Litauen Serbien
Electro Velvet
Genealogy
Monika & Vaidas
Bojana Stamenov
"Still In Love With You" "Face The Shadow" "This Time" "Beauty Never Lies"
M. & T.: David Mindel, Adrian Bax White M.: Armen Martirosyan
T.: Inna Mkrtchyan
M.: Vytautas Bikus
T.: Monika Liubinaitė
M.: Vladimir Graić
T.: Charlie Mason
    
ALB 10 GRE14n CYP15 BLR 10

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Norwegen Schweden Zypern Australien
Mørland & Debra Scarlett
Måns Zelmerlöw
John Karayiannis
Guy Sebastian
"A Monster Like Me" "Heroes" "One Thing I Should Have Done" "Tonight Again"
M. & T.: Kjetil Mørland M. & T.: Linnea Deb, Joy Deb, Anton Malmberg Hård af Segerstad M.: Mike Connaris
T.: John Karayiannis
M. & T.: Guy Sebastian, David Ryan Harris, Louis Schoorl
    
ALB 10 ARM 10 RUS14n BLR 10

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Belgien Österreich Griechenland Montenegro
Loïc Nottet The Makemakes
Marie-Eleni Kyriakou
Knez
"Rhythm Inside" "I Am Yours" "One Last Breath" "Adio"
M.: Loïc Nottet, Luuk Cox, Shameboy
T.: Beverly Jo Scott
M & T.: Jimmy Harry, Dominic Muhrer, Florian Meindl, Markus Christ, Paul Estrela M.: Efthivoulos Theocharous, Maria-Elena Kyriakou
T: Vangelis Konstantinidis, Evelina Tziora
M.: Željko Joksimović
T.: Marina Tucaković, Dejan Ivanović
    
ALB 10 FIN14n ASE 10 2 ROM15

17.

AD

18.

AD

19.

AD

20.

AD

Deutschland Polen Lettland Rumänien
Ann Sophie
Monika Kuszyńska Aminata Voltaj
"Black Smoke" "In The Name Of Love" "Love Injected" "De la capăt"
M. & T.: Michael Harwood, Ella McMahon, Tonino Speciale M.:Kuba Raczynski
T.: Monika Kuszyńska
M. & T.:
Aminata Savadogo
M. & T.:
Calin Gavril Goia, Gabriel Constantin, Adrian Cristescu, Paduraru Silviu-Marian, Alstani Victor-Razvan, Monica-Ana Stevens, Andrei-Madalin Leonte
    
ALB 10 MALneu ASE 10 2 BLR 10

21.

AD

22.

AD

23.

AD

24.

AD

Spanien Ungarn Georgien Aserbaidschan
Edurne Boggie Nina Sublatti
Elnur Huseynov
"Amanecer" "Wars For Nothing" "Warrior" "Hour Of The Wolf"
M. & T.: Tony Sánchez-Ohlsson, Peter Boström, Thomas G:son M.: Áron Sebestyén, Boglárka Csemer
T.:Sára Hélène Bori
M.: Nina Sublatti, Thomas G:son
T.: Nina Sublatti
M. & T.: Sandra Bjurman, Nicolas Rebscher, Nicklas Lif, Lina Hansson
 
RUS15 RUS15 ASE 10 2

 

 






25.

AD

26.

AD

27.

AD

Russland Albanien Italien
Polina Gagarina Elhaida Dani Il Volo
"A Million Voices" "I'm Alive"
"Grande amore"
M. & T.: Gabriel Alares, Joakim Björnberg, Katrina Noorbergen, Leonid Gutkin, Vladimir Matetsky M.: Zzap'n'Chris
T.: Sokol Marsi
M. & T.: Ciro Esposito, Francesco Boccia

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 1

 

ALB 10 ARM 10 ARM 10 SWE14

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Moldau Armenien Belgien Niederlande
Eduard Romanyuta
Genealogy Loïc Nottet Trijntje Oosterhuis
"I Want Your Love" "Face The Shadow" "Rhythm Inside" "Walk Along"
M.: Erik Lewander
T.: Hayley Aitken, Tom Andrews
M.: Armen Martirosyan
T.: Inna Mkrtchyan
M.: Loïc Nottet, Luuk Cox, Shameboy
T.: Beverly Jo Scott
M.: Anouk Teeuwe, Tobias Karlsson
T.: Anouk Teeuwe
 
NOR14 ALB14 ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Finnland Griechenland Estland EJR Mazedonien
Pertti Kurikan Nimipäivät
Maria-Eleni Kyriakou
Elina Born & Stig Rästa
Daniel Kajmakoski
"Aina mun pitää" "One Last Breath" "Goodbye To Yesterday" "Autumn Leaves"
M. & T.: Pertti Kurikan Nimipäivät
M.: Efthivoulos Theocharous, Maria-Elena Kyriakou
T: Vangelis Konstantinidis, Evelina Tziora
M. & T.: Stig Rästa M. & T.: Aleksandar Mitevski, Daniel Kajmakoski, Joacim Persson
 
ALB 10 ARM 10 MOL1neu SMA14

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Serbien Ungarn Belarus Russland
Bojana Stamenov
Boggie Uzari & Maimuna
Polina Gagarina
"Beauty Never Lies" "Wars For Nothing" "Time" "A Million Voices"
M.: Vladimir Graić
T.: Charlie Mason
M.: Áron Sebestyén, Boglárka Csemer
T.:Sára Hélène Bori
M. & T.: Yuri Navrotsky, Svetlana Geraskova M. & T.: Gabriel Alares, Joakim Björnberg, Katrina Noorbergen, Leonid Gutkin, Vladimir Matetsky
 
POR14 BLR 10 MTG14 ALB 10

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Dänemark Albanien Rumänien Georgien
Anti Social Media
Elhaida Dani
Voltaj Nina Sublatti
"The Way You Are" "I'm Alive" "De la capăt" "Warrior"
M.: Remee S. Jackman, Lars Pedersen
T.: Remee S. Jackman
M.: Zzap'n'Chris
T.: Sokol Marsi
M. & T.:
Calin Gavril Goia, Gabriel Constantin, Adrian Cristescu, Paduraru Silviu-Marian, Alstani Victor-Razvan, Monica-Ana Stevens, Andrei-Madalin Leonte
M.: Nina Sublatti, Thomas G:son
T.: Nina Sublatti

 

 

DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 2

 

 

MAL14n ISR14 NOR14 GEO14jpg

1.

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2.

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3.

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4.

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Litauen Irland San Marino
Montenegro
Monika & Vaidas Molly Sterling
Michele Perniola & Anita Simoncini
Knez
"This Time" "Playing With Numbers" "Chain Of Lights" "Adio"
M.: Vytautas Bikus
T.: Monika Liubinaitė
M. & T.: Molly Sterling, Greg French
M.: Ralph Siegel
T.: John O'Flynn (Bernd Meinunger)
M.: Željko Joksimović
T.: Marina Tucaković, Dejan Ivanović
 
ALB 10 AUT14neu LIT1n FIN14n

5.

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6.

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7.

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8.

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Malta Norwegen Portugal Tschechische Republik
Amber Mørland & Debra Scarlett
Leonor Andrade
Marta Jandová &
Václav Noid Bárta
"Warrior" "A Monster Lie Me" "Há um mar que nos separa" "Hope Never Dies"
M.: Elton Zarb
T.: Matthew Mercieca Muxu
M. & T.: Kjetil Mørland M. & T.: Miguel Gameiro M.: Václav Noid Bárta
T.: Tereza Soralová
 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

9.

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10.

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11.

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12.

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Israel Lettland Aserbaidschan Island
Nadav Guedj Aminata Elnur Huseynov
Maria Olafs
"Golden Boy" "Love Injected" "Hour Of The Wolf" "Unbroken"
M. & T.: Doron Medalie M. & T.:
Aminata Savadogo
M. & T.: Sandra Bjurman, Nicolas Rebscher, Nicklas Lif, Lina Hansson M. & T.: Ásgeir Orri Ásgeirsson, Pálmi Ragnar Ásgeirsson, Sæþór Kristjánsson
 
GRE14n SLO14 ARM 10 SLO14

13.

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14.

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15.

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16.

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Schweden Schweiz Zypern Slowenien
Måns Zelmerlöw
Mélanie René
John Karayiannis
Maraaya
"Heroes" "Time To Shine" "One Thing I Should Have Done" "Here For You"
M. & T.: Linnea Deb, Joy Deb, Anton Malmberg Hård af Segerstad M.: Raay
T.: Tinkara Kovač, Hannah Mancini, Tina Piš
M.: Mike Connaris
T.: John Karayiannis
M.: Raay, Marjetka Vovk
T.: Charlie Mason, Raay
 
GRE14n


 

 

 

 








17.

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Polen
Monika Kuszyńska
"In The Name Of Love"
M.:Kuba Raczynski
T.: Monika Kuszyńska

 

 


 

DIE WERTUNG - FINALE

 

 Wertung Finale© ECG e. V.

 

DIE WERTUNG SEMIFINALE 1 + 2

 

Wertung Semifinale 1© ECG e. V.

Wertung Semifinale 2© ECG e. V.

 

 


 

AUS DER PRESSE

 

 

DIE SCHANDE VON WIEN

STERN, 28.05.2015 - von Kester Schlenz

 

Hat Europa den Oberlehrer Deutschland beim ESC kollektiv abgestraft? Aber ja – für einen doofen Song!

Deutschland neben Österreich auf dem letzten Platz des Eurovision Song Contest, vereint in der „Hall of Shame“. Schon werden Stimmen laut, dass Deutschland, der arrogante Hegemon mit seiner Spar-Domina Merkel und dem gnatzigen Oberlehrer Schäuble, für seine Politik abgestraft worden sei. Doch diese Verschwörungstheorie lässt sich sogar mit wissenschaftlicher Hilfe entkräften. Dr. Paul Jordan aus London, der über den ESC promoviert hat, sagt auf die Frage, ob das deutsche Ergebnis etwas mit der Kanzlerin zu tun habe: „Das denke ich nicht. Es ist nur eine TV-Show, reine Unterhaltung. Deutschland hat 2010 zu einer Zeit gewonnen, als Merkel in Europa auch nicht populär war.“

Russland, für viele gerade größter Aggressor des Kontinents, hätte mit dem blonden Engel Polina Gagarina auch keinen zweiten Platz erreicht, spielte die Politik eine übergroße Rolle. Natürlich ist der ESC nicht völlig unpolitisch. Auch früher gab es meist zwölf Punkte von Zypern an Griechenland und umgekehrt, egal, was da ins Mikro gegrunzt wurde. Seit der Osterweiterung des Wettbewerbs kann man im Abstimmungsverhalten der Länder sehen, wer wem in postsowjetischer Bruderliebe zugetan ist. Am siegten dennoch meist tolle Songs oder zumindest eine tolle Performance. Und die hat der junge Schwede Måns Zelmerlöw geliefert, als er mit virtuellen Strichmännchen tanzte und dazu “Heroes“ trällerte. Ein Liedchen von schlichter Schönheit, aber einprägsam.

Es ist ganz einfach: Deutschland hat dem ESC verloren, weil es eine überforderte junge Sängerin mit einem nichtssagenden Song in den Wettbewerb geschickt hat. Eine Sängerin, die nicht einmal das eigene Land hinter sich wusste. Nahezu 80 Prozent der Zuschauer hatten im Vorentscheid für den unterfränkischen Rocker Andreas Kümmert gestimmt. Der 28-Jährige, den „Bild“ in unnachahmlicher Misanthropie einen „Klops“ nannte, hatte souverän über die zu hochtourig performende Ann Sophie gesiegt. Doch dann bekam der Franke den Blues und wollte nicht mehr zur Völkerschlacht nach Wien antreten. Statt seiner reiste die Unterlegene. Was Wunder, dass Europa das nicht goutierte. Warum sollten die Nachbarn für etwas voten, das Deutschland selbst schon für ungeeignet hielt? Ann Sophie hat ihre Sache dann besser gemacht als erwartet. Aber aus ihrem Liedchen hätte selbst Amy Winehouse keinen Siegertitel gezaubert.

Nach dem Debakel kaute Ann Sophie auf der Pressekonferenz Kaugummi, sprach von ihrer „Fanbase“ und stellte im Gleichklang mit dem ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber in nachgerade kantischer Art einen philosophischen Grundsatz auf, der da lautete: „Null Punkte sind halt null Punkte“. Schreiber verstieg sich noch zu folgender Aussage: „Wir haben uns etwas anderes gewünscht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die null Punkte nicht null Punkte für den Song und die Performance sind. Der Song und die Performance waren besser als null Punkte.“ Dabei wirkte er wie ein Boxtrainer, der seinen schwer verprügelten Schützling zum Sieger erklärt und dabei vielsagend zu den Punktrichtern blickt.

Nun ist festzustellen, dass einige der sonst zum Vortrag gebrachten Lieder tatsächlich viel grauenhafter waren als Ann Sophies. Dass es eine gruselige Dracula-Epigonin aus Georgien auf Platz 11 schafft, ist schon sonderbar. Und dann sei noch der britische Beitrag erwähnt, der hierzulande selbst bei Möbelparkeröffnungen für Entsetzen und die sofortige Evakuierung des Publikums gesorgt hätte. Aber die Briten bekamen Mitgliedspunkte aus Malta und San Marino. So etwas hat die große Unterhaltungsnation Deutschland indes wirklich nicht nötig. Lieber grandios scheitern, als Gnadengaben von Zwergstaaten zu erhalten.

 

 

Der deprimierende Abend, an dem die Idee Europa starb

Die Welt, 24.05.2015 – von Matthias Matussek

 

Kein einziges Pünktchen für Deutschland – dieser Abend war für uns eine große Demütigung. Und das, obwohl wir uns in Europa ständig abmühen. Die neue Weltordnung in Sachen Musik: grau und langweilig.

Als wir dann selbst von den Österreichern keine Punkte erhielten, war der Abend gelaufen für Ann Sophie und mich und die üblichen Verdächtigen, die sich bei mir auf Facebook zusammenfanden.

Auch Sängerkriege sind Kriege, und auch wenn die meisten sich an diesem Abend scheinheilig gegen Krieg und für den Frieden aussprachen und die Liebe sangen ... Wen wollen die mit ihrem Friedensgetue veralbern?

Sollen sie doch mal anfangen bei sich und ihren Jurys und ihrem Heimpublikum. Denn die wählen. Und sie haben für Italien, Schweden und Russland gestimmt – und damit gegen uns. In meiner Facebook-Gruppe war klar: Wer nicht für uns ist, der ist nun mal gegen uns, das ist das eherne Gesetz des großen Eurovision Song Contest.

Zum Beispiel "Spiegel"-Mann Nils Minkmar. Er versuchte auf seiner Seite, das Ergebnis schönzurechnen. Eine schwarze Null. Netter Kalauer – in der Praxis eine Unverschämtheit.

Hat sich einer von diesen angeblichen europäischen Friedensfreunden mal gefragt, wie wir uns fühlen? Wie das bei uns ankommt? Wie das ist, wenn man keinen einzigen Punkt kriegt?

Ich glaube, an diesem Abend ist die Idee Europa ein für alle Mal zu Grabe getragen worden. Da schuften wir uns ab und geben unsere D-Mark her für den Euro und pauken die südlichen Nachbarn raus – und was ist der Dank?

Die Leute wählen einen Schweden, wählen drei italienische Schmalzlappen, die Amore schmettern, und im Hintergrund liegen antike Säulen herum und anderer Hausrat vor einem blutroten Himmel, als ob unsere Mütter, die in der 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ihren Urlaub in Rimini machten, als ob sie nicht wüssten, was sie von solchen Schwüren halten durften und dass diese Amore-Troubadoure ihr Zeug nie aufräumen würden.

Apropos Süden. Das einzig Bemerkenswerte war höchstens der Kostümwechsel der Spanierin auf offener Bühne: Ratsch ratsch flog das rote Kleid und drunter hatte sie kaum was an.

Nein, nach diesem Eurovision Song Contest hab ich keine Lust mehr auf Europa. So springt man mit dem Fußballweltmeister 2014 nicht um. So nicht. Es ist doch nicht unsere Schuld, dass wir so viel besser spielen als alle anderen. Und auch noch besser aussehen. Wie Ann Sophie bewiesen hat. Schon ihr Rücken hätte gewinnen müssen.

Und Barbara Schöneberger. Sie stand am Schluss der Party in Hamburg mit Wikingerhörnern auf der Bühne, wagnerisch und blond wie die Brünhild von der Reeperbahn. Sie hat sich ihre Verzweiflung nicht anmerken lassen.

Sie hat ihren Kummer – so sind wir Germaninnen und Germanen – tapfer heruntergeschluckt und erst hinter der Bühne leise ein paar Worte an Wotan gerichtet. "Opfer?", hab ich verstanden, und ein wenig lauter und entgeisterter "Wie viele?"

Prompt haben natürlich die Leitartikler wieder die Schuld bei uns gesucht. Haben die im Windkanal getesteten Liedchen der anderen bewundert.

Moment, wer war im Windkanal bei den österreichischen Skispringern zu Gast? Ann Sophie? Nun, das war nur für diese Pausenfilmchen, die da ständig eingeblendet wurden. Und eine Verbeugung an die österreichischen Gastgeber, die trotz eines brennenden Klaviers ebenfalls keine Punkte erhielten. Die wahrscheinlich diesmal für den letztjährigen Gewinner abgestraft wurden, die Nervensäge Conchita Wurst, der aus politisch korrekten Gründen heraus der Sieg nicht verweigert werden durfte. Und die auch an diesem Abend alle fertig machte.

Da lag eine ganze Weile Russland in Führung, und Conchita setzte sich mit ihrem aufgemalten Bart neben Polina Gagarina, ja, genau, eine Urenkelin des ersten russischen Weltraumpiloten Juri Gagarin. Da setzte sie sich also neben diese blonde, sehr ansehnliche Marilyn-Bombshell aus Moskau, die schon ganz aufgelöst war und ihre Tränen betupfte, und Conchita fragte die Frage der Fragen, nämlich, wie sie sich nun fühle.

"Ganz überwältigt", schluchzte Gagarina, und fortan bekam sie kaum noch Punkte, und ihr Vorsprung vertröpfelte, je länger Conchita da herumsaß, und am Ende gewann ein 08/15-Schwede mit einem 08/15-Song.

Soll so die neue Weltordnung im Bereich Singen/Unterhaltung/Show aussehen? Nichtssagende sozialdemokratische Welt- und Wohlstandskritik in Jeans und grauem T-Shirt, die kalkulierte Anti-Glamour-Nummer?

Dann schon lieber, wie heißt der Typ noch mal, der jetzt vergessen wird, na egal, also Conchita Wurst. Mit falschen Wimpern und falschen Gefühlen. Vielleicht ist es eine Sache des Alters. Für mich hört sich das mittlerweile alles gleich an. Ralph Siegel hat ja auch nichts gewonnen mit seiner Kandidatin, und der ist schon länger dabei als der HSV in der Bundesliga, also geschätzt seit 1850, und immerhin Sieger-Komponist mit Nicole, und die sang, ähm, "ein bisschen Frieden", also ich habe nicht behauptet, dass sich textlich sehr viel geändert hätte.

Noch während der Auszählung soll von der Leyen einige Panzermanöver an den deutschen Grenzen angeordnet haben, aber dann ist ihr eingefallen, dass wir gar keine fahrbereiten Panzer haben.

Ich bin auch gegen solche kriegerischen Demonstrationen. Und schlage vor, dass wir uns nächstes Mal mit einem bunten Torwandschießen bewerben.

 

Eurovision Song Contest 2015: Viel zu harmoniebesoffen

24.05.2015, Spiegel Online - von Anja Rützel

Und das soll ESC sein? Ein Mainstream-Propf verstopft die vorderen Plätze, es siegt Konsens-Darling Måns Zelmerlöw. Da ist das deutsche Abschneiden mit nur null Punkten eher sonderbar als schmerzhaft.

 

Die kindische, rechenschwache Hoffnung lag bis zum Schluss auf dem kleinen, belgischen Tambourmajor. Loïc Nottet, der jugendliche Rapapapp-Drummerboy, der mit seinen Blicken gut auch als besessenes Gruselkind in einem Horrorfilm durchgehen könnte und mit seinem Linealscheitel, dem adretten Gehrock und der reduzierten Schwarz-Weiß-Ästhetik den Eindruck vermittelte, wir befänden uns hier beim internen Mitarbeiter-Gesangswettbewerb der Raumfahrtgesellschaft Gattaca, hielt sich nämlich bei der Punktevergabe hartnäckig auf Platz vier. Und hätte damit, wenn man berauscht vom Durchhalte-Wein eben nicht so genau nachzählte, wie viele Nationen jetzt noch wie viele mögliche Gesamtpunkte vergeben würden, als Einziger noch das Spitzentrio sprengen können.

Ganz oben in der Punktetabelle klebten aber ablöseresistent wie gedörrter Kaugummi unter altem Kinositz die drei Favoriten: leicht aseptischer Schwedenpop in Gummihose, russische Schwulstballade von einem kindlichen Helene-Fischer-Marilyn-Monroe-Hybriden, Knödelklassik aus Italien. Klingt wie ein zusammengeschaufelter Büffetteller und war in seinen Einzelbestandteilen eher fade Kost. Bis fast zuletzt war es fast spannend zuzusehen, wie das Spitzentrio untereinander die Führung wechselte, eigentlich aber natürlich doch nicht, bestenfalls interesseloses Wohlgefallen konnte man als Zuschauer für diese drei Titel mobilisieren. Die widerhakenfreie Spitzengruppe passte zum festlich glatten Pop-Pomp des Abends, einem makellosen Konsensrahmen, den man sich als Allzwecksetting für manch anderen Gala-Anlass auf Wiedervorlage packen kann. Fiedelnde Wiener Philharmoniker, eine fliegende Conchita Wurst, fehlerlose Moderation, insgesamt irgendwie zu viel Kuschelmuschel und geformte Finger-Herzchen.

Das Siegerschlusswort des Schweden Måns Zelmerlöw könnte konsensiger nicht sein: "We are all heroes, whoever you are, whatever you believe in." Das stimmt natürlich nicht, denn das schlösse ja auch die vorsätzlich Dummen und absichtlich Gemeinen mit ein, und Helden sind das sicher nicht, passte aber zur harmoniebesoffenen Gesamtinszenierung. Alles gut, alles schön. Aber wo waren die irren Popdohlen und verrückten Hühner, die offensichtlich durchgedrehten Wundertiere? Sie taugen offensichtlich nur noch als verschrobenes Personal für So-irr-war-es-früher-Einspielfilmchen unter unwirklich-historisierenden Filtern. Mehr Abweichler, ein paar sinnlose Butterstampf-Omas oder Gröhl-Griechen, sie hätten dem dann doch sehr langen Abend gutgetan. Und dafür dann vielleicht etwas weniger arglose Glee-Erotik aus Litauen, ein paar weniger Brülldiven von der Stange, weniger harmlose Okapi-Anmut aus Ungarn und halblebiger zyprischer Sachbearbeiter-Schmacht: Wenn John Karayiannis verhuscht über "One Thing I Should Have Done" sang, meinte er damit vermutlich: eine Energiesparlampe reindrehen.

Dabei gab es sie ja, die wagemutigen Beiträge, aber sie kamen einfach nicht am risikolosen Spitzentrio-Propfen vorbei: Auf Platz sechs schaffte es die Elektronummer "Love Injected" von Aminata aus Lettland (die frappant an Ex-Queensberry-Sängerin und Dschungelcamptrulla Gabby erinnerte). Das estnische Duo Elina Born & Stig Rästa landete mit seiner liedgewordenen Post-Beischlaf-Etikette "Goodbye to Yesterday" auf Platz sieben. Und der norwegische Geständnisschunkler "A Monster Like Me" endete auf Platz acht, was nicht übel ist für einen Song, in dem jemand bekennt, als Kind mal wen gelyncht zu haben.

Man konnte sich an der trotzigen Schnapsdrosselstimme der slowenischen Kopfhörerfrau erfreuen, am brennenden Klavier des sonst lauwarmen Österreichbeitrags, am Froschschenkeltanz des "Golden Boy" aus Israel, am beleuchtbaren Wearable-Tech-Showkleid des britischen Ulk-Swings. Auf dem Sofa mit den Mitguckern besprechen, ob der spanische Beitrag eine modernisierte Märchenfassung von "Rotkäppchen und der epilierte Wolf" darstellen sollte oder ob das Kleid der Hijahija-ha-Sängerin nun rot oder golden war. Und man konnte für einen kleinen, kurzsichtigen Moment angesichts der annähernd fleischfarbenen Enghose von Guy Sebastian denken, der Jubiläumsgast aus Australien hätte tatsächlich beschlossen, untenrum ohne aufzutreten. So als leicht subversiver Down-under-Witz.

So richtig funktionierte es diese Mal aber nicht mit dem sinnfreien, abendlangen Kürzesturlaub von politischen Debatten und Euro-Lagerkoller, dem kleinen Genderfasching als Gegenstatement. Moderatorin Alice Tumler musste während des Votings gar das Publikum in der Wiener Stadthalle zur Ordnung rufen, weil dort bei Punkten für die russische Friedensklage immer wieder gebuht wurden.

Apropos ausbuhen, verschmähen, gar nicht gut finden: Ja, der deutsche Beitrag "Black Smoke" von Ann Sophie landete tatsächlich auf dem letzten Platz. Die Punktenull stand bis zum Ende, was nach Ann Sophies Auftritt doch zumindest ein bisschen verwundert, weil sie die Perfomance gut meisterte: mit bratschenförmigen Poppesschwenkern, sehr passablem Gesang und schwarzem Federohrring, als sei das eine Kriegstrophäe, die sie der georgischen Düsterkrähen-Warriorin ausgerupft hatte. Selbst die No Angels und Grazia, in ihren ESC-Jahren ebenfalls letztplatzierte deutsche Beiträge, bekamen seinerzeit 14 beziehungsweise vier Punkte.

So ist dieser letzte deutsche Platz (gemeinsam mit den österreichischen Hipsterhängern von The Makemakes) eher sonderbar als schmerzhaft. Und wenigstens zwei heimliche Helden hat der diesjährige Gesangswettbewerb am Ende doch hervorgebracht: die finnische Verkünderin des Punktevotings (wer sind eigentlich all diese bizarr frisierten Punktevorlese-Menschen?), die erst einmal unter Luftkuss-Salven ihren Verlobungsring präsentierte: "Whoo-hoo, finally getting maaa-rried!" Und natürlich der sensationell grimassierende Pausentrommler Martin Grubinger, ein gedoptes Duracell-Häschen, dem man mit wachsender Fassungslosigkeit bei seiner irren Klöppelei zusehen konnte. Man sollte sofort ein Meme aus ihm basteln, "overly enthusiastic drummer" oder so, damit wir ihn nicht vergessen, denn für solche Momente gibt es den ESC.

Glatt gebügelt und gemäßigt, alle heimlichen Schrullen für eine angemessene Alltagsperformance ausgedellt, sind wir alle schon selbst leider viel zu oft.

 

Null Chance, dass Deutschland so weitermacht

Die Welt, 24.05.2015 - von Holger Kreitling

 

Deutschlands Ann Sophie erhielt beim Eurovision Song Contest 2015 in Wien null Punkte. Das gab es zuletzt 1965. Sieger wurde der Schwede Måns Zelmerlöw. Von ihm kann Deutschland viel lernen.

Seien wir fair und fangen mit dem Sieger an. Obwohl man die Verlierernachricht gleich jetzt ausrufen möchte. Null … nein, wir verkneifen uns das.

Måns Zelmerlöw nahm das Gewinnerdasein souverän an, beinahe als selbstverständlich, er wirkte eine Stunde nach der Show ruhig und abgeklärt. Sprach gefasst und analysierte klar, ohne Überhast und allzu große Leidenschaft. Sein Credo, dass wir nach seinem Songtitel "Heroes" alle Helden seien, die stolz auf sich sein können, hatte er schon in der Halle ausgerufen, nun wiederholte er das. Mission accomplished.

Immerhin wusste der 28-jährige Zelmerlöw gleich, wie man in Österreich einen Schokokuss aus Zuckerschaum nennt, nämlich "Schwedenbombe", und er konnte das Wort auch grinsend unfallfrei aussprechen.

Die Schwedenbombe gewinnt also den Eurovision Song Contest (ESC) mit 365 Punkten, Russland wird Zweiter mit 303 Punkten, Italien Dritter mit 292 Punkten. Es war ein ziemlich spannender Abend, denn die Jury zog die Entscheidung geschickt in die Länge. Lange führte die Russin Polina Gagarina mit ihrem Schmuse-Propaganda-Lied "A Million Voices", das um Frieden und Heilung barmt. Auch Deutschland gab zwölf Punkte für das fiese Stück. Immerhin: Im vergangenen Jahr wurde der harmlose russische Beitrag noch offen ausgebuht und angefeindet. Nun Belobigungen und Entspannungskurs.

Spät übernahm Schweden die Führung, mit wenigen Punkten Vorsprung, der sich erst kurz vor Schluss ausdehnte. Ein Dutzend Zwölf-Punkte-Wertungen insgesamt machten den Unterschied. Die Tenöre Il Volo mit dem Schmachtfetzen "Grande Amore" hätten fast noch Russland überholt und den zweiten Platz errungen. Überraschend auch der tolle vierte Platz für den coolen Song aus Belgien. Sechs Mal hat Schweden nun den ESC gewonnen, liegt aber immer noch hinter Irland, das sieben Titel geholt hat.

Jetzt aber: Und Deutschland bekommt keinen einzigen Punkt, wird Letzter, gemeinsam mit Österreich, das das gleiche Schicksal teilt.

Null Punkte. Zero Points. Überhaupt nix. Keinen Anstandspunkt. Keinen Ausnahme-von-der-Regel-Punkt. Nicht mal einen Mitleidspunkt. Ein Desaster.

Und dabei eigentlich unvorhersehbar. Denn sooo schlecht waren weder das Lied "Black Smoke" noch die Sängerin Ann Sophie. Der Auftritt auf dem Startplatz 17 war gut, es gab keinen Patzer, Ann Sophie hat alles gegeben. Und doch eine Nullnummer.

Das gleiche gilt für die Makemakes aus Österreich, die mit einem ordentlichen Lied antraten und mitten im Auftritt das Klavier in Brand setzten. Null Punkte für das Gastgeberland, das ist die vielleicht noch größere Blamage.

Dass sich Deutschland und Österreich gegenseitig keine Punkte gönnen, hat Tradition, mehr als 30 Mal hat etwa Deutschland nichts an Österreich gegeben. Aber auch keine Punkte von den zahlreichen Nachbarn? Niederlande, Schweiz, Dänemark? Erstaunlich.

Zero points.

Ann Sophie trat denn auch mit den Makemakes gemeinsam vor die Mikrofone und Kameras, und alle zuckten mit den Achseln. Später stand sie tapfer da – andere hätten gekniffen – und sagte "Null Punkte sind halt null Punkte". Klar habe es ihr Spaß gemacht, es sei wunderschön gewesen, auf einer so großen Bühne vor so vielen Zuschauern aufzutreten. Sie wolle weiter arbeiten, Musik machen, im nächsten Jahr stehe sie vielleicht auf einer anderen Bühne, sagte sie. Was man so sagt. Ein bisschen verlegen war Ann Sophie, schaute nach oben, als ob von da Antworten zu erwarten wären. Null Punkte sind halt null Punkte. Das wird ihr sicher lange nachhängen, die Öffentlichkeit vergisst so eine Pleite eher nicht.

1964 und 1965 wurde Deutschland zwei Mal in Folge mit null Punkten abgestraft, damals allerdings bei lediglich 16 und 18 Teilnehmern. Niemand erinnert sich an Nora Nova, die "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" sang und an Ulla Wiesner mit "Paradies, wo bist Du?". Bei diesmal 40 votierenden Ländern ist die Schmach ungleich größer.

Die Loser-Liste des Schreckens: Erst 2008 landete Deutschland, vertreten durch die Band No Angels, auf dem letzten Rang, den es sich mit Polen und Großbritannien teilte. Drei Jahre zuvor wurde das weithin vergessene "Deutschland sucht den Superstar"-Gewächs Gracia Letzte mit vier Punkten. 1995 gab es ebenfalls den letzten Platz für Stone & Stone, und selbst da wurde ein Mitleidspunkt erzielt.

Selbst das stümperhafteste Lied des Abends aus Großbritannien bekam fünf Punkte, die Weltkriegs-Pathosmaschinerie aus Frankreich noch vier.

Es ist eine schlichte Weisheit, dass kein Erfolg da ist, wo die Unterstützung in der Heimat fehlt. Ann Sophie war die Zweitlösung, weil der mit überwältigender Mehrheit gewählte Andreas Kümmert sich plötzlich zurückzog. Es wurde danach nicht wirklich besser. Das Interesse an diesem Beitrag, an der unverhofft zu Ehren gekommenen Debütantin und am ESC lahmte seitdem. "Black Smoke" ist ein liebes Lied, das nicht wehtut und vielleicht deshalb auch kaum auffällt. Es polarisiert nicht – noch eine Binse – und ging unter.

Delegationsleiter und ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber fand wieder einmal diplomatische Worte, dankte, lobte und stellte eine Analyse in Aussicht. Beim 21. Platz für Cascada hatte Schreiber noch die Bundeskanzlerin als Grund für die europäische Abstrafung mit ins Boot genommen. Das fiel diesmal aus.

Die Bilanz ist bitter. Anders als in den Stefan-Raab-Jahren gelingt es der ARD nicht richtig, Musiker und Publikum zu animieren. Der Vorentscheid ging in die Hose, nicht bloß wegen Andreas Kümmert. Vom schwedischen Sieger lässt sich viel lernen. Er hat in seiner Heimat die seit Jahren extrem beliebte Vorentscheids-Show "Melodifestivalen" gewonnen, war außerdem bereits Sieger von "Let's Dance", hat "Romeo und Julia" gespielt und im Fernsehen moderiert.

Der Song hat eine denkbar große Zielgruppe, spricht Kinder an und erwachsene Wohlstandskinder, die im Text besungen werden. Das Lied verbindet Countrytöne am Anfang mit Discotanz. Zelmerlöws Inszenierung von "Heroes" mit den tanzenden Strichmännchen ist visuell enorm fein und mitreißend. Die Woge der Heimat-Begeisterung hat wiederum die Buchmacher-Anfragen und die europaweiten Google-Abrufe beeinflusst, weswegen er zum Favoriten wurde.

Bei alldem spielte Deutschland keinerlei Rolle. Das internationale Interesse an "Black Smoke" war gering. Kunststück. Wenn schon das eigene Land kalt bleibt. Twitter-Follower von Ann Sophie Mitte der Woche: 2507. Das ist praktisch null.

Es ist kein putziger Zufall, sondern tiefe Einsicht und Ausdruck der österreichischen Gemütslage, dass zum ESC im ehrwürdigen Leopold-Museum eine Ausstellung zu sehen ist, die "The Nul-Pointers" heißt. Der in Wien lebende deutsche Schriftsteller Tex Rubinowitz hat sie erstellt und dafür alle bisher 34 Sängerinnen und Sänger mit eiligem Strich auf Holztafeln gemalt, die im Wettbewerb null Punkte bekamen. Es ist eine witzige Schau mit traurigen Gesichtern, in einem Raum werden deren Lieder gespielt.

Rubinowitz hat noch in der Nacht angekündigt, an diesem Sonntag seine Ausstellung zu erweitern. The Makemakes und Ann Sophie bekommen ihre Bilder. Ruhm, der bleibt.

Gar nicht null und nichtig.


Der Eurovision Song Contest 2014


ESC Logo 2010 

59. Eurovision Song Contest - 10. Mai 2014
Kopenhagen

Halle B&W Hallerne
Motto #JoinUs
Moderation Lise Rønne, Nikolaj Koppel & Pilou Asbæk
Pausen-Act Emmelie de Forest
Wertung Jury-/Televoting 50/50%
Teilnehmer 37 Länder (Finale 26, Semfinale 1 - 16  /
Semifinale 2 -15)

 

Siegerland: Österreich


norway

Interpretin:

Conchita Wurst

Titel:

"Rise Like A Phoenix"

Musik & Text:

Charly Mason, Joey Patulka,
Ali Zuckowski, Julian Maas


 Conchita© www.eurovision.tv

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

  

Finale  - 10. Mai 2014
Platz Land Interpret*in Titel Punkte Startnr.
1.  Österreich Conchita Wurst Rise Like A Phoenix 290 11
2.  Niederlande The Common Linnets  Calm After The Storm 238 24
3.  Schweden Sanna Nielsen Undo  218 13
4.  Armenien Aram Mp3  Not Alone  174 7
5.  Ungarn András Kállay-Saunders Running  143 21
6.  Ukraine Marija Jaremtschuk Tick-Tock  113 1
7.  Russland Tolmachevy Twins Shine 89 15
8.  Norwegen Carl Espen  Silent Storm 88 2
9.  Dänemark Basim  Cliché Love Song 74 23
10.  Spanien Ruth Lorenzo  Dancing In The Rain  74 19
11.  Finnland Softengine  Something Better  72 18
12.  Rumänien Paul Seling & Ovi  Miracle  72 6
13.    Schweiz Sebalter  Hunter Of Stars  64 20
14.  Polen Donatan & Cleo  My Slowianie  62 9
15.  Island Pollapönk  No Prejudice  58 4
16. Belarus Teo Cheesecake 43 2
17. Ver. Königreich Molly Children Of The Universe 40 26
18.  Deutschland Elaiza Is It Right 39 12
19.  Montenegro Sergej Ćetković Moj Sviljet 37 8
20.  Griechenland Freaky Fortune feat. Risky Kidd Rise Up 35 10
21.  Italien Emma Marrone La mia città 33 16
22.  Aserbaidschan Dilara Kazimova Start A Fire 33 3
23.  Malta Firelight Coming Home 32 22
24.  San Marino Valentina Monetta Maybe 14 25
25.  Slowenien Tinkara Kovač Round And Round 9 17
26.  Frankreich TWIN TWIN Moustache 2 14

 

 

Semifinale 1 - 6. Mai 2014
Platz Land Interpret*in Titel Punkte Startnr.
1.  Niederlande The Common Linnets Calm After The Storm 150 14
2.  Schweden Sanna Nielsen Undo 131 4
3.  Ungarn András Kállay Saunders Running 127 16
4.  Armenien Aram Mp3 Not alone 121 1
5.  Ukraine Maria Yaremchuck Tick-Tock 118 9
6.  Russland Tolmachevy Twins Shine 63 7
7.  Montenegro Sergej Ćetković Moj Svijet 63 15
8.  Island Pollapönk No Prejudice 61 5
9.  Aserbaidschan Dilara Start A Fire 57 8
10.  San Marino Valentina Monetta Maybe 40 12
11.  Portugal Suzy  Quero ser tua 39 13
12.  Estland Tanja Amazing 36 3
13.  Lettland Aarzemnieki Cake To Bake 33 2
14.  Belgien Axel Hirsoux Mother 28 10
15.  Albanien Herciana Matmuja One Night's Anger 22 6
16.  Moldau Cristina Scarlat Wild Soul 13 11
Semifinale 2 - 8. Mai 2014
1.  Österreich Conchita Wurst Rise like a phoenix 169 6
2.  Rumänien Paula & Ovi Miracle 125 15
3.  Finnland Softengine Something Better 97 8
4.   Schweiz Sebalter Hunter Of stars 92 12
5.  Belarus TEO Cheesecake 87 10
6.  Norwegen Carl Espen Silent Storm 77 3
7.  Griechenland Freaky Fortune ft. Riskykidd Rise Up 74 13
8.  Polen Donatan & Cleo My Słowianie 70 5
9.  Malta Firelight Coming Home 63 1
10.  Slowenien Tinkara Kovač Round And Round 52 14
11.  Litauen Vilija Attention 36 7
12.  Irland Can-linn feat. Kasey Smith Heartbeat 35 9
13.  EJR Mazedonien Tijana Dapčević To The Sky 33 11
14.  Israel Mei Finegold Same Heart 19 2
15.  Georgien The Shin & Mariko Three Minutes To Earth 15


 

 


 

 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN

 

Beworben hatten sich die Hauptstadt Kopenhagen und die mitteljütländische Kleinstadt Herning (bereits Veranstaltungsort der dänischen Vorentscheidung). Außerdem waren Bewerbungen aus Fredericia, Aalborg und Horsens hinzugekommen, hier hätte ein ausgedientes Gefängnis als Open-Air-Arena zur Wahl gestanden. Aalborg zog seine Bewerbung zurück, da man die geforderten 3000 Hotelbetten nicht vorhalten könne. Auch Frederica zog die Bewerbung zurück, da die EBU eine Halle ohne Säulen fordert, das könne man nicht erfüllen. Die Direktion des Parken Stadions in Kopenhagen (Austragungsort 2001) erklärte, es sei nicht möglich, das Stadion für die Dauer der Vorbereitungen (Aufbau, Proben und Shows - insgesamt 6 Wochen) den Fußballvereinen vorzuenthalten.

 

Kroatien, die Türkei, Slowakei, Zypern, Bulgarien, Bosnien & Herzegowina und Serbien nahmen am ESC 2014 nicht teil. Portugal und Polen kehrten zurück, so dass insgesamt 37 Länder am Start waren.

 

© DR

Austragungsort waren die B&W Hallen, ein ehemaliger Werft-Komplex mit mehreren Hallen, der zu einer "Eurovisions-Insel" gemacht wurde. Der Komplex liegt im Stadtteil Refschaleøen unmittelbar am Wasser und in der Nähe der "Kleinen Meerjungfrau". Wenn auch die Umgebung der Industriebrache alles andere als einladend war und für alle Aktiven eine ziemliche Zumutung darstellte, so hatte man das Innere der Werfthalle doch mit einer der visuell besten Bühnen der ESC-Geschichte ausgestattet.  

 

Die Auslosung der Zuordnung zu den beiden Semifinalen erfolgte am 20. Januar 2014. Zu diesem Zweck wurden sechs Töpfe gebildet, in die die Länder nach ihrem Stimmverhalten in den letzten zehn Jahren verteilt wurden, um Nachbarschaftsvoting und Blockbildungen möglichst zu vermeiden. Allerdings wurde Schweden schon dem 1. Semifinale zugelost und Norwegen dem 2. Semifinale, um den Ticketverkauf in Skandinavien zu entzerren, auch Israel wurde schon vorab auf Wunsch dem 2. Semifinale zugeteilt. Bei der Auslosung wurde ebenfalls bestimmt, in welcher Hälfte des Semifinales die einzelnen Länder antreten und in welchem der Semifinale die BIG 5 und Gastgeber Dänemark werten, wobei Italien um das 1. Semifinale und Deutschland um das 2. Semifinale gebeten hat. Gastgeber Dänemark wurde die Startnummer 23 im Finale zugelost. Die Startreihenfolge der Semifinale wurde (wie erstmals 2013) wieder durch die TV-Produzenten festgelegt. Die Startreihenfolge für das Finale wurde festgelegt, sobald alle Finalisten feststanden.

Die EBU hatte die Regeln bzgl. der Wertung etwas verschärft: So mussten die nationalen Juroren bereits am 1. Mai 2014 öffentlich bekannt gegeben werden, Juroren durften nicht in den vergangenen zwei Jahren in einer nationalen Jury gewesen sein, und unmittelbar nach dem Finale sollten alle Jurywertungen in allen Einzelheiten öffentlich gemacht werden.  

 

Nikolaj Koppel, Lise Rønne und Pilou Abæk (v. l.) © DR

Nachdem das schwedische TV im letzten Jahr wieder zurück zu den Wurzeln ging und mit Petra Mede nur eine Moderatorin alle drei Shows moderieren ließ, ging das dänische TV nun wieder in die Vollen und bot ein Moderatoren-Trio auf, und zwar eine Frau mit zwei Männern: Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk.

 

Lise Rønne und Nikolaj Koppel sind Moderatoren des dänischen Fernsehen, während Pilou Asbæk Schauspieler ist. Er dürfte vielen deutschen TV-Zuschauern  bekannt sein aus der Serie "Borgen", in der er den Spin-Doktor der Premierministerin spielte.

 

In den Postcards wurden die einzelnen Interpretinnen und Interpreten gezeigt, wie sie jeweils die Nationalflagge ihres Landes auf unterschiedlich Art und mit unterschiedlichen Materialien zusammstellten.   

 

FAZIT

 

Man durfte gespannt sein, wie Danmarks Radio (DR) den ESC organisieren würde auf der Halbinsel Refshaleøen, dem sog. „Eurovision Island“, auf dem „wie Phönix aus der Asche“ eine ehemaligen Werfthalle zum hochprofessionellen Austragungsort der größten Musikshow der Welt umgebaut wurde, zumindest was das Technische angeht. Und es war ziemlich beeindruckend, was man aus der Halle gemacht hatte: Eine wirklich unglaubliche Bühne mit wunderschönen Inszenierungen der einzelnen Acts. Es gab ein sehr sympathisches und humorvolles Moderatoren-Trio, einen beeindruckenden Pausen-Act mit Emmelie de Forest und einer mitreißenden Inszenierung des Songs „Rainmaker“, bei der alle Interpret*innen mit auf die Bühne kamen und sangen.

 

Es gab zahlreiche musikalische und optische Highlights, so das niederländische Duo The Common Linnets, die mit einer grandiosen Inszenierung ihrer doch eher ruhigen Country-Ballade überraschenderweise den zweiten Platz erreichen konnten und wohl kommerziel den erfolgreichsten Titel des Jahrgangs beisteuerten.

Mehr hinsichtlich der Optik mit tiefen ausgeschnittenen Blusen ihrer Backgroundsängerinnen, die sich u.a. ziemlich anzüglich an einem Butterfass und einem Waschbrett zu schaffen machten, punkteten Donatan & Cleo für Polen, was ihnen Platz 14 einbrachte.

Eine erfrischende Performance  von SeBalter und ein ins Ohr gehender Song brachte die Schweiz ins Finale und dort auf Platz 13.

Im dritten Anlauf schaffte es endlich auch Valentina Monetta für San Marino ins Finale, allerdings landete sie hier nur auf Platz 24.

Der zweite Versuch von Paula Seling & Ovi nach ihrem dritten Platz in Oslo 2010 sollte mit "Miracle" das Wunder des Sieges bringen, aber sie landeten trotz eines kreisrunden Klaviers nur auf Platz 12. 

Nur knapp am Finale vorbei, auf Platz 11 im Semfinale, landete die Fanfavoritin Suzy aus Portugal.

 

Das deutsche Damentrio Elaiza aus Deutschland hatte das Pech, dass die Produzenten sie im Finale zwischen die beiden Favoritinnen Conchita Wurst und Sanna Nielsen aus Schweden platzierten. So gingen sie dort ziemlich unter und erreichten nur den 18. Platz. Aber es hätte noch schlimmer kommen können, wären nicht die Widrigkeiten der Proben noch rechtzeitig behoben worden: So hatte man die drei Mädel in einen in dunklem Lila gehaltenen optischen "Gemischtwarenladen" gestellt. Und die Einstellung der Streamerkanone war letztlich auch richtig eingestellt, nachdem sie vorher dem Trio noch voll ins Gesicht geschossen hatte.      

 

Die Wertung war äußerst spannend. Es gab mehrere Favoriten und eine äußerst würdige Siegerin Conchita Wurst, die zudem mit ihrem Sieg noch eine Botschaft verband, nämlich Toleranz und Akzeptanz jedes Menschen, egal wer er ist und wie er sich gibt. Selten war ein Finale auch emotional so berührend. Die Atmosphäre in der Halle war nahezu einzigartig, und damit zählt dieser ESC in der Gesamtschau mit zu den besten aller Zeiten.

 


 

  DIE TEILNEHMER - FINALE

 

ISL14n

1.

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2.

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3.

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4.

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Ukraine Belarus Aserbaidschan Island
Mariya Yaremchuk Teo Dilara Kazimova
Pollapönk
"Tick-Tock" "Cheesecake" "Start A Fire" "No Prejudice"
M. & T.: Mariya Yaremchuk, Sandra Bjurman M.: Yury Vashchuk (Teo)
T.: Dmitry Novik
M. & T.: Stefan Örn, Johan Kronlund, Alessandra Günthardt M. & T.: Heidar Orn Kristjansson, Haraldur Freyr Gislason, John Grant
    
NOR14 ROM14n ASE 10 2 BLR 10

5.

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6.

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7.

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8.

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Norwegen Rumänien Armenien Montenegro
Carl Espen
Paula Seling & Ovi
Aram Mp3
Sergej Ćetković
"Silent Storm" "Miracle" "Not Alone" "Moj svijet"
M. & T.: Josefin Winther M. & T.: Ovi, Philip Halloun, Frida Amundsen, Beyond51 M.: Aram Mp3
T.: Garik Papoyan
M.: Sergej Ćetković
T.: Emina Sandal
    
ALB 10 GRE14n AUT14neu BLR 10

9.

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10.

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11.

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12.

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Polen Griechenland Österreich Deutschland
Donatan & Cleo Freaky Fortune feat. Risky Kidd Conchita Wurst Elaiza
"My Slowianie" "Rise Up" "Rise Like A Phoenix" "Is It Right?"
M.: Witold Czamara 
T.: Joanna Klepko
M.: Freaky Fortune
T.: Freaky Fortune feat. Risky Kidd

M. & T.: Alexander „Ali“ Zuckowski, Robin Grubert, Julian Maas,  Charley Mason M.: Elzbieta Steinmetz, Frank Kretschmer
T.: Elzbieta Steinmetz, Adam Kesselhaut
    
ALB 10 ARM 10 RUS14n BLR 10

13.

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14.

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15.

AD

16.

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Schweden Frankreich Russland Italien
Sanna Nielsen TWIN TWIN Tolmachevy Twins Emma Marrone
"Undo" "Moustache" "Shine" "La mia città"
M. & T.: Fredrik Kempe, David Kreuger, Hamid „K-One“ Pirouzpanah M: Pierre Beyres, Kim N’Guyen
T.: Lorent Ardouvin, François Ardouvin
M.: Dimitris Kontopoulos, Philipp Kirkorow; T: John Ballard, Ralph Charlie, Gerard James Borg M. & T.: Emma Marrone
    
ALB 10 FIN14n ASE 10 2 BLR 10

17.

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18.

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19.

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20.

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Slowenien Finnland Spanien Schweiz
Tinkara Kovač Softengine Ruth Lorenzo SeBalter
"Round And Round" "Something Better" "Dancing In The Rain" "Hunter Of Stars"
M.: Raay
T.: Tinkara Kovač, Hannah Mancini, Tina Piš
M.:Topi Latukka
T.: Henri Oskár, Topi Latukka
M. & T.:
Ruth Lorenzo, James Lawrence Irvin, Julian Emery
M. & T.:
Sebastiano Paù-Lessi
    
ALB 10 MALneu ASE 10 2 BLR 10

21.

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22.

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23.

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24.

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Ungarn Malta Dänemark Niederlande
András Kállay-Saunders Firelight Basim The Common Linnets
"Running" "Coming Home" "Cliché Love Song" "Calm After The Storm"
M. & T.: András Kállay-Saunders, Krisztián Szakos M. & T.:
Richard Edwards Micallef
M. & T.: Lasse Lindorff, Kim Novak-Zorde, Daniel Fält, Basim Moujahid M. & T.: Ilse DeLange, JB Meijers, Rob Crosby, Matthew Crosby, Jake Etheridge
 







ARM 10 ASE 10 2

 

 






25.

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26.

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San Marino Ver. Königreich
Valentina Monetta Molly
"Maybe" "Children Of The Universe"
M.: Ralph Siegel
T.: Mauro Balestri
M. & T.: Molly Smitten-Downes, Anders Hansson

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 1

 

ALB 10 ARM 10 ARM 10 SWE14

1.

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2.

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3.

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4.

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Armenien Lettland Lettland Schweden
Aram Mp3 Aarzemnieki Tanja
Sanna Nielsen
"Not Alone" "Cake To Bake" "Amazing" "Undo"
M.: Aram Mp3
T.: Garik Papoyan
M.& T.: Guntis Veilands
M.& T.: Timo Vendt, Tanja M. & T.: Fredrik Kempe, David Kreuger, Hamid „K-One“ Pirouzpanah
 
NOR14 ALB14 ASE 10 2 BLR 10

5.

AD

6.

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7.

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8.

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Island Albanien Russland Aserbaidschan
Pollapönk Hersi Tolmachevy Twins Dilara Kazimova
"No Prejudice" "One Night's Anger" "Shine" "Start A Fire"
M. & T.: Heidar Orn Kristjansson, Haraldur Freyr Gislason, John Grant M.: Gentian Lako
T.: Jorgo Papingji

M.: Dimitris Kontopoulos, Philipp Kirkorow; T: John Ballard, Ralph Charlie, Gerard James Borg M. & T.: Stefan Örn, Johan Kronlund, Alessandra Günthardt
 
ALB 10 ARM 10 MOL1neu SMA14

9.

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10.

AD

11.

AD

12.

AD

Ukraine Belgien Moldau San Marino
Marija Yaremchuk Axel Hirsoux Cristina Scarlat Valentina Monetta
"Tick-Tock" "Mother" "Wild Soul" "Maybe?"
M.: Mariya Yaremchuk
T.: Mariya Yaremchuk, Sandra Bjurman
M. & T.: Ashley Hicklin, Rafael Artesero M.: Ivan Aculov
T.: Lidia Scarlat
M.: Ralph Siegel
T.: Mauro Balestri
 
POR14 BLR 10 MTG14 ALB 10

13.

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14.

AD

15.

AD

16.

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Portugal Niederlande Montenegro Ungarn
Suzy The Common Linnets Sergej Ćetković András Kállay-Saunders
"Quero ser tua" "Calm After The Storm" "Moj svijet" "Running"
M. & T.: Emanuel M. & T.: Ilse DeLange, JB Meijers, Rob Crosby, Matthew Crosby, Jake Etheridge M.: Sergej Ćetković
T.: Emina Sandal
M. & T.: András Kállay-Saunders, Krisztián Szakos

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE 2

 

MAL14n ISR14 NOR14 GEO14jpg

1.

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2.

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3.

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4.

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Malta Israel Norwegen Georgien
Firelight Mei Finegold Carl Espen The Shin & Mariko
"Coming Home" "Same Heart" "Silent Storm" "Three Minutes To Earth"
M. & T.: Richard Edwards Micaleff M. & T.: Rami Talmid M. & T.: Josefin Winther M.: Zaza Miminoshvili
T.: Eugen Elio
 
ALB 10 AUT14neu LIT1n FIN14n

5.

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6.

AD

7.

AD

8.

AD

Polen Österreich Litauen Finnland
Donatan & Cleo Conchita Wurst Vilija Softengine
"My Słowianie" "Rise Like A Phoenix" "Attention" "Something Better"
M.: Witold Czamara 
T.: Joanna Klepko
M. & T.: Alexander „Ali“ Zuckowski, Robin Grubert, Julian Maas,  Charley Mason M.: Viktoras Vaupšas, Vilija Matačiūnaitė
T.: Vilija Matačiūnaitė
M.: Topi Latukka 
T.: Topi Latukka, Henri Oskár
 
IRL14 BLR14 MAC14 SUI14

9.

AD

10.

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11.

AD

12.

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Irland Belarus EJR Mazedonien Schweiz
Can-Linn feat. Kasey Smith Teo Tijana Dapčević SeBalter
"Heartbeat " "Cheesecake" "To The Sky" "Hunter Of Stars"
M. & T.: Hazel Kaneswaran, Jonas Gladnikoff, Rasmus Palmgren, Patrizia Helander M.: Yuri Vaschuk (Teo) 
T.: Dmitry Novik
M.: Darko Dimitrov, Lazar Cvetkoski
T.: Elena Risteska Ivanovska, Darko Dimitrov
M. & T.:
Sebastiano Paù-Lessi
 
GRE14n SLO14 ARM 10

 






13.

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14.

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15.

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Griechenland Slowenien Rumänien
Freaky Fortune feat. Risky Kidd Tinkara Kovač Paula Seling & Ovi
"Rise Up" "Round And Round" "Miracle"
M.: Freaky Fortune
T.: Freaky Fortune feat. Risky Kidd
M.: Raay
T.: Tinkara Kovač, Hannah Mancini, Tina Piš
M. & T.: Ovidiu Cernăuțeanu, Phillip Halloun, Frida Amundsen, Beyond51

 

 


 

DIE WERTUNG - FINALE

 

Wertung Finale© ECG e. V.

 

 

DIE WERTUNG - SEMIFINALE 1 + 2

 

Wertung Semifinale 1© ECG e. V.

Wertung Semifinale 2© ECG e. V.

 

  


 

AUS DER PRESSE

 

 

Conchita Wurst gewinnt den ESC: Merci, Chérie

Stern.de, 11.05. 2014 – Von Jens Meier

Mit Conchita Wurst triumphieren Toleranz und Menschenrechte beim Eurovision Song Contest. Der Erfolg der bärtigen Lady ist nicht nur ein Sieg für Österreich, auch für ESC-Fans und Homosexuelle.

 

Drei Länder fehlen noch bis zum Ende der Abstimmung. Doch die Ukraine vergibt die entscheidenden Zähler: acht Punkte gehen an "Austria". Das reicht zum Sieg. Fans mit rot-weiß-roten Fahnen liegen sich jubelnd in den Armen. Mit lauten "Conchita, Conchita"-Rufen feiern die Österreicher das Ergebnis. Und nicht nur sie. Die ganze Arena von Kopenhagen steht Kopf. Egal ob Dänen, Deutsche, Spanier oder Isländer. Sogar Holländer, denen gerade alle Hoffnung auf den ersten Platz genommen wurde, freuen sich mit. Denn die Siegerin - und das ist das Neue und Einzigartige an diesem Triumph - hat nicht für ein Land gewonnen. Conchita Wurst siegt für eine Botschaft: von Akzeptanz, Toleranz und Menschenrechten.

Was sich da am Samstagabend in den B&W Hallen von Kopenhagen abspielte, kommt einer Sensation gleich. Mit dem viertbesten Ergebnis aller Zeiten und insgesamt 290 Punkten gewann Conchita Wurst mit deutlichem Abstand den Eurovision Song Contest. Vor den von Musikkritikern hoch gelobten Countrysängern The Common Linnets aus Holland (238 Punkte) und der schwedischen Helene Fischer, Sanna Nielsen (218 Punkte), errang sie den ersten Sieg für Österreich seit 48 Jahren. Wurst erhielt 13 Mal die Höchstwertung von zwölf Punkten. Dass eine Frau mit Bart den ESC gewinnt, wird in die Annalen des Wettbewerbs eingehen. Es ist aber vor allem das Wie, das diesen Sieg ausmacht.

 

Die Dragqueen vom Lande

Als schräger Vogel, von Favoriten wie dem Armenier Aram MP3 milde belächelt, startete Wurst in den ESC. "Was die?", hieß es noch Anfang der Woche empört, als einige es wagten zu mutmaßen, Wurst könnte eine Anwärterin auf die vorderen Plätze sein. Doch dann geschah das Unfassbare. Im zweiten Semifinale stieg Wurst wie der von ihr besungene Phönix aus der Asche empor. Wurst war maßlos unterschätzt worden. Als Drag Queen abgetan, die vielleicht in dunklen Kellerbars in Wien ihr Publikum findet, aber doch nicht vor 140 Millionen Fernsehzuschauern auf der größten Bühne der Welt. Von wegen!

 

Viele erkannten jetzt erst: Diese zierliche Person, hinter der eigentlich ein schwuler Mann mit dem bürgerlichen Namen Thomas Neuwirth steckt, kann wirklich singen. Das stellte Wurst am Samstagabend erneut unter Beweis. Divengleich trug sie ihr "Rise Like A Phoenix" vor. Nicht nur stimmlich einwandfrei, sondern auch von der Inszenierung grandios. In goldenes Scheinwerferlicht getaucht stand Wurst da und eroberte mit großen Gesten ihr Publikum. Langes Kleid, wallendes Haar, viva la Diva, die perfekte Interpretation einer österreichischen Sissi. Oder kurz: die Kaiserin.

 

Dabei kam es auf das Lied gar nicht so sehr an. Sicher, es passte perfekt zu dieser Geschichte vom schwulen Landjungen aus dem Salzkammergut, der auszieht in die Stadt, um eine große und gefeierte Diva zu werden. Aber die Qualität des Songs, der unter anderem von Ali Zuckowski, dem Sohn von Kinderliedsänger Rolf Zuckowski, geschrieben wurde, ist mittelmäßig. Die Kopie eines James-Bond-Songs. Da gab es bessere Balladen im Wettbewerb, aus Norwegen beispielsweise oder aus Montenegro. "Rise Like A Phoenix" wird erst in Kombination mit seiner Sängerin großartig.

 

Zwischen nervigen Fragen und Dauerlächeln

Viele ihrer Fans hatten in den vergangenen Tagen auf einen Sieg gehofft. Doch laut auszusprechen wagte es kaum einer. Erst nach dem zweiten Semifinale deutet sich das Unfassbare mehr und mehr an. Wurst stieg in den Wettquoten der Buchmacher auf Platz zwei, konnte sich vor Interviewanfragen aus aller Welt kaum noch retten. Jeder wollte den Favoritenschreck mit Bart und Konfektionsgröße 38 kennenlernen. Das Wunder von Kopenhagen nahm seinen Anfang.

 

Es erinnert ein wenig an die Geschichte einer gewissen Lena Meyer-Landruth vor vier Jahren in Oslo. Ebenso wie die Göre aus Deutschland versteht es Wurst perfekt, ihr Publikum für sich einzunehmen. Sie ist Princess Charming. Immer freundlich, immer lächelnd. Selbst nach dem 20. Interview und der hundertsten dummen Frage, ob sie sich zur Frau operieren lassen wolle, bleibt sie die coole, sympathische Lady ohne Starallüren. Eine Diva zum Anfassen, die mit Haut und Haaren für das lebt, was sie darstellt. "Ich bin froh, dass die Menschen meine Emotionen gespürt haben", sagt sie nach dem Sieg in Kopenhagen auf der Pressekonferenz. Und das haben sie.

Man kann diese Abstimmung auch als Machtdemonstration des alten Westen deuten, der Putin die Zunge rausstrecken mochte. Schließlich kommen zwölf von dreizehn Höchstwertungen für Wurst aus westlichen Nationen. Dazu passen würden auch die Buhrufe vor und nach dem russischen Auftritt, die es in dieser Form beim Eurovision Song Contest noch nie gegeben hat. Doch diese These lässt die vielen, vielen Stimmen, die Conchita auch aus Ländern wie Russland, der Ukraine und ja, selbst aus Aserbaidschan, erhalten hat, außer Acht. Auch dort haben Menschen ihre Stimme der Frau mit Bart gegeben und damit für Toleranz und Menschenrechte gestimmt. Bravo!

 

Kampf der Menschenrechte

Mit Wurst siegt nicht nur eine Lady mit Bart, sondern eine Missionarin für die Rechte von Schwulen und Lesben. "Sie ist unsere Siegerin", sagen viele homosexuelle ESC-Fans voller Stolz. Sie ist die Kämpferin für Menschenrechte, für Liebe, Frieden, Akzeptanz und Toleranz. Das klingt ein bisschen viel auf einmal. Doch die Weltverbesserin mit Bart passt offenbar hervorragend in eine Zeit, in der West- und Osteuropa in einer gegenseitigen Vertrauens- und Wertekrise steckt. Ein bisschen Conchita statt ein bisschen Frieden.

Getrübt wird der Abend von Kopenhagen aus deutscher Sicht nur durch das schlechte Abschneiden von Elaiza. Die drei Musikerinnen hätten einen besseren als den 18. Rang verdient. So gut wie am Samstag waren sie bei keiner Probe. Schade, dass Europa ihre Qualität nicht erkannt hat. Sängerin Ela Steinmetz bedankte sich danach für die Unterstützung der vielen deutschen Fans und sah's pragmatisch: "Wir haben versucht, nicht letzter zu werden. Das hat geklappt." Auch sie gratulierte der Siegerin Conchita Wurst: "Das war wirklich verdient." Wurst habe nicht nur eine tolle Stimme, sondern sei auch für Toleranz eingestanden. "Ich freue mich, dass Europa so weit ist", sagte Steinmetz.

Es ist 0.32 Uhr, als Conchita Wurst auf der Bühne in Kopenhagen steht und ihre Trophäe in Empfang nimmt. "Im Rampenlicht zu stehen, das ist das, was ich mir immer für mich und mein Leben gewünscht habe", hatte sie zu stern.de gesagt. Jetzt steht sie auf der größten Musikbühne der Welt und genießt, während Tausende in der Halle ihr zujubeln. Conchita, die stolze Siegerin. Eine Botschaft an alle Hasser da draußen lässt sie sich nicht nehmen. "Wir sind nicht mehr aufzuhalten", sagte sie ins Mikrofon. Die homosexuelle Fangemeinde dankt es ihr mit tosendem Applaus. Danke, Conchita. Oder um es mit Udo Jürgens zu sagen: Merci, Chérie.

 

Dragqueen siegt beim Eurovision Song Contest: Conchitas Liebesgrüße nach Moskau

Spiegel online, 11.05.2014 - Von Arno Frank

 

Triumph der bärtigen Conchita Wurst aus Österreich: Sie machte den Eurovision Song Contest zu einem Referendum darüber, was in Europa gesellschaftlich akzeptiert wird und was nicht. Sie siegte - Russland wurde ausgebuht.

Weit nach Mitternacht stand die Siegerin des "Eurovision Song Contest" offiziell fest. Es war nicht nur das viertbeste Ergebnis in der Geschichte des Wettbewerbs, es war auch ein im besten Sinne europäisches Ergebnis, der erste Sieg für Österreich seit 1966: Conchita Wurst konnte mit "Rise like a Phoenix" alle anderen Künstler auf die Plätze verweisen. Es war der Schicksalsabend einer Kaiserin.

 

War es auch ein unterhaltsamer Abend?

Kommt darauf an, ob man sich auf die Songs oder darauf konzentrierte, wofür diejenigen standen, die sie zum Vortrag brachten. Wer auf die Frage nach seiner Lieblingsmusik mit dem Namen seines favorisierten Radiosenders antwortet, für den dürfte es ein vergnüglicher Abend mit hohem Wiedererkennungswert gewesen sein. Es gab eine italienische Version von Pink, eine finnische Version von Coldplay, eine niederländische Version von The Police, eine maltesische Version von Mumford & Sons und eine dänische Version von ELO. Griechenland wagte einen zaghaften Ausfallschritt in den Hip-Hop, Island warf sich dem Kindergartenpunk in die Arme.

Ansonsten herrschte das übliche Nebeneinander von Augenzwinkern und Pathos, demonstrativer Lebensfreude und großen Gefühlen. Es wurden Anzüge und Kleider und Frisuren getragen. Wenn die Windmaschine lief, gab's auch mal Haut zu sehen. Tänzer tanzten, hüpften Trampolin oder fuhren auf Rollschuhen über die spiegelnde Bühne. Ganz bei sich war auch dieser ESC wieder in den obligatorischen Schnelldurchläufen, bei denen alle Nummern des Abends im Sekundentakt vorbeirauschten und so zu einem süßlichen, bunten und ungenießbaren akustischen Amalgam verschmolzen wurden.

 

Musik? Es geht um Politik beim ESC

Nun wird allenthalben so hartnäckig behauptet, bei dieser Veranstaltung ginge es um Musik, dass höchstwahrscheinlich das Gegenteil richtig ist. Es geht um Politik, immer, und diesmal noch wesentlich mehr als sonst.

Für die Schweiz trat ein pfeifender Wirtschaftsanwalt an, im Halbfinale warf sich ein junger Mann aus Bochum für Lettland ins Zeug. Für Deutschland ging eine Saarländerin mit polnischer Mutter und ukrainischem Vater ins Rennen - Elaiza belegten nur den 18. Platz. Das winzige San Marino hatte seine drei Minuten ebenso wie die letzte Diktatur auf europäischem Boden, Weißrussland.

Diese Vielfalt nationaler Identifikationsmöglichkeiten, verbunden mit dem Zwang, nur für die anderen und damit das Gute im anderen wählen zu dürfen, immunisieren den ESC eben gegen geschmäcklerische Einwände - und machen ihn zugleich zu einem gesellschaftlichen Großereignis, bei dem es um mehr als nur den Spaß geht und wo ganz andere Dinge verhandelt werden als "gute" oder "schlechte" Musik.

 

Punkte für Russland wurden im Saal mit Buh-Rufen quittiert

Spätestens bei der Stimmverteilung war es denn auch vorbei mit dem Spaß und der beschwipsten familiären Atmosphäre. Da wurde es frostig. Punkte für Russland wurden im Saal mit Buh-Rufen quittiert, was es in solcher Deutlichkeit bisher noch nicht gegeben haben dürfte. Moderator Peter Urban erklärte es zwar sogleich für "unklar", ob die Abneigung der Musik der beiden 17-jährigen Teilnehmerinnen oder doch ihrem Präsidenten galt. Das traurige Schauspiel wiederholte sich allerdings, als Russland seine 12 Punkte an Weißrussland vergab - dabei gab's auch 7 Punkte für die Ukraine.

Schließlich war es allein die Teilnahme von Tom Neuwirth alias Conchita Wurst aus Österreich, die diesen ESC zu einem paneuropäischen Referendum darüber machte, was auf diesem Kontinent gesellschaftlich akzeptiert wird - und was nicht.

 

"We are unstoppable"

Als Diva mit Vollbart, die übrigens mit "Rise like a Phoenix" einen tadellosen Bond-Song hinlegte, spaltete Neuwirth die Spaß- und Wirtschaftsgemeinschaft wieder entlang ihrer unsichtbaren Wertegrenze zwischen Ost und West.

In Minsk und Moskau war gegen seinen Auftritt scharf protestiert worden. Punkte für den Travestiekünstler mussten daher zwangsläufig zum freiheitlichen Glaubensbekenntnis zu genau dem "Gayropa" werden, als das der Kreml Europa gerne abfällig bezeichnet.

Am Ende kam es doch noch zu einem wirklich packenden Kopf-an-Wurst-Rennen zwischen Österreich und den Niederlanden. Die konnten sich mit dem Duo The Common Linnets und einem soliden Neo-Country-Beitrag auf der Bass-Basis von "Every Breath You Take" zwar musikalisch deutlich vom Rest des Feldes absetzen. An diesem Abend aber war die Wahl eine ideologische, und sie hätte deutlicher nicht ausfallen können.

Conchita Wurst war sich der symbolischen Qualität ihres Sieges durchaus bewusst. Sie wusste genau, wofür sie stand, als sie sichtlich erschüttert und unter Tränen auf der Bühne die Faust reckte: "We are unstoppable!" Wenn das so ist, sollte einer Rolle als Bond-Girl nichts mehr im Wege stehen.

 
 

Conchita Wurst beim ESC 2014 Triumph von Herz, Humor und Toleranz

Süddeutsche.de, 11.05.2014 – Von Hans Hoff

 

Auf einmal bietet der Eurovision Song Contest so etwas wie eine große Vision: Conchita Wurst geht als strahlende Siegerin aus dem Wettbewerb hervor und Europa beweist, dass es toleranter ist, als erwartet.

"Europa ist toleranter als manche vielleicht denken." Am Schluss, weit nach Mitternacht, sagt der altgediente ARD-Kommentator Peter Urban die schönsten Worte, und sie klingen so ergriffen, wie man es von einem ESC-Profi so wohl nicht erwartet hätte.

Conchita Wurst hat in Kopenhagen den Eurovision Song Contest gewonnen, hat zwölf Punkte aus Gegenden bekommen, von denen man bisher annahm, dass man dort das Wort Toleranz nicht einmal buchstabieren könnte. Und Humorverständnis hat man dort auch nicht vermutet. Aber in diesem Fall sind enttäuschte Erwartungen die schönsten. Europa hat abgestimmt und einen Menschen mit Bart, der Frauenkleider und einen weiblichen Phantasienamen trägt, zum Sieger des größten Trällerwettbewerbes der Welt erkoren.

In solch einem Fall wirken selbst Twittermeldungen wie warmer Regen. "This is Europe", schreibt dort eine kluge Frau, und ein ebensolcher Herr bekennt: "Bin irgendwie stolz auf Europa." Es ist kein einfacher Sieg, den Conchita Wurst da feiern darf, es ist ein Triumph von Herz, Humor und Toleranz, eine Bedeutungsexplosion, die aus der sonst gerne so seelenlosen Abfolge von durchprogrammierten Retortenhits eine bedeutsame Sache macht. Der ESC hat Europa nicht vereinigt, aber er hat gezeigt, dass Europa sich auf etwas einigen kann, wenn es um etwas geht.

 

Das sein, was man will

Sicherlich hat nicht jedem das Lied "Rise Like A Phoenix" gefallen. Es ist nach wie vor eine bombastische Kitschexplosion, die in jedem James-Bond-Vorspann besser aufgehoben wäre als bei einem Schlagerfest. Aber sie wurde halt eben von Conchita Wurst präsentiert, von einer Frau, die zeigen wollte, dass man das, was man sein will, sein kann. Wenn man das Wollen nur mit großer Ernsthaftigkeit und Mut betreibt.

"Wir sind eine Einheit", hat Wurst nach der Show gesagt und dann davon geredet, dass diese Einheit "unstoppable" sei. Unaufhaltsam. Nicht auszudenken, wenn nun aus diesem ESC auch noch so etwas wie eine kontinentale Bewegung für mehr Offenheit hervorginge. Es ist kaum anzunehmen, aber dass so etwas in Zeiten der Ukraine-Krise überhaupt denkbar ist, darf man als Wursts Verdienst betrachten.

Was dieser ESC-Sieg für Europa bedeutet, wird sich zeigen, wenn alle Wortwitze über den Namen gemacht sind, wenn jede Frau sich einmal einen Bart angeklebt hat, wenn sogar bärtige Männer sich einen Bart angeklebt haben.

Barbara Schöneberger stand nach der Siegerehrung mit einem künstlichen Bart auf der Reeperbahn, und sie sah ein bisschen so aus wie jene Frauen, die in "Das Leben des Brian" als Männer verkleidet zur Steinigung gekommen sind. Was normalerweise als Albernheit einer überdrehten Wuchtbrumme durchgegangen wäre, war in diesem Moment ein Ehrenbeweis, eine Reverenz an eine Kunstfigur, die wirklich zu wirken weiß.

Da trat rasch in den Hintergrund, dass Conchita Wurst gar nicht für Deutschland als Siegerin in die Geschichte eingehen wird, sondern als Nachfolgerin von Udo Jürgens, der 1966 den Wettbewerb für Österreich gewann.

 

Die braven Mädchen von Elaiza

Deutschlands Beitrag ist dagegen ein bisschen untergegangen. Für die braven drei Mädchen von Elaiza hat sich niemand wirklich interessiert. Sie sind im Schatten des großen Ereignisses gerade mal auf Rang 18 gekommen. Bei 26 Teilnehmern keine herausragende Position. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wo sie denn gelandet wären, wenn das mit Wurst nicht geschehen wäre. Es spielt schlicht keine Rolle. Nach dem Debakel im Vorjahr, als Cascada mit einer peinlichen Popnummer noch weiter hinten landete, reichte es schon, ein schönes Neofolkliedchen mit Würde zu präsentieren und alles zu geben. Elaiza haben alles gegeben und das war leider nicht genug. Pech gehabt. Kann passieren.

Dass man mit folkigen Klängen durchaus weit kommen kann, bewies der holländische Beitrag von The Common Linnets. "Calm After The Storm" hieß der Countrysong der beiden Holländer, die sich als Duo mit Gitarren auf der riesigen Bühne einfach gegenüber standen und nur einen Bruchteil der in Kopenhagen verfügbaren Monstertechnik nutzten. Sie sangen einfach ein sehr schönes einfaches Lied, und sie wurden Zweite, wobei es lange tatsächlich so aussah, als könnten sie Wurst die Spitzenposition noch streitig machen.

 

Herbeigeredetes Duell zwischen Ukraine und Russland

Auf dem dritten Platz landete Schweden, was in Ordnung ging und alle Lügen strafte, die vorab wieder einmal ein finsteres Ostkomplott prophezeit hatten. Natürlich schoben sich hier und da Nachbarländer ein paar Punkte zu, aber das mag am Ende einfach daran gelegen haben, dass in Nachbarländern, die möglicherweise noch die gleiche Sprache sprechen, nun mal oft die gleiche Musik populär ist. Auch das von vielen herbei geredete Duell zwischen der Ukraine und Russland fand nicht statt. Natürlich gab es aus den baltischen Staaten extrem wenige Punkte für den russischen Beitrag, aber das mag vielleicht einfach nur an der Musik gelegen haben.

Nicht zu überhören waren indes die Buhrufe in der Halle, die oftmals Punkte, die an Russland gingen, begleiteten. Der Unmut aber trat sehr schnell in den Hintergrund angesichts der Spannung, die sich abzeichnete, als deutlich wurde, dass Conchita Wurst tatsächlich gewinnen könnte. Auf einmal lag da etwas in der Luft, das nach großer Vision roch. Der Eurovision Song Contest hat sich mit dieser Ausgabe wieder seinen Platz zurückerobert als Veranstaltung, die Länder nicht durch Konkurrenz trennt, sondern durch die Kraft der Musik und der in ihr liegenden Idee eint.


Die deutsche Vorentscheidung 2012


Nationale VE  -  "Unser Star für Baku"  
Datum 16. Februar 2012
Ort Köln-Mülheim
Halle ProSieben - TV-Studios
Moderation Sandra RIeß & Steven Gätjen
TV-Sender Norddeutscher Rundfunk/ Pro Sieben 

 

 VERTRETER FÜR DEUTSCHLAND

 

ROMAN LOB

"STANDING STILL"

 
  leon© NDR/ProSieben

Der deutsche Vertreter in Baku und sein Titel wurden nach dem Muster des Erfolgsformates USFO 2010 durch die Casting-Show "Unser Star für Baku" ermittelt. Präsident der Jury und Produzent des Siegersongs sowie künstlerischer Betreuer des Siegers war Thomas D von den Fantastischen Vier. Entgegen seiner Ankündigung, sich von der deutschen VE zurückzuziehen, war nun doch Stefan Raab festes Mitglied der Jury, zusammen mit Alina Süggeler, Sängerin von "Fridagold" und Mitglied der deutschen ESC - Jury 2011. Moderiert wurden die Sendungen von Sandra Rieß, Moderatorin der BR - Fernsehsendung "on3-Südwild", und Steven Gätjen, Moderator bei Pro Sieben und  Co-Kommentator des ersten Semifinales 2011.    

Neu war, dass die TV-Zuschauer bis zum Halbfinale in einem permanenten Echtzeit-Voting abstimmten, so dass der aktuelle Stand der Wertung in Form der sog. "Blitztabelle" jederzeit ersichtlich war! Ab der vierten Vorrunde gab es eine Countdown-Wertung, d.h. nacheinander wurden die ersten Plätze zu einem bestimmten Zeitpunkt "eingefroren" und der  Kandidat auf dem ersten Platz  war automatisch für die nächste Runde qualifiziert. Lt. Thomas D sei das eine "Revolution für Castingshows, transparentes Voting, keine  künstlich erzeugten Spannungsmomente, keine einstudierten Sätze, alles live. Da bin ich stolz, Präsident zu sein." 

 

Im Finale standen insgesamt vier Titel zur Wahl:  Zwei Titel wurden sowohl von Roman Lob als auch von Ornella de Santis gesungen, und einen individuellen Titel stellte jeder der beiden Finalisten allein vor. Insgesamt sang jeder der beiden also drei Titel. 

Durch Televoting wurde in der ersten Wertungsrunde für jeden der beiden eines ihrer Lieder ausgewählt. Den jeweils für sie ausgewählten Titel sangen dann beide in der Endrunde noch einmal, und dann fiel die endgültige Entscheidung über den deutschen Vertreter in Baku, wieder mit der "Blitztabelle".

Sieger wurde Roman Lob mit dem Titel "Standing still", geschrieben von Jamie Cullum, Steve Robson und Wayne Hector. Jamie Cullum ist ein englischer Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist, der eigentlich eher Jazzmusiker ist,  aber als "Crossover"- Künstler gilt. Zu seinen musikalischen Erfolgen zählt u.a. eine "Golden Globe" - Nominierung  2008 für die Filmmusik zu "Gran Torino" mit Clint Eastwood.

Roman Lob belegte beim ESC einen sehr guten achten Platz.

 

 

Finale 
Startnr. Interpret*in Titel Komponisten/Autoren Prozent Platz
1. Roman Lob Conflicted Martin Mulholland
6,5 3.
2. Ornella de Santis Quietly Alex Geringas, Liz Vida, Guy Roche 70,0 1.
3. Roman Lob Alone Gary Go, Emanuel Kiriakou 16,7 2.
4. Ornella de Santis Alone Gary Go, Emanuel Kiriakou 17,6 2.
5. Roman Lob Standing Still Wayne Hector, Steve Robson, Jamie Cullum 76.8 1.
6. Ornella de Santis Standing Still Wayne Hector, Steve Robson, Jamie Cullum   2.
Superfinale
1. Ornella de Santis Quietly Alex Geringas, Liz Vida, Guy Roche  49,3 2.
2. Roman Lob Standing Still Wayne Hector, Steve Robson, Jamie Cullum 50,7 1.

 

 

 

Roman Lob

Der Sänger aus Neustadt (Wied) machte zunächst eine Ausbildung zum Industriemechaniker und arbeitete als solcher in Troisdorf. Sein Markenzeichen ist eine Brusttätowierung in Form eines Mikrofons. Er spielte in verschiedenen Bands und bewarb sich 2007 bei der vierten Staffel von DSDS, muste aber wegen einer Kehlkopfentzündung abbrechen.
Nach dem Erfolg beim ESC 2012 bekam er 2013 den "Radio-ECHO". Von 2016 bis 2018 spielte er in der Revue "The One" im Berliner Friedrichstadtpalast eine der Hauptrollen. Im Juni 2016 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin. Er ist Leadsänger der Kölschrock-Band "StadtRand".

COver© Universal
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           Vorrunde 1 - 12. Januar 2012                                         Prozent      Platz
1. Katja Petri Marry You 14,7 5.
2. Jan Verweij Closer To The Edge 1,0 10.
3. Leonie Burgmer Stronger Than Me 14,7 4.
4. Yasmin Gueroui Not Fair  2,4 8.
5. Kai Notting More 14,5 6.
6. Shelly Philips Valerie 15,5 1.
7. Salih Özkan Senorita 1,7 9.
8. Céline Huber Beautiful Disaster 14,7 3.
9. Jil Rock Moves Like Jagger 5,9 7.
10. Roman Lob After Tonight 14,9 2.
Vorrunde 2 - 19. Januar 2012
1. Andrew Fischer Tears In Heaven 9,4 7.
2. Polly Zeiler Grenade 3,4 10.
3. Sebastian Dey This Is Love 12,7 3.
4. Jörg Müller-Lornsen Maybe Tomorrow 4,0 9.
5. Ornella de Santis Slow Motion 12,3 5.
6. Rachel Scharnberg My Baby Left Me 13,3 1.
7. Tina Sander Geronimo 7,1 8.
8. Umut Anil Straight Up 12,5 4.
9. Yana Gercke Price Tag 13,0 2.
10. Vera Reissmüller Fooled Me Again 12,3 6.
Vorrunde 3 - 26. Januar 2012
1.
Rachel Scharnberg Like A Star 9,4 10.
2. Leonie Burgmer I Love Your Smile 9,6 9.
3. Sebastian Dey Amnesie 9,9 5.
4. Katja Petri Lego House 9,6 8.
5. Umut Anil Weitergehen 9,8 7.
6. Céline Huber How Come You Don't Call me 10,3 2.
7. Ornella de Santis I Want You Back 10,1 3.
8. Shelly Philips Fuck You 9,8 6.
9. Yana Gercke Roxanne 10,1 4.
10. Roman Lob Easy 11,4 1.
Vorrunde 4 - 2. Februar 2012  (mit Countdown-Voting)
1. Sebastian Dey Hey, Hey, Hey   8.
2. Katja Petri The '59 Sound   6.
3. Céline Huber Right To Be Wrong   5.
4.  Umut Anil Someone Like You   7.
5. Shelly Philips Waterfalls   4.
6. Ornella de Santis Try   7.
7. Yana Gercke Titanium   2.
8. Roman Lob Drops Of Jupiter   1.
Vorrunde 5 - 6. Februar 2012 
1.
Katja Petri Certain Someone   4.
2. Ornella de Santis You Are The Sunshine Of My Life   5.
3. Céline Huber Russian Roulette   6.
4. Shelly Philips I Try   2.
5. Yana Gercke We Found Love   3.
6. Roman Lob Drive   1.
Viertelfinale - 9. Februar 2012
1. Katja Petri All I Wanted
Stay
  5.
2.
Ornella de Santis I'll Be There
Love The Way You Lie
  3.
3. Shelly Philips Can't Take My Eyes Off Of You
Have It All
  4.
4. Yana Gercke Who Knew
Talking To The Moon
  2.
5. Roman Lob You Give Me Somethng
Day By Day
  1.
Halbfinale - 13. Februar 2012
1. Shelly Philips Astronautenlied
  4.
2. Ornella de Santis Eu vou ser mais eu   3.
3. Yana Gercke Rolling In The Deep   2.
4. Roman Lob Bad Day   1.
2. Runde
1. Ornella de Santis If I Aint't Got You   2.
2. Yana Gercke Skyscraper
  3.
3. Roman Lob Use Somebody   1.

Die deutsche Vorentscheidung 2011


Nationale VE  -  "Unser Song für Deutschland"  
Datum 18. Februar 2011
Ort Köln-Mülheim
Halle ProSieben - TV-Studios
Moderation Sabine Heinrich & Matthias Opdenhövel
TV-Sender Norddeutscher Rundfunk/ Pro Sieben 

 

 VERTRETERIN FÜR DEUTSCHLAND

 

LENA

"TAKEN BY A STRANGER"

 
  usfdfinale151 v ardgalerie© ARD

Unmittelbar nach dem Sieg von Lena in Oslo verkündeten Stefan Raab und Lena, sie solle 2011 ihren Titel in Deutschland verteidigen. Es gab daher 2011 keine zweite Staffel der Casting-Show "Unser Star für..." , sondern eine dreiteilige nationale Vorentscheidung.  Am Montag, dem 31. Januar 2011 und am Montag, dem 7. Februar 2011 stellte Lena in zwei Semifinalen auf PRO 7 jeweils sechs Titel vor.  Eine Jury aus bekannten Vertretern der Musik- und Entertainmentbranche kommentierte wieder unter Vorsitz von Stephan Raab die einzelnen Titel. Im 1. Semifinale waren dies Stephanie Kloß (Silbermond) und Der Graf (Unheilig), im 2. Semifinale Anke Engelke und Joy Denalane und im Finale werden es Barbara Schöneberger und Adel Tawil (Ich + Ich).

Die Entscheidung fiel allerdings ausschließlich durch Televoting und SMS-Voting. Aus jedem Semifinale kamen die besten drei Titel ins Finale.

ARD-Programmdirektor Volker Herres: "Schon in diesem Jahr haben die Zuschauer alles richtig gemacht, als sie mit Lenas Song für Oslo das Siegerlied gekürt haben. Wenn unser Publikum im nächsten Jahr wieder so geschmacksicher entscheidet, kann die Titelverteidigung im eigenen Land gelingen."

 

Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung und Teamchef für den Eurovision Song Contest: "Lenas erfolgreiche Titelverteidigung in Düsseldorf ist Teil zwei der nationalen Aufgabe - dazu tritt eine bewährte und bereits siegreiche Mannschaft an. Mit der Unterstützung bekannter Komponisten und renommierter Jurymitglieder werden die Zuschauer den richtigen Song für Deutschland auswählen. Das war bei 'Unser Star für Oslo mit 'Satellite so - das wird auch bei 'Unser Song für Deutschland so sein."

 

Andreas Bartl, ProSiebenSat.1-TV-Vorstand: "Never Change a Winning Team! Gemeinsam haben wir uns vor gut einem Jahr dieser großen Aufgabe angenommen und nun wollen wir wieder gemeinsam ein neues Kapitel dieser fantastischen Erfolgsgeschichte schreiben. Ich bin mir sicher: Stefan Raab und Lena werden es den Herausforderern schwer machen."

 

Lena sagte über die Songauswahl: "Es wird sehr bunt und abwechslungsreich. Die Songs sind sehr unterschiedlich und deshalb werden wir sie auch sehr unterschiedlich präsentieren. Es gibt Balladen, akustische Jazz-Sachen, 60er-Jahre-Soul, Elektro-Zeugs." Außerdem betonte sie, nicht ihre Person solle im Mittelpunkt der Show stehen sondern die Musik.

 

Mit "Unser Song für Deutschland" setzten Stefan Raab, Das Erste, ProSieben und die Pop- und jungen Wellen der ARD ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Eine Kooperation, die beim Publikum ankam: Das Finale des Eurovision Song Contests 2010 hatte im Ersten im Schnitt 14,69 Millionen Zuschauer. Seit 30 Jahren begeisterte der Wettbewerb in Deutschland nicht mehr so viele Menschen.

 

 

Finale  18. Februar 2011 / Jury: Barbara Schöneberger & Adel Tawil 
Startnr. Interpretin Titel Komponisten/Autoren Superfinale Platz
1. Lena Maybe Daniel Schaub / Pär Lammers    
2. Lena What Happened To Me Lena Meyer-Landrut / Stefan Raab    
3. Lena Push Forward Daniel Schaub / Pär Lammers 21% 2.
4. Lena  Mama Told Me Lena Meyer-Landrut / Stefan Raab    
5. Lena A Million And One Errol Rennalls / Stavros Ioannu    
6. Lena  Taken By A Stranger Gus Seyffert / Nicole Mories / Monica Birkenes 79% 1.

 


 

Semifinale  1 -  31. Januar 2011 / Jury: Stephanie Kloß (Silbermond)  & Der Graf (Unheilig)
Startnr. Interpretin Titel Komponisten/Autoren Finale?
1. Lena Good News Audra Mae / Ferras Alqaisi  
2. Lena Maybe Daniel Schaub / Pär Lammers F
3. Lena I Like you Rosi Golan / Johnny McDaid  
4. Lena That Again Stefan Raab  
5. Lena Taken By A Stranger Gus Seyffert / Nicole Mories / Monica Birkenes F
6. Lena What Happened To Me Lena Meyer-Landrut / Stefan Raab F
Semifinale  2  - 7. Februar 2011 / Jury: Anke Engelke und Joy Denalane
Startnr. Interpretin Titel Komponisten/Autoren Finale?
1. Lena A Million And One Errol Rennalls / Stavros Ioannu  F 
2. Lena Teenage Girls Viktoria Hansen / Lili Tarkow-Reinisch / Yacine Azzegaggh  
3. Lena Push Forward Daniel Schaub / Pär Lammers  
4. Lena At All Aloe Blacc  
5. Lena A Good Day Audra Mae / Scott Simons / Todd Edgar Wrige F
6. Lena Mama Told Me Lena Meyer-Landrut / Stefan Raab F

 

 


  

 

Lena

Der Sieg beim ESC 2010 war für Lena der Start zur großen Karriere, nicht nur als Sängerin, sondern auch als Werbe-Ikone, Influencerin und TV-Star, u.a. als Coach bei "The Voice Kids". Bis 2019 erschienen insgesamt fünf Studioalben. Sie machte mehrere erfolgreiche Tourneen und betätigte sich auch als Synchronsprecherin für Animationsfilme. 

 

COver© Universal Music Domestic Pop
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Der Eurovision Song Contest 2009


 

Logo09

 

54. Eurovision Song Contest - 16. Mai 2009
      Moskau

Halle Olimpiysky Arena
Moderation Alsou & Ivan Urgant
Pausen-Act Fuerza Bruta
Wertung Jury-/Televoting 50/50% -  Die ersten zehn Titel bekommen jeweils die Punkte 12-10-8-7...3-2-1
Teilnehmer 42 Länder (Finale 25 / Semifinale 1 - 18 , Semifinale 2  - 19)

 

Siegerland: Norwegen


israel

Interpret:

Alexander Rybak

Titel:

"Fairytale"

Musik & Text:

Alexander Rybak

Sieger 09© EBU
 

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale - 16. Mai 2009
Platz         Land  Interpret*inTitelPunkteStartnr.
1. Norwegen Alexander Rybak Fairytale 387 20
2. Serbien Montenegro Island Yohanna
Is It True? 218 7
3. Aserbaidschan AySel & Arash Always 207 11
4.
Türkei Hadise Düm Tek Tek
177 18
5. Ver. Königreich Jade Ewen It's My Time 173 23
6.
Estland Urban Symphony Rändajad 129 15
7. Griechenland Sakis Rouvas This Is Our Night 120 8
8. Frankreich Patricia Kaas Et s'il fallait le faire 107 3
 9. Bosnien & Herzegowina Regina Bistra voda 106 12
10.
Armenien Inga & Anush Jan Jan 92 9
11. Russland Anastasiya Prikhodko Mamo 91 10
12.
Ukraine Svetlana Loboda Be My Valentine (Anti-crisis Girl) 76 21
13. BOS Dänemark Brinck Believe Again 74 16
14.
Moldau Nelly Ciobanu Hora din Moldova 69 13
 15. BOS Portugal Flor-de-Lis Todas as ruas do amor 57 6
16. BOS Israel Noa & Mira Awad There Must Be Another Way 53 2
17. Albanien Kejsi Tola Carry Me In Your Dreams 48 19
18. MA Kroatien Igor Cukrov feat. Andrea Lijepa Tena 45 5
19. BOS Rumänien Elena The Balkan Girls 40 22
20. MA Deutschland Alex Sings Oscar Sings! Miss Kiss Kiss Bang 35 17
21. MA Schweden Malena Ernman La voix 33 4
22. MA Malta Chiara What If We 31 14
23. MA Litauen Sasha Son Love 23 1
24. BOS Spanien Soraya La noche es para mi 23 25
25. MA Finnland Waldo's People Lose Control 22 24

  


 

Semifinale 1 - 12. Mai 2009
Platz         Land  Interpret*inTitelPunkteStartnr.
1. Island Yohanna Is It True? 174 12
2. Türkei Hadise Düm Tek Tek 172 9
3. Bosnien & Herzegowina Regina Bistra voda 125 18
4. MA Schweden Malena Ernman La voix 105 5
5. Armenien Inga & Anush Jan Jan 99 6
6. MA Malta Chiara What If We 86 17
7. BOS Israel Noa & Mira Awad There Must Be Another Way 75 10
8. BOS Portugal Flor-de-Lis  Todas as ruas do amor   70  16
9. BOS Rumänien Elena The Balkan Girl  67  14
10. EJR Mazedonien Next Time Nesto sto ke ostane 45 13
11. Montenegro Andrea Demirović Just Get Out Of My Life 44 1
12. Finnland Waldo's People Lose Control 42 15
13. Belarus Petr Elfimov Eyes That Never Lie 25 4
14. Schweiz Lovebugs The Highest Heights 15 8
15. Andorra Susanne Georgi La teva decisió (Get A Life) 8 7
16. Bulgarien Krassimir Acramov Illusion 7 11
17. Belgien Copycat Copycat 1  3
18. Tschechische Republik Gipsy.cz Aven romale 0 2
Semifinale 2 - 14. Mai 2009
1. Norwegen Alexander Rybak Fairytale 201 6
2. Aserbaidschan AySel & Arash Always 180  12
3. Estland Urban Symphony Rändajad 115 18
4. Griechenland Sakis Rouvas This Is Our Night 110 13
5. Moldau Nelly Ciobanu Hora din Moldova 106 15
6. Ukraine Svetlana Loboda Be My Valentine (Anti-crisis Girl) 80 17
7. Albanien Kejsi Tola Carry Me In Your Dreams 73 16
8. Dänemark Brinck Believe Again 69 9
9. Litauen Sasha Son Love 
66  14
10. Serbien Marko Kon & Milaan Cipela 60 4
11. Irland Sinéad Mulvey & Black Daisy Et Cetera 52 2
12. Polen Lidia Kopania I Don't Wanna Leave 43 5
13. Kroatien Igor Cukrov feat. Andrea Lijepa Tena 33 1
14. Zypern Christina Metaxa Firefly
32 7
15. Ungarn Zoli Ádok Dance With Me 16  11
16.  
Slowenien Quartissimo feat. Martina Love Symphony  14 10
17. Niederlande De Toppers Shine 11 19
18. Serbien-Montenegro 
Slowakische Republik Kamil Mikulič & Nela Pocisková
Let' tmou 8 8
19. Lettland Intars Busulis Probka 7 3

 

  


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN  

 

Halle 09© ECG e. V.

Eine Bühne von der Größe eines Fußballfeldes, umstellt von gigantischen Leinwänden, die individuell zu jedem Beitrag das entsprechende Film- und Bildmaterial lieferten, sollte der größten Musikshow der Welt die Krone aufsetzen – Hut ab vor den Russen, die ein erstklassiges ESC-Gastgeber-Debüt absolvierten. 

Ein spezielles Motto gab es nicht, das Logo zeigte einen Fantasie-vogel.

Die Bühne in der Olympiahalle von Moskau war so groß, dass sie das bisher einzige Mal an der Längsseite der Halle aufgebaut wurde. EIn Drittel der weltweit verfügbaren LED-Wände wurden hier aufgestellt.  Der damalige Premierminister Wladimir Putin überzeugte sich höchstpersönlich vom Fortschritt der Vorbereitungen, sowohl in der Halle als auch im Pressezentrum. 

Zur Eröffnung des Finales hatte man den "Cirque du Soleil" aufgeboten, und der Pausen-Act  mit "Fuerza Bruta" aus Argentinien war der bisher wohl spektakulärste in der ESC-Geschichte.

43 Länder hatten ihre Teilnahme zugesagt, doch die EBU verlangte statt des eingereichten Songs "We Don't Wanna Put In" (was als eine Anspielung auf Putin aufgefasst wurde und damit politisch und regelwidrig) einen anderen Song. Daraufhin verzichtete Georgien auf die Teilnahme!

 

Moderatoren 05© Channel One

Erstmals seit der Einführung der Semifinale gab es verschiedene Moderatorenpaare für die Halbfinalshows und das Finale: Während  das Model Natalya Vodyanova und TV-Moderator Andrey Malakhov durch die Semifinals führten, moderierte die Zweitplatzierte von 2000, Alsou, das Finale gemeinsam mit Ivan Urgant.

 

Alsou baute nach dem zweiten Platz 2000 ihre Karriere weiter aus, so wurde sie 2001 mit dem "Wold Music Award" als "Best Selling Russian Act" ausgezeichnet und ging 2005 mit der Gruppe "Westlife" auf Tournee. Im gleichen Jahr debütierte sie auch als Schauspielerin. Seit 2013 ist sie eine der drei Moderatoren einer Samstagabend-Show.

 

Ivan Urgant ist ein sehr bekannter russischer TV-Moderator. Seit 1999 präsentierte er diverse Shows. Seit 2003 leitete er eine Castingshow, und von 2008 bis 2012 war er Mitglied im Team der Sendung "Prozhektor periskhilton", der russischen Version von "7 Tage, 7 Köpfe". Seit 2012 hat er eine eigene Late-Night-Show.

 

 

 

Der Eurovision Song Contest ist seit 1956 europäische Fernsehrealität, aber von alljährlicher Routine kann schon lange keine Rede mehr sein. Regeländerungen sind inzwischen fast Jahr für Jahr an der Tagesordnung. In diesem Jahr nun sollte die früher vielgeschmähte Jurywertung wieder mit zum Zuge kommen. 

In den Semifinalen bestimmten nationale Jurys aus fünf Mitgliedern (allesamt Musikprofis) über den 10. Finalplatz (das kostete in diesem Jahr Serbien und EJR Mazedonien die Finalteilnahme). Im Finale setzte sich das Endergebnis zu gleichen Teilen aus den Wertungen der Jurys und des Televoting zusammen.

 

FAZIT

 

Der ESC 2009 sollte die Show der Superlative werden – nicht nur weil sie von den Russen ausgerichtet wurde, die ein Jahr zuvor keine Mühen gescheut hatten, endlich zu gewinnen, sondern weil auch viele bekannte Namen wie Andrew Lloyd Webber, Patricia Kaas oder Chiara engagiert wurden, um ihrem Land den gewünschten ESC-Ruhm zu(-rückzu)bringen. 

 

Bunt war es nicht nur auf der Bühne, sondern auch klanglich, denn so vielfältig wie 2009 war der europäische Musik-Blumentopf lange nicht mehr. Dabei wurde weniger auf Bühnenshow als auf verschiedene Musikstile zurückgegriffen.

 

Der gute alte Rock’n Roll mit Elvis-Schmalz-Locke und Pettycoat sollte es den Belgien leichter machen, leider waren Oldies diesmal nicht gefragt – wieder keine Finalteilnahme für die Belgier …

Alteingesessenes wie Friedenssongs aus Israel oder Oriental-Beat aus der Türkei waren hier weitaus erfolgreicher, qualifizierten sich fürs Finale, und Hadise aus der Türkei schaffte es sogar unter die Top Fünf.

Auch die hohe Opernstimme von Malena Ernman aus Schweden  (Mutter von Umweltaktivistin Greta Thunberg) konnte im Halbfinale überzeugen, wurde aber im Finale auf Platz 21 verwiesen.

 

Ruhig ließ es Sasha Son aus Litauen angehen, fetzig spritzig die Portugiesen. und AySel feat. Arash aus Aserbaidschan schafften es mit flottem Latin Pop sogar auf die unterste Stufe des Siegertreppchens.

 

Deutschland versuchte es nach 2007 wieder mit Swing: mit jungem Blut am Mikrofon, erfolgserfahrenen Händen am Komponisten-Flügel und dem Top-Model der Burlesque auf dem Sofa. Von der im vornehmen Smoking auf der Echo-Verleihung stilvoll uraufgeführten „Miss Kiss Kiss Bang“ hatten „Alex Swings Oscar Sings“ leider nicht mehr viel übrig gelassen. Goldene Glitterhosen und ein tiefes Dekolletée gaben dem Ganzen eher einen verruchten Reeperbahn-Touch. Der 20. Platz war sicherlich eine Enttäuschung, auch wenn von den Künstlern alles gegeben wurde. Weniger kann manchmal doch mehr sein – das gilt wohl auch für den ESC?! 

 

Yohanna aus Island dagegen ließ es ruhiger angehen und fragte zweifelnd „Is it true?“ - und das mit einer wunderschönen glasklaren Stimme zu einem märchenhaften Bühnenbild. Auf der großen Leinwand hinter ihr wurde eine Ozean-Märchenwelt mit Delfinen dargestellt – eine großes Kompliment an die Arrangeure aus Island und Russland, die dieses perfekte Paket aus Stimme, Ausstrahlung, Bühnenbild und Ton gebastelt haben – ein Augenschmaus für ein Millionenpublikum und ein absolut verdienter zweiter Platz für Island! 

 

Nicht nur Yohanna aus Island hatte 2009 Zweifel an der Realität: Es fiel auf, dass viele Titel sich mit Zweifeln, Täuschungen und Unwahrheiten beschäftigen: Israel suchte einen anderen Weg „There Must Be Another Way“, Malta wollte wissen „What If We …“, Bulgarien sang von „Illusion“, Norwegen zog mit und sang von „Fairytales“, Finnland wollte gleich die Kontrolle verlieren „Lose Control“.  

 

Zweifel, Illusion und Unsicherheit waren beim Beitrag des Vereinigten Königreiches allerdings absolut fehl am Platze: „Meine Zeit ist gekommen“ = „It’s My Time“ sang Casting-Star Jade, begleitet vom Star-Komponisten Andrew Lloyd Webber. Ja, die Zeit war reif für einen Platz unter den Top Fünf für das Vereinigte Königreich, endlich waren sie wieder vorne mit dabei mit einer großen Stimme und einer sehr gelungenen Darbietung – Congratulations UK! 

 

„Diese Nacht ist unsere“ = „This Is Our Night“ meinte ESC-Rückkehrer Sakis Rouvas. Nach seiner akrobatischen Tanznummer von 2004 ließ er diesmal lieber die Bühnen-Deko für sich arbeiten, die ihn auf einer großen Glasrampe während seines Songs in die Lüfte hob – die Nacht für Sakis und seine europäische Fan-Gemeinde sollte immerhin auf Platz sieben enden. 

 

Einen textlich exotischen Ausreißer leisteten sich dieses Jahr die Zyprioten mit Christina Metaxas, die „Glühwürmchen“ besang, Es war eine durchaus gelungene Nummer mit passender Darstellung, die aber zu lange brauchte, um melodisch in Schwung zu kommen – leider konnte die sympathische Christina sich keine Finalteilnahme für Zypern angeln.

Ausreißer in puncto Outfit waren 2009 eindeutig und ungeschlagen die Niederländer. De Toppers in silbernen, blendenden Kombinationen machten zwar ihrem Titel „Shine“ alle Ehre und schienen über die Bildschirme noch in jeden Winkel Europas hinaus, der Stil ihres Songs hätte aber eher zu einem 1970er Jahre Schlager-Grand-Prix-Pausenknüller gepasst – Platz 17 von 19 Teilnehmern im Halbfinale sprach somit für sich.

 

Als „Geschmacksverstärker“ in puncto Haute Couture de la Chanson könnte man Inga & Anush Arshakyan aus Armenien bezeichnen, die traditionelle Kostüme und Gesänge aus ihrer Heimat vortrugen und einen erfolgreichen zehnten Platz ergatterten. 

 

Für Ausreißer-Titel waren in den letzten Jahren nicht selten die Franzosen zuständig, doch gerade Frankreich wollte dieses Jahr gar nichts anbrennen lassen: Sie schickten eine der Grandes Dames des Chansons ins Rennen: Patricia Kaas sang mit vielen Vorschusslorbeeren für Frankreich. „Et s’il fallait le faire“ – „Und wenn ich es tun müsste” – Und wenn eine Stecknadel während ihres Auftritts im Publikum den Kampf gegen die Schwerkraft verloren hätte, wäre es zu hören gewesen. Ein gebanntes Publikum in der Halle und sicher auch Millionen an den Bildschirmen lauschten einer Sängerin, die zwar nicht mit jugendlichem Charme aber mit der kämpferischen Ausstrahlung einer erfahrenen gesangsstarken Diva ihren Beitrag vortrug und dafür tosenden Applaus kassierte – und Frankreich die Rückkehr unter die Top Ten des ESC bescherte – Platz acht für die Diva des ESC 2009.

 

Vom üblichen ESC-Getümmel abheben wollte sich sicher auch Svetlana Loboda aus der Ukraine. „Be My Valentine“ hieß ihr Titel, aber von Valentinsromantik war auf der Bühne NICHTS zu sehen – es war eher eine pure Akrobatik- und Klamauk-Show  des selbsternannten "Anti-Crisis–Girls",  „Let’s Get Loud“ hätte hier besser gepasst.

 

Den ESC gewinnen ist für viele junge Künstler ein Märchen, für einen wurde es am 16. Mai 2009 wahr. Der junge Alexander Rybak aus Norwegen kam, sah und überzeugte mit jugendlichem, unbeschwertem Charme, Virtuosität auf der Violine, Elan und einem Lied, das ganz Europa mitriss. Das Märchen von der nicht ganz einfachen Liebe, die tagsüber von Streit und nachts von Leidenschaft erfüllt war, bekam von allen stimmberechtigten Nationen Punkte und 16 von ihnen belohnten ihn mit der Höchstpunktzahl 12 – das ergab die märchenhafte Rekord-Punktzahl 387 Punkten, 169 Punkte vor dem zweitplatzierten Island – sicherlich ein neuer Meilenstein in der ESC-Geschichte: das Märchen von Moskau featuring Alexander, der großen ESC-Violinist.

 

 


 

 

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

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2.

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3.

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4.

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Litauen Israel Frankreich Schweden
Sasha Son Noa & Mira Awad Patricia Kaas Malena Ernman
"Love" "There Must Be
Another Way"
”Et s'il fallait le faire" "La voix"
M. & T.:
Dmitrij Savrov
(Sasha Son)
 M. & T.:
Gil Dor, Noa,
Mira Anwar Awad
M.: Fred Blondin
T.: Anse Lazio
 M.: Fredrik Kempe
T.: Fredrik Kempe, Malena Ernman
    
TUR 83 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Kroatien Portugal Island Griechenland
Igor Cukrov
feat. Andrea
Flor-de-Lis Yohanna Sakis Rouvas
"Lijepa Tena" "Todas as ruas de amor" "Is It True?" "This Is Our Night"
M.:Tonci Huljić
T.: Vjekoslava Huljić
M.: Pedro Marques,
Paulo Pereira
T.: Pedro Marques
M. & T.:
Oskar Páll Sveinsson,
Chris Neil, Tinatin Japaridze
  M.: Dimitris Kontopoulos
T.: Craig Porteils,
Cameron Giles-Webb
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Armenien Russland Aserbaidschan Bosnien & Herzegowina
Inga & Anush Anastasia Prikhodko AySel & Arash Regina
"Jan Jan" "Mamo" "Always"  "Bistra voda"
M.: Mane Hakobyan
T.: Avet Barseghyan,
Vardan Zadoyan
M.: Konstantin Meladze
T.: Konstantin Meladze,
Diana Golde
 M.: Arash Labaf, Robert Uhlmann, Johan Bejerholm, Marcus Englof, Alex Papaconstantinou
T.: Arash, R.Uhlmann, Elin & Anderz Wrethov
 M. & T.:
Aleksandar Cović
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

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14.

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15.

AD

16.

AD

Moldau Malta Estland
Dänemark
Nelli Ciobanu Chiara
Urban Symphony Brinck
"Hora din Moldova" "What If We" "Rändajad"  "Believe Again"
M.: Veaceslav Daniliuc
T.: Nelli Ciobanu
M.: Marc Paelinck
T.: Gregory Bilsen
M. & T.:
Sven Lõhmus
 M. & T.:
Lars Halvor Jensen,
Martin Michael Larsson, Ronan Keating
   
SLO 01 SLO15 SLO15 POR 86

17.

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18.

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19.

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20.

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Deutschland Türkei Albanien Norwegen
Alex Swings Oscar Sings! Hadise Kejsi Tola
Alexander Rybak
"Miss Kiss Kiss Bang" "Düm Tek Tek" "Carry Me In Your Dreams" "Fairytale"
M. & T.: 
Alex Christensen
M.: Sinan Akçil
T.: Sinan Akçil, Hadise Açikgöz, Stefaan Fernande
M.: Edmond Zhulali
T.: Agim Doci
M. & T.: 
Alexander Rybak
   
ROM 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

21.

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22.

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23.

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24.

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Ukraine Rumänien Ver. Königreich Finnland
Svetlana Loboda Elena Jade Waldo's People
"Be My Valentine
(Anti-crisis-Girl)"
"The Balkan Girls"
"It's My Time" "Lose Control"
M.: Svetlana Loboda
T.: Yevgeny Matyushenko
M.: Laurentiu Duta, Ovidiu Bistriceanu, Daris Mangal
T.: L. Duta, Alexandru Pelin
M. & T.:
 A. Lloyd Webber,
Diane Warren
M.: Karima, Ari Erik Veikko Lehtonen
T.: A. Lehtonen, Karima, Waldo, Annie Kratz-Guta
   
ROM 02  

25.

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Spanien
Soraya
"La noche es para mi"
M.: Irini Michas,
Dimitri Stassos, Jason Gill
T.: Felipe Perdroso

 

  

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  1

 

  

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

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2.

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3.

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4.

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Montengro Tschechische Republik Belgien Belarus
Andrea Demirović Gipsy.cz
Copycat Petr Elfimov
"Just Get Out
Of My Life"
"Aven romale" ”Copycat" "Eyes That Never Lie"
M.: Ralph Siegel
T.: Bernd Meinunger, José Juan Santana Rodriguez
M. & T.:
Radoslav „Gipsy“ Banga
M.: Benjamin Schoos
T.: Jacques Duvall
M.: Petr Elfimov
T.: Valery Prokhozhy
    
SWE 2 09 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

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6.

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7.

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8.

AD

Schweden
Armenien
Andorra Schweiz
Malena Ernman
Inga & Anush
Susanna Georgi Lovebugs
"La voix" "Jan Jan" "La teva decisió
(Get A Life)"
"The Highest Heights"
M.: Fredrik Kempe
T.: Fredrik Kempe,
Malena Ernman
 M.: Mane Hakobyan
T.: Avet Barseghyan,
Vardan Zadoyan
 M. & T.: Rune Braager, Marcus Winther-John, Lene Dissing, Susanne Georgi, Pernilla Georgi M. & T.:
Adrian Sieber,
Thomas Rechberger,
Florian Senn 
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

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10.

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11.

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12.

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Türkei Israel Bulgarien Island
Hadise
Noa & Mira Awad
Krassimir Avramov
Yohanna
"Düm Tek Tek" "There Must Be
Another Way"
"Illusion"  "Is It True?"
M.: Sinan Akçil
T.: Sinan Akçil, Hadise Açikgöz, Stefaan Fernande
 M. & T.:
Gil Dor, Noa,
Mira Anwar Awad
M. & T.:
Krassimir Avramov, William Tabanau
M. & T.:
Oskar Páll Sveinsson,
Chris Neil, Tinatin Japaridze
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

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14.

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15.

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16.

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EJR Mazedonien Rumänien Finnland
Portugal
Next Time Elena
Waldo`s People Flor-de-Lis
"Nesto sto ke ostano"  "The Balkan Girls" "Lose Control"  "Todo as ruas de amor"
M.: Damjan Lazarov,
Jovan Jovanov
T.: Elvir Mekić
M.: Laurentiu Duta, Ovidiu Bistriceanu, Daris Mangal
T.: L. Duta, Alexandru Pelin
M.: Karima, Ari Erik Veikko Lehtonen
T.: A. Lehtonen, Karima, Waldo, Annie Kratz-Guta
M.: Pedro Marques,
Paulo Pereira
T.: Pedro Marques
   
  SLO15 SLO15  

17.

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18.

AD

Malta Bosnien & Herzegowina
Chiara Regina
"What If We" "Bistra voda"
M.: Marc Paelinck
T.: Gregory Bilsen
 M. & T.:
Aleksandar Cović

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  2

  

SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

1.

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2.

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3.

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4.

AD

Kroatien Irland
Lettland Serbien
Igor Cukrov
feat. Andrea
Sinead Mulvey &
Black Daisy
Intars Busulis Marko Kon &
Milaan 
"Lijepa Tena" "Et Cetera"
"Probka" "Cipela"
M.:Tonci Huljić
T.: Vjekoslava Huljić
M. & T.: Niall Mooney, Christina Schilling, Daniele Moretti, Jonas Gladnikoff  M.: Karlis Lacis
T.: Janis Elsbergs, Sergej Timofejev
M.: Aleksandar Kobac,
Marko Kon, Milan Nikolić
T.: Aleksandar Kobac,
Marko Kon
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

5.

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6.

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7.

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8.

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Polen Norwegen
Zypern Slowakische Republik
Lidia Kopania Alexander Rybak Christina Metaxas
Kamil Mikulič &
Nela Pocisková
"I Don't Wanna Leave" "Fairytale"
"Firefly" "Let' tmou"
M. & T.: Alex Geringas,
Bernd Klimpel,
Rike Boomgaarden,
Dee Adam
 M. & T.: 
Alexander Rybak
  M. & T.: 
 Nikolas Metaxas
 M.: Rastislav Dubovsky
T.: Anna Zigová,
Petronela Kolevská
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

9.

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10.

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11.

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12.

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Dänemark Slowenien
Ungarn Aserbaidschan
Brinck Quartissimo feat.
Martina
Zoli Ádok AySel & Arash
"Believe Again" "Love Symphony"
"Dance With Me" "Always"
M. & T.:
Lars Halvor Jensen,
Martin Michael Larsson, Ronan Keating
M. & T.: Andrej Babić

T.: Andrej Babić

 M.: Szabó Zé
T.: Kasai
 M.: Arash Labaf, Robert Uhlmann, Johan Bejerholm, Marcus Englof, Alex Papaconstantinou
T.: Arash, R.Uhlmann, Elin & Anderz Wrethov
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

13.

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14.

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15.

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16.

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Griechenland Litauen
Moldau Albanien
Sakis Rouvas Sasha Son Nelli Ciobanu Kejsi Tola
"This Is Our Night" "Love"
"Hora din Moldova" "Carry Me In Your Dreams"
  M.: Dimitris Kontopoulos
T.: Craig Porteils,
Cameron Giles-Webb
M. & T.:
Dmitrij Savrov
(Sasha Son)
M.: Veaceslav Daniliuc
T.: Nelli Ciobanu
M.: Edmond Zhulali
T.: Agim Doci
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01

17.

AD

18.

AD

19.

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Ukraine Estland
Niederlande
Svetlana Loboda Urban Symphony De Toppers
"Be My Valentine
(Anti-crisis Girl)"
"Rändajad"
"Shine"
M.: Svetlana Loboda
T.: Yevgeny Matyushenko
M. & T.:
Sven Lõhmus
 M. & T.: 
Gordon Heuckeroth

 

  


  

DIE WERTUNG - FINALE

 

 Scoreboard Finale© ECG e. V.



 DIE TELEVOTING-FINALWERTUNG

 

Scoreboard des Televoting© ECG e. V,

 

DIE JURY-FINALWERTUNG
 

Scoreboard Finale Jury© ECG e. V,

 

DIE WERTUNG - SEMIFINALE 1 + 2

 

Scoreboard 95© ECG e. V.

Semi 2 Wertung© ECG e. V.


         


 

AUS DER PRESSE

 

Schall und Rauch

von Frank Nienhuysen, Süddeutsche Zeitung, 18.05.2009

Im Fegefeuer der Peinlichkeiten: Beim Eurovision Song Contest war Pyrotechnik wichtiger als gute Musik 

Es ist schon halb vier in der Früh, als Alex Christensen noch immer nach dem richtigen Schlüssel sucht und ihn doch nicht finden kann. Ratlos steht er da in Jeans und schwarzem Blouson und stellt Fragen, die doch eigentlich Antworten sein sollten. „Was muss man noch machen?“, sagt er. „Vielleicht noch mehr CDs verteilen? Den Schlüssel, wie man zwölf Punkte macht, den kenne ich noch nicht. Könnt ihr nicht mal bei den Osteuropäern nachfragen?“

Gerade eben ist die Punktevergabe beendet worden beim ESC in Moskau, und es ist wieder einmal nicht viel, was für Deutschland übrig blieb. Dass diesmal alle 42 angetretenen Länder ihre Ergebnisse verkünden durften, dehnte die Qual nur noch mehr, denn so mussten Christensen und sein Partner Oscar Loya erdulden, wie 30 Staaten das deutsche Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ gleich ganz ignorierten. Punkte gab es nur aus elf Nationen, darunter jeweils sieben aus Großbritannien und Dänemark, 35 insgesamt. Platz 20 von 25 Ländern. Das war besser als der letzte Rang im Vorjahr, aber auch schlechter als ein einstelliges Ergebnis, das sich „Alex swings Oscar sings“ vorgenommen hatten.

Vor ein paar Tagen hatte Christensen für sein Dance-Album „Euphorie“ in Moskau noch Platin gewonnen, er ist ein sehr erfolgreicher Komponist, produzierte für Paul Anka, Right Said Fred, Tom Jones, Yvonne Catterfeld, und mit seiner Techno-Variante der Titelmelodie aus dem Film „Das Boot“ erreichte er in 22 Ländern Platz eins. Aber beim Eurovision Song Contest? Es ist schwer, in dem aufgeblähten Wettbewerb den Geschmack der Zuschauer an der Costa Brava ebenso zu treffen wie am Finnischen Meerbusen und dem Kaspischen Meer. Auch der Auftritt der Burlesque-Tänzerin Dita von Teese brachte nicht viel außer etwas Rummel am Rande. „Vielleicht ist es ein bisschen sehr viel Plastik gewesen“, sagt Guildo Horn aus der deutschen Jury. Und so gesteht Christensen bei einem Glas Wodka ein: Unser Auftritt war super, das Lied hat Qualität, aber Platz 20 ist eine echte Niederlage.“

Das deutsche Duo setzt außerdem vor allem auf den amerikanischen Markt. „In Deutschland haben wir das Lied ja nur mit der Brechstange ins Radio bekommen“, erzählt Christensens Manager Volker Neumüller, der auch Jury-Mitglied der RTL-Castingshow „DSDS“ ist. Irgendwie habe es ein „Gefühl gegen den Beitrag“ gegeben, gegen den amerikanischen Sänger Oscar Loya. Und auch gegen Dita von Teese. Dafür seien Christensen und Loya in Amerika als einzige der Eurovisionsteilnehmer bei Oprah Winfrey gewesen, und bei CNN waren sie auch.

Vielleicht lässt sich ihr neues Album „Heart 4 Sale“ ja in Amerika gut vermarkten, aber in Europa darf erst einmal der Norweger Alexander Rybak abschöpfen. Er scheint den Schlüssel gefunden zu haben. Sein Lied „Fairytale“ ist ein fröhliches Folklore-Feuerwerk, am Bühnenrand sprühten dazu die Funken-Fontänen, flott spielte er die Geige, sang auch noch gut, und so riss er mit seinem schmissigen Song ganz Europa mit. 16 Länder gaben dem jungen Sänger in dem Kellner-Anzug die höchste Punktzahl. „Das war Weltklasse“, sagt Alex Christensen, „er sieht gut aus, spielt gut, singt gut, ein Zauberkünstler.“

Über den Sieger dürften viele Menschen in den westeuropäischen Ländern erleichtert sein. Rybak entkräftet den Vorwurf, vor allem die osteuropäischen Staaten bündelten kartellartig ihre Stimmen und schütteten sie ausschließlich über ihre jeweiligen Nachbarn aus. Norwegen kann nachbarschaftliche Beziehungen allenfalls zu Schweden, Finnland und im Nordzipfel noch zu Russland pflegen.

Russland hat als Gastgeber der Eurovision immerhin gezeigt, zu was es fähig ist. Ein aufwändiges, farbiges Bühnenspektakel hat es geboten, eine Liveschaltung zur Raumstation ISS, und Alexander Barannikow, der Regierungsbeauftragte für den Musikwettbewerb, sagte, „wir haben allen bewiesen, dass Russland ein modernes und mächtiges Land ist“. Europa werde es schwer haben, „uns beim nächsten Mal zu übertreffen“. Einige Homosexuelle konnten sich die Show allerdings wohl nicht mehr live ansehen. Sie wurden vorübergehend festgenommen. Es war Samstagmittag, als sich ein paar Dutzend Schwule trotz eines Verbots an den Sperlingsbergen versammelten, wo sich sonst Brautpaare vor dem Moskauer Panorama fotografieren lassen. Es waren nicht viele, und schnell wurden es noch weniger. Den Organisatoren der Demo, Nikolaj Alexejew, packten gleich vier Sicherheitsbeamte an Händen und Füßen und brachten ihn in einen wartenden Bus. Auch der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell wurde mitgenommen. Als Letzten traf es einen Amerikaner aus Chicago. Die Protestparade war bereits aufgelöst worden, als er noch ein Interview gab. Die Traube der Journalisten um ihn herum war dicht, doch zwei Beamte nahmen ihn entschlossen mit in den Gefangenen-Bus, wo er mit Applaus begrüßt wurde.

Die Organisatoren der Parade hatten an die Künstler der Eurovision appelliert, den Grand Prix in der Moskauer Olympiahalle zu boykottieren, aber dazu waren diese natürlich nicht bereit. Nur die niederländische Gruppe The Toppers hatte erklärt, sie würde im Finale aus Protest nicht auftreten, sollte die Schwulendemonstration von der Polizei aufgelöst werden. Doch es kam gar nicht so weit, The Toppers schieden im Halbfinale aus, und so blieb die Bühne vor allem dem Norweger Rybak, den Sängerinnen aus Island, Aserbaidschan, der Türkei und Patricia Kaas überlassen. Sie nutzten sie, und Gastgeber Russland war rundum zufrieden. Auch wenn die russische Vertreterin nur Platz elf erreichte. 

 
 

Bescheidener Wunderknabe

von Hans-Hermann Kotte, Frankfurter Rundschau, 18.05.2009

Wie der 23-jährige Alexander Rybak den Ost-West-Graben der Schlagerwelt überwand 

 

Es ist wohl sein Bubencharme gewesen, der über alle Zielgruppen und Ländergrenzen hinweg funktionierte. Er knipste sein Lächeln an, das trotzdem nicht wie an angeknipst wirkte. Und dann wirbelte er mit seiner Geige und dieser altmodischen Weste über die Bühne – als Fiddler on the Roof, eine Figur, die seit Jahrzehnten im popkulturellen Gedächtnis herumfiedelt. „Fairytale“ hieß das schmissige Liebeslied – Märchen kennt man ja auch überall.

Alexander Rybak, 23, gebürtiger Weißrusse aus Norwegen, hat den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen – mit neuem Punkte-Rekord. Von mehr als der Hälfte der abstimmenden Länder erhielt Norwegen die maximalen 12 Punkte, am Ende waren es 387. Damit lag das Land weit vor Island und Aserbaidschan.

Alex Sings Oscar Swings, das deutsche Duo, kam mit der Swing-Disco-Nummer „Miss Kiss Kiss Bang“ nur auf Rang 20. Eine weitere Pleite für den deutschen ESC-Veranstalter NDR – im vergangenen Jahr waren die No Angels auf Platz 23 gekommen.

Rybak, der den dritten Sieg für Norwegen holte, ist Profi durch und durch. Er begann schon mit fünf Jahren Geige und Klavier zu spielen. Komponieren kann er auch, er leitetet ein Jugendsinfonieorchester. Eine Art Wunderkind, das aber nicht allzu streberhaft wirkt. Humor bewies er beim Wettkampf auch noch: Nach seinem Triumph sagte er auf Norwegisch: „Ich komme am Montag um 11 Uhr auf dem Osloer Flughafen an, wäre schön, wenn mich dort fünf, sechs Leute begrüßen würden...“

Gegen Rybak sahen viele alt aus, das deutsche Duo besonders. Weder die Personen noch der Song konnten überzeugen. Alex und Oscar waren als programmierter Erfolg gedacht: Man nehme einen Spezialisten für prolligen Pop („Du hast den schönsten Arsch der Welt“), einen schwulen Musical-Sänger und eine Edel-Stripperin. Sex sollte es bringen. Doch Burlesque-Tänzerin Dita von Teese wirkte wie ein Fremdkörper – mit viel Nacktheit konnte sie ohnehin nicht punkten, da die Veranstalter ihr nach der Probe untersagt hatten, Nippel zu zeigen – selbst bedeckte. So oder so ging die Kalkulation nicht auf, da fehlte die gewisse Restwärme. „Ungeil“ sei das Ergebnis, kommentierte Alex nach der Niederlage.

Wie der programmierte Erfolg dagegen funktionieren kann, zeigten die Briten und Franzosen. Für die Insel ging die Musical-Legende Andrew Lloyd-Webber mit einer monumentalen Schmonzette an den Start, gesungen von der jungen Interpretin Jade Ewen. Der Komponist, der wahrlich keine Schönheit ist, setzte sich selbst an den Flügel. Doch auch seine schildkrötenhafte Erscheinung konnte einen respektablen fünften Platz nicht verhindern.

Und die Franzosen schlugen sich mit dem modernen, aber sehr klischeehaften Chanson von Patricia Kaas ausgesprochen gut: immerhin achter Platz. Aber vielleicht hat der Erfolg dieser beiden Vertreter von „Old Europe“ auch mit den veränderten Regeln zu tun? Schwer zu sagen, welche Wirkung die nationalen Jurys hatten, die diesmal neben dem Televoting der Zuschauer wieder mit entscheiden durften. Die Jurys sollten die angebliche Vormachtstellung der Osteuropäer verhindern – die viel gescholtenen Freundschaftspunkte für benachbarte Nationen gab es dennoch. Der Song Contest war eine große Show: Bühne und Lichtanlage waren riesig und schufen für jeden Song eine originelle Atmosphäre, dazu Showeinlagen des Cirque du Soleil, eine Liveschalte zur Raumstation ISS. Es hätte ein Märchen, „Fairytale“, sein können. Hätte.

Denn es war eine Schande, wie die russische Staatsmacht brutal gegen Schwule und Lesben durchgriff, die die internationale Aufmerksamkeit für ihre Gay-Parade nutzen wollte. Nach den Verhaftungen blieben sichtbare Zeichen der Solidarität von Seiten der nach Moskau gereisten schwulen ESC-Fans aus. Auch die Künstler im Saal und die Offiziellen der Eurovision hielten still.

In der Auftakt-Show der ARD wurde der deutsch-russische Autor Wladimir Kaminer zum Polizeiübergriff befragt. Er meinte, dass man Russland noch Zeit geben müsse, damit sich dort eine Toleranz wie im Westen entwickeln könne; auch die Russen würden die Schwulen doch eigentlich lieben. Das waren schwache, letztlich feige Äußerungen und schwerlich als Kaminers übliche Ironie zu verstehen. Er erwies sich als ein etwas anderer Märchenerzähler.

 

 

Europa hat gewählt 

von Christian Pohl, DIE WELT

Deutschland landet beim Eurovision Song Contest auf einem Schlussplatz.

Norwegen gewinnt haushoch. Warum nur?  

 

Inzwischen müssten die Deutschen sich eigentlich daran gewöhnt haben: Beim Eurovision Song Contest gewinnen sie einfach nicht. Nur Platz 20 (von 25) für das Trio von Alex Swings Oscar Sings. Immerhin: Neben dem Totalausfall mit dem letzten Platz der No Angels im vergangenen Jahr nimmt sich das Ergebnis geradezu als Sensationserfolg aus. Den europäischen Nerv scheinen die deutschen Beiträge beim größten Musikevent der Welt einfach nicht mehr zu treffen. Am mangelnden Siegeswillen kann es nicht liegen. Dass Oscar Loya, Alex Christensen und vor allem Dita von Teese sich nicht mit vollem Körpereinsatz ins Zeug gelegt hätten, kann niemand behaupten. Der US-Muscialsänger Loya steppte energiegeladen über die die Bühne und ließ die blendend weißen Zähne mit seiner silbernen Paillettenhose um die Wette blitzen. Und wenn das, was Burlesque-Tänzerin Dita vorführte, die entschärfte Version ihres Auftritts gewesen sein soll, dann will man sich nicht vorstellen, was ursprünglich geplant war: Mit Reitergerte in der Hand ritt die laszive, notdürftig gekleidete Diva auf einem Kussmund-Sofa und riss dem kalifornischen Sonnyboy sein ohnehin schon weit offenes Hemd beinahe vom Körper. Sex sells, das war die Rechnung von Christensen und Co.

Doch diese Kalkulation wollte dummerweise so gar nicht aufgehen. Hinterher hatten das natürlich alle schon geahnt: „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass jemand, der auf der Bühne steht, auch echt rüberkommt. Und vielleicht war die Dita ein bisschen sehr viel Plastik“, mutmaßte Guildo Horn, seines Zeichens ehemaliger Grand-Prix-Teilnehmer und Mitglied der deutschen Jury. Also alles Ditas Schuld? Am Song selbst zumindest sollte es wohl nicht gelegen haben. Denn auch wenn die Swing-Nummer „Miss Kiss Kiss Bang“ nicht gerade Musikgeschichte schreiben wird: Rein musikalisch gesehen waren mehr als fünf weitaus schlechtere Beiträge am Start. Darum deutet doch alles darauf hin, dass die deutsche Bühnenshow ein bisschen zu viel des Guten für gesamteuropäische Augen bot. Oder schlicht und ergreifend nicht den Nerv der Zeit getroffen hat.

Augenfällig wird das, nimmt man mal den Siegerbeitrag genauer unter die Lupe. Für Alexander Rybak hätte es mit „Fairytale“ märchenhafter nicht laufen können. Mit einem Rekordergebnis in der Grand-Prix-Geschichte von 387 Punkten deklassierten die Norweger die Konkurrenz und bekamen aus beinahe allen Teilnehmerländern hohe Wertungen. Das Erfolgskonzept: ein schmissiger, vor allem aber romantischer Titel. Und ein Sänger, der mit seinem verwuschelten Haar, jungenhaftem Grinsen und gerade mal 23 Jahren aussah, als sei er gerade eben der Schulbank entsprungen. Züchtig in weißem Oberhemd und schwarzer Weste, fiedelte Rybak sich mit der Geige in der Hand in die Herzen der Zuschauer. „Er ist der Harry Potter der Popmusik“, würdigte denn auch Alex Christensen den Gewinner. In Zeiten der Krise erscheint den Europäern jugendliche Unbedarftheit offenbar verheißungsvoller als schwüle Erotik. Aussagen für die Zukunft lassen sich daraus aber nicht ableiten. Denn schon beim nächsten Contest kann das alles ganz anders aussehen. Denn nach wie vor gilt: Der Grand Prix gehorcht seinen eigenen Gesetzen. Allerdings scheint die Experimentierfreude vorbei, eine neue Sachlichkeit hat Einzug gehalten. Kein Künstler tanzte aus der Reihe, die Songs waren mainstreamig, die Auftritte unkreativ. Gruppen wie die finnischen Hard-Rocker Lordi, die noch vor drei Jahren den Grand Prix gewannen, passen scheinbar nicht mehr ins Bild. Ein Verlust, war die Show doch in den letzten Jahren ein Garant für Schräges und Schrilles und zumindest in Deutschland gerade deshalb populär.

Und auch in anderer Hinsicht scheint der Song Contest am Beginn einer neuen Ära. Vorbei die Zeit, in der die Osteuropa-Mafia oder die Balkan-Connection den Sieger unter sich ausmachten. Zwar gab es auch dieses Mal wieder ein paar zugeschanzte Punkte unter guten Nachbarn, dominiert hat das die Vergabe allerdings nicht. Ob das neue Abstimmungsverfahren mit den zusätzlichen Stimmen der Experten-Jurys der einzelnen Länder dafür verantwortlich ist, muss sich aber erst noch beweisen.

 

Mensch… Oscar Loya!

von Dieter Lintz, Trierischer Volksfreund, 20.05.2009

 

Entschuldigung, dass es einen Moment gedauert hat, ich musste nur noch mal kurz Ihren Namen nachschlagen, ich hatte ihn seit Samstag schon wieder vergessen. Sie waren die eine Hälfte von dem debakulösen deutschen Duo beim Eurovision Song Contest.

„Eintagsfliege“ kann man Sie nicht nennen, denn die fliegen wenigstens 24 Stunden, bevor sie abstürzen.

War wohl gar nix in Moskau. Und man kann es nicht mal auf die Bruderhilfe der Ossi-Länder schieben, sonst hätte wohl kaum ein geigender Milchbubi aus Norwegen vor einer Tränendrüse aus Island gewonnen.

Also wenn ich ein großes Label wäre, ich würde sofort die Grand Prix - Verantwortlichen vom NDR als Talent – Scouts verpflichten. Denen braucht man nur alle Künstler zur Prüfung vorzulegen, und wenn die was toll finden, kann man die Produktion im Frühstadium gleich absagen und spart viel Geld.Aber ein Gutes hat die ganze Sache, auch wenn Sie das als Kalifornier wohl kaum ahnen:  Je sieben Punkte aus Dänemark und Großbritannien, hingegen Nullkommagarnix aus der Schweiz, Spanien und Italien: Das erleichtert die nächste Urlaubsentscheidung enorm.

  

Kalkofes letzte Worte: Letzte Rettung

aus TV Spielfilm Nr. 13/09 

 

(…) Auch die ARD braucht dringend Hilfe, vor allem beim Grand Prix. Wenn der Staat hier nicht schnell eingreift, ist Deutschland im internationalen Songvergleich rettungslos verloren. Seit Jahren wird vom NDR wirklich alles versucht, endlich wieder die Poleposition im musikalischen Europa zu erlangen, aber gereicht hat es bisher nur zum Arsch der Liste. Dabei sah beim letzten Mal alles so vielversprechend aus: Song-Auswahl von ausgewählten Fachleuten ohne Beteiligung des doofen Publikums, Ausbremsung der fiesen und sich immer nur gegenseitig die Punkte zuschiebenden Osteuropäer, eine cool gemeinte Pop-Swing-Nummer mit den zusammengeklauten Hooklines wirklich aller bekannten Welthits aus diesem Genre, ein schleimiger Sänger, der sich ungefragt das Hemd vom gestählten Körper reißt, plus das erfolgreichste Strip-Luder der Welt beim Sexy-Background-Herumräkeling – was konnte da schief gehen? Scheinbar alles. Offensichtliche Anbiederei wird halt doch schneller entlarvt, als man denkt. Und nun bittet man auf den Knien um Hilfe. Zum Beispiel Stefan Raab, der allerdings bereits nach drei Tagen merkte, dass der ARD nicht zu helfen ist, höchstens mit einem Bolzenschussgerät. Oder jetzt von Dieter Bohlen, der sofort bereit wäre, wenn der Staat ein paar Millionen dazuschießt. Ralph Siegel bietet der ARD übrigens seit Jahren täglich seine Hilfe an, wurde von dort aber mit Dank an Opel und Karstadt verwiesen.

 


Die deutsche Vorentscheidung 2010


 

Nationale VE  -  "Unser Star für Oslo"  
Datum 12. März 2010
Ort Köln-Mülheim
Halle ProSieben - TV-Studios
Moderation Sabine Heinrich & Matthias Opdenhövel
TV-Sender Norddeutscher Rundfunk/ Pro Sieben 

 

 VERTRETERIN FÜR DEUTSCHLAND

 

LENA

"SATELLITE"

 
  leon© NDR/ProSieben Willi Weber

Erstmals in der deutschen TV-Geschichte kam es bei der Auswahl des deutschen ESC-Vertreters zu einer Kooperation eines öffentlichen-rechtlichen (ARD) und eines privaten TV-Senders (Pro Sieben). Stefan Raab suchte gemeinsam mit dem Ersten, ProSieben sowie den Pop- und jungen Wellen des ARD-Hörfunks den deutschen Beitrag. Das von Raab maßgeblich entwickelte Konzept der Show "Unser Star für Oslo" führte über insgesamt acht Casting-Shows schließlich zur Auswahl des Ausnahme-Talents Lena Mayer Landrut, der damals 19-jährigen Abiturientin, die sich mit ihrer besonderen Art als neues deutsches "Fräuleinwunder" gegen ihre 19 Mitbewerber durchsetzen konnte. Der Sieg Lenas in der deutschen Vorentscheidung führte zu einem beispiellosen Medienhype und einer Erfolgsgeschichte, die letztlich den Sieg Lenas beim ESC in Oslo zur Folge hatte. Für das Format "USFO" erhielt Stefan Raab den Deutschen Fernsehpreis.  

In den acht Shows kämpften 20 Finalisten, ermittelt durch ein bundesweites Casting, um das Ticket nach Oslo. Ins Finale zogen per Televoting-Entscheidung die besten zwei Interpreten ein, die jeweils 18-jährigen Jennifer Braun und Lena Meyer-Landrut.  

 

Durch Televoting wurde in der ersten Wertungsrunde für jede der beiden Sängerinnen eines ihrer Lieder ausgewählt. Den jeweils für sie ausgewählten Titel sangen dann beide in der Endrunde noch einmal, und dann fiel wieder per Televoting die endgültige Entscheidung über die deutsche Vertreterin in Oslo.

Es war Lena Meyer-Landrut mit dem Titel: "Satellite", geschrieben von Julie Frost und John Gordon.

John Gordon (Dänemark) und Julie Frost (USA) haben bereits für so erfolgreiche Interpreten wie Rihanna, Beyoncé, Mariah Carey und Britney Spears gearbeitet.    

 

Weitere Details zur Vorentscheidung siehe unten.

 

Finale  / Jury: Stephanie Kloß & Xavier Naidoo 
Startnr. Interpret*in Titel Komponisten/Autoren Platz
1. Jennifer Braun Bee Rosi Golan, Per Kristian Ottestad & Mayaeni Strauss 2.
2. Lena Meyer-Landrut Bee Rosi Golan, Per Kristian Ottestad & Mayaeni Strauss 3.
3. Jennifer Braun Satellite John Gordon & Julie Frost 3.
4. Lena Meyer-Landrut Satellite John Gordon & Julie Frost 1.
5. Jennifer Braun I Care For You Martin Fliegenschmidt, Claudio Pagonis & Max Mutzke 1.
6. Lena Meyer-Landrut I Care For You Martin Fliegenschmidt, Claudio Pagonis & Max Mutzke 2.

 

 

 

Lena

Der Sieg beim ESC 2010 war für Lena der Start zur großen Karriere, nicht nur als Sängerin, sondern auch als Werbe-Ikone, Influencerin und TV-Star, u.a. als Coach bei "The Voice Kids". Bis 2019 erschienen insgesamt fünf Studioalben. Sie machte mehrere erfolgreiche Tourneen und betätigte sich auch als Synchronsprecherin für Animationsfilme. 

COver© Universal
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DIE VORENTSCHEIDUNG IM DETAIL

 

Wer Deutschland beim ESC vertreten wollte, konnte sich unter www.eurovision.de oder www.tvtotal.prosieben.de bewerben. Jeder, der zum Zeitpunkt des Castings sein 18. Lebensjahr vollendet hatte, hatte die Chance, sich und sein musikalisches Können zu präsentieren. Aus allen Bewerbern wurden die 20 talentiertesten für die acht Ausscheidungsshows bestimmt, in denen sie sich dem Votum der Zuschauer stellten.

In "Unser Star für Oslo" bewertete Stefan Raab als Präsident einer Jury aus namhaften Vertretern der Musik-und Entertainmentbranche die Auftritte der Kandidaten. Über Weiterkommen und Ausscheiden der Musiker entschieden die Zuschauer per Telefon und SMS.

Das Erste und ProSieben zeigten die acht Ausgaben von "Unser Star für Oslo" live im Februar und März. Die Shows produzierte Raab TV in Zusammenarbeit mit der BRAINPOOL TV GmbH im Auftrag von Das Erste und ProSieben. Hierzu auch ein Interview mit Thomas Schreiber (ARD). In der wechselnden Fachjury saßen u.a. Sarah Connor, Jan Delay und Marius Müller-Westernhagen,

 

Die Semifinals begannen am Dienstag, dem 02.02.2010, die weiteren Shows waren am 09.02., 16.02., 23.02., 02.03., das Viertelfinale am 05.03., das Halbfinale am 09.03. und das Finale wurde dann am Freitag, dem 12.03.2010 ausgetragen.

 

Das Besondere: Die Zuschauer bestimmten nicht nur, wer Deutschland beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo vertreten darf, sondern auch, mit welchem Song er antritt.  Die Show begann zunächst mit zwei Shows, in denen jeweils zehn Teilnehmer*innen antraten, fünf davon werden rausgewählt. In Show drei traten die verbleibenden zehn an, acht kamen weiter. In Show vier wurden wiederum zwei Teilnehmer rausgewählt. Nach Show fünf musste ein Teilnehmer gehen. Die sechste Show war das Viertelfinale und wieder ging nur einer. Im Halbfinale schieden zwei Teilnehmer aus, so dass zwei Interpretinnen ins Finale gingen. Im Finale wurde zunächst der Song gewählt, danach die Siegerin.

 

NDR Intendant Lutz Marmor: "Die ARD, Stefan Raab und ProSieben - soviel Grand Prix war nie! Ich freue mich darauf, dass diese spannende Idee nun umgesetzt wird. Über Sendergrenzen hinweg verspreche ich mir eine Bündelung aller kreativen Kräfte für das größte europäische Musik-Event."

 

ProSiebenSat1-TV-Vorstand Andreas Bartel: "So wird der Grand Prix wieder zu einem echten nationalen TV-Erlebnis - Entertainment at its best!"

 

Stefan Raab: "ich freue mich sehr auf dieses außergewöhnliche Kooperation. Unser Anspruch ist es, musikalisches Entertainment auf hohem Niveau zu bieten."

 

 

Vorrunde 1 - 2. Februar 2010  / Jury: Yvonne Catterfeld & Marius Müller-Westernhagen
1. Benjamin Peters Bodies
2. Kerstin Freking My Immortal
3. Johannes Böhm Crazy
4. Daliah Sharaf At Last
5. Cyril Krüger Hotel California
6. Michael Kraus Loving You
7. Meri Voskanian Release Me
8. Katrin Walter Nobody Knows
9. Sebatian Schwarzbach Home
10. Lena Meyer-Landrut My Same
Vorrunde 2 - 9. Februar 2010  / Jury: Sarah Connor & Peter Maffay
1. Jennifer Braun I'm Outta Love
2. Benjamin Hartmann Better Together
3. Maria-Lisa Straßburg Saving My Face
4. Behnam Seifi Save Room
5. Sharyhan Osman I have Nothing
6. Alex Senzig Where Ever You Will Go
7. Jana Wall Who Knew
8. Franziska Weber Love Foolosophy
9. Leon Taylor Der Weg
10. Christian Durstewitz Faith
Vorrunde 3 - 16. Februar 2010  / Jury: Nena & "König Boris" (Fettes Brot)
1. Meri Voskanian If I Ain't Got You
2. Jennifer Braun Like The Way I Do
3. Maria-Lisa Straßburg Helena
4.. Leon Taylor Irgendwas bleibt
5. Katrin Walter Avenue
6. Kerstin Freking Not Ready To Make Nice
7. Christian Durstewitz Change
8. Sharyhan Osman Feel The Nile
9. Lena Meyer-Landrut Diamond Dave
10. Cyril Krüger Hot Fudge
Vorrunde 4 - 23. Februar 2010 / Jury: Cassandra Steeen & Sasha 
1. Katrin Walter Love Song
2. Sharyhan Osman  Is You Is Or Is You Ain't My Baby 
3. Cyril Krüger  Beautiful Day 
4.  Jennifer Braun  I'm With You 
5. Christian Durstewitz Another Night
6. Lena Meyer-Landrut Foundations
7. Kerstin Freking Thank You
8. Leon Taylor Are You Gonna Go My Way
Vorrunde 5 - 2. März 2010  / Jury: Joy Delalane & Rea Garvey 
1. Kerstin Freking Better
2. Lena Meyer-Landrut New Shoes
3. Jennifer Braun Ain't Nobody
4. Leon Taylor Tears In Heaven
5. Sharyhan Osman In The City
6. Christian Durstewitz Dance With Somebody
Viertelfinale - 5. März 2010  / Jury: Anke Engelke & Adel Tawil 
1. Sharyhan Osman You've Got The Love
Never Felt The Way That I Feel Today
2. Jennifer Braun Soulmate
Nobody's Wife
3. Kerstin Freking If A Song Could Get Me You
Someday
4. Christian Durstewitz Ochrasy
Stalker
5. Lena Meyer-Landrut Mouthwash
Neopolitan Dreams
Halbfinale - 9. März 2010  / Jury: Barbara Schöneberger & Jan Delay
1. Christian Durstewitz I'm Yours
2. Kerstin Freking Hands Clean
3. Lena Meyer-Landrut Curiosity
4. Jennifer Braun Heavy Cross
2. Runde
1. Christian Durstewitz In Your Hands
2. Lena Meyer-Landrut  The Lovecats
3. Jennifer Braun Hurt

Der Eurovision Song Contest 2008


 

Logo08© RTS

 

53. Eurovision Song Contest - 24. Mai 2008
      Belgrad

Halle Beogradska Arena
Motto Confluence Of Sound
Moderation Jovana Janković & Željko Joksimović
Pausen-Act Goran Bregović
Wertung Televoting -  Die ersten zehn Titel bekommen jeweils die Punkte 12-10-8-7...3-2-1
Teilnehmer 43 Länder (Finale 25 / Semifinale jeweils 19)

 

Siegerland: Russland


israel

Interpret:

Dima Bilan

Titel:

"Believe"

Musik & Text:

Dima Bilan & Jim Beanz


SIeger08© EBU 

 


 

PLATZIERUNGEN UND PUNKTE

 

Finale - 24. Mai 2008
Platz         Land  Interpret*inTitelPunkteStartnr.
1. Russland Dima Bilan Believe 272 24
2. Serbien Montenegro Ukraine Ani Lorak
Shady Lady 230 18
3. Griechenland Kalomira Secret Combination 218 21
4.
Armenien Sirusho Qele Qele
199 5
5. Norwegen Maria Hold On Be Strong 182 25
6.
Serbien Jelena Tomašević Oro 160 23
7. Türkei Mor ve Ötesi Deli 138 12
8. Aserbaidschan Elnur & Samir Day After Day 132 20
9. Israel Boaz The Fire In Your Eyes 124 7
 10. Bosnien & Herzegowina Laka Pokusaj 110 6
11.
Georgien Diana Gurtskaya Peace Will Come 83 17
12. Lettland Pirates Of The Sea Wolves Of The Sea 83 14
13.
Portugal Vânia Fernandes Senhora do mar 69 13
14.
Island Euroband This Is My Life 64 11
 15. BOS Dänemark Simon Matthew All Night Long 60 16
16. BOS Spanien Rodolfo Chicilicuatre Baila el Chici Chiki 55 22
17. Albanien Olta Boka Zemrën e lamë peng 55 3
18. MA Schweden Charlotte Perrelli Hero 47 15
19. BOS Frankreich Sébastien Tellier Divine 47 19
20. MA Rumänien Nico & Vlad Pe-o margine de lume 45 1
21. MA Kroatien Kraljevi Ulice & 75 cents Romanca 44 9
22. MA Finnland Teräsbetoni Missä miehet ratsastaa 35 8
23. MA Deutschland No Angels Disappear 14 4
24. BOS Polen Isis Gee For Life 14 10
25. MA Ver. Königreich Andy Abraham Even If 14 2

  


 

Semifinale 1 - 20. Mai 2008
Platz         Land  Interpret*inTitelPunkteStartnr.
1. Griechenland Kalomira Secret Combination 156 19
2. Armenien Sirusho Qele Qele 139 14
3. Russland Dima Bilan Believe 135  18
4. Norwegen Maria Hold On Be Strong 106  9
5. Israel Boaz The Fire In Your Eyes 104 2
6. Aserbaidschan Elnur & Samir Day After Day
 96  7
7. Rumänien Nico & Vlad Pe-o margine de lume 94 17
8. Finnland Teräsbetoni Missa miehet ratsastaa 79 16
9. Bosnien & Herzegowina Laka Pokusaj 72 13
10. Polen Isis Gee For Life 42 10
11. Slowenien Rebeka Dremelj Vrag nai vzame 36 8
12. Moldau Geta Burlacu A Century Of Love 36 4
13. Niederlande Hind Your Heart Belongs To Me 27 15
14. Serbien-Montenegro 
Montenegro Stefan Filipović Zauvijek volim te 23 1
15. Irland Dustin The Turkey Irelande douze points 22 11
16. Andorra Gisela Casanova 22  12
17. Belgien Ishtar O julissi 16 6
18. Estland Kreisiraadio Leto svet 
8 3
19. San Marino Miodio Complice 5 5
Semifinale 2 - 22. Mai 2008
1. Ukraine Ani Lorak Shady Lady 152 4
2. Portugal Vânia Fernandes Senhora do mar 120 19
3. Dänemark Simon Matthew All Night Long 112 13
4. Kroatien Kraljevi Ulice & 75 cents Romanca 112 11
5. Georgien Diana Gurtskaya Peace Will Come 75 14
6. Lettland Pirates Of The Sea Wolves Of The Sea 86 10
7. Türkei Mor ve Ötesi Deli
85 3
8. Serbien-Montenegro 
Island Euroband This Is My Life 68 1
9. Albanien Olta Boka Zemrën e lamë peng 67 6
10. EJR Mazedonien Tamara, Vrčak & Adrijan Let Me Love You 64  18
11. Bulgarien Deep Zone & Balthazar DJ, Take Me Away 56  12
12. Schweden Charlotte Perrelli Hero 54 2
13. Schweiz Paolo Meneguzzi Era stupendo 
47  7
14. Malta Morena Vodka 38 16
15. Zypern Evdokia Kadi Femme fatale 36 17
16. Litauen Jeronimas Milius Nomads In The Night 30 5
17. Belarus Ruslan Alehno Hasta la vista 27  9
18. Tschechische Republik Tereta Kerndlova Have Some Fun 9 8
19. Ungarn Czézy Candlelight 6 15

 

  


 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN  

 

Halle 07© www.vesti.rs

Zum ersten Mal in der Eurovisionsgeschichte waren aller guten Dinge Drei. Nach den immer stärker werdenden Protesten insbesondere nach der Ostlastigkeit des ESC-Ergebnisses von Helsinki beschloss die EBU, das Format deutlich zu verändern. Es galt nun nicht mehr, dass sich die Top-Ten des Vorjahrganges automatisch für das nächste Finale qualifizierten, sondern es wurden zwei Semifinale eingeführt, und nur noch die sog. BIG 4 und der Gastgeber waren automatisch für das Finale gesetzt.  

Außerdem kamen aus den Semifinalen jeweils die ersten 9 des Televoting ins Finale plus jeweils einem Titel, den die Wertung der Backup-Jurys bestimmte. So traten insgesamt 38 Länder in den beiden Semifinalen an. Unter dem Gesichtspunkt des Wertungsverhaltens seit 2005 und besonderer Nachbarschaftsverhältnisse wurden sie zunächst auf sechs Töpfe verteilt und den beiden Vorrunden zugelost. So kamen jeweils die Balkanländer in einen Topf, die skandinavischen Nachbarländer, die Ex-Sowjetrepubliken,die eher "neutralen" Länder usw. Mit 43 Ländern gab es einen neuen Teilnahmerekord! 

Und was für eine tolle Mischung war da in der Belgradska Arena am Start, aus sowohl einfallsreicher Schauspielkunst (Bosnien & Herzegowina) als auch billiger Komödie (Irland), großen Stimmen, Feuerwerk, Mitsing-Ohrwurm-Akustik (Dänemark, Lettland), Kletter- und Umzieh-Kombis (Griechenland, Zypern) und schlechten I-Love-East-Einschmeichel- Versuchen (Malta) – Wow! Das konnte sich sehen lassen! Und viel wurde uns vermittelt über den Austragungsort, seine Kultur, seine Weltstars, seine Musik - Serbien präsentierte sich als würdiger ESC-Gastgeber! 

 

 

Moderatoren 05© RTS

Der gastgebender Sender RTS hatte ein Casting ins Leben gerufen, um das passende Moderatorenpaar zu finden. Allerdings gefiel das Ergebnis nicht, so dass man dann doch die Moderation Jovana Janković & Željko Joksimović anvertraute.

 

Jovana Janković studierte eigentlich Kunst, machte dann relativ schnell Karriere beim serbischen Fernsehen. So produzierte und moderierte sie zwei Kinomagazine, gefolgt von der langjährigen Moderation beim Frühstücksfernsehen. Als Teenager wurde sie dreimal mit dem Titel "Beste Handballerin Belgrads und Serbiens" ausgezeichnet.

Željko Joksimović belegte 2004 beim ESC mit "Lane moje" den zweiten Platz, damals noch für Serbien-Montenegro. Mit zwölf Jahren gewann er bereits ein erstes Musikfestival in Paris. In den 1990 Jahren hatte er große Erfolge als Komponist beim Belgrader Frühlingsfestival, internationale Festivalerfolge in Osteuropa schlossen sich an. Er schrieb zahlreiche Filmmusiken und begann dann 2000 eine Karriere als Sänger. Für seine ESC-Titel "Lane moje" und "Lejla" 2006 erhielt er jeweils den Marcel-Besançon-Award für die beste Komposition. 2012 trat er noch einmal beim ESC an und wurde Dritter.

Jovana Janković und Željko Joksimović sind seit dem ESC ein Paar und heirateten im Januar 2012. 2014 bekamen sie einen Sohn.

 

FAZIT

   

Es war auffällig, dass manche Teilnehmer dieses Jahrgangs sich nicht nur auf ihre persönliche Gesangskompetenz verließen, sondern sich auch nicht scheuten, höhere Mächte anzurufen wie z.B. Helden, Engel, den Glauben an das, was auch immer zum ESC-Sieg führt, und sogar den unverkennbaren Jesus-Look …  Danke Dima Bilan für den seit dem 24. Mai 2008 unumstrittenen Beweis, dass Glauben nicht nur Berge versetzen, sondern auch jede Menge Punkte einholen kann. Aber nicht nur der von Timbaland in den USA produzierte Titel "Believe", sondern das ganze "Paket" mit  dem ungarischen Geiger Edvin Marton und dem Eislauf-Superstar Eugeny Pluschenko, der auf einer Kunsteisfläche seine Pirouetten drehte, sorgte schließlich für den deutlichen Sieg Russlands. Da hatte man wirklich nichts dem Zufall überlassen!

 

Dass Jesus bereits Auto fahren konnte – wer das glaubt, wird selig! Jesus Christ Superstar alias Sebastién Tellier und sein „Divine“ wollten für Frankreich aus dem Rahmen fallen – Verzeihung, wohl eher aus der Punktewertung. Mit Platz 19 musste er sich punktgleich einen Platz hinter dem von Charlotte Perrelli besungenen „Hero“ aus Schweden einsortieren. Der „Hero“, der Charlotte Perrelli, geb. Nilsson, 2008 zu ihrem zweiten ESC-Triumph verhelfen sollte, hatte aber offensichtlich am Finalabend anderes vor (wahrscheinlich abgeschreckt von ihrem viel belächelten „Alien-Face“): nur Platz 18 für die ESC - Siegerin von 1999.  Und sie war nur durch das Votum der Back-Up-Jury überhaupt ins Finaole gekommen, denn sie war in ihrem Semifinale nur auf Platz 12 gelandet!  Große Hoffnungen hatten sich die Schweden sicherlich gemacht, als sie eine erfahrene ESC-Sängerin ins Rennen schickten. Was lernen wir daraus? ESC-Lebenslauf und bisherige Chart-Erfolge sind in dem Moment, in dem es darauf ankommt, Millionen von Fernsehzuschauern zu beeindrucken, nicht von Bedeutung – Nur der Moment zählt! 

 

Diese bittere Lektion mussten bedauerlicherweise auch unsere „No Angels“ lernen – mit noch so viel Vorschuss-Lorbeeren und Siegeshoffnung bedacht, sollten sie leider ihrem Titel „Disappear“ alle Ehre machen und in der Wertungsversenkung verschwinden – nur eine rettende Hand aus Bulgarien und ein kleines Händchen aus der Schweiz verhinderten das Allerschlimmste, die totale Nullrunde.

 

Da waren Engelchen und Teufelchen aus dem  Newcomerland Aserbaidschan schon erfolgreicher. Der Kampf zwischen Gut und Böse wurde hier so wirkungsvoll veranschaulicht, dass es bei der ESC-Premiere sofort für das Finale und dort für die Top Ten reichte. 

 

Doch wo blieben die Songs zum Mitsingen/-brüllen/-schunkeln und –klatschen. Wie erfolgreich man mit einfachen Mitbrüll-Nummern sein kann, hatten 2006 LT-United mit „We Are The Winners (of Eurovision) demonstriert. Beim Nachbarn Lettland wollte man dieses Rezept 2008 aufgreifen: Gut verkleidet in Piratenkostümen präsentierte man sich als Piraten zur See und sang von den Wölfen der See. Es wurde zwar gewunken und gesungen, aber es reichte auch hier nicht für die Top Ten. 

 

Glückwunsch Herr Stockselius – ihre Neuregelungen zum Auswahl- und Votingverfahren anlässlich der stark osteuropäisch geprägten Ergebnisse 2007 haben Früchte getragen. Zum ersten Mal seit Einführung des Halbfinals waren die Portugiesen nicht nur im Finale dabei, sondern trugen auch noch die Halbfinal-Silbermedaille davon. Und Fanfavoritin Vânia Fernandes konnte ihr Glück kaum fassen. Platz 13 erreichte sie im Finale!

 

Serbien musste im Finale ohne den Nachbarn Montenegro auskommen. Dass der serbische Beitrag "Oro" vom Moderator Željko Joksimović geschrieben wurde, war nicht unumstritten, war der Moderator dadurch nicht unbedingt neutral.

 

Bei Belarus war das Abgucken von der erfolgreichen Vorjahresnummer wohl zu offensichtlich. Montenegro wollte mit einer eher landesuntypischen ESC-Nummer mal so richtig auftrumpfen – bitte ein Runde aussetzen hieß es aber auch hier. Und auch der "Truthahn" aus Irland war nur für eine spektakuläre Bühnenshow gut, aber nicht für einen Platz im Finale.

 

Was am ESC 2008 allerdings sehr, sehr nachdenklich gestimmt hat, war das Abschneiden vieler guter romantischer und stimmenstarker Lieder – allen voran Rumänien und Schweiz. Zugegeben, über den rumänischen Dresscode konnte man streiten, Andrea Bocelli und Sarah Brightman hätten „Pe-o margine de lume“ aber kaum wirkungsvoller vortragen können. U

Und endlich gab es mal wieder italienisch(-sprachige) Romantik im ESC – wo war Europa, als Paolo sang und die Funken sprühen ließ? Das konnte sich messen mit „What’s Another Year“ oder „The One That Love“ – das war Herz-Schmerz-Romantik-Amore-ESC à la 1980er/1990er Jahre, gepaart mit Dancefloor-Sound und einer Show des 21. Jahrhunderts. Super gemacht.

 

Isis Gee aus Polen erinnerte stark an den glanzvollen Auftritt von Shiri Maimon in Kiew: Dass Isis für ihr Leben gern singt, hat man ihr sofort abgekauft und auch das stilvoll aufgezogene Candle-Light-Dinner aus Ungarn mit der romantischen Ausstrahlung von Czésy wäre absolut finaltauglich gewesen. Haben Songs nach dem Strickmuster von „Hold Me Now“, „Après toi” oder „Neka mi ne svane“ im ESC ihre Chancen eingebüßt? Lieber nicht darüber nachdenken – schieben wir es einfach auf die unglückliche rumänische Startposition Nr. 1 im Finale, auf den Übereifer mancher Schweizer Pyrotechniker, die vielleicht doch etwas starke Ausstrahlung mancher polnischer Sonnenbänke und den eventuell mit zuviel Volant überspielten Schlitz im ungarischen Beinkleid …!

 

Sportliche Akrobatik wurde 2008 nicht nur vom Sieger demonstriert – auch dieses Jahr hieß es wieder: hoch das Bein, auf die Schulter, von hinten über die Brust – aber bitte nicht ins Auge …   Ani Lorak aus der Ukraine brachte sogar ihre eigene Kletterwand mit und bewies auch sehr wirkungsvoll, dass sie damit umgehen konnte - wieder eine verdiente Silbermedaille für die Ukraine!

 

Dass die Kombination aus Sex-Appeal, gutem Gesang und Tanzkunst ein ziemlich sicheres Rezept ist für einen vorderen ESC-Rang, bewies ebenso Sirusho aus Armenien; hinzukommt, dass „Qele Qele“ echte Ohrwurm-Qualitäten hatte. Klettern, Ausziehen, Singen sollte auch Zypern ins Finale bringen. Evdokia Kadi hatte allerdings viel mehr von einer hilflosen Marlene Dietrich und ihrem „Männer umschwirren mich wie Motten das Licht“. Aber dennoch: Ein wenig Ablinsen von erfolgreichen Vorgängerinnen – das kann durchaus Punkte bringen. Und dies war das Geheimrezept von Kalomira aus Griechenland. Die „Secret Combination“ wirkte schon ein wenig abgeguckt von Helenas „My Number One“! Aber mit der Kombination aus Hüftschwung, Ausziehen und Singen waren die Griechen in den letzten Jahren mehr als einmal erfolgreich.

 

Russland hatte bei seinem erfolgreichen ESC-Titel 2008 an nichts gespart – und das sollten sie 2009 bei der ESC- Show ganz sicher auch nicht tun. Wer soviel investiert, um den ESC ins eigene Land zu holen, der würde es sich um keinen Preis nehmen lassen, eine Show zu veranstalten, die ohne Zweifel in die Eurovisionsgeschichte eingehen sollte.

 


  

 DIE TEILNEHMER - FINALE

 

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Rumänien Ver. Königreich Albanien Deutschland
Nico & Vlad Andy Abraham Olta Boka No Angels
"Pe-o margine de lume" "Even If" ”Zemrën e lamë peng" "Disappear"
M.: Andrei Tudor
T.: Andreea Andrei, Adina Suteu
 M. & T.:
Andy Abraham, Andy Watkins, Paul Wilson
 M.: Adrian Hila
T.: Pandi Laco
M. & T.:
Remee, Hanne Sorvaag, Thomas Troelsen
    
TUR 83 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

Armenien Bosnien & Herzegowina Israel Finnland
Sirusho Laka Boaz Teräsbetoni
"Qele Qele" "Pokusaj" "The Fire In Your Eyes" "Missä miehet ratsastaa"
M.: H.A. Der-Hovagimian
T.: Sirusho
M. & T.:
Elvir Laković Laka
M.: Dana International
T.: Dana International,
Shai Kerem
 M. & T.:
Jarkko Ahola
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Kroatien Polen Island Türkei
Kraljevi Ulice & 75 cents Isis Gee Euroband Mor ve Ötesi
"Romanca" "For Life" "This Is My Life"  "Deli"
M. & T.:
 Miran Hadzi Veljković
  M. & T.:
Isis Gee
 M.: Örlygur Smari
T.: Paul Oscar, Peter Fenner
 M. & T.:
Mor ve Ötesi
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Portugal Lettland Schweden
Dänemark
Vânia Fernandes Pirates Of The Sea
Charlotte Perrelli Simon Matthew
"Senhora do Mar" "Wolves Of The Sea" "Hero"  "All Night Long"
M.: Andrej Babić
T.: Carlos Coelho
M. & T.: Jonas Liberg, Johan Sahlen, Claes Andreasson, Torbjorn Wassenius M.: Fredrik Kempe,
Bobby Ljunggren
T.: Fredrik Kempe
  M.: Simon Matthew
T.: Jacob Launbjerg, Svend Gudiksen, Nis Bøgvad
   
SLO 01 SLO15 SLO15 POR 86

17.

AD

18.

AD

19.

AD

20.

AD

Georgien Ukraine Frankreich Aserbaidschan
Diana Gurtskaya Ani Lorak Sébastian Tellier
Elnur & Samir
"Peace Will Come" "Shady Lady "Divine" "Day After Day"
M.: Kim Breitburg
T.: Karen Kavaleryan
M.: Philip Kirkorov
T.: Karen Kavaleryan
M.: S.Tellier, Amandine de la Richardière
T.: Sébastien Tellier
  M.: Govher Hasanzadeh
T.: Zahra Badalbeyli
   
ROM 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

21.

AD

22.

AD

23.

AD

24.

AD

Griechenland
Spanien Serbien Russland
Kalomira Rodolfo Chicilicuatre Jelena Tomašević Dima Bilan
"Secret Combination" "Baila el Chici Chici"
"Oro" "Believe"
M.: Konstantinos Pantzis
T.: Poseidonas Yannopoulos
 M. & T.:
Rodolfo Chicilicuatre & Friends
M.: Željko Joksimović
T.: Dejan Ivanović
 M. & T.:
Dima Bilan, Jim Beanz
   
ROM 02  

25.

AD

Norwegen
Maria
"Hold On Be Strong"
M. & T.:
Mira Craig

 

  

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  1

 

  

SLO15 LIT13n MOL13 FIN13

1.

AD

2.

AD

3.

AD

4.

AD

Montengro Israel Estland Moldau
Stefan Filipović Boaz
Kreisiraadio Geta Burlacu
"Zauvijek volim te" "The Fire In Your Eyes" ”Leto svet" "A Century Of Love"
M.: Grigor Koprov
T.: Ognen Nedelkovski
 M.: Dana International
T.: Dana International, Shai Kerem
M. & T.: Priit Pajusaar, Glen Pilvre, Peeter Oja, Hannes Vörno, Tarmo Leinatamm  M.: Oleg Baraliuc
T.: Viorica Demici
    
SMA08 TUR 83 RUS 02 BLR 10

5.

AD

6.

AD

7.

AD

8.

AD

San Marino
Belgien
Aserbaidschan Slowenien
Miodio
Ishtar
Elnur & Samir Rebeka Dremelj
"Complice" "O julissi" "Day After Day" "Vrag nai vzame"
M. Francesco Sancisi T.: Nicola della Valle M. & T.:
Michel Vangheluwe
M.: Govher Hasanzadeh
T.: Zahra Badalbeyli
  M.: Josip Miani-Pipi
T.: Igor Amon Mazul
   
FIN 83 ARM 10 POR 01 SWE 02

9.

AD

10.

AD

11.

AD

12.

AD

Norwegen Polen Irland Andorra
Maria
Isis Gee
Dustin The Turkey
Gisela
"Hold On Be Strong" "For Life" "Irelande douze points"  "Casanova"
M. & T.:
Mira Craig
M. & T.:
Isis Gee
 M. & T.:
Darren Smith, Simon Fine, Dustin The Turkey
 M. & T.:
Jordi Cubino
    
FRA 60 FRA 01 GBR  61 ITA  61

13.

AD

14.

AD

15.

AD

16.

AD

Bosnien & Herzegowina Armenien Niederlande
Finnland
Laka Sirusho
Hind Teräsbetoni
"Pokusaj"  "Qele Qele" "Your Heart Belongs To Me"  "Missa miehet ratsastaa"
M. & T.:
 Elvir Laković Laka
 M. H.A. Der-Hovagimian
T.: Sirusho
 M.: Tjeerd van Zanen, Bas van den Heuvel, Hind Laroussi Tahiri T.: T.v.Zanen, Hind M. & T.:
Jarkko Ahola
   
SLO 01 SLO15 SLO15  

17.

AD

18.

AD

19.

AD

Rumänien
Russland Griechenland
Nico & Vlad Dima Bilan Kalomira
"Pe-o margine de lume" "Believe" "Secret Combination"
M.: Andrei Tudor
T.: Andreea Andrei, Adina Suteu
 M. & T.:
Dima Bilan, Jim Beanz
M.: Konstantinos Pantzis
T.: Poseidonas Yannopoulos

 

 DIE TEILNEHMER - SEMIFINALE  2

  

SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

1.

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2.

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3.

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4.

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Island Schweden
Türkei Ukraine
Euroband Charlotte Perrelli
Mor ve Ötesi Ani Lorak
"This Is My Life" "Hero"
"Deli" "Shady Lady"
M.: Örlygur Smari
T.: Paul Oscar, Peter Fenner
 M.: Fredrik Kempe,
Bobby Ljunggren
T.: Fredrik Kempe
 M. & T.:
Mor ve Ötesi
M.: Philip Kirkorov
T.: Karen Kavaleryan 
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

5.

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6.

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7.

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8.

AD

Litauen Albanien
Schweiz Tschechische Republik
Jeronimas Milius Olta Boka Paolo Meneguzzi
Tereza Kerndlova
"Nomads In The Night" "Zemrën e lamë peng"
"Era stupendo" "Have Some Fun"
M.: Vytautas Diskevicius
T.: Jeronimas Milius
 M.: Adrian Hila
T.: Pandi Laco
  M.: Paolo Meneguzzi
T.: Paolo Meneguzzi, Vincenzo Incenzo
 M.: Gordon Pogoda
T.: Gordon Pogoda,
Stano Simor 
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

9.

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10.

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11.

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12.

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Belarus Lettland
Kroatien Bulgarien
Ruslan Alehno Pirates Of The Sea Kraljevi Ulice & 75 cents Deep Zone & Balthazar
"Hasta la vista" "Wolves Of The Sea"
"Romanca" "DJ, Take Me Away"
M.: Taras Demschuk
T.: Eleonora Melnik
M. & T.: Jonas Liberg, Johan Sahlen, Claes Andreasson, Torbjorn Wassenius  M. & T.:
Miran Hadzi Veljković
M. & T.:
 Dian Savov
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01 DEN 01

13.

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14.

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15.

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16.

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Dänemark Georgien
Ungarn Malta
Simon Matthew Diana Gurtskaya Czézy Morena
"All Night Long" "Peace Will Come"
"Candlelight" "Vodka"
M.: Simon Matthew
T.: Jacob Launbjerg, Svend Gudiksen, Nis Bøgvad
M. Kim Breitburg
T.: Karen Kavaleryan
M.: Victor Rakonczai
T.: Imre Mózsik, Jánosi
M.: Philip Vella
T.: Gerard James Borg 
   
SLO 02 SLO 02 DEN 01

17.

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18.

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19.

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Zypern EJR Mazedonien
Portugal
Evdokia Kadi Tamara, Vrčak & Adrijan Vânia Fernandes
"Femme fatale" "Let Me Love You"
"Senhora do mar"
M.: Nikos Evangelou
T.: Vangelis Evangelou
 M. & T.:
 Rade Vrcakovski-Vracak
 M.: Andrej Babić
T.: Carlos Coelho

 

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DIE WERTUNG - FINALE

 

 Scoreboard Finale© ECG e. V.

 

Scoreboard 08© RTS 

 
 

DIE WERTUNG - SEMIFINALE 1 + 2

 

Scoreboard 95© ECG e. V.

Semi 2 Wertung© ECG e. V.


         


 

AUS DER PRESSE

 

No Angels: Sturzflug in die Hölle 

Von Stefan Küper, Westdeutsche Zeitung 26.05.2008  

 

Bitterer geht’s kaum: Deutschland landet zum zweiten Mal binnen vier Jahren auf dem letzten Platz. Der russische Popsänger Dima Bilan schnulzte sich zum Sieg. 

Vor acht Jahren kamen Lucy, Sandy, Nadja und Jessica aus dem Nichts: Die No Angels waren die Pop-Sensation des Jahres 2000, gewannen die Casting-Show „Popstars“, landeten Chart-Erfolge im In-und Ausland. Gut möglich, dass ihre Karriere in Belgrad kurz nach ihrer Wiedervereinigung wieder beendet wurde. Mickrige 14 Punkte (...) bedeuteten den letzten Platz (...) So eine Demütigung muss man erstmal verdauen.

Immerhin erwies sich das Quartett als fairer und mutiger Verlierer: Zur After-Show-Party kamen die vier trotz der Enttäuschung, und in der Live-Schaltung nach Deutschland lobten sie sogar die tolle Stimmung in Belgrad. Aber ein Blick in ihre versteinerten Mienen sprach Bände, und Lucy versuchte auch gar nicht erst, etwas schönzureden: „Das Ergebnis ist sehr, sehr schockierend für uns.“

Hand aufs Herz: Niemand hatte wirklich erwartet, dass sie ihr Song „Disappear“ zum Sieg tragen würde. Das eher balladesk angehauchte Lied taugt einfach nicht für eine mitreißende Bühnenshow, und Ohrwurm-Charakter kann man ihm auch nur schwer attestieren. Aber der letzte Platz? Den hätte man eher anderen schrägen Teilnehmern gegönnt: zum Beispiel der albernen Truppe aus Lettland, die ihren Piraten-Song in schlechten Kostümen       schwankend zum Besten gab. Ergebnis: Platz elf. Eher zum Gruseln war auch der Auftritt der Schwedin Charlotte Perrelli – weniger wegen ihres Titels, als wegen ihres maskenhaften Gesichtsausdrucks, der auf den exzessiven Einsatz des Skalpells beim Schönheitschirurgen schließen ließ.

Dass am Ende wieder fast ausschließlich osteuropäische Staaten in der oberen Hälfte auftauchten, überrascht niemanden mehr. Die gegenseitigen Liebesbeweise dort sind wir ja schon gewöhnt. Ganz unverdient war der Sieg des Russen Dima Bilan aber nicht. Sein Schmuse-Pop-Song „Believe“       ging leicht ins Ohr und wurde professionell auf die Bühne gebracht. Begleitet wurde er von einem Geiger auf einer Stradivari, und derjenige, der auf Schlitzschuhen wilde Pirouetten um ihn herum drehte, war kein geringerer als Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Pluschenko. Der Sänger selbst betrat mit nackter Brust unter dem offenen Hemd die Bühne und dürfte so insbesondere bei vielen Frauen zum Favoriten aufgestiegen sein. Regierungschef Wladimir Putin ließ es sich natürlich nicht nehmen, den Sieg gleich anschließend in einen „Triumph für ganz Russland“ umzudeuten. In diesem Stil wird er sicher auch dafür sorgen, dass das Finale nächstes Jahr in Moskau zu einer gigantischen Show wird. Ob wir das allerdings noch mal live erleben, ist noch nicht sicher. Bei der ARD gibt es nach den mehrfachen Blamagen in den vergangenen Jahren angeblich Überlegungen, den Sendeplatz mit volkstümlichen Angeboten zu füllen.

Russischer Siegeswille 

Dima Bilan lässt beim Eurovision Song Contest die Konkurrenten souverän hinter sich 

Von Hans-Hermann Kotte, Frankfurter Rundschau 26.05.2008 

 

In seinem Lied singt er von einer Aufstiegsmission: Mission to keep climbing. Die hatte der russische Popstar Dima Bilan am Ende ganz zweifellos erfüllt: Er gewann den Eurovision Song Contest souverän mit 272 Punkten. In der Arena von Belgrad hielt er die Heimatflagge in die Kameras und umarmte seinen Bühnenpartner, den Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko. Der hatte nett lächelnd ein paar Pirouetten geliefert; der ungarische Geiger Edvin Marton wiederum hatte auf einer echten Stradivari (Baujahr 1697) wild streichend so getan, als ob er geigt. Und ganz vorn Bilan mit aufgerissenem Hemd.

Der Russe ließ sie alle hinter sich: den großartig singenden Israeli Boaz Mauda, Mor ve Ötesi, die schnörkellose Rockband aus der Türkei, den komischen Elektropop-Star Sébastien Tellier aus Frankreich. Und auch Portugals sentimentale Balladen-Königin Vânia Fernandes.

Dima Bilans Auftritt war alles andere als geschmackssicher, vor „russischem Neo-Protz“ hatte die taz gewarnt. Aber der unbedingte Siegeswille war da. Und letztlich konnten sowohl der Song „Believe“, an dem noch in der Soundwerkstatt des US-Produzenten Timbaland gebastelt worden war, als auch die stimmliche Performance überzeugen. Eine Ballade mit Geigen-Bombast und dicken Beats, ein Sänger, der sich auf dem Boden räkelt. Mehr ging nicht rein in die drei Minuten. Da standen sie nun, Bilan und Pluschenko, und mancher mochte an ein anderes Siegerduo denken, Medwedjew und Putin.

Der 26-jährige Dima Bilan ist in Russland längst ein Star. 2005, 2006 und 2007 wurde er von MTV Russia zum besten Künstler gewählt. Er nahm erstmals 2005 an einem Eurovisions-Vorentscheid teil und vertrat sein Land 2006 beim Song Contest in Athen. Mit „Never let you go“ belegte er den zweiten Platz – und schon damals war die Bühnenshow spektakulär kitschig: Einem weißen Flügel, auf dem sich Bilan räkelte, entstieg eine Ballerina. Der jetzige Sieg des Russen kam also nicht wirklich überraschend, zumal er gemeinsam mit der Griechin Kalomira und den lettischen Piraten zu den Favoriten zählte. Nun will es Bilan mit einer Weltkarriere probieren: Sein neues Album erscheint in russischer, englischer und spanischer Version.

Die No Angels, die für Deutschland antraten, können dagegen das erhoffte Comeback komplett vergessen. Die Ex-Castingband landete auf dem letzten Platz gemeinsam mit Polen und England. Null Punkte aus 40 Ländern – lediglich 12 Punkte aus Bulgarien, der Heimat von Sängerin Lucy, und zwei Punkte aus der Schweiz. Und das völlig zu Recht: Denn sie sangen so schief, wie man es selten gehört hat beim Eurovision Song Contest. Auch wenn ARD-Moderator Peter Urban gleich mehrfach betonte, dass die No Angels einen klasse Auftritt hingelegt hätten: Sie klangen erbarmungswürdig. Und ihre Choreographie war ziemlich ideenfrei, verglichen mit anderen klebten sie geradezu auf der Bühne.

Natürlich fragte die Bild am Sonntag gleich wieder: „Mag uns keiner? Oder sind wir zu blöd zum Siegen?“ Beides trifft zweifellos zu. Ersteres lässt sich nur schwer ändern, weil Deutschland nun mal wenige Freunde hat in der ganzen Welt. Zweiteres könnte ganz schnell besser werden, wenn der NDR – zuständig für die Auswahl der Künstler – endlich mal zeitgemäßen Pop und echte Stars ins Rennen schicken würde.

Immerhin: Mit wilden Verschwörungstheorien über die Punkte-Mafia Osteuropas, Nachbarschaftshilfe und Polit-Klimbim hielten sich diesmal sowohl die ARD-Leute als auch die Boulevardpresse zurück. Kein Wunder, schließlich gab es auch aus so gut wie allen Ländern Westeuropas keine Punkte für die No Angels. Schon ihr Titel war wohl nicht klug gewählt: "Disappear“.

Von Russland rundum eingewickelt 

Dima Bilan gewinnt in Belgrad haushoch den Grand Prix und lädt schon mal nach Moskau ein. 

Von Peter-Philipp Schmitt, Frankfurter Allgemeine 25.05.2008 

 

Vor lauter Bodyguards war der kleine Gewinner in der Mitte fast nicht zu sehen. So treten wohl Stars auf. Megastars, die allerdings weniger um ihre Sicherheit fürchten, als auf sich aufmerksam machen wollen. Und so versuchte der kaum zu sehende Dima Bilan wenigstens sein gläsernes Mikrofon in die Höhe zu recken – über alle Köpfe hinweg. Die Eurovisions-Trophäe, die die erste Gewinnerin des Grand Prix aus dem Jahr 1956, die Schweizerin Lys Assia, und die serbische Vorjahressiegerin Maria Serifovic in Belgrad vorgestellt hatten, wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. Es war nicht der einzige Preis, den der Russe bekommen sollte. Immerhin ist er auch – zusammen mit Jim Beanz – der Komponist und Texter seines Siegertitels „Believe“. So gab es für ihn noch einige gläserne Kleinigkeiten und goldene Statuetten. Still neben ihm saß derweil am Sonntagmorgen Jewgeni Pluschenko, eingehüllt in die Fahne seines Heimatlandes. Der Weltmeister und Olympiasieger im Eiskunstlaufen hatte zuvor, noch auf der Bühne der Beogradska Arena, seinen Triumph in Worte gefasst: „Nun habe ich noch einen Titel gewonnen – die Eurovision.“ In den vergangenen Tagen waren die Meinungen auf den Fluren des Belgrader Sava Centers heftig auseinander gegangen, dort also, wo Fans, Teilnehmer und Journalisten zusammentrafen. „Bloß nicht nächstes Jahr nach Russland“, sagten die meisten Gäste aus dem Westen. Dann, so hieß es, bleiben wohl noch mehr der sonst jährlich zum „Eurovision Song Contest“ (ESC) wiederkehrenden Besucher zu Hause. Schon in diesem Jahr waren weniger Grand-Prix-Touristen als sonst nach Belgrad gefahren. Sie wollten nicht nach Serbien reisen, spätestens nachdem sich das Kosovo für unabhängig erklärt hatte und im Februar Botschaften gebrannt hatten. Danach gab es Anfragen der EBU und etlicher Regierungen an Belgrad, auch in Berlin, und der Staatspräsident Serbiens, Boris Tadic, sah sich veranlasst, eine Garantieerklärung für die Sicherheit der ausländischen Gäste abzugeben. Trotzdem gab es zu Beginn des ESC einen Brief der Grand-Prix-Verantwortlichen, der klare Verhaltensregeln für die Tage in der serbischen Hauptstadt empfahl und zugleich Warnungen aussprach. So etwas hatte es noch nicht gegeben, doch so etwas wird es sicher auch in Russland wieder geben. Schon jetzt scheint festzustehen, dass der nächste Grand Prix in Moskau stattfinden wird – trotz einer Zeitverschiebung von zwei Stunden.

Wie erwartet, stürzten die großen Vier, die Hauptgeldgeber des ESC und gesetzten Finalisten, bis ans Ende des Feldes ab. Deutschland, Großbritannien und Polen erhielten jeweils 14 Punkte. Ohne die „Lucy-Stimmen“ – zwölf Punkte aus Bulgarien – wären die No Angels jämmerlich allein auf dem letzten Platz gelandet. Dann wären ihnen nur die zwei Punkte aus der Schweiz geblieben. (…) Weil Deutschland einmal die Höchstpunktzahl bekam, wird es nun auf Platz 23 geführt. Polen erhielt einmal zehn Punkte und damit die zweihöchste Punktzahl. Es liegt auf Rang 24, Großbritannien mit nur einmal acht Punkten ist offiziell das Schlusslicht.

Frankreich erreichte wie Schweden 47 Punkte, liegt aber hinter den Skandinaviern auf Platz 19, Spanien bekam wie Albanien 55 Punkte (auf Platz 17) und erreichte Rang 16. Wie frustriert die EBU mit der „Big 4“-Regelung inzwischen ist, wurde in Belgrad ebenfalls klar. Ein Vertreter der Union hatte am Freitag gesagt, dass über die künftige Position Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens sowie über ihre Ausnahmestellung gesprochen werden müsse.

Einige Fakten zum russischen Beitrag: Timbaland, der eigentlich Timothy Z. Mosles heißt und unter anderen schon Destinys Child, Jay-Z, Missy Elliott, Nelly Furtado, Madonna und Justin Timberlake zu ihren Erfolgen führte, war für die Produktion von Dima Bilans Siegertitel verantwortlich. Auf der Bühne neben dem Russen spielte der ungarische Starviolinist Edwin Marton auf, der vor allem als Komponist von Titeln für Weltklasse-Eisläufer wie Stéphane Lambiel und Jewgeni Pluschenko bekannt wurde. Pluschenko selbst tanzte für Bilan auf der Belgrader Bühne, sprang und drehte seine Pirouetten auf einer künstlichen Eisfläche. Insgesamt zehn Millionen Dollar soll Russland in die diesjährige Teilnahme ihres Vertreters gesteckt haben. Ob davon auch Call-Center finanziert wurden, die für den Sechsundzwanzigjährigen angerufen haben – darüber wird bestimmt spekuliert werden. Die EBU allerdings schließt das kategorisch aus.

Es zählt auch nur eines: Russland hat klar mit 272 Punkten vor der Ukraine (230 Punkte) und Griechenland (218 Punkte) gewonnen. Das Endergebnis stand schon fest, noch ehe überhaupt alle 43 Teilnehmerländer ihre Punktzahlen öffentlich bekannt gegeben hatten. Dabei hatte Bilan nur knapp im März den russischen Vorentscheid gewonnen. So knapp, dass er in Tränen ausbrach, als seine zweite ESC-Teilnahme für Russland in nur drei Jahren endlich feststand. Bilan, der als Viktor Belan geboren wurde, war 2006 in Athen von den Rockmonstern Lordi aus Finnland geschlagen worden. Mit seinem Lied „Never let you go“ kam er auf Platz zwei. Seither versucht er, den westlichen Markt zu erobern. Noch in diesem Jahr werden drei neue Alben erscheinen: ein russisches, ein englisches und ein spanisches, das von Rudy Perez produziert wurde und ein Duett mit Nelly Furtado zu bieten hat.

Russland erhielt im Schnitt mehr als sechs Punkte aus jedem Land. Sieben Mal bekam Dima Bilan zwölf Punkte – aus sechs ehemals sowjetischen Republiken und aus Israel, wo viele Russen leben. Zehn und acht Punkte gab es noch zehn Mal – aus sieben Ländern des ehemaligen Ostblocks sowie aus Zypern, Malta und Finnland. Deutschland stimmte mit sieben Punkten für Russland. Auf den ersten zehn Plätzen finden sich vier klassische Grand-Prix-Länder wieder – Griechenland, Norwegen, Türkei und Israel – und sechs Vertreter aus dem einstigen Ostblock. Hätten nur die 25 Nationen im Finale abgestimmt, die tatsächlich in der Endrunde standen, dann hätte trotzdem Russland gewonnen. (…) Zählt man nur die Stimmen aus dem Westen, dann hätte Armenien vorne gelegen. (..)

Deutschland wäre in diesen beiden Fällen auf dem letzten Platz gelandet. Dabei waren die No Angels am Samstagabend so gut wie kein einziges Mal zuvor in den Tagen in Belgrad gewesen. Jede Probe und Generalprobe war nicht optimal gelaufen. Zudem war das Quartett durch eine Virusinfektion geschwächt worden. Sängerin Jessica musste tagelang das Bett hüten. Sie stand zwar rechtzeitig wieder auf der Bühne, doch das durchaus eingängige Poplied der No Angels kam nicht an.

Nicht nur für die No Angels, auch für den Grand-Prix-Sender NDR war das Abschneiden eine bittere Lehre. Wenn man sieht, wie professionell Länder wie Russland, die Ukraine und sogar schon der Debütant Aserbaidschan an den ESC herangehen, müssen sich die Verantwortlichen eingestehen, dass man so nicht konkurrenzfähig ist. Es muss dringend etwas geändert werden. Die EBU wird wohl Konsequenzen ziehen. Ob sich Deutschland dann im nächsten Jahr noch auf eine Finalteilname in Moskau verlassen kann, ist ungewisser denn je.

Kraft von Gebetsmühlen 

Total verloren: Deutschland beim Eurovision Song Contest 

Von Hans Hoff, Süddeutsche Zeitung 26.05.2008 

 

Man muss Thomas Hermanns nicht mögen. Zu oft hat er schon mit seinem penetrant gezoomten Dauergrinsen Nichtigkeiten zur großen Angelegenheit erklärt. Trotzdem gab es in der Nacht zu Sonntag einen Moment, da war man geneigt, dem Mann sozusagen um den Hals zu fallen, weil er wie das Kind vor dem nackten Kaiser das einzig wahre Urteil fällte. „Ein Desaster“, sagte Hermanns und meinte damit das Abschneiden des deutschen Beitrags beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC). Dazu stellte er gleich noch klar, auf welchem Platz die No Angels gelandet waren: auf dem letzten.

(…) So kann man das natürlich sehen, wenn man die Party wie die ARD mitveranstaltet. Man lässt dann einfach außer Acht, dass sich bei 25 Teilnehmern auf dem 23. Platz punktgleich drei Verlierer tummeln, Deutschland, Polen und Großbritannien. Da braucht es einen Kerl wie Hermanns, der die Dinge wieder gerade rückt. Dank sei ihm.

Dass die klaren Worte nach einer über dreistündigen Trillertortur fällig wurden, kann man letztlich nur erklären aus dem Hang zum Masochismus im deutschen Fernsehgewerbe. Jedes Jahr lässt die ARD wieder Künstler aus dem reichhaltigen deutschen Angebot der Mittelmaß-Industrie erwählen, die dann losziehen, um sich mangelnde Wettbewerbsfähigkeit attestieren zu lassen. Waren es 2006 noch mehr als zehn Millionen Menschen, die sich hierzulande für den ESC interessierten, so versammelten sich 2007 nur noch 7,38 Millionen vor dem Schirm. In diesem Jahr war es noch eine Million weniger, was einen vergleichsweise mageren Marktanteil von knapp 28 Prozent bedeutete. Auf die schon während der Sendung behaupteten hundert Millionen Zuschauer im ESC-Sendegebiet konnte wohl nur hoffen, wer an die Kraft von Gebetsmühlen glaubt.

Das magere Interesse dürfte kaum jemanden verwundern, der den deutschen Beitrag kennt – erst recht niemanden, der die quietschbunte Show mit 25 Liedern und dauerhaft durch die Luft fliegenden Kameras erlitten hat und erleben durfte, dass der russische Beitrag „Believe“, interpretiert von Dima Bilan und produziert von der amerikanischen Mischpultgröße Timbaland (Madonna, Destiny’s Child), völlig zu Recht abräumte. Wobei angemerkt werden muss, dass noch das letzte Miniland am Schwarzen Meer mehr Kraft auf die Bühne brachte als die deutschen Abgesandten.

Die präsentierten sich wie eine aufgescheuchte Herde beschwipster Hausfrauen, die im Harmoniegesang meist so klangen, als wollten sie ein Garagentor imitieren. Zwei Punkte gab es dafür aus der Schweiz und zwölf aus Bulgarien, der Heimat von No-Angels-Mitglied Lucy. Die restlichen 41 Länder mit Abstimmberechtigung sahen sich nicht in der Lage, den No Angels auch nur einen Mitleidspunkt zu geben. Völlig zu Recht.

 

 


Die deutsche Vorentscheidung 2008


Nationale VE  -  "Der deutsche Vorentscheid 2008"  
Datum 6. März 2008
Ort Hamburg
Halle Deutsches Schauspielhaus
Moderation Thomas Hermanns
TV-Sender Norddeutscher Rundfunk

 

 VERTRETERINNEN FÜR DEUTSCHLAND

 

NO ANGELS
"DISAPPEAR"

 
  leon© ARD

Aller guten Dinge sind drei! Auch das schlechte Ergebnis Roger Ciceros in Helsinki schreckte den NDR nicht ab, bei dem seit 2006 angewandten Vorentscheidungsmodus zu bleiben. Zum dritten Mal traf man sich im Deutschen Schauspielhaus zu Hamburg, um den deutschen Beitrag auszuwählen. Die Moderation übernahm auch dieses Mal ESC- Experte Thomas Hermanns. Das Teilnehmerfeld  wurde von 3 auf 5 Interpreten ausgeweitet, um eine größere Bandbreite an musikalischen Stilrichtungen anzubieten. 

Es gab in diesem Jahr zwei Abstimmungsrunden, die beiden Bestplatzierten stellten sich noch einmal zur Wahl.

Nach der 1. Wertungsrunde schieden Marquess, Tommy Reeve und Cinema Bizarre aus. Das Super-Finale bestritten Caroline Fortenbacher und die No Angels. Hier setzten sich die No Angels ganz knapp mit 50,5% durch und vertraten somit Deutschland mit dem Titel "Disappear" in Belgrad, wo sie punktgleich mit Polen auf dem letzten Platz landeten.

Im Rahmenprogramm waren Roger Cicero, Ruslana (ESC 2004), Marija Šerifovic (Siegerin ESC 2007) und Charlotte Perrelli-Nilsson (Siegerin ESC 1999) zu sehen.

 

Es gab wieder prominente Paten für die Interpreten*innen:

 

marquess© ARD tommy reeve© ARD Cinema Bizarre© ARD

 Marquess

(Pate: Oliver Pocher)

 Tommy Reeve

(Patin: Kim Fisher)

 Cinema Bizarre

(Pate: Tetje Mierendorf)

 

Carolin Fortenbacher© ARD No Angels© ARD

Carolin Fortenbacher

(Patin: Katja Ebstein)

No Angels

(Pate: Marc Bator)

 

 

Finale
Startnr. Interpret*in Titel Komponisten/Autoren Superfinale
Platz
1. Marquess La histeria Christian Flep, Dominik Decker, Marco Heggen, Sascha Pierro    
2. Tommy Reeve Just One Woman Jamie Hartmann, Tommy Lee James, Lee Ryan    
3. Cinema Bizarre Forever Or Never Remee, Thomas Troelsen     
4. Carolin Fortenbacher Hinterm Ozean Peter Koobs, Pe Werner  49,5% 2.
5. No Angels Disappear Remmee, Hanne Sorvaag, Thomas Troelsen 50,5% 1.

 

 

 

No Angels

Die No Angels gingen aus der ersten Staffel der Castingshow "Popstars" hervor. DIe fünf Sängerinnen waren Nadia Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls. Ihre erste Single "Daylight In Your Eyes" wurde ein Nummer Eins Hit in Deutschland und hatte europaweit und in Brasilien Erfolg. Insgesamt verkaufte die Gruppe über fünf Millionen Platten. Sie trennte sich 2014. 

Beim ESC in Belgrad landeten sie auf dem letzten Platz, obwohl sie aus Bulgarien 12 Punkte bekommen hatte, aber die waren wohl eher für die gebürtige Bulgarin Lucy bestimmt, die in ihrer Heimat zu der Zeit Jurorin in einer Castingshow war.

 

COver© Polydor

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